Ein Monat Ligaalltag, eine Woche Niederlagen, eine Krise?

Es ist kaum einen Monat her, dass die Saison begonnen hat. Ulm ist Tabellenführer, Oldenburg Vize und Gießen das Schlusslicht. Alles in etwa wie erwartet, könnte man meinen. Die frühe Pole-Position für Bayreuth und Ludwigsburg ist überholt. Die Dickschiffe des Basketballs bringen sich allmählich in Position. Ja selbst die anfangs so belächelten Bayern haben es nun geschafft, mit vier Siegen aus zwei Spielen in sicherem Fahrwasser zu landen.

Nur hinsichtlich unserer Berliner ist kaum 10 Tage nach der letzten Euphoriewelle schon wieder die Herbstdepression ausgebrochen. Peterzwei schrieb hier von Rückfall und Lethargie wie unter Herbert und sieht gar ein Viertelfinalaus drohen. Man muss das nicht teilen, doch wenn man nach einem Monat auf Tabellenplatz 10 dümpelt, sind diese scharfen Töne wohl gerechtfertigt. Es ist aber – das mag manchen Leser erstaunen – übrigens gerade keine Populismus, wenn man eine subjektive Meinung äußert, die sicherlich in dieser Schärfe nicht mehrheitsfähig ist. Ihr widersprecht doch…

Es ist auch müßig, zu analysieren, warum ALBA mit der Doppelbelastung kämpft, nicht trifft, schlecht rebounded und im Ergebnis die Spiele gegen Ulm, Gdynia und Ludwigsburg (ja, es sind nur drei) verloren hat. Wenn man mit dem Anspruch, aus eigener Kraft das Halbfinale zu erreichen, antritt, dann heißt der erste Schritt: Playoffplatz. Und hierfür ist eine positive Bilanz erforderlich. Diese haben wir nicht.

Natürlich kann man es auf die böse Doppelbelastung durch den Europapokal – die bislang nur Bamberg auch hat – schieben. Doch das Argument trügt, denn schaut man auf die Zahl der Spiele, ist ALBA um den einen oder anderen Doppelspieltag in der Liga herumgekommen. Mehr Pflichtspiele als Oldenburg haben wir auch nicht gehabt. Man kann es – ganz profan – auf Yassins Verletzung schieben. Doch mittlerweile ist er zurück auf dem Feld.

Die Presse schien einmütig: ALBA kämpft gegen die Müdigkeit (mopo), Kraftlos (tsp)…  Doch die Berliner Zeitung beginnt ihren neuesten Artikel gleich mit dem bösen K-Wort, lässt jedoch gleichzeitig versichern, dass von einer Krise ja niemand reden wolle.

Natürlich, drei Niederlagen in einer Woche sind eine Momentaufnahme. Die vier Siege in 10 Tagen zuvor jedoch auch nicht mehr als eine solche. Die neue Mannschaft spielt wie eine launische Diva, teils mit atemberaubender Schönheit und tollen Quoten, teils ohne Biss und Konsequenz. Dass diese Saison nicht einfach werden würde, war – vor den ersten Euroleague-Siegen – ja eigentlich allen klar. Der Kader nicht spektakulär, bei allen Deutschen-Deals der Offseason gescheitert. Eine Niederlage bei Saisoneröffnung gegen den MBC, in der sich unter anderem eine Schwäche zeigte, die auch heute aufflackert: eine schlechte Defense am Perimeter. Dazu kommt freilich, dass ALBA mit mageren 28,6 % die drittschlechteste 3er-Quote der Liga hat. In den beiden gewonnen Euroleague-Spielen lag sie demgegenüber jeweils über 40 %.

Aber wann haben wir denn nun eine Krise? Am Donnerstag, wenn es in Malaga die vierte Niederlage in Folge geben sollte? Oder erst dann, falls man noch in Trier verliert und damit in der Liga ein negatives Punktekonto hat? Momentan kann ich mir die Tabelle damit schönreden, dass der Tabellenzweite Oldenburg die gleiche Zahl an Niederlagen hat und ALBA einfach ein paar Pflichtsiege fehlen… mit Trier, dem MBC und Frankfurt als nächsten Gegnern in der Liga, sollte das ja nicht schwer werden, oder etwa doch?

