A night under the Garden’s roof.

Man sollte – auch wenn man sehr spät dran ist – bei einem WNBA Spiel der New York Liberty nicht einfach Karten von Typen kaufen, die einen in der Schlange ansprechen, um noch während des ersten Viertels in die Halle zu kommen. Auch wenn man in ähnlicher Situation mal riesiges Glück hatte. Kassen sind verdammt langsam und New Yorker tendentiell eher unpünktlich. O.k. finanziell kein großer Verlust. 10 Dollar, dafür bekomme ich in der Mittagspause grad so was zu essen. Aber Gelandet bin ich in Section 424 des Madison Square Gardens. Ja, heute in den WNBA Playoffs, im entscheidenden Spiel drei der East Conference Semis war sogar der Oberring geöffnet.

Als einzige Team mit Heimrecht taten sich die Liberty in dieser Serie schwer, mussten ins dritte Spiel. Als ich fünf Minuten nach Spielbeginn meinen Platz in der ersten Reihe unter dem Dach erreichte, lagen die New Yorkerinnen gegen Indiana Fever bereits zurück. Naja, dann kann ich auch gleich mit dem Laptop auf den Knien Pseudo-Livebloggen. Pässe ins Nichts, schlechte Wurfauswahl. Irgendwie scheint mir heute kein guter Tag für meine Teams zu sein. Cappie Pondexter und Kia Vaughn stemmten sich nach Kräften dagegen, aber die Mädels aus Indiana scheinen die Nemesis der Liberty zu sein. Jetzt, kurz vor dem Ende des ersten Viertels verkürzt Liberty zum 21:26 und verteidigt dann doch mal den letzten Angriff. Aber wird es noch was? Das Publikum geht jedenfalls mit und – das ist das Schöne an Plätzen unter dem Dach – man bekommt mal nen Eindruck davon, wie eine Arena lebt.

Viertelshow.

Die Liberty Torch Patrol. Es ist die dritte Tanztruppe, die ich hier erlebe. Nach den Lil Torches und den Seniors (Timeless Torches, hier eine Doku über die Auditions) nun ein Akrobatik-Team zu Metal, das ziemlich Rockt und Maddie, das twitternde Maskottchen (vielleicht eine Partnerin für Bonni?) mittendrin. Ein älteres Video:

Essence Carson macht einen schnellen Jumpshot und nach einem Sprungball gleicht Leilani Mitchell zum 26:26 aus. Das zweite Viertel könnte nicht besser beginnen. Der Garden tobt und die Cowbells werden rausgeholt. More Cowbells! Wenn einen am Madison Square Garden, dieser alten, schon leicht faltigen und zerlebten und zerliebten Dame der Großarenen eines begeistern kann, dann ist es die Akustik. Egal wo man sitzt, auch wenige Fans machen einen Heidenlärm, lauter als die omnipräsente Beschallung. Das, was ich in der o2 world immer mal wieder vermisse. Team und Fans beflügeln sich. Es wird ein intensives, offenes Spiel. Liberty ist wach. Und mit einem 3er mit Foul bringt Cappie Pondexter die 32:28 Führung. Auch dank vieler kleiner Calls gelingt es den Mädels in Weiß lange nicht, sich abzusetzen. Doch wofür hat man Cappie, 38:34, und Carson im Nachfassen eines Cappie-Korblegers zum 40:34. Nickligkeiten, wohin das Auge blickt. Intensive Defense, Fouls, Freiwürfe Pondexter: Punkte 18 und 19. Wir schreiben die 17te Spielminute, die Halle fordert: MVP, MVP. Aber Douglas und Catchings lassen uns nicht wegkommen und verteidigen gut.

Auszeit – eine von vielen.

Schwenk auf die männliche Heimmannschaft. Das Knicks-Aufgebot heute ist beeindruckend. Vermutlich besser als unsere deutsche Starting-Five. Danilo Gallinari, Anthony Randolf, Ronny Turiaf, Toney Douglas, Wilson Chandler, Patrick Ewing JR…

46:41, nächste Auszeit. Bongo-Cam. Es ist so einfach und die ganze Halle macht mit: Ein paar Bongos unten auf den Würfel blenden und die Fans hinterlegen. Doof rumsitzen gilt nicht. Überhaupt: Ruht der Ball, regieren auf dem Würfel die Fans. Langweilig ist das nicht. 5 Seconds of Fame… und wenn ne Kamera auf dich gerichtet ist und die Animateurin brüllt, dann machst’e gefälligst mit! Schließlich ist der Fan Teil der Show.

41 Sekunden vor dem Ende bringt sich Fever dann mit Freiwürfen wieder in Führung. 46:47. Halbzeit. Zeit für oversized and overpriced light beer und ne versalzenes Hotdog. Da lobe ich mir das Catering der o2 world.

