Karussellfahrt, Quotendeutsche und nur Mittelmaß?

Na, wo ist der Bezug zum Basketball?

ALBA hat zwei neue Spieler. Die Meldung ist nun mehr als einen Tag alt und ich hab’s noch nicht verbloggt. Verdammt. Zeitverschiebung und eine tolle Zeit im International House New York halten mich doch tatsächlich vom Bloggen ab. So viele neue Gesichter. Auch bei ALBA werden wir neue Gesichter sehen. Jedoch ein wenig wie hier, ziemlich viele Deutsche. Zwei hat ALBA nun verpflichtet: Yassin Idbihi kommt aus Braunschweig und Patrick Femerling dürfte mit nunmehr drei Wechseln zu ALBA einsamer Rekordhalter sein.  Dazu gab es dann heute auch noch die Euroleaguequali-Auslosung. Verdammt viel Stoff zum Schreiben. Mehr als in einen Artikel passt. Daher hier nur mein Kommentar zum Wechselkarussell.

Die Centerpostition bei ALBA ist nunmehr besetzt. Chubb geht, das finde ich schade. Aber so ist das eben im Umbau. Manchmal reicht das Geld in der Tasche eben nur für einen Hotdog und nicht für eine in zwei Jahren von der Wurst zur Luxussalami gereiften Spieler. Das muss aber nicht unbedingt dazu führen, dass es schlechter wird. Hotdogs sind super lecker, wenn die Mischung in der Mannschaft nach der Karousselfahrt stimmt.

Sportdirektor Demirel sagt: Es kommt noch ein Powerforward. Auf schoenen-dunk.de wird ALBA grad schwachgeredet: Der Deal vom Mittwoch zeige, dass ALBA nur Mittelmaß sein. Ist das so?

Klar, Yassin Idbihi ist jetzt nicht der überragende Center der Basketball-Bundesliga. Nicht der Typ, der 20/10 auflegt oder durch eine besondere defensive Dominanz auffällt. Mit 2,08m hat er jedoch eine solide Centergröße. Athletik fehlt auch nicht, nur eben der nächste Schritt. Yassin war in Braunschweig stark. Doch ich habe bei ihm immer den Eindruck, dass es noch ein ziemlicher Weg zu europäischen Format ist. Er zappelt, die Cleverness fehlt ihm, die ein Tibor Pleiss zeigt, der ihn – viel jünger – zusammen mit dem „alten“ Femerling letzten Sommer  aus der Nationalmannschaft gedrängt hat. Es ist für ihn – und für ALBA – eine mutige Entscheidung. Er wird lernen müssen. Weg vom doch recht freien Spiel unter Machowski, von einer Mannschaft, die  eklatