Rückfall

Asseco Prokom ist so etwas wie Rudis Resterampe des europäischen Basketballs. Ein Spielmacher, den niemand außer den Polen haben will. Ein ehemals guter Schütze, der grade ganz unten aus der Grabbelkiste gezogen wurde, der beste Center, der jemals österreichisches Basketballparkett betreten hat (das ist so etwa wie eine sudanesische Skipiste), dazu ein Trainer, der nur ein erfolgreiches Jahr hatte (dafür aber Spielerfahrung aus Österreich mitbringt). Noch ein paar Polen, die nur Eingeweihte kennen. Sie spielen in einer leeren Riesenhalle vor Publikum, das auch im Gottesdienst einer progressiven Kirche nicht allzu sehr stören würde. Jedenfalls nicht durch Lärm. Hört sich nicht an, wie eine Mannschaft gegen die ein Team mit europäischen Ansprüchen verliert. Alba schon. Ganz in der Tradition der Vorgängerjahre.

Rückfall ist mir beim Betrachten des vierten Viertels als erstes eingefallen. Kyle Weaver spielte wie in der vergangenen Saison. Ein Irrlicht in der Verteidigung, desorientiert und mutlos in der Offensive und mit einer Körpersprache, die an den FDP-Parteichef Rösler erinnert. Ungewohnt nur seine Hautfarbe und dieser absonderliche Kinnbart. Dashaun Wood war offensiv zwar noch der beste, aber einen Spielmacher wie Blassingame sollte er schon halten können. Viel schwächere wird es in der Euroleague nicht geben. Das gilt auch für Schaffartzik und Avdalovic, die allerdings auch offensiv eher Ausfälle waren.

Unsere Großen haben auch gespielt, als hätten sie alle die Grippe. Schön, Brian Randle fehlte, einer weniger also. Aber an die Namen der Gegner kann ich mich nicht mehr erinnern, obwohl ich sie gestern abend 110 Minuten lang gehört habe und heute schon drei mal gelesen. Wie hieß ihr Powerforward nochmal, na? Miralles spielte in Wirklichkeit für die Polen. Thompson braucht gefühlt 16 verlegte einfache Dinger, bis er dann warm wurde, Idbihi fiel vor allem durch Fouls auf. Am besten spielte noch Schultze für seine wenigen Minuten. Der setzt wenigstens schmerzhafte Zeichen.

Es war die Trägheit, die mich am meisten gestört hat. Die Polen, dafür allen Respekt, haben nie aufgesteckt, ihre Dinger getroffen wann sie mussten und blieben immer diszipliniert. Alba ist auseinandergefallen. Die Frühform ist diesmal schon vor Weihnachten weg. Wir sollten sie schnell wieder finden. Sonst wird schon am Samstag Ludwigsburg ohne Staiger zum Problem.

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15 Gedanken zu „Rückfall

  1. Hmm. Ich habe sehr lange gebraucht, mich das zu trauen – denn über den übergroßen Basketballsachverstand verfüg ich einfach nicht. Aber inzwischen, glaube ich trotzdem, ich kann mich @sideshow anschließen und sagen „Oh, je.“ Von Texten verstehe ich schon was, und Deiner @peterzwei ist ganz zweifellos schöner geschrieben, ganz zweifellos literarisch auf anderem Niveau – aber unterm Strich unterscheidet er sich in puncto Populismus m.E. leider in rein gar nichts von dem, was zum selben Thema in der Bild-Zeitung verbraten wird: Wenn es nicht geklappt hat, dann wird eben drauf gehauen.
    Und auch wenn ich eben eingeräumt habe, dass ich nicht die Basketballkoryphäe bin, so masochistisch, dass ich behaupten würde, dass ich zu debil bin, um stats zu lesen, bin ich nun auch wieder nicht. Schultze, war der beste, weil er dahin gegangen ist, wo es Schmerzen macht? Ein Foul begangen, einen Wurf bekommen, diesen nicht getroffen? (Heißt überhaupt nichts gegen Sven – aber was für eine Aussage ist das?)
    Avdalovic und Schaffartzik offensiv gleichermaßen Ausfälle? Okay, Avdalovic mit gebrauchtem Tag. Schaffartzik dagegen mit mieser Zweier – Quote (und ja, ich hab´s auch gesehen, mit katastrophalem zu kurzem Air-Ball), aber dafür auch mit absolut korrekter Dreier – Quote, bei schwierigen Würfen – und letztlich: mehr Würfe, als er bekommen hat, kann er ja auch nicht machen. Freiwurf-Quote im übrigen ohne Fehl und Tadel. Also selbst für mich Naivling: sind da im Vergleich Avdalovic / Schaffarztik nicht doch Unterschiede erkennbar??
    Kommt jetzt auf Einzelheiten auch überhaupt nicht an, früher habe ich „Unbedarfte“ @gruebelei gelesen: ja – um mich über die geschliffenen Texte zu amüsieren, aber auch, um zu lernen. Wenn heute selbst jemandem wie mir, so viele Ungereimtheiten auffallen, dann würde ich mir wünschen, dass sich Leute wie @peterzwei wieder etwas mehr auf die Sache konzentrieren (von der sie mit absoluter Sicherheit ungeheuer viel mehr Ahnung haben als ich), und sich nicht dadurch auf Abwege begeben, dass sie mit ihren Texten tolle literarische Effekte erzielen wollen.

