Oben und unten ist relativ

Auf schoenen-dunk.de ist es der Aufreger der jungen Saison. Die Fanseele kocht und Postings gleiten in Sprache ab, die man eigentlich nicht lesen will. Die BBL hat eine neue Tabelle. Ein Sieg gibt zwei Punkte, eine Niederlage einen. Nur wer nicht antritt bleibt punktlos. Nach den ersten beiden Spieltagswochenenden reibt man sich beim Blick auf die Tabelle verwundert die Augen.

Der Hintergrund

Die BBL hat im Sommer mit dem DBB einen neuen Grundlagenvertrag abgeschlossen. Einer der Bestandteile war, dass das neue – international schon längst verwendete – Wertungssystem übernommen werden musste. Nichts mehr mit 2:0 für einen Sieg und 0:2 für eine Niederlage (und dem *Sternchen für’s Nichtantreten). Hier nochmals die damalige Pressemitteilung im Zitat:

Über die Reihenfolge der Platzierung in offiziellen Tabellen entscheidet die höhere Zahl der Wertungspunkte. Bei punktgleichen Mannschaften entscheidet über ihre Platzierung der direkte Vergleich zwischen diesen Mannschaften. Dabei wird die Platzierung nach Kriterien in nachstehender Reihenfolge ermittelt: a) nach der höheren Zahl der Wertungspunkte; b) nach dem Wert des Quotienten aus dem Korbverhältnis im direkten Vergleich (dabei werden die erzielten Punkte durch die erhaltenen Punkte geteilt); c) nach dem Wert des Quotienten aus dem Korbverhältnis aus allen Spielen des Wettbewerbs; d) nach den weniger erhaltenen Korbpunkten bei positiver Korbdifferenz bzw. nach den mehr erzielten Korbpunkten bei negativer Korbdifferenz aus allen Spielen des Wettbewerbs.

„Durch den Grundlagenvertrag mit dem Verband sind wir an diese Entscheidung gebunden. Deshalb werden wir die neue Regelung auch umsetzen“, sagte BBL-Geschäftsführer Jan Pommer.

Die Resultate

Sehr ehrgeizig wie unsere Lieblingsliga ist, hat sie zum Saisonbeginn gleich drei Doppelspieltage angesetzt. Immer Freitags und Sonntags sollte gespielt werden. Parallel zur Euroleague-Qualifikation, zur EuroCup-Quali und für die Oldenburger parallel zum EL-Start. Dazu die üblichen Terminverschiebungen wegen der neuen Fernsehübertragungen und anderweitig belegter Multifunktionshallen. Das Resultat? Nach vier „Spieltagen“ sind 31 Spiele gespielt, eigentlich müssten es 36 sein. „Nur“ fünf Spiele fehlen, aber die Tabelle ist bunt durcheinandergewirbelt. Ein Team, dass noch kein einziges Spiel gewonnen hat, steht auf dem achten Tabellenplatz.

Tabelle am 21.10.2009 um 8:11 Uhr

Tabelle am 21.10.2009 um 8:11 Uhr

Bereits letzte Saison wurde deutlich, dass bei einem verzerrten Spielplan eine Tabelle nur wenig Aussagekraft hat. Nicht anders verhält es sich diese Saison. Nur sind es eben andere Tabellenartefakte, die wir sehen. Gießen hat fünf Punkte aus fünf Spielen ohne einen einzigen Sieg. Ist eben so… Es wird sich irgendwann im Laufe des Winters schon wieder einpendeln. Nur gegenwärtig ist es eben befremdlich. Oldenburg, Berlin und Trier, drei Teams, die mehr Siege als Niederlagen haben stehen im Niemandsland. Sie werden – in der Tabelle – dafür bestraft, dass ihnen jeweils ein Spiel fehlt.

