Wichtig ist abseits des Feldes…

Eigentlich halte ich mich ja bei den 46ers vornehm zurück. Oldschoolballer kann das viel besser. Sie ist ja schließlich näher dran. Aber die Story ist so klasse, dass man das Blöckestellen in Pressemitteilungen einfach en blog dokumentieren muss.

7. Dezember, 20:53 (sd-time): Gießen 46er melden: Austen Rowlands Vertrag ist aufgelöst. Halb schoenen-dunk.de meint zu wissen: Es wird Ulm.

7. Dezember, laut Webseite 12 Uhr ;-): ratiopharm Ulm meldet: Austen Rowland kommt zurück nach Ulm.

10. Dezember, 17 Uhr: ratiopharm Ulm meldet: Gießen verweigert Freigabe für Rowland.

Denn das Gießener Management hat vier ordentlich eingereichte Ulmer Anträge auf Freistellung des Spielers ignoriert. ratiopharm Ulm sah sich deshalb am heutigen Donnerstag gezwungen, das BBL-Schiedsgericht anzurufen. Den Juristen liegt nun ein Ulmer Eilantrag auf Freistellung vor.

10. Dezember, 20:30 (sd-Time): LTi 46ers verwundert über die Pressemitteilung von ratiopharm Ulm.

„Grundsätzlich stellen wir fest, dass rechtsverbindliche Personalverhandlungen nur durch vertretungsberechtigte Personen – typischerweise Geschäftsführer – geführt werden. Der Agent des Spielers und der Ulmer Trainer gehören nicht zu diesem Personenkreis. Somit haben alle geführten Gespräche mit diesem Personenkreis juristisch keinerlei Bedeutung. Das erste offizielle und auch rechtsverbindliche Dokument – ein seitens Ulm unterschriebener Arbeitsvertrag für Austen Rowland – ist uns am Montag (07.12.) per E-Mail übermittelt worden.“

Ah… Schriftform für Arbeitsverträge? Hier auch mal ein Link zu § 177 BGB. An einer Genehmigung von Stoll und Rowland zweifelt wohl keiner ernstlich, oder? Setzt die Freigabe einen schriftlichen Arbeitsvertrag voraus?

Harte Bandagen in der BBL im „Abstiegskampf“. Wie wäre es wohl, wenn ALBA sowas mit Oldenburgs Bailey machen würde? Ich bin gespannt auf die Entscheidung des Schiedsgerichts… nein, eigentlich nicht. Denn für die BBL-Lizenz braucht es laut der im Netz abrufbaren Statuten keine Freigabeerklärung der Gießener. Oder hab ich was überlesen?

§ 19 Voraussetzungen für die Erteilung der Spielerlizenz
Voraussetzungen für die Erteilung der Spielerlizenz sind:

  1. Ein schriftlicher Antrag des Spielers und des Bundesligisten
  2. Die Vorlage eines mit der Beko BBL GmbH zuvor abgeschlossenen Schiedsvertrages
  3. Die Versicherung des Spielers, dass keine entgegenstehenden arbeitsvertraglichen Bindungen zu einem anderen Bundesligisten bestehen.
  4. Über die Vergabe der Lizenz entscheidet die Beko BBL GmbH
  5. Vorlage eines Arbeitsvertrages zwischen dem Spieler und dem Bundesligisten.

Was habe ich übersehen? Wer erklärt es mir? Wo kommt diese 7-Tage-Frist her, auf die sich Gießen beruft?

Interessant wird es auf jeden Fall, das „Abstiegsduell“ des Achten gegen den Sechzehnten am Samstag. Wetten, dass die Stimmung in der Osthalle durchaus knistert? Natürlich hat es ein Geschmäckle, wenn man einem Wettbewerber in Personalnot mal eben nen Spieler abspenstig macht. Aber so ist das eben, wenn man nur Zeitverträge mit Ausstiegsklauseln abschließt. Die Hoffnung, dass schon alles gut gehen wird, reicht eben manchmal nicht. Unsportlich? So what… Money makes the ball go ‚round.

Update: 11. Dezember, 8:03 Uhr. Ulms Manager stellt seine Sicht der Dinge auf lee’s corner dar.

