Mit dem Rücken zur Wand

steht ALBA Berlin nach nur einem Spiel im Playoff-Halbfinale gegen die Telekom Baskets Bonn. Das Spiel am Pfingssonntag war zwar stimmungsmäßig ein wahres Basketballfest, doch sportlich zeigte ALBA wieder einmal, dass ihnen noch ein ganzes Stück zu einer guten Playoffmannschaft fehlt.

Dabei begann es so wunderbar. ALBA startete mit einfachstem Pick’n Roll und Bonn fand, so schien es jedenfalls, zunächst keine Antwort. Schaute man genauer hin, musste man sich jedoch über etliche verlegte leichte Aktionen in Brettnähe wundern. Irgendwann begriffen es dann auch die Refs: Bonn hatte von Paderborn gelernt. Immer feste druff. Auch die Ulmer mussten das schon spüren. Ihre vielen Fouls erarbeiteten sich die Bonner mit Leidenschaft und viel Einsatz. Kaum ein Pfiff war zu viel. Eine Mannschaft, die mit einer 10er-Rotation spielt, kann eben locker 30 Fouls und mehr wegstecken. In der Berliner Zeitung sagte Mike Koch das ja auch ganz klar, dass das überharte Spiel zur Strategie gehört:

Alba kann man nicht schlagen, wenn man sie spielen lässt”, meinte Michael Koch, “sie sollen sich jeden Punkt erarbeiten müssen, wenn es sein muss, an der Freiwurflinie.” Der Regel nach könne jeder Spieler fünf Fouls begehen, “die sollte man auch nutzen.”

Nur unsere Albatrosse wirkten unter diesem Druck flügellahm. An der Linie schwächelten sie wie leider mittlerweile gewohnt. Nimmt der Gegner mit harter Defense ALBA das Tempo und die Systeme weg, dann sieht es alles ein wenig mau aus.

Positiv ist allerdings, dass Bonn das nicht über 40 Minuten geschafft hat. Für ein ordentliches Highlighvideo (jetzt auch zum Einbetten!) reichten zwei schöne Aufholjagden und Läufe. Allerdings sieht man auch schön den völlig verkorksten letzten Angriff.


Julius Jenkins bleibt leider der einzige Albaspieler, der es schafft gegen jede Mannschaft eigene Akzente zu setzen. Bonn war da variabler. Ein Backup wie Johannes Strasser drehte auf, versenkte wichtige 3er. Mit Vince Yarbrough ist im Bonner Kader noch ein weiterer Flügel, der nicht nur defensiv, sondern auch offensiv begeistert.

Casey Jacobsen war – mal wieder – abgemeldet. In dubio pro reo schieb ich es auf die Bonner Defense und nicht auf ein Formtief. Doch ohne einen zweiten Shooter ist ALBA verdammt ausrechenbar. Eine Spitzenmannschaft, bei der man einfach den Star ein wenig nervt und sonst machen lässt und den Rest der Mannschaft mit deutlicher “no easy baskets”-Linie an die Charity Line schickt? Unter 70 %. Nadjfeji und Dojcin mit sogar nur je 50% Wurfquote von der Linie. Nein, das ist nicht die Teamleistung die ich vom großen Meisterfavoriten erwarte. Nein, ich glaube nicht, dass die Bild mit dem Fehlen von Kämpfertypen Recht hat. Die Mannschaft ist einfach schlecht eingestellt gegen überharte Defense.

McElroy wirkte zwar agiler, doch seit seiner Verletzung ist er nur ein Schatten des überragenden Alba-Spielers der Euroleague-Saison. Wright muss viel spielen und lässt sich von Rowland – einem sehr drastisch foulendem Guard – immer mal wieder provozieren. Trotz schnellem Foultrouble auf den langen Positionen konnten weder Chubb noch Sekulic (Plus/Minus von -12 in 10 Minuten Spielzeit) richtig Akzente setzen. Am Sonntag hat Bonn das Spiel bestimmt und ALBA hatte in dieser Form keine Chance. Ein weitgehend ideenloses Spiel mit einem zweiten Viertel, in dem die Albatrosse eingeschüchtert und nahezu vollständig abgemeldet waren. So gewinnt man keine Playoffspiele. 40 Minuten sollte man schon körperlich und geistig auf dem Platz anwesend sein.

Trotz allem glauben ja noch viele, dass ALBA die Serie dreht. Dafür spricht, dass man den Eindruck bekommen konnte, dass Bonn zwar oft gut auf ALBA eingestellt war, aber über weite Strecken des Spiels dennoch ein gegenseitiges Beschnuppern und Austesten der taktischen Varianten zu sehen war. Am Ende war es ja dann doch noch ein offenes Spiel. Bezeichnend leider, dass es Luka nicht einmal gelang für den letzten Angriff ein System zu organisieren. Hatte er nicht einkalkuliert, dass Boris Schmidt den Einwurf an der Grundlinie statt an der Mittellinie gab?

Baldi meckert in der BZ – mal wieder – über die Schiedsrichter:

“Die Liga sollte sich darum kümmern, dass die Spieler die Spiele entscheiden. Das wäre hilfreich.”