Die Mär der Aussagekraft einer Tabelle nach dem vierten Spieltag

Die Aussagekraft der Tabelle zu diesem frühen Zeitpunkt in der Saison geht verloren. Das durften wir letzte Saison schon bei Gegnern in den europäischen Wettbewerben sehen. Aber ist das schlimm? War das früher anders? Ich denke nicht. Was sagt eine Tabelle nach wenigen Spieltagen überhaupt aus? Wenig bis gar nichts. Es ist pures Losglück, ob man nun gegen starke oder schwache, komplette oder verletzungsgeplagte, eingespielte oder euphorisch neu zusammengewürfelte Teams spielt. Wunder, wie den Run des MBC (oder Nördlingen vergangene Saison) gibt es immer wieder. Und dass die Gießener (arme OSB) zielgenau auf den Abstieg hinspielen, das dürfte auch der letzte nordhessische Bauer ebenso wie ein  Berliner Gelegenheitszuschauer verstanden haben. Trotz des achten Tabellenplatzes kann nur ganz unbedarfte Betrachter über die fünf Niederlagen hinwegsehen…

Wichtig wird’s irgendwann in der Adventszeit, so nach zwei Dritteln der Hauptrunde, wenn es auf die Zielgerade für die Pokalqualifikation geht. Bis dahin darf auch dank der neuen Tabelle jeder mal Spitze sein oder um die Playoffs mitspielen. Gut für’s Ego, gut für’s Marketing, scheißegal für den sportlichen Erfolg. Denken wir einfach von Spiel zu Spiel. ALBA schlägt Oldenburg: Wichtig. Alba spielt bislang nur zwei Spiele? Schnuppe… irgendwann werden sie kommen. Am Ende kackt die Ente. Ob sie jetzt da oben rumturnt, das ist doch belanglos.

So bleibt nur, den ollen William S. zu zitieren: Much ado about nothing.

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12 Gedanken zu „Oben und unten ist relativ

  1. Das sehe ich überhaupt nicht so. Es ist halt nicht immer die Sicht von Alba. Die Tabelle macht so leider erst Sinn in der Nachbetrachtung. Wie sieht das aus, wenn z. B. gestern Göttingen als Tabellenletzter (2:2 Punkte) gegen ein „Mittelfeldteam“ aus Gießen (0:8 Punkte !!) spielt?

    Gelegenheitszuschauer gehen nicht hin, so einfach ist das. Und davon gibt es eine Menge. „Ist das Team dieses Jahr wirklich so schlecht?“ „Wo steht der Gegner? Oh, der hat schon vier Punkte. Die sind sicherlich stark…“ Wir machen Tabellen nicht nur für Insider, sondern auch und gerade für die „Welt“.

    Wie hieß es so richtig bei SD: „Laßt Gießen schnell noch drei Spiele austragen (und verlieren), dann sind sie Tabellenführer.“ Ist doch deutlich, nicht? Am Ende kackt Buschmanns Ente, das kann man so stehen lassen.

    Schlagzeile am Rande aus der Presse: „Göttingen verläßt durch den Sieg den letzten Tabellenplatz und ist Siebter.“ Elf Plätze geklettert, jetzt kommen wieder mehr Zuschauer? Oh doch, es zählt. Nur nicht bei den Experten.

    • Und du meinst, es übersteigt die intellektuellen Fähigkeiten des gemeinen Sportfans zu begreifen, dass der Tabellenletzte mit drei Punkten gar nicht so weit vom Mittelfeld mit 4 Punkten entfernt ist? Clubs, die nicht spielen, werden bestraft. Das hat System. Egal ob sie nicht antreten oder vorübergehend „nur“ ein Spiel verlegen mussten. Insofern ist die Tabelle ehrlicher. Man steht nicht weiter oben, nur weil man bislang einfach weniger gespielt hat…. natürlich, in deinem Beispiel ist klar, dass Göttingen nach vier Spielen besser steht als Gießen, weil sie mindestens einen Sieg haben. Aber wer garantiert, dass sie antreten? Bei der wackeligen Vergangenheit einiger Clubs der Liga ist da ja nicht gänzlich unwahrscheinlich… (die gleiche theoretische Konstruktion gilt dann natürlich auch für ALBA ;-) )

      Was ich ganz vergaß zu schreiben: Schon aufgefallen? Die BBL hat nun gänzlich aufgegeben nach Spieltagen zu sortieren. In der Infobox steht nur noch „letzte Spiele“ „Aktuelle Spiele“ „Nächste Spiele“… Neue Ehrlichkeit allerorten :-P

    • Welcher Gelegenheitsfan entscheidet denn auf Grund der Tabelle, ob er hingeht? Ich kenn das eher so:

      1) Ich hab gelesen, dass die gut drauf sind, schau ich mir mal an.
      2) Ich war letztes Jahr mal da, hat mir gut gefallen, schau ich mir mal an.