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14 Gedanken zu „Wichtig ist abseits des Feldes…

  1. Klasse Artikel, prägnant zusammengefasst.
    Ich habe das gar nicht so genau mitbekommen sollte doch wieder öfter auf SD vorbeisufen.
    Gruebler mach weiter so.
    Bis jetzt gefällt mir Qualität statt Quantität auf gruebelei.de. sehr gut.
    Beste Grueße auf dann vlt sieht man sich ja mal in der o2.
    jpeach

  2. Du hast was überlesen, würde ich sagen ;-)

    Bezüglich der Notwendigkeit der Freigabe: § 5 BBL-Spielordnung: „Bei einem Wechsel von einem anderen Bundesligisten ist die Freigabe durch diesen erforderlich. Erfolgt die Freigabe nicht innerhalb einer Woche, wird sie von der
    Beko BBL erteilt.“ (vgl. http://www.beko-bbl.de/pics/medien/1_1254759288/Beko_BBL_Spielordnung_2009-2010.pdf )

    Rowland hat also eine Spielerlizenz, ist demnach teilnahme-, aber halt nicht spielberechtigt – zumindest nicht für ratiopharm Ulm.

    Ansonsten bin ich in Arbeitsrecht alles andere als ein Fachmann, ich wüsste also nicht, inwieweit Klauseln in den Verträgen so formuliert sein könnten, als dass eine vorzeitige Auflösung des Zeitvertrages nur dann möglich ist, wenn der Spieler einen schriftlichen Arbeitsvertrag bzw. ein schriftliches Vertragsangebot eines anderen Vereins vorlegen kann. Scheint mir aber irgendwo wahrscheinlich, da ansonsten der Spieler ja mit der Aussage „Hey, der aserbaidschanische Vizemeister will mich verpflichten, ich geh jetzt“ aus seinem Vertrag aussteigen könnte – ich weiß nur noch nicht, ob das mit dem deutschen Arbeitsrecht vereinbar ist ;-)

  3. Noch was hast Du überlesen.

    Das Schiedsgericht wird den Fall überhaupt nicht behandeln (bereits abgelehnt) da er gar nicht eingetreten ist. Die 46ers verweigern eben nicht die Freigabe. Und selbst wenn, bräuchte man kein Schiedsgericht, da nach einer Woche die Freigabe automatisch von der BBL erteilt wird (siehe oben). Normales Tagesgeschäft also.

    Der große Aufregefaktor ist mir daher bislang entgangen, aber noch ein paar Dinge am Rande.
    Ganz generell gilt, wer ständig – klar als solches gekennzeichnetes Insiderwissen – in PMs und in Foren meint anbringen zu müßen, darf sich nicht wundern, wenn dieses wie ein Bumerang auch mal zurückkommt. [Zitat Ulmer PM: „Es war Freitagnacht gegen 1.30 Uhr als ratiopharm Ulms Manager Dr. Thomas Stoll eine SMS von seinem Head Coach erhielt. Mike Taylor schrieb: „Habe eben mit Austen gesprochen. Er will unbedingt zurück und würde sehr gut zu uns passen.“]
    Sonst kennt man dieses unangenehme „Ich-weiß-was, ich-weiß-was-Phänomen“ eigentlich nur aus bestimmten Fankreisen. Warum ausgerechnet Dr. Stoll diese Form so und so oft wählt? Ich weiß es nicht, aber es scheint ihm was zu geben, was er braucht. Gut.

    Zur Sache: TS bestätigt Erstkontakt am 18.11. Danach lief Rowlands Vertrag bei den 46ers ganz regulär aus. Warum wurde Ulm nicht aktiv als der Spieler „frei“ war? Eine Woche später (kurz vor dem OLD-Spiel) verlängert Austen Rowland seinen Vertrag bei den 46ers bis zum 31.12.09. Warum wenige Tage nach dieser Unterschrift und natürlich rein zufällig direkt vor dem Gießen-Ulm-Spiel Rowland so dringend nach Ulm will und vice versa, wird wohl ein Geheimnis bleiben. Wenn man einen Spieler verpflichtet, der unter Vertrag steht, dann muß man bitte auch mit den offiziell daraus resultierenden Abläufen fertig werden. Genau für diesen Fall sieht die Spielordnung nämlich, aus verschiedenen und ganz logischen Gründen, den Fall vor, dass der Ursprungsverein eine Woche Zeit hat. Hätte man den „freien“ Rowland eine Woche vorher verpflichtet, wäre das doch alles jetzt kein Thema.

