Ohne Druck

Unicaja ist eine der wenigen spanischen Sparkassen, die sich bislang zwar humpelnd, aber wenigstens lebend durch die spanische Wirtschaftskrise schleppt (etliche hundert Millionen Euro an staatlichen Finanzspritzen schließt das nicht aus). Ihr Präsident Braulio Medel betont trotz alledem noch immer die soziale Verantwortung der Sparkassen. Die schloss bei Unicaja neben der sehr großzügigen Vergabe von Baukrediten auch die die Millionen-Förderung eines Basketball-Klubs von europäischem Rang ein. Den Verein, bei dem Alba Berlin am Donnerstag verlieren wird, wenn alles den Gang des Natürlichen geht.

Unicaja, mit einer A-Lizenz ausgestattet, hat in den vergangenen Spielzeiten in der Euroleague und in Spanien eher enttäuscht. Deswegen hat wurde im Sommer die Schatulle noch einmal ganz weit geöffnet. Mit Jasmin Repesa (51) kam ein Coach, der in seiner 25-jährigen Trainerkarriere zwar noch nicht die ganz großen Erfolge erzielt hat, aber mit sieben nationalen Titeln (vier Kroatien, zwei Türkei, einer Italien) zu den begehrteren in Europa gehört. Billig ist schon er nicht.

Die soziale Verpflichtung der Sparkasse hat es Repesa möglich gemacht, für eine große handvoll Euro einen auch für europäische fast erstklassigen Kader zusammenzustellen. Den Namen nach ist es sogar ein Kader ohne echte Schwächen. Nur gut, dass Namen nicht immer Basketball spielen.

Die Guardposition ist mit Earl Calloway und Marcus Williams spektakulär besetzt. Williams hat vier Jahre NBA gespielt, drei davon ganz ordentlich, in seinem ersten bei New Jersey dacht man sogar, es könne mal ein solider Bankspieler aus ihm werden. Dazu war er dann doch zu unkonstant. 2010 wechselte er, na ja, nach Basketball-Europa. Für ganz viele Rubel spielte er in Krasnoyarsk und Kazan. Dann für Renminbi in China. Ein Spieler, zwischen Genie und Wahnsinn schwebt. Mal schießt er eine Mannschaft ganz alleine ab, mal wirft er einen Ball nach dem anderen Weg. Draftexpress nannten ihn in seinen jungen Jahren den turnover-anfälligsten Spieler der Liga. Er kann das immer noch. Auch das manchmal lustlose Schlendern in der Defensive war am vergangenen Wochenende beim Sieg in der spanischen Liga schön zu sehen. Die letzten Spiele zeigte er aber insgesamt seine bessere Seite. Er ist wesentlich verantwortlich dafür, dass Malaga vergangene Woche Siena in der Nachspielzeit besiegt hat und nun gleichauf mit Alba liegt. Und zwar nicht nur durch teils ungewohnte Wurfstärke, auch als hervorragender Passgeber hat er sich zuletzt ausgezeichnet.

Der 1,91 große Scheinbulgare Earl Calloway musste den mühsameren Weg nach oben nehmen. Er brauchte schon zwei Jahre, bis er sich von einem C-College in die Oberklasse der NCAA nach Indiana gespielt hat. Dann ein Jahr NBA-D-League, wo er zu den Spielern gehörten, die sich von der Bank hinten aufs Feld gespielt haben. Über Zagreb und Sevilla ist er nun nach Malaga gekommen. Und bis jetzt ist er immer besser geworden. Ein Spieler mit Hirn, der sehr gut werfen kann und ganz wie bei Alba Wood und Avdalovic oft zusammen mit seinem Spielmacherkollegen Williams auf dem Feld steht.

Die effektivste Neuerwerbung der Malgueños ist für mich der Kroate Krunsolav Simon, ein Spieler, den man sich vor dieser Saison bei Alba auch sehr gut hätte vorstellen können. Matej Mamic in kleiner und leichter. Ein Shooting-Guard, der durchschnittlich wirft, überdurchschnittlich zieht, extrem gut verteidigt und noch beißt, wenn et atemlos am Boden liegt. Einer der nie aufgibt und die Mannschaft mitreißen kann. Mit 27 Jahren spielt er nun erstmals außerhalb von Kroatien. In Malaga, leider. Bislang übrigens recht erfolgreich.

Die drei sind für mich die Schlüsselspieler bei Malaga. Die Handvoll spanischer und balkanesischer Nationalspieler wollen wir im Detail mal aus Zeitgründen nur umreißen: Fran Vazquez, NBA-Verweigerer, einst an Nummer 12 von Orlando gedrafted und nach einem Jahr in Girona und sechs Jahren Barcelona wieder in Malaga gelandet. Groß lange Arme und spektakulär, neigt unter Druck aber zum Verschwinden. James Gist, extrem athletischer Powerforward aus der Familie derer, die bei Partizan Belgrad ein Jahr erfolgreich spielen, um dann für sehr viel mehr Geld bei stärkeren Mannschaften eher unterzugehen (hier: Ülker Istanbul). Der serbische 2,18-Center Kosta Perovic, der seit 2010 seine Form sucht (und sie bislang irrtümlicherweise nun in Malaga vermutet). Der kroatische Center Luka Zoric, 2004/2005 für ein Jahr in Braunschweig, danach auf Odyssee durch Ex-Jugoslawien, seit 2011 pro Spiel in Malaga für zehn Punkte gut. Das vor fünf Jahren mit 16 Lenzen nach Malaga transferierte Talent Augusto Cesar Lima – alles nichts zum Erschrecken, aber eine Nummer größer als Berlin.

Es gibt wenig, was auf einen Sieg Hoffnung macht. Alba ist in sehr schlechter Verfassung, Unicaja war zwar trotz der großen Namen in den ersten Spielen übel, hat sich aber gefangen. Malaga hat auch eine der besser besuchten spanischen Arenen mit in aller Regel sehr treuen Fans. Aber vielleicht ist es ja auch genau das, was uns helfen kann: Nach Siena ist es das zweite Spiel, das wir nicht gewinnen müssen. Vielleicht geht’s ja ohne Druck. In Italien ging’s ja auch.

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2 Gedanken zu „Ohne Druck

  1. Die Schwäche von Malaga liegt eher in der Zusammensetzung des Kaders. Bisher hat Repesa noch keine Big-Men-Rotation gefunden, die so recht funktioniert. Mit Perovic, Vazquez, Lima und Zoric hat man 4 Center im Kader, aber mit Gist (um dessen Spielintelligenz es nicht übermäßig rosig bestellt ist) nur einen echten PF. Vazquez hat da mMn als Power Forward bislang nicht besonders stark ausgesehen. Es sind vor allem die starken Auftritte von Williams und Calloway, die das Team tragen.

    • Wobei Fran Vazquez in der Vergangenheit oft Powerforward gespielt hat (Bei Girona und Barcelona). Lima, mit 2,06 auch nicht der größte, wird grade auf PF umgeschult. Center sollen vor allem Perovic und Zoric sein – vor allem Perovic spielt aber bislang so schlecht, das der Plan noch nicht aufgegangen ist. Aber wie ich schon schrub: Die drei Kleinen oben gut festhalten, dann kann auch mit den Großen nicht so viel passieren.

      Die letzten Spiele war der 2/3 Dragic übrigens wohl sehr gut. Den kenn ich aber überhaupt nicht. Keine Ahnung ob das Absicht oder Zufall ist.

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