Habemus Pointguard und Primaballerina

Da ist sie, die erste größere Umbaumeldung von ALBA Berlin. Mit müden Füßen kam ich von einem Stadtspaziergang inklusive Basketballkorb-Sightseeing zurück, da las ich es auf facebook und schoenen-dunk.de. ALBA Berlin verpflichtet Pointguard Marko Marinovic von Valencia und Power Forward Derrick Allen von den Skyliners.

Es sind wie Ron dargestellt hat, wohl die Schlüsselpositionen im System von Luka Pavicevic. Mit Marinovic kommt ein international erfahrener Pointguard vom Eurocup-Sieger als Hand und Hirn des Trainers auf dem Platz. Mit Derrick Allen kommt der Vollstrecker und Organizer auf der Vier. Hatte irgendjemand diese beiden Spieler auf dem Schirm? Ich jedenfalls nicht. Ich muss allerdings zugeben, dass ich in der vergangenen Woche auch nicht allzu viel über deutschen Basketball nachgedacht habe. Rons Texte habe ich mit Freude gelesen, aber eher als Konsument denn als Grundlage für eigene Grübeleien. Hier sind grad andere Dinge im Vordergrund. Sightseeing zum Beispiel:

Na, wer kennt den Korb?

Primaballerina Allen

In den Playoffs kommentierte ich gemeinsam mit Miles Schmidt-Scheuber auf Radio Fortuna die Viertelfinalspiele in Berlin. Miles unvergleichliche Art zu Jubeln bleibt einem im Ohr. Insbesondere bei Derrick Allen, den er grundsätzlich als Primaballerina ankündigte. Laut Wikipedia ist die Primaballerina die erste, führende Tänzerin im Ballett, das was die Solistin im Orchester ist. Passt der Vergleich? Vor zwei Jahren hätte ich es abgenickt. Derrick Allen zog unter Didin oft im Alleingang seine Show ab. Der Gegner ließ ihn zuweilen gewähren, Allen punktete in großen Mengen, doch viel gewonnen hat Frankfurt nicht. In dieser Saison war es anders. Der Neudrache Stefan Koch ist mir noch in Erinnerung, wie er zu Allen zu Beginn der Playoffs meinte, dass dieser den 3er ja nicht treffe. Schnell revidierte er diese Position. Allen hat sich deutlich entwickelt. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat ihn und seinen Trainingseifer, den er unter Pavicevic sicherlich brauchen kann, porträtiert und schreibt:

Zuerst kommt bei Allen immer die Mannschaft – eine für amerikanische Profis typische Haltung, die sich manchmal allerdings nur als Floskel erweist. Bei Allen ist das anders. Er ist ein Dauerläufer, einer, der nie aufgibt. Er ist kaum zu bremsen in seinem schier unermüdlichen Streben nach sportlichem Erfolg.

Gerade der letzte Satz klingt sehr nach Luka Pavicevic. Vielleicht überstrahlt Allen Tanz auf dem Parkett ein wenig das, was ihn wirklich ausmacht. Ein schwarzes Loch, das jeden Fall haben muss und jeden Wurf nimmt, ist er lange nicht mehr. Gute Pässe, kluge Entscheidungen. Ja, er hat sich gemausert. Schafft er es, schnell die fein ausdifferenzieren Berliner Choreographien zu lernen, diese in seinen Tanz zu integrieren, könnte er aus der Primaballerina ein Berliner Star werden. Sprachlich ist dies kein allzu großer Sprung, ist die Primaballerina doch im französischen Ballett l’étoile, der Stern.

Es ist nicht die eierlegende Wollmilchsau geworden, kein Bajramovic, kein Nikolic, sondern ein rundum solider Spieler, den wir aus der Liga gut zu kennen scheinen. Jemand, der seit sechs Jahren in der BBL verlässliche Leistungen abliefert, von wenigen wirklich zu halten war und nun mit 30 Jahren die Chance bekommt, sich auch auf europäischen Parkett zu beweisen. Denn das hat er bislang kaum. Insofern ist es auch ein wenig eine Verpflichtung, die Hoffnung ausdrückt. Hoffnung darauf, dass Allen den Ehrgeiz und das Talent hat, bei ALBA auch den nächsten Schritt zu machen.

