Rons ALBA Offseason-Analyse – Sechster und letzter Teil: Die Center

Ron Revolution schreibt: Mit Optionen ist das im Basketball wie an der Börse: so richtig versteht sie keiner. Und meist ist die erste Option mit einer zweiten verknüpft. So ist es auch im Fall von Adam Chubb. ALBA hat eine Option auf Vertragsverlängerung bei Chubb. Wenn ALBA diese zieht, hat Chubb wiederum eine eigene Option, unter bestimmten Bedingungen nicht zu bleiben. ALBA hat Chubb schon vor einiger Zeit gesagt, dass der Verein gerne seinen Vertrag verlängern würden. Chubb hat mündlich zugestimmt. Warum dann zwischendrin Spielchen mit Bamberg begannen und wie ernsthaft diese waren, ist mir nicht ganz klar. Fleming und er kennen sich aus alten Zeiten und schätzen sich – und Chubb ist ja auch ein richtig Guter, vor allem einer, der eine stetige Entwicklung durchmacht.

In seiner ersten Saison bei ALBA erzielte er 7,3 Punkt und fischte 3,2 Rebounds herunter. Letzte Saison waren es 10 Punkte und 3,9 Rebounds. In Quakenbrück waren seine Statistiken einen Tick besser, aber da war das Spiel auch stärker auf ihn zugeschnitten. Er hat sich in Berlin enorm spielerisch verbessert, ist ein großartiger Athlet mit guter Deny-Defense und ein Center wie gemacht für effektives Pick and Roll. Ganz nebenbei ist er ein supersympathischer Typ.

Von der letztjährigen Mannschaft ist er einer der wenigen Spieler, die das Team in kritischen Phase getragen haben. Das Heimspiel gegen Galatasaray Istanbul, als er im dritten und vierten Viertel zehn Punkte am Stück gemacht hat, war so eine Situation. Legendär sein Auftritt im Halbfinale des Eurocups gegen Bilbao. Pick and Roll in Vollendung. Er wird, wenn der Vertrag endlich unterschrieben ist, nächste Saison eine noch wichtigere Rolle spielen.

Allerdings ist Chubb kein Center wie einst Jovo Stanojevic, der gerne 35 Minuten spielte. Chubb braucht einen Partner, der ihm Luft verschafft, vielleicht auch etwas Konkurrenzdruck aufbaut. Das moderne Centerspiel geht ohnehin in die Richtung von zwei starken großen Männern, die sich ergänzen.

Chubb und Blagota Sekulic waren theoretisch eine Idealbesetzung. Sekulic, den Stefan Koch gerne als „den besten Center der Liga“ bezeichnete, hat statistisch durchaus geliefert: 9,9 Punkte und 4,7 Rebounds sind für einen Center, der etwa 20 Minuten auf dem Feld steht, tolle Zahlen. Das Problem ist nur, dass er zwei mal hintereinander in der entscheidenden Phase der Saison, in den Playoffs, abtauchte. Dazu hat er sich schon früh an Jurica Golemac gekettet. Mit Golemac‘ Suspendierung ist auch bei Sekulic etwas kaputt gegangen. Ihn werden wir nicht wieder sehen.

Für ihn wird es Ersatz geben, traditionell eine schwierige Wahl (fragt die Bamberger, die wissen, wie man sich in Centern irren kann). Interessanter finde ich fast die Frage, wie sich ALBAs Spiel verändern wird. Pavicevic erwägt, mit einem etwas kleinerem Center zu planen, der sich aber effektiv unterm Korb durchsetzen kann und einen guten Mitteldistanzwurf hat. Dieses Modell haben wir 2009 schon mal mit Ansu Sesay und Dragan Dojcin auf Power Forward und Sascha Nadjfeji als kleinem, beweglichen Center gesehen. Mein Eindruck war, dass das nicht dauerhaft funktioniert, aber immer für ein Momentum gut ist. Für dieses Modell gibt es konkrete Kandidaten.

Am Ende wird es wieder eine Rotation von fünf großen Spielern unterm Korb geben. Aber Vorsicht vor der Nalga-Falle: wenn sich fünf starke Männer für vier Plätze in einer eher starren Rotation bewerben, kann das zu bösem Streit führen. Gelingt es Pavicevic dagegen, auf den großen Positionen klug einzukaufen, freue ich mich sehr auf die neue Saison.

Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit.

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4 Gedanken zu „Rons ALBA Offseason-Analyse – Sechster und letzter Teil: Die Center

  1. Danke Ron, für eine Woche voller ALBA-Texte. Versprochen, wir schreiben auch wieder über was anderes. Aber ich hab mich über eine Urlaub vom Bloggen richtig gefreut und bin jetzt vielleicht etwas schlauer, in welche Richtung es geht.

    Auffällig finde ich, dass wir doch mehr in der Liga schauen können, wer denn da in Betracht kommt. Die Zeit der Experimente scheint wohl erst einmal vorbei.

    Bei den Centern überrascht mich der Kurswechsel nicht so wirklich. Es ist ein Zurück auf Los. Denn auch in der Meistersaison haben wir ja kleiner gespielt. Klar, ich hatte mich früh darauf festgelegt, Sekulic wiedersehen zu wollen, doch dann kamen eben die Playoffs und ne… einer der teuersten Spieler des Kaders darf sich von seinem Nach-Nachfolger bei Aris, der von dort nach Frankfurt ausgeliehen wurde, nicht so vorführen lassen.

  2. Hey Ron, danke erstmal für die tollen Einschätzungen. Vorallem die für das Trainer- und Managementteam (also Teil 1) hat mich etwas erleuchtet.

    Aber was mich jetzt zum letzten Teil interessieren täte, wäre deine Einschätzung zu Cemal Nalga.
    War es gänzlich ausgeschlossen, ihn eine weitere Saison bei Alba zu sehen?

    • jo, der hat bereits bei lietuvas rytas (falls die schreibweise so stimmt) unterschrieben

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