  2. Basketballsachverstand habe ich auch nicht. Ich bin nur die Begleitung für meine kleine Tochter. Aber da wir in der Halle waren, schreibe ich auch mal was: Es war eine absolut trostlose Veranstaltung. Nun gut: Für das lustlose polnische Publikum kann niemand etwas. Dafür, dass 10 Ordner einem nicht sagen können, wie man zu seinem Platz kommt und wenn man ihn gefunden hat, sich nicht setzen darf, kann zumindest der Veranstalter etwas.
    Klar wußte ich vorher, dass es komplett verrückt ist, nach Danzig zu einem Basketballspiel zu fahren. Auch die Niederlage habe ich eigentlich erwartet. Aber dass die ALBA-Spieler derart lustlos agieren und nicht einmal versuchen, ein ordentliches Spiel abzuliefern, fand ich enttäuschend. Aber in einem muss ich @peterzwei widersprechen: Herr Schaffartzik hat sich wenigstens bemüht, seinen Job angemessen zu erledigen.
    Aber allmählich sollte man sich über ALBAS Trefferquote wirklich Gedanken machen. Derzeit braucht die Mannschaft keinen Sporttrainer, sondern einen Psychologen. Erste Hausaufgabe: Vor den Spiegel stellen und lächeln. Mit einer positiven Grundeinstellung lässt sich viel besser Basketball spielen. Selbst meiner Kleinen ist aufgefallen, dass eine bedrückende Atmosphäre auf dem Spielfeld herrschte. Dank des Maskottchens und der Cheerleader war es für sie trotzdem ein großes Erlebnis. Kind müsste man sein…

  3. die einleitung ist eine frechheit. asseco prokom hat in den letzten jahren in europa weit erfolgreicher gespielt als alba. kemzura ist litauens teamchef!! österreich hat in der letzten em-quali hervorragend gespielt und mahalbasic hat pleiss und zirbes im testspiel vernascht. ein bissl mehr bescheidenheit täte dem autor ganz gut, die top 16 wären für alba ein riesen erfolg.

  4. Danke für die Kommentare @Drea @Lissafee und @ösi.
    Ich habe in den gefühlt langen Phasen, da Gruebler aus Gründen des Broterwerbs nicht mehr so oft zum Bloggen kam, die Beiträge hier sehr vermisst. Die Gruebelei war für mich ein Muster ausgewogener tiefgründiger aber auch leidenschaftlicher Berichterstattung über meinen Lieblingssport.
    Ich hoffe, dass dies wieder so wird.
    @peterzwei ich kann Deinen Artikel emotional nachvollziehen. Als ich das Spiel am Bildschirm verfolgt habe, hatte ich eine ähnliche Gefühlslage. Was das Spiel von ALBA anbelangt. Das erinnerte mich schon stark an die letzten Jahre.
    Aber einige Aussagen zu den Mannschaften von Ulm und Asseco Prokom kann ich nicht nachvollziehen. Das habe ich einfach anders gesehen. Und ein wenig Demut sollten wir ALBA-Fans inzwischen gelernt haben.

  5. Pingback: Ein Monat Ligaalltag, eine Woche Niederlagen, eine Krise? | gruebelei.de

  6. @Berni. Du charakterisierst die Grübelei als ausgewogene Berichterstattung. Danke für die Blumen, aber vermutlich liegt genau da ein Problem.