Gegen Paderborn zeigte dies zwar Wirkung, doch geholfen hat es ALBA nicht. Natürlich fiel mit begeisterter Fanbrille der eine oder ander Pfiff unangenehm auf. Gerade das Foul gegen Jacobsen in einer glasklaren Sprungballsituation war ärgerlich. Allerdings war die Stimmung auch sehr aufgeheizt und leidenschaftlich. Mit dem nötigen Abstand habe ich eher den Eindruck, als ob Bonn grundsätzlich schon viele Fouls gepfiffen bekam, die sie begingen. Nur war dies eben einkalkuliert. Wenn man dann die Punkte an der Freiwurflinie lässt…

Will ALBA ins Finale, muss ein Sieg in Bonn her. Am Besten schon diese Woche Mittwoch, um das Heimrecht zurückzuerobern. Für Sonntag gilt es in jeden Fall die Halle voll und laut zu machen und unserer Mannschaft den Rücken zu stärken:

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7 Gedanken zu “Mit dem Rücken zur Wand

  1. Das Spiel war schon verloren, als sich Wright ziemlich früh sein zweites Foul abholte. Damit musste Luka gezwungenermaßen Steffi bringen, der seine schlechteste Saison ever spielt und speziell in Situationen, in denen es drauf ankommt, vollkommen überfordert ist und ziellos übers Parkett irrt. Kein Wunder, dass er so wenig in dieser Saison und erst recht gegen Paderborn gespielt hat. Und wenn wie Sonntag Wright auch mal so gar nichts trifft, zeigt das, wo unsere größte Schwäche dieses Jahr liegt.

    Wir bräuchten da noch nen Quoten-Deutschen, der am besten noch Basketball spielen kann. ^^

    Ich frage mich auch, warum Luka nicht die Tage vor dem Spiel hat Dreier trainieren lassen, die Quote hat uns auch diesmal das Genick gebrochen. Von den Freiwürfe gar nicht zu reden, dass war schon die ganze Saison ein Manko. Es wäre aber auch zu einfach zu sagen, dass die Bonner einfach nur tierisch gut getroffen haben. Nachdem wir immer wieder rangekommen sind, fehlte der Wille weiter konzentriert zu spielen. Die Bonner waren am Sonntag einfach mal zu abgezockt für uns.

    Das Schiri-Bashing ist auch wiedermal tierisch übertrieben. Man konnte durchaus einige Situationen anders sehen als Boris, doch durch seine konsequente Linie,
    weiß jeder Spieler von Anfang an, was gepfiffen wird und was nicht. Da möchte Baldi wieder von den Fehlern der eigenen Mannschaft ablenken.

    Mal schaun, was es der Mittwoch bringt. Hoffentlich das erste Spiel der Albatrosse in Playoff-Form.

  2. Generell tendiere ich auch dazu, dass die 1 diese Saison unsere größte Schwäche ist. Zumal man letztes Jahr so ein Glück mit der Entwicklung von Bobby Brown hatte. Aber dieser Kader sollte sowas eigentlich abfangen können. Wir haben so viele potentielle Scorer im Team, da muss sich doch, neben Jenkins, jemand finden lassen der zusätzlich dem Spiel seinen Stempel aufdrückt.
    Zumal ich nicht finde das ALBA offensiv einfallslos wirkt. Die 3er die geworfen werden, sind oft schön herausgespielt, nur komischerweise trifft außer Jenkins keiner die freien, herausgespielten 3er wie in der Regular Season. Das nicht jeder gut von draußen trifft passiert, aber gleich alle? Casey, Sesay, Wright und IMac schießen die Lampen aus. Wenn da nur mal einer seine Normalform hätte.
    Ich hoffe auf den Turnaround am Mittwoch, Samstag könnte es schon fast zu spät dafür sein.

  3. Kommt ganz drauf an, wie sie sich am Mittwoch schlagen. Sollten sie sich genau wie in der Hauptrunde mit 80:66 abschlachten lassen, dann sehe ich ziemlich schwarz.

    Bei einer ordentlichen Leistung wäre auch eine Niederlage drin, wenn man sich das Selbstbewußtsein endlich wieder zurückholt. Eine zweite Niederlage in Berlin sehe ich nämlich (noch) nicht.

    Aber wir hoffen natürlich alle das Beste für morgen.

  4. Hätte Luka nicht in den letzten Wochen Hamann bewusst ignoriert, dann würde Hamann jetzt garantiert bessere Leistungen zeigen. Er hat keinen Ryhtmus und es fehlt mittlerweile die Spielpraxis und das Spielverständnis. Zum Glück trainiert Luka nicht Brose, uns langt schon zum teilweisen Unverständnis betreffs Trainerentscheidungen Fleming.

  5. hmm, aber bonn reicht doch auch ein sieg in berlin um weiterzukommen… ?!? Weil du von einem zweiten verlorenem spiel in berlin redest… *nix blick*

  6. @poldibaer
    Naja, Steffi hatte seine Zeit als Rashad verletzt war. Hat er seine Chance genutzt?
    Klares Nein. Kann sein, dass er mit Luka ein paar persönliche Differenzen hat, aber er hatte während der Saison die Möglichkeit zu zeigen, dass er gewillt und in der Lage ist, mehr Spielzeit zu bekommen.
    Das war im letzten Jahr mit Zwiener auch nicht anders, der hat speziell in den Playoffs gezeigt, dass er was drauf hat und dies auch gezeigt.

    @Didi
    Ich gehe nicht(!) davon aus, dass Bonn noch einmal in Berlin gewinnt. Aus diesem Grund ist eine Niederlage morgen kein vollkommener Untergang. Solange man dann wenigstens Spiel 4 gewinnt. :)

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