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6 Gedanken zu “Ein Monat Ligaalltag, eine Woche Niederlagen, eine Krise?

  1. Crisis, what crisis!

    Das Team gewinnt als Team und verliert als Team.
    Wenn es im Team läuft, dann ist es ein einfacher Arbeitsplatz als Trainer und Spieler, die Herzen der Fans und des Arbeitgebers sind einem sicher.
    Läuft es nicht, dann bricht zunächst das Fanherz und dann dasjenige des Teamchefs.
    Bis hierhin alles im normalen Bereich.

    Aber auch diese Saison gilt:
    Die Saison wird weder in den ersten drei noch in den anschließenden drei Spielen entscheiden.
    Und das gilt dann auch für die kommenden Partien gegen große Namen und kleine Lichter.
    Derzeit dürften weniger die Tagesergebnisse zählen, da ist man im derzeit wichtigen Wettbewerb (EL) eh im Soll, sondern es gilt das Teambuilding zu verbessern.

    Alba hat diese Saison immer dann gewonnen, wenn alle (!) zum Teamerfolg beitragen konnten.
    Spielen nicht “alle” dasselbe Spiel zur selben Zeit dann kippt das Spiel zugunsten des Gegners.

    Es ist Aufgabe des Trainers zu verhindern, dass sich das Team wie zu seligen Jenkinszeiten nur darauf verlässt, dass wenigstens einer – derzeit Thompson und mit Abstrichen Wood (seine Punkte kamen erst dann, wenn das Spiel kippte) – konstant trifft.

    Ob das nun sofort oder erst in weiteren zehn Tagen passiert, sollte aus Fanerfahrung heraus fast zweitrangig sein.

    Just my 2 cents.

  2. Also ich muss sagen, dass mir euer Team gut gefällt. Hab zwar erst 3 Spiele gesehen, aber für mich als Aussenstehenden wirkt das Team homogen und klug zusammen gestellt. Meiner Ansicht nach das beste Alba-Team in den letzten jahren. Vielleicht sind sie noch nicht gut eingespielt, vielleicht schadet zu Siasonbeginn die Doppelbelastung, aber am Ende sehe ich Alba um die Meisterschaft mitspielen….

  3. Daß Alba momentan eine Schwächephase (um nicht das K-Wort zu benutzen) durchmacht, ist offensichtlich. Aber woran liegt es? Es steht und fällt gerade alles mit der Dreierquote. Nicht nur, weil die Punkte von aussen fehlen, nein, es wird auch deutlich schwerer, unterm Brett zu punkten. Wie die von gruebler genannten Beispiele zeigen, ist das Team ja nicht grundsätzlich unfähig, auch von aussen hochprozentig zu treffen, bloß aktuell treffen sie aus ‘nem Boot das Meer nicht. Und zwar kollektiv! Wenn ich wüsste, woran es liegt, würde ich es sagen ;-).

    • Die einfache Antwort wäre wohl auf das saubere Ausführen von Systemen zu verweisen. Das ist eine Frage von Fokus und Training.

      Gleichzeitig haben manche Spieler einfach nicht den großartigen Wurf, sondern andere Qualitaeten. Ein Team, das im Schnitt 40% wirft, werden wir dieses Jahr wohl eher nicht sehen.

    • Na hoffentlich auch nicht eines, daß im Schnitt 25 % Dreier wirft. Das mit der sauberen Ausführung der Systeme würde ich nicht so sehen. Die Dreier waren gegen Ulm und in Polen nicht schlechter herausgespielt als gegen Siena oder Chalon, bloß getroffen wurden sie nicht. Glück und Pech wären mir als Erklärung allerdings auch zu einfach. Auf den Flügelpositionen (Dedovic, Morley, Schultze) fehlt es wohl in der Tat an der Konstanz.

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