    Dem Blog war in guten Teilen die Schärfe der eigenen Position abhanden gekommen, die Reibungspunkte, das zum Ausdruck gebrachte „sich Ärgern“, das auch immer Antrieb zum Schreiben war (Quote, TV, Bauermann etc…). Wenn man bloggt und alle Nicken vor ihrem Bildschirm, ist das zwar nett, fördert den Diskurs jedoch nicht. Das Blöde dabei ist übrigens auch, dass man es nicht mitbekommt und selten Feedback bekommt. Denn Fakt ist auch: Die schönsten ausgewogensten Reportagen und Berichte wurden auch schlicht nicht ansatzweise durchschnittlich geklickt, sondern letztlich immer das, was kontrovers oder spektakulär ist. Das mag man traurig finden, aber aber schlicht wahr.

    Insofern freue ich mich über Peterzwos provozierende Beiträge hier. Zerpflückt ihn in gleicher Schärfe in den Kommentaren, widersprecht ihm. Nur ihm vorzuhalten, dass er eine pointierte Meinung hat, das ist m.E. keine valide Kritik.

    • @dio: da haste Recht. Das ist hier nicht der passende Ort dafür, wie mir jetzt auffällt. Sorry… ansonsten ist mir der ‚Vorfall‘ nur gerade in dem Zusammenhang mit der Diskussion um das blog hier nochmal in den Sinn gekommen. Aber ja, trotzdem ist es die falsche stelle… (ich schreib dir ne mail oder nachricht) :)

  7. Gegen eine andere Meinung als die eigene ist grundsätzlich überhaupt nichts einzuwenden, gegen viel zu viele inhaltliche „Böcke“ schon. Emotionales, ziemlich undifferenziertes „Gepolter“ passt mE auch besser in die BILD oder div. Internet-Foren als zur gruebelei. Mit lautem Schreien (extremer Übertreibung und Schwarz-Weiss-Malerei) erzielt man natürlich Aufmerksamkeit, aber es geht ja durchaus nicht nur darum bloße Aufmerksamkeit zu erzielen (wenn ich das will, entblöße ich mich auf dem Potsdamer Platz) sondern in erster Linie auch um die Art und Weise der Wahrnehmung (die wird bei meiner Entblößung vermutlich nicht sooo positiv ausfallen). Letztere ist in Bezug auf die gruebelei nicht mehr so positiv, wie sie schon mal war. Insofern passt der Titel „Rückfall“ wie die Faust aufs Auge, auch wenn er anders gemeint ist.

    • abgesehen von diesem Beitrag von Peterzwei, den ich ich auch eher durchschnittlich finde, finde ich seinen sehr subjektiven Schreibstil und vor allem auch die Reaktionen darauf immernoch erfrischend und unterhaltsam. Gerade das Provokative und Schnoddrige gibt einen guten Kontrast zu den üblichen, manchmal gar zu glatten Beiträgen auf gruebelei.de ab, was ich auch schon bei den OSB-Texten so empfand. Insider und gut recherchierte Infos erwarte ich dann halt von anderen. Von nem blog erhoffe ich mir auch Unterhaltung und Interaktion, was vor allem über kontroverse Diskussionen in den Kommentaren geboten wird. Diese können sachlich, analytisch aber auch gerne mal schnippisch, witzig und völlig offtopic sein… Hauptsache es ist Leben in der Bude… und das scheint der pöhse Peter doch wieder mitgebracht zu haben.

      btw dio… als blogger sollte man im Umgang mit den Kommentaren nicht zu ignorant und willkürlich sein und unbequeme Kommentare nicht einfach ohne Hinweis und Begründung löschen, bloß weil sie eventuell mal die eigene Selbstherrlichkeit trügen. Das sorgt auf Dauer eher für Ablehnung und Funkstille auf dem blog… nur so als kleiner Tipp am Rande. ;)

    • @rubmasta: Du weisst doch sehr gut, wie du mich direkt erreichen könntest. So gesehen finde ich den Ort deiner Ansprache – auch vor dem Hintergrund, daß ich deinen Kommentar hier eventuell gar nicht lese – irgendwie irritierend. Vielleicht ging es aber auch weniger um eine Ansprache an mich als ums Diskreditieren gegenüber Dritten.

