Jan Pommer bleibt bis 2015 BBL-Geschäftsführer

…oder eine Einführung in den Ablauf der Geschäftsführerbestellung.

Am Freitag meldete die BBL: Jan Pommers Vertrag als BBL-Geschäftsführer wurde bis 2015 verlängert. Von den Fans wurde diese Meldung auf schoenen-dunk teils sehr lobend, teils sehr kritisch aufgenommen. Glückwünsche und ein kleiner Blick hinter die Kulissen einer solchen Entscheidung.

Durch die Medien ging der Pressemitteilungtext via DPA (bei der Süddeutschen). Viele Kommentare gibt es – außerhalb von schoenen-dunk.de – bislang nicht. Crossover-Online kommentiert aus Fansicht:

In seine Amtszeit fallen viele Änderungen. Pommer trieb die Eigenvermarktung der Liga voran, die ihre Fernsehbilder nun selbst produziert. Er wurde aber auch wiederholt kritisiert, unter anderem wegen der schleppenden Talentförderung in der BBL. Der Geschäftsführer wurde zudem zum Feindbild einiger Fangruppen, mit denen sich Pommer nun aber seit einem Jahr zu Gesprächen trifft.

Ein wenig pauschaliert crossover da ja schon… ich würd das auf schoenen-dunk.de ja kritische Solidarität oder so nennen ;-)

Der Trierische Volksfreund hat versucht, Manager Hermeling zu einem Kommentar zu bewegen und schreibt:

Pommer war zuletzt innerhalb der Liga nicht unumstritten. TBB-Manager Lothar Hermeling will sich zur Vertragsverlängerung des BBL-Geschäftsführers nicht äußern: „Das kommentiere ich nicht.“

Manchmal spricht das Bände.

Denn ein Satz in der Pressemitteilung lässt aufhorchen:

Der Vertrag von Jan Pommer … ist … verlängert worden. Dies beschloss die Gesellschafterversammlung der BBL in Abstimmung mit dem Präsidium.

In dem ersten – von Jan Pommer initiierten – SD-Talk wurde ja deutlich, dass in der Regel alle Vereine über das Schicksal ihrer Liga entscheiden und dann diese Entscheidungen in der Gesellschafterversammlung der BBL bzw. von Jan Pommer als Geschäftsführer umgesetzt werden. Traut man dem Wortlaut der Pressemitteilung, dann ist das in diesem Fall anders gewesen, was mir aus Insiderkreisen auch bestätigt wurde.

Beschlossen hat die Vertragsverlängerung die Gesellschafterversammlung der BBL. Im Zuge der Wildcarddebatte hat die BBL mal dargelegt, wer eigentlich die Gesellschafterversammlung ist:

Die Gesellschafterversammlung, die aus dem BBL-Präsidenten Dr. Thomas Braumann, der 74 Prozent der Stimmanteile hält, und einem Vertreter des Deutschen Basketball Bundes (26 Prozent der Stimmanteile) besteht,

Das ist übrigens gesellschaftsrechtlich auch das ganz normale Vorgehen: Die Gesellschafter bestellen die Geschäftsführer. Dritte – also hier die BBL-Clubs – haben da in der Regel nicht reinzureden.

Dennoch sagt die Pressemitteilung, dass hier eine „Abstimmung mit dem Präsidium“ stattgefunden hat. Wer ist denn das Präsidium der BBL, das hinter dieser Entscheidung steht? Das erfährt man auf der Webseite der BBL:

  • Präsident: Dr. Braumann (Bremerhaven. Seine Ziele für die Amtsperiode stehen hier)
  • Vize: Alexander Reil (Ludwigsburg)
  • Vize: Marco Beens (Quakenbrück)
  • Vize: Jens Brämer (Köln)

Auch hier kann man nicht meckern, denn einen zwingenden Grundsatz der Selbstorganschaft, nach dem z.B. ein Kölner Vertreter unvorstellbar wäre, kennt das Vereinsrecht nicht.

Dennoch ist es eine lustige und irgendwie bezeichnende Club-Repräsentation in dem zustimmenden Präsidium. Köln, die nicht mehr in der BBL sind und dereinst von der berüchtigten, aber juristisch sauberen, „mobilen Frist“ profitierten. Bremerhaven, die jüngst eine Wildcard erhalten haben. Mit dem Ludwigsburger Reil einen ausdrücklichen Quotengegner und Marco Beens, der Pommers Linie des spannenden Wettbewerbs, in dem auch Underdogs jeden schlagen können, wohl unterstützt. Alles Positionen, die von den Fans kritisiert werden. Auch sollte man nicht vergessen, dass es erst jüngst zu einem gewissen Rumoren auch in der Liga kam.