Halbzeit

Wenn ich heute schon Sport über den Würfel schaue, dann fällt auf, wie viel intensiver dieser hier bespielt wird. Klar, auch viel Werbung, aber immer wieder Einspieler mit den Spielerrinnen. Cappie die zum „Cap, Cap, Clap your hands“ auffordert. Die halbe Mannschaft, die für gesunde Ernährung (Milch, Yoghurt und so was) wirbt. In der Halbzeit gibt’s Maddie and the Dunkyard Dogs. Dunkingshow im… Liberty-Trikot samt Maskottchenbeteiligung. Natürlich komplett mit dem Würfel und den Leuchtbändern untermalt. Nein, keine dauerblinkende Werbung für das nächste Heino-Konzert, die vom Spiel ablenkt oder ein o8/15 Replay der letzten Aktion, sondern alles im Konzept, alles Teil der Marke. Vom Plastikbecher für das Bier bis zur Halbzeitwerbung. Hier ein älterer Pausenfüller:

und was von letzter Woche:

Amerika mag das Land der Servicekultur sein, aber nicht unbedingt des Tempos (außer wenn sie Mittags den Tisch frei bekommen wollen und den halbvollen Teller gegen die Rechnung tauschen) gut vier Minuten  in der zweiten Halbzeit bin ich zurück unterm Dach. 50:57 für Fever.  Erste Auszeit der zweiten Hälfte. Liberty führt grad vor, wie man es nicht macht. Wilde Würfe, körperliches Missmatch gegen Leilani. Doch dann rollt’s: Essence Carson trifft den 3er, Steal Mitchell, Fastbreak abgeschlossen von Carson, 57:59.

Make some Noise

Nächste Auszeit. Bang on the Drums. Wieder wir Fans. Davor durften 9jährige Hallensprecher spielen und einmal die Fans anheizen. Großartig. Wär doch was für den Braunschweiger Signature Chant „Jetzt wird’s laut.“. Kreativer ist es hier auch nicht: „Make some noise“.

Noise macht die Halle auch, als hier C. Vivian Stringer, Rutgers’ Head Coach vorgestellt wird. Oldschoolballer schrieb im March über’s College. College-Begeisterung IST Amerika. Ich bin ja sehr dafür, dass wir unser Nachwuchsprobem über ne Uni-Liga lösen.

59:65 für Fever in der 28sten, Katie Douglas hat mittlerweile 24 Punkte und Liberty hält vorne den Ball nicht fest und schafft die Transition nicht ohne Foul. Das Spiel fühlt sich so schal an wie das Budweiser mit Strohhalm. Bislang lässt sich das Spiel auf Douglas gegen Pondexter runterbrechen. Mit 63:66 aus Heimsicht geht es ins entscheidende dDritte Viertel.

Vorher dürfen wir aber Karaoke machen. Der Fansong läuft, der Text wird – wie bei der Nationalhymne – eingeblendet so dass man eben mitmacht. Ach so, präsentiert von Duane Reade.

Zeit für das Spiel

JETZT, kurz vor dem entscheidenden Viertel kommt das entscheidende Video auf dem Würfel:

This is our house, this is our Time, we neeed you… make some noise.

Deutsche Clubs sind da weiter. Es gibt den Trailer nicht auf youtube. Der Garden ist online so retro wie innen. Man muss schon dabei gewesen sein: Nur die Spielerinnen und Musik im Video. Jetzt kocht die Halle, Hardrock aus den Boxen. Es ist – für deutsche Verhältnisse – unvorstellbar. Man erwartet faktisch das Feuerwerk in jedem Moment, spürt die Gitarren. Es ist das Signal: Nach drei Vierteln Ankommen und Essen ist jetzt Zeit für das Spiel.

Zumindest wenn es nach der geplanten Entertainment-Choreo geht.  155 Sekunden keine Punkte stand da nicht im Drehbuch. Wenigstens scorte dann Cappie für 2. Individuell 25 Punkte. Als Mannschaft kurz später weiter drei zurück. Aber Leilani hat es gehört. Ense-Sense-like säbelt sie der penetrant nervenden 41 der Fever den Ellbogen in Richtung Gesicht, kassiert ihr drittes persönliches und die Mannschaft ist wach.

Officials-(aka TV)-Time-Out. Ein Highlight des Abends. Der Dance-Contest.  Menschen auf dem Würfel im Tanz-Wettstreit. Nach dem Spiel werden sich Fans mit dem Sieger fotografieren lassen. Kurz eingeschoben die Vorstellung von Sue Wicks als Liberty Legend.

Crunch Time

Wir sind jetzt kurz vor dem, was man Crunch Time nennt. Knapp fünfeinhalb Minuten auf der Uhr, drei Punkte zurück. Jeder Stop ist Gold wert. Wenn wir nur abschließen würden. Die heute – nach vielen guten Spielen – eher unscheinbare Nicole Powell endlich zum 69:70. Aber die Defense steht, wenn nur die Refs das auch so sehen würden. Der Block war doch all ball. 69:72, Kia verkürzt zum 71:72, Steal Leilani. Der Garden wächst über sich hinaus. Auszeit. Die Regie ist so irritiert, dass es nur zu ein wenig T-Shirt-Kanone und Dance-Team reicht. Aber die Crowd lechzt nach Shirts. Der Unterschied zu Berlin? Das Danceteam tanzt in der Mitte und die Kanone mach draußen Krams, auf dem Würfel kommen auch irgendwann per Smartphone gesendete Fanpics. Am Ende der Auszeit dann noch schnell das Gewinner-Kind mit der Moderation und im vierten Song sind wir auch schon. Hier gilt: Viel hilft viel. Nur ein Reiz wäre doch echt zu wenig.  Ich kann doch schließlich auch Ball schauen und gleichzeitig schreiben….