      Wenn du nun aber – unpassend – diese Bühne wählst, dann will ich auch hier antworten. Auf einen recht inhaltsleeren und dezent beleidigenden Kommentar deinerseits erfolgte die wirklich freundliche Bitte, das doch ein wenig zu erläutern, um überhaupt eine Diskussionsgrundlage zu haben. Deine wortwörtliche Antwort war „Och nöö, ich wollte einfach nur ein bisschen Stänkern!“. Da fehlt dann aber auch wirklich JEGLICHE Basis für eine sinnvolle Diskussion! Das hat keinen Inhalt und auch keinen Nutzen für irgend jemanden. Kommentare, die keinerlei Ihnalt noch Nutzen haben, muss dann allerdings der „Weltöffentlichkeit“ auch nicht zumuten. Darüber wird NIEMAND mit dir diskutieren. Wenn du diskutieren möchtest, dann müsstest du wenigstens dezent einen Ansatzpunkt bieten. Über „Och nöö, ich wollte einfach nur ein bisschen Stänkern!“ wird niemand mit dir diskutieren. Solltest du das erwarten, dann solltest du deine Erwartungshaltung noch mal dringend überdenken. Im Prinzip tut man dir einen Gefallen, wenn man „Och nöö, ich wollte einfach nur ein bisschen Stänkern!“ löscht, denn mit so einem Kommentar blamierst du dich doch hauptsächlich selbst. Diskussionen, gern auch kontroverse, sind immer willkommen, aber für eine sinnvolle Diskussion bedarf es wenigstens eines Hauchs von Inhalt.

      Falls du mir noch etwas DIREKT sagen möchtest, dann weißt du, wie du mich erreichen kannst, die grübelei halte ich dafür deplatziert.

  8. @gruebler: Nachdem ich Deinen Kommentar gelesen habe, gebe ich Dir recht und räume ein, dass es unzutreffend von mir war @peterzwei Populismus vorzuwerfen – das nehme ich gegenüber @peterzwei hiermit zurück. Es war zwar tatsächlich mein erster Eindruck des Beitrags „Rückfall“, aber dennoch eine vorschnelle Reaktion.
    Es ist viel zutreffender von pointierter, zu Widerspruch einladender Darstellung zu sprechen. Es leuchtet mir auch ein, dass eine solche Darstellung mit Überspitzungen und sarkastischen oder zynischen Passagen ein wenig einhergeht – und von daher nicht immer völlig „gerecht“ oder sachlich sein wird.
    Dennoch stellt sich für mich die Frage,ob dies automatisch bedeutet, dass jedes Stilmittel zulässig ist.
    In der Einleitung zu „Rückfall“ wird die polnische Mannschaft in einer Weise negativ beschrieben, die – so glaube ich – nicht nur ich alleine als abfällig empfinde. Meiner Wahrnehmung nach, geht es @peterzwei dabei im Kern gar nicht um Aussagen über die polnische Mannschaft, sondern viel mehr darum, eine Folie zu schaffen, auf der sich die Leistung von Alba um so fragwürdiger ausnimmt. Woran sich die Geister scheiden, ist wahrscheinlich, ob man das noch für einen tollen rhetorischen Kniff hält, oder die polnische Mannschaft hier auf eine Weise zum Mittel zum Zweck degradiert wird, die respektlos ist.
    Bei dem Lob für Sven Schultze – als einzigem Albaspieler – bin ich mir nicht so sicher, vielleicht ist es ja ganz ernst gemeint. Aber bei mir schwingt eine gewisse Skepsis mit, dass entgegen seiner augenscheinlichen Funktion auch dieses Lob eher dazu dient, eine vernichtende Kritik perfekt zu machen. Dann wäre es nämlich sehr folgerichtig und logisch, ausgerechnet das „schwächste Glied“ in der Kette (als das Schultze in der Rotation mittlerweile von vielen Alba – Fans ausgemacht wird) zu loben und damit die Botschaft zu verbinden: „Wenn der schon der beste war, kann sich wohl jeder ausmalen, was die anderen geboten haben.“ Lob, das insofern nicht ehrlich gemeint wäre, ist natürlich verträglicher als der Verriss der polnischen Mannschaft, aber für mich hat es letztlich denselben Beigeschmack von „benutzt werden“.
    Die eigentliche Streitfrage zwischen uns lautet wahrscheinlich also nicht: „Ist es in Ordnung scharfe Kritik an Alba zu üben?“ Sondern: „Wen oder was verkaufe ich denn alles dem Teufel für einen pointierten, schmissigen, literarisch guten Text?

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