    Fußnote: Ulms Manager ist selbst in dieser Beziehung alles andere als ein Kind von Traurigkeit. Stichwort: Konrad Wysocki. Man könnte ja oben noch eine PM aus Ehingen anführen, wie der Hase damals gelaufen ist. Und welche Regularien TS damals ausgenutzt hat, um Wysocki nach Ulm zu lotsen. Er nannte das damals „clever“. Und erzähle mir bitte auch keiner, dass Ulm umgekehrt nicht exakt genauso gehandelt hätte.

  4. Pingback: Tweets die Wichtig ist abseits des Feldes… « Grübelei – Ansichten eines Basketballfans erwähnt -- Topsy.com

  5. @oldschoolballer:
    Der „Aufreger“ ist aus meiner Sicht, dass Giessen die Freigabe verweigert ohne einen anderen Grund dafür zu haben, als sich auf rechtlichem Weg einen sportlichen Vorteil zu verschaffen. Das ist natürlich legitim und wie von dir ja auch aufgezeigt, wäre das Stoll durchaus auch zuzutrauen. Schön ist es trotzdem nicht und allemal ein „Aufreger“

    Was die Frage angeht, wieso der Transfer genau zu diesem Zeitpunkt zu Stande kam: vielleicht wurden in Ulm Gespräche mit möglichen Sponsoren geführt, als Rowland frei war (würde ganz gut zum Zeitpunkt des Paderborn-Desaster passen), aber keiner hat sich gefunden. Da man kein Geld hatte, konnte man Rowland nichts anbieten. Jetzt hat sich ein Sponsor gefunden und man hat möglichst schnell angeboten. Ich weiß natürlich nicht, ob das wirklich so war, aber ich halte es für durchaus plausibel.

  6. @ tnfftnt:

    wenn du das für plausibel hälst, wieso wird dann nicht für plausibel gehalten (seitens der ulmer), dass die 46ers das wochenende nicht dazu genutzt haben däumchen zu drehen, sondern dazu genutzt haben, wirklich eine möglichkeit zu finden um rowland zu matchen? das wäre ja genau so möglich. in dubio pro reo gilt demnach nicht nur für ulm, sondern auch für gießen!

  7. Ach für mich ist das alles nur bla bla. Ulm hätte sich (womöglich) früher entscheiden können Austen zu verpflichten und Giessen könnte einfach sagen: „Nee liebe Ulmer, wir warten mit der Freigabe bis nach dem Spiel gegen Euch“ und fertig wäre die Soße. Was da jetzt abläuft hilft weder den 46ers, noch Ulm und vor allem nicht den Fans beider Teams. Mir hängts zum Hals raus… *bäh* ;)

    Grüße

  8. Ich denke schon, dass Gießen warten durfte, bis sie was schriftliches haben. Ich mein, da kann ja jeder sagen: Du wir haben dem Austen 500.000 angeboten, matcht das oder er kommt zu uns. Und dann unterschreibt er für 50.000. Gießen muss doch wissen, was sie matchen müssen. Laut Ulms Aussage kam das schriftliche Exemplar am Montag in Gießen an. Ohnehin ist das fast egal, wann es in Gießen ankam. Denn die Freigabe kann doch ohnehin erst erteilt werden, wenn er in Ulm unterschrieben hat. Und das war nun mal Montag. Nach BBL-Statuten hat Gießen 7 Tage Zeit, die Freigabe zu erteilen. Die nehmen sie sich, geben sogar Gründe an, warum sie sich die nehmen. Nun mosert Ulm rum, dass das alles schon hätte vorher geklärt werden können. Tja, und dennoch kann Gießen sich die Zeit nehmen, noch mal alles zu checken oder zur Not auch Däumchen zu drehen. Die 7 Tage gelten für alle und haben meiner Meinung nach auch eine gewisse Berechtigung in den Statuten, weil Vereine sicherlich auch mal besseres zu tun haben, als einen Ex-Spieler freizugeben. Zum Beispiel zu spielen, zu trainieren, zu reisen. Ulm wird die 7 Tage überleben. Und wenn sie damit nicht klarkommen, hätten sie ja auch einfach einen der vielen anderen frei verfügbaren Spieler auf dem Markt verpflichten können. Sie haben sich aber für Austen entschieden, der nunmal die Freigabe braucht, die bis zu 7 Tage dauern kann. Als Manager eines BBL-Vereins muss man das ja auch mal mit ins Kalkül ziehen.