Jugo-Schule auf der Eins

Europäische Erfahrung en masse hingegen bringt der Pointguard mit. Marko Marinovic, kein geringerer als der Backup des Eurocupsiegers, wird sich mit Steffen Hamann die Minuten auf der Eins in der kommenden Saison teilen. Seit 2004 spielt Marinovic europäisch. Er ist ein Kind der FMP-Schule, die damals noch Reflex hieß. Zu seinen Mitspielern gehörten Typen wie Rasic, Teodosic, Popovic. Leider habe ich aus dem Eurocup-Finale kein Bild mehr von ihm vor Augen. Vor lauter Nielsen, De Colo und Kelati ging er in meiner Wahrnehmung unter. Mit 186 Zentimetern keiner mit Gardemaß, dafür aber gewohnt kräftig. Er spielte zwei Jahre unter Svetislav Pesic, bei Akasvayu Girona und beim Roten Stern. Klingt schon ein wenig so, als hätte „der Alte“ da möglicherweise – wie dereinst bei Rasic – seine Finger im Spiel gehabt. Drei Jahre ACB durchaus mit guten Minuten hat er zudem auf dem Buckel. Ich bin gespannt auf sein Spiel. Falls jemand nen vernünftiges Video hat, würde ich mich über einen Link freuen. Von den Stats her gibt es wenig zu meckern. Klar, er trifft den 3er nicht wirklich überragend. Aber das müssen dann andere leisten. Hat Allen die nötige Range?

iMac-Watch

Eine kleine Alarmmeldung kam dann heute in der B.Z.: ALBA hat den Vertrag mit Immanuel McElroy „gekündigt“, bzw. eine Optionssituation herbeigeführt, bei der ALBA neu verhandeln kann. Es geht ums Geld. ALBA scheint den Gürtel wirklich enger zu schnallen, oder Mac in USD bezahlt zu werden… denn wie mies sich der Wechselkurs seit dem letzten Frühjahr, als Mac verlängert wurde, entwickelt hat, darf ich auch gerade erleben.

Gleichzeitig kann ich euch nur noch einmal Rons Einschätzungen zu dieser Position nahelegen. Denn mit Marinovic haben wir nun einen zweiten Pointguard mit sub par 3er-Quoten. Ein Szenario ohne McElroy finde ich jetzt nicht gänzlich unwahrscheinlich, so weh es täte. Aber vielleicht bietet sich hier ja auch eine europäische Lösung an?

Wie geht es weiter?

ALBA baut wirklich um. Der Kader nimmt Form an und verändert sich, wird wieder mehr BBL, vielleicht etwas europäischer? Die Effekte von Dollarkurs und wirtschaftlichen Schwierigkeiten anderenorts lassen sich wohl nicht gänzlich verleugnen. Gleichzeitig mehren sich die Meldungen, dass auch ALBA selbst das Budget zurückfährt bzw. zurückfahren muss. 6,5 Millionen sind die letzte von der BZ kolportierte Zahl. Das wäre in etwa das Niveau der ersten Pavicevic-Saison vor den Nachverpflichtungen aus Köln.

Momentan sieht es so aus:

PG Marko Marinovic
PG Steffen Hamann

SG Julius Jenkins SG Lucca Staiger

SF —

PF Derrick Allen PF Sven Schultze
C (Adam Chubb) C C Andreas Seiferth

Drei (vier) von sieben Ausländersports sind besetzt. Es bleibt noch verdammt viel Spielraum und zudem fehlt noch ein deutscher Spieler für die Quote.

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10 Gedanken zu „Habemus Pointguard und Primaballerina

  1. Marinovic war mal auf dem Weg, ein echter Star in Europa zu werden. Dann hat er sich ein Band – ich glaube das Kreuzband – gerissen. Seither kam er nie mehr ganz zurück. Erst in der letzten Saison waren wieder Spuren alter Klasse da. Ein Mann ohne Angst, sehr sicherer Pointguard, guter Zug zum Korb – kein überragender Dreierschütze. Er hatte in keiner Saison mehr als 35 Prozent. Die ersten Monate wird das aber auch keine Rolle spielen, weil bei der größeren Distanz eh erst mal weniger von draußen geworfen wird, wie die Erfahrungen anderer Länder zeigen.