  2. Ich finde die Tabelle, die sich aus den neuen Regelungen ergibt, auf den ersten Blick nur spaßig (Gießen in den Playoffs……..). Wer die Tabelle lesen kann, erkennt aber doch sofort, welches Team momentan wo steht. Tabellen, die über einen bestimmten Zeitraum geführt werden, relativieren sich doch immer erst im Verlauf.
    Potentielle BB-Neulinge, die aufgrund der Tabelle einen geplanten Spielbesuch canceln oder gar garnicht in Erwägung ziehen, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.
    (Angebliche) BB-Experten, die sich über die aktuelle ‚Tagestabelle‘ aufregen und sich durch sie in ihren Grundfesten erschüttern lassen, dagegen schon…….;-)

  3. Fakt ist, dass die „alte“ Tabelle auch bei Spielverlegungen mehr Aussagekraft hatte. Es war deutlich einfacher, Mannschaften richtig einzuordnen, weil positive Punkte von oben nach unten und negative Punkte von unten nach oben sortiert wurden – und das eben auch, wenn die Anzahl der Spiele unterschiedlich war. Dass das jetzt nicht mehr so einfach und schnell zu bewerkstelligen ist, ist mein Hauptkritikpunkt. Das Ganze abzutun mit „es bleibt am Ende eh alles gleich“ oder „der Gelegenheitszuschauer ist nicht so blöd wie es scheint“ halte ich für gefährlich. Auch ich hatte gestern zwei Kommentare von Kollegen realisieren müssen, die Tübingen auf einem mit dem Kader neutabellarisch tollen 12. Platz sehen. Als ich ihnen sagte, dass sie nach der alten Wertung („ach gibt es da eine neue Wertung?“) eigentlich 17. wären, klappte ihnen die Kinnlade runter.

  4. Dann sollte man vielleicht jetzt nur noch auf Sieg- u. Niederlagenanzahl gucken was auch in der Tabelle is und die Punkte erstmal weg lassen.
    Da weiß man dann wie gut seine Mannschaft bzw. sein Favorit ist.
    Wenn ich mir Tübingen, Ulm, Gießen nach 4 bzw. 5 Spieltagen, wenn man das noch so nenne kann angucke, sind diese „nicht so gut“ für den Betrachter der Tabelle.
    Hingegen bis jetzt Braunschweig, Artland, MBC bzw. Alba (bei 2 Spielen) die besseren Mannschaften, da dort je nur 1 oder keine Niederlage zubuche steht.

    Mir gefällt das mit den 5 SPiele Giessen und 2 Spiele Berlin auch nicht toll in der Tabelle, vlt müssen wir uns aber erst eingewöhnen und einleben in die Sache ;-)

  5. Warum sortiert man die Tabelle nicht nach Punkten pro Spiel. Würde die Anforderungen mit dem Punktesystem erfüllen und wäre schön übersichtlich und in meinen Augen auch logisch.

    Platzierung Team Gespielt Gewonnen Verloren Punkte pro Spiel
    1 Quakenbrück 4-4-0-2
    2 Braunschweig 3-3-0-2
    3 Alba 2-2-0-2
    4 MBC 4-3-1-1,75
    …….
    17 Tübingen 4-1-3-1.25
    18 Gießen 5-0-5-1

    • ich blick nicht wie du das meinst…gut es ist wochenende, aber erklär mirs mal ;-)

    • Wenn ich ihn richtig verstehe meint er den Quotienten aus erspielten Punkten und der Zahl der Spiele. Das lässt halt die Anzahl der gespielten/verpassten Spiele außer Betracht, berücksichtigt sonst aber das Anliegen der neuen Tabelle.

      Ein Team, was jedes Spiel antritt, aber immer verliert hätte dann nen Quotienten von 1. Ein Team, das nicht antritt und nur verliert einen kleiner 1. Ein Team, das jedes Spiel angetreten und Gewonnen hat, einen Quotienten von 2.

      Gut für’s Abbilden des Verhältnisses Sieg/Niederlage. Schlecht um irgendeine Aussage darüber zu treffen, wie weit man denn nun von Tabellenplatz XY entfernt ist.

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