Pacta sunt servanda

Verträge sind einzuhalten, oder doch nicht? Wie man sich mal so richtig unbeliebt macht, haben in den letzten Tagen Andrew Drevo und sein Agent Chris Warren vorgeführt. „Andrew Drevo lässt die Phantoms im Stich“ titelte die Pressemitteilung.

Der zweifache BBL-Allstar hatte zwar einen gültigen Vertrag – die Phantoms hatten im Mai eine Option gezogen – will aber nicht mehr. Die Töne im Mai waren super:

Meine Frau und ich fühlen uns sehr wohl in Braunschweig“, sagt er zufrieden.

Nun lockte wohl irgendwo das Geld. Jedenfalls stieg er gleich zweimal nicht in den Flieger, wie die Braunschweiger Zeitung mit vielen Hintergründen berichtet: Mitspieler sind geschockt, der Manager sauer und der Coach am Rotieren. Ersatz muss her, da der Dreh und Angelpunkt der Mannschaft fehlt.

Drevos Agent hat damit sicherlich seine Glaubwürdigkeit bei Verhandlungen ein wenig eingeschränkt. Mal sehen wo Drevo selbt unterkommt, die Interbasket-Community schweigt noch, in der BBL dürfte sein Ruf bis auf weiteres ruiniert sein. Und da auch Eurobasket berichtete, weiß die ganze Szene nun von dem Spieler, der Verträge so brach, dass laut gestritten wurde und dem Agenten, der das nicht verhindern konnte.

Ein richtiges Drama für die Phantoms, denn um ihn, ihren Allstar und Go-To-Guy der letzten zwei Jahre hatten sie den Kader gebaut. Entsprechend deutlich sind die Töne in der Pressemitteilung (via SD):

„Das war ein riesiger Schock. Über Andrews Verhalten sind wir tief enttäuscht. Er spekuliert offenbar auf einen besser dotierten Vertrag bei einem anderen europäischen Klub. Er lässt uns und die Basketballfans in Braunschweig im Stich“, erklärt Sportdirektor Oliver Braun und kündigt an: „Wir werden jetzt alle Möglichkeiten prüfen.“

Alle Möglichkeiten prüfen? Das heißt durch die Blume wohl: Wir werden – soweit das geht – die Freigabe nicht erteilen. Bei internationalen Spielertransfers muss nach FIBA-Regularien einen „Letter of Clearance“ durch den Verband, bei dem Drevo bislang zugelassen war, vorliegen. Sonst darf der Spieler nicht spielen und die FIBA kann reingrätschen.

Ein solcher „Letter of Clearance“ kann in einem Fall versagt werden: Nämlich dann, wenn der Spieler einen Vertrag hat (H.3.3.1. d FIBA Internal Regulations 2008).  Braunschweig, respektive der zulassende Verband – keine Ahnung ob das nun BBL oder DBB ist – kann sich nun sperren. Natürlich gibt es für einen solchen Fall Lösungsmodelle. Wahrscheinlich ist es ganz simpel: Der neue Club zahlt dem alten den Betrag X…

Jemand warf auf schoenen-dunk.de die Idee in den Raum, dass Drevo ja für den einen oder anderen BBL-Club ne Bereicherung sein könnte. Ich halte das für ziemlich abwegig, denn mit so einem Verhalten wäre man sicherlich nicht nur bei Braunschweigs Management unten durch.

Oft haben wir gehört und erlebt, dass Clubs Spieler trotz Vertrag ziehen lassen (mussten). Geld dürfte da oft ne Rolle gespielt haben. Dass es hier jetzt so eskaliert ist, spricht nicht für Drevo und seinen Agenten.

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6 Gedanken zu „Pacta sunt servanda

  1. Soweit ist die Braunschweiger Sicht ja dargestellt. ;)

    Es wäre ja interessant zu hören, was von Seiten des Spielers und des Agenten zu sagen ist. Sind nicht auch weitere Spieler in Braunschweig von Chris Warren?
    War in dem Drevo-Deal nicht auch Ingo Wolf von Limelighthoops eingebunden?
    Wenn ich mich richtig erinnere, war Drevo auch bis vor kurzem auf seiner Website unter power forwards gelistet.

    Vielleicht wird man in diesem Fall auch die Arbeit des FIBA Arbitral Tribunal näher betrachten können.

    Es stellt sich auch die Frage, was der zweite Verlust eines Starters nach dem Visser-Abgang für die Phantoms bedeutet.

    • Bei Warren ist kein weiterer Braunschweiger gelistet. Drevo wird nicht bei Limelighthoops in der Spielerliste geführt.

  2. Bitter für Braunschweig und absolutes Unding des Spielers. Da kommt einen als Gießener sofort Reggie Moore in Erinnerung, der als erst wegen einer „kranken Tochter“ seinen Aufenthalt in Gießen unterbrach, anschließend wegen Alkoholeskapaden auvviel ;-) und gekündigt wurde und dann ganz schnell in Israel unterkam. Wäre Braunschweig zu wünschen, dass wenigstens eine Ablöse rausspringt und das zukünftig – auch von allen anderen Bundesligisten – der Agent gemieden wird.

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