Weder die Traditionsteams sind im Präsidium vertreten, noch die drei großen und zuschauerträchtigen Zugpferde der Liga. Gerade aus diesen Lagern hörte man in der Vergangenheit aber immer mal wieder teils scharfe Kritik an der Linie der Liga, wie sie letztlich durch Jan Pommer in der Öffentlichkeit vertreten wird bzw. werden muss. Präsident Braumann hält sich ja bislang meist vornehm im Hintergrund.

Dass Jan Pommer viele gute Dinge auf den Weg gebracht hat und eine gegenüber uns Fans offene Diskussionskultur pflegt, kann und will ich nicht bestreiten. Vieles ist gut. Die Liga von vor vier Jahren wollen wir wohl ebensowenig zurück, wie die aus den 90ern.

Nur eine Frage stellt sich mir angesichts dieser Vertragsverlängerung: Wer hat gegenwärtig eigentlich die Hosen an? Die Clubs oder das Präsidium?

Für die kommenden sechs Jahre bis 2015 stehen Jan Pommer als Geschäftsführer, also bestenfalls „Commissioner light„, noch große Herausforderungen bevor: Das elende, rufschädigende Krisengeschrei in der BBL beenden, den Rückzugsspielchen auf die eine oder andere Art ein Ende bereiten, die Liga ins frei empfangbare Fernsehen bringen, endlich mal nen Ligasponsor auftreiben. Und eine Messlatte hat er jüngst selbst verkündet: Bis 2013 sollen es 30% deutsche Minuten auf dem Feld werden. Vieles davon braucht Clubs, die mitziehen.

Ich bin gespannt ob es reicht, dass er hierfür die Rückendeckung des Präsidiums und der Gesellschafterversammlung hat oder viel Rücksicht auf ganz unterschiedliche Clubinteressen nehmen muss und nur vorsichtige Schritte gehen kann… Nein, ich beneide Jan Pommer wahrlich nicht darum, von uns Fans jedesmal auf die Nase zu bekommen, wenn er mal wieder eine windelweiche Linie der Ligamehrheit öffentlich als großen Fortschritt verkaufen muss. Manchmal, wenn ich als Fan wieder einmal an der BBL und ihrem Habitus des „es ist doch schön im europäischen Niemandsland“ verzweifeln möchte, dann wünsche ich mir einen mächtigen Commissioner, der auch unangenehme Entscheidungen treffen kann und trifft und wie David Stern mutig die Vision einer starken Liga gegen alle Widerstände aus den eigenen Reihen in die Tat umsetzt.

In diesem Sinne: Die besten Glückwunsche Jan Pommer, allzeit starke Nerven und viel Mut und Kraft die Liga gegen alle Widerstände voranzubringen. Auf weitere fünf Jahre kritischen aber sportlich fairen Dialog auch mit uns Fans. Vielleicht jubeln wir ja 2015 alle gemeinsam darüber, dass die BBL nicht nur bei der Spannung des Wettbewerbs die Nummer 2 in Europa ist.

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2 Gedanken zu „Jan Pommer bleibt bis 2015 BBL-Geschäftsführer

  1. Offene Diskussionskultur gegenüber den Fans?

    Viel Lob über einen Commissioner (für den Geschäftsführer fehlt die Führung), der es geschafft hat, nach harter Arbeit, die Diskussion mit den Fanklubs der Liga endgültig zum einschlafen bzw. dahinvegetieren zu bringen. Nur weil man jetzt 2 mal bei SD einem ganz kleinen Kreis etwas gesagt hat, ist dies doch lange keine Diskussion…

    Nachfragen zu den vielen guten Dingen die ER auf den Weg gebracht hat spare ich mir. :-)

  2. Etwas später Kommentar:
    Was etwas untergeht ist aber auch das mögliche Machtpotential des Präsidiums der AG BBL. Auf der einen Seite könnte man davon ausgehen, dass der Präsident erhebliche Entscheidungsmacht hat und auch Grundsatzentscheidungen (dazu zähle ich in jedem Fall die Bestellung des GF in einer „beherrschten“ Tochtergesellschaft) autonom treffen darf. Auf der anderen Seite gibt es ein mehr oder weniger prakzitiertes Abstimmungsverfahren der AG-Mitglieder, an die sich der Präsident formell oder gerade informell halten muß. Gerade das informelle Folgen der Mehrheitsentscheidung war ja auch bei der Wildcard-Entscheidung schon mal durchgeklungen. Braumann wird kaum eine Minderheitsmeinung durchdrücken wenn er noch länger Präsident sein will. Und das gilt auch für andere Präsidiumsmitglieder.

    Ob übrigens Kölns Vertreter noch im Präsidium ist, wage ich zu bezweifeln. Denn die Angaben auf der Webseite sind nicht tagesaktuell. Eventuell war er aber doch noch im Präsidium aufgrund seines Vorstandmandat, jedoch nicht mehr in Funktion als Vertreter des AG-Mitglieds Köln. Manche Mühlen mahlen eben länger und so wählt man nicht hektisch einen neuen Vorstand wenn AG-Mitglieder wechseln.

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