    Insofern ist es auch schlüssig, Leute wie Allen zu holen, die mit mehr Raum unter dem Korb wegen weiter auseinandergezogener Verteidigung auch etwas anfangen können.

  2. Edit: Das mit Verletzung war offenbar eine Verwechslung. Warum Marinovic dann von von guten zu viel schlechteren Klubs durchgereicht wurde obwohl seine Leistungen okay waren, weiß ich nicht.

    • Zu schlechteren Clubs durchgereicht? Ich glaube ein Yugo-Spieler empfindet es nicht als „durchgereicht“ sondern als „Geld Verdienen“, wenn er in die ACB wechselt. Einen Wechsel von Roter Stern zu Vivemenorca würde ich jetzt nicht als Kariereknick ansehen. Noch eine Frage an die Experten: FMP = Partizan?

    • Er hat von Reflex (FMP) Belgrade nach Girona gewechselt, damals, als die sehr viel geld und den alten Pesic hatten. Von dort (Playoff-Team mit Absicht auf mehr) zu Menorca ist ein Rückschritt. Von Menorca zu Roter Stern Belgrad (Nummer zwei in Serbien und chronisch klamm) ist auch einer. Er mit Valencia wurde es wieder besser. Da war er aber nur Nummer zwei.

      Er hatte Talent für mehr, hats aber noch nicht nach ganz oben geschafft. Deswegen ist er bei uns. Eine Art Wendell Alexis, wenns gut geht (-;.

    • Diese Einschätzung sollte man aber noch insoweit ergänzen, dass Girona nach der einen Saison finanziell komplett baden ging.

      Klar, Menorca ist dann ein Schritt zurück bei Crvena Zvezda war es eben die eine Saison, in der mit Pesic ein neuer Start versucht wurde. Übrigens mit einem äußerst talentierten Team, das es bis ins Halbfinale des EuroCups schaffte. Kelati, N. Bjelica waren die Talente, Lawrence Roberts (zuletzt Partizan) und Andre Owens die beiden US-Stars. Alles Spieler, die wohl die meisten ALBA-Fans auch sehr gerne hier sehen würden.

  3. Wieder falsch. Akasvyu Girona hat es immerhin zwei Jahre lang probiert. Das erste mit Pesic und viel, viel Geld und das zweite unter Pedro Martinez mit immer noch sehr viel Geld. Mehr als Menorca. Aber ohne Marinovic. Dafür mit Ariel McDonald, Marc Gasol, Fernando San Emeterio – vielen (teuren) Leuten die man kennt.
    Und bei allem Respekt: Im Pesic Jahr war Roter Stern zwar teils ordentlich Basketball gespielt (wie Bamberg noch wissen wird), schied aber sang und klanglos im Uleb-cup aus, scheiterter in der Adria-Liga und in Serbien, war zudem bei Saisonende annähernd pleite. Geld haben nicht alle gesehen. Und das Projekt war sicher ambitoniert, aber unter Alba-Höhe. Keselj (nicht Kelati, der war da nie) kam doch aus Köln?. Aufstieg würde ich das nicht nennen. Zwei brauchbare Amis abzubekommen, ist wirklich keine Kunst.
    Ich habe auch nichts gegen Marinovic, guter Kauf. Ich wüsste nur gerne, wie es zu diesem Abstieg kam.

    • Aber zu der Zeit war Marinovic noch ziemlich Jung, etwa im gleichen Alter wie die „abbekommenen“ Amis – zumindest wenn man die BBL-Amis als Vergleich heranzieht. Ich kann die südeuropäischen Amis da nicht einordnen – aber Deine Gesamteinschätzung finde ich schon etwas hart. Alba bekommt einen Pointguard, der Backup in der ACB war; ich halte das für angemessen.

  4. Pingback: Wird der nächste Stein umgedreht? Marko Marinovic bei Partizan Belgrad im Gespräch « gruebelei.de – Ansichten eines Basketballfans

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