  9. @Solala: kann absolut sein, auch eine plausible Story. Nur behaupten die Gießener nicht mal, dass es so war, was die Wahrscheinlichkeit meines Erachtens doch etwas reduziert ;)

    @guwac: es bestreitet doch auch niemand ernsthaft, dass Gießen das so tun darf bzw. von den BBL-Statuten absolut gedeckt ist. Mit der weinerlichen Ulmer PM nach dem Motto „mimimi, die sind aber böse“ kann ich persönlich auch nichts anfangen. Das Einzige, was mich stört, ist der Sachverhalt, dass Gießen sich einen sportlichen Vorteil verschafft, indem es sich hinter einem Paragraphen verschanzt. Kann man machen, klar, ich finde es trotzdem sehr bescheiden und es hätte einem Team, das auch schon wegen Paragraphenreiterei Punkte verloren hat, durchaus gut zu Gesicht gestanden, da etwas kulanter zu sein.

    • Sie verschaffen sich meiner Meinung nach keinen sportlichen Vorteil. Gießen sieht nur zu, dass aus ihrem Handeln kein sportlicher Nachteil für sie entsteht. Und das find ich jetzt moralisch nicht verwerflich.

  10. @ tnffnt: Behaupten kann man viel. Sieht man ja an TS sehr deutlich. Für mich klingt das: „Nach reiflicher Überlegung haben wir uns am Montag dazu entschlossen, das Angebot, das Ulm dem Spieler gemacht hat, nicht zu „matchen“.“ [http://www.ltigiessen46ers.de/index.php?m1=aktuell&m0=giessen&saison=2009&news_id=965] nach einem ernsthaften Bemühen.

  11. http://www.giessener-anzeiger.de/sport/top-clubs/giessen-46ers/8032814.htm

    So schreibt ein Journalist am Samstag vor der Spiel über diesen Fall.
    Finde ich eine gute Zusammenfassung des Falles, der auch Fakten einbezieht. Die Aussagen eines BBL-Managers in diversen Foren, lässt der Autor aussen vor, meiner Meinung nach zu Recht, denn das kann man kaum als offizielle Äußerung eines BBL-Vereins in Betracht ziehen, wenn man sachlich etwas analysiert.

    Die Freigabe dürfte mittlerweile in Ulm angekommen sein, egal ob von der BBL oder von den 46ers. Viel Spaß in Ulm Herr Rowland, man sieht sich im Rückspiel :-)

  12. Abgesehen von der Frage, ob das rechtlich in Ordnung war, finde ich es schon etwas komisch wenn man es unfair oder unsportlich hält, dass Gießen nicht will, daß Rowland gegen Ulm spielen soll. Immer wieder sind solche Regelungen, bei dem der wechselnde Spieler nicht direkt wieder gegen seinen alten Arbeitgeber spielen darf, auch in Arbeitsverträgen (auch bei anderen Sportarten) drin und ich halte das auch für fair, da der Spieler Insiderwissen hat, dass insbesondere bei einem so kurzfristigen Aufeinandertreffen noch sehr prägnant ist. Dabei beziehe ich mich nicht auf recht einfaches Wissen wie Spielsysteme, dass man auch durch Spielbeobachtungen gewinnen kann. Es geht um gelerntes und implizites Wissen, was nur beim Spieler selbst vorhanden ist und nicht einfach mal dem neuen Coach erklärbar ist. Im Idealfall kennt er z.B. seine Kollegen sehr genau und weiß, wo er selbst ansetzen muß.
    Allerdings ist das bei Rowland auch wieder nur eingeschränkt vorhanden, da er ja auch erst kurzfristig zu Gießen gekommen ist, aber der Aufschrei wäre ja auch so laut gewesen, wenn er schon länger bei Gießen unter Vertrag gewesen wäre.

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