Nur auf dem Feld, da will meinen Mädels grad nix gelingen. 2:19 und noch einen Punkt zurück. Pondexter von Douglas abgemeldet. Doch ein Sprungball! Ja, den gibt’s in der WNBA noch, kein doofer possession arrow. Wir holen ihn, Cappie wird geblockt. No call… Amerikanische Refs mögen New York ganz offensichtlich nicht. Ist eben die komische Insel vor der Ostküste, not real America. Die erste Mama Grizzly traf ich gestern, nach gut 10 Wochen.

90 Seconds. Wir im Angriff. Cappie trifft. Zählt nicht. Abgepfiffen. Sagte ich schon was über die Refs? Beim zweiten Versuch können selbst die Refs es nicht mehr verhinden. Wir führen 73:72. And One! Cappie bei 27p, 4a, 38 Minuten. Der Freiwurf wird verwandelt. Noch 1:10 auf der Uhr. Der Garden steht. Was ist Freak City dagegen? Doch die Landeier gleichen aus und wir haben ein weiteres Timeout. 60-Seconds-Timeout – ich hab bis heute die Unterschiede nicht begriffen. Ramones auf den Ohren, Butches auf dem Würfel, dann Frank Sinatra: „It’s up to You! New York! New York!“

Das geht in’s Herz, wir stehen wieder und wie wir stehen. Da braucht es keinen Würfel mehr.

Cappie scort aus unmöglicher Perspektive. Wir führen… Timeout Indiana. Keine Show. Nur noch Maddie, die ein Hey hochhält und tausende Brüllen. Nun doch irgendein Rapper auf dem Würfel, der allein zum Kreischen führt. Defense. Rebound. Ballbesitz. Nächstes Timeout. 20-Secs. Gitarren und Klatschgeräte. Selbstgemalte Schilder „We believe in LIBERTY!“. Wie wahr. Und da sage noch jemand, es gebe hier keine Fankultur. Doch es gibt sie. Sie ist nur anders. We will rock you. Niemand sitzt – außer mir mit dem Laptop – im weiten Rund. Der Einwurf scheitert. 5 Second Violation. Ab in die nächste 24-Sekunden-Auszeit.

Liberty verteidigt gut. Douglas begeht das fünfte Foul als Frustfoul nach Ballverlust. Raus. Schadenfreude gibt’s hier aber auch. Nur das „Time to say good-bye“ fehlt. Noch 9.7 auf der Uhr. Thomas trifft den ersten Freiwurf, drei vor, macht nen halben Pesic beim zweiten. Der letzte Wurf der Fever geht vorbei. Wir sind in den Conference Finals. Der Garden tobt beim Weiterkommen und leer sich heute nicht rapide. Cappie spricht. Locker noch 5000 rufen MVP. Cappie erklärt New York ihre Liebe. Mein New Yorker WNBA-Erlebnis geht weiter. Sonntag um sieben. Hier im Garden gegen Atlanta Dream.

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8 Gedanken zu „A night under the Garden’s roof.

  1. Hmm, also das sportliche kam im Stream auch so rüber :-)
    Und auch teilweise die Stimmung. Hat Spaß gemacht zu gucken und dabei das Grottenspiel von vorher zu vergessen…

    Danke an die gruebelei für die Idee WNBA zu gucken. Jetzt muss das nur mit den Streams und der Taurasi noch klappen ;-)

    • Genau. Taurasi nach New York! Freundinnen wieder vereint. Dann gibt’s auch endlich wieder Titel im Garden ;-)

      Aber solltest du nicht schlafen, ich dachte, ich könnte die deutsche Nacht nutzen, den Artikel noch etwas zu polieren?

      PS: Sonntag gibt es bessere Plätze. Man muss das Glück ja nicht strapazieren.

    • Schlaf, den gibts später. Nicht wenn Taurasi spielt wie jetzt. Bzw. spielte.. 6 Fouls und raus. 0-1 aus Phoenix Sicht aus. Und es war mal wieder „The Day Diana Taurasi Didn’t Score“…

      Achja, warum ich hier grade noch reingucke. Und das mit dem Aufpolieren lese. Nach dem 5. Foul sollte man in der WNBA doch noch spielen dürfen, zumindest Taurasi durfte.

    • Ok. Vielleicht war ich nicht aufmerksam genug… Videowürfel lenkt ab und die Spielerinnenanzeigen im MSG sind echt oldschool.

    • Ist aber auch echt heftig im Sommer WNBA und im Winter in Europa zu spielen. Wären wir ja fast wieder bei Hamann angelangt ;-)

      Morgen nacht gehts dann ja weiter mit Spiel 1 von NY und 2 von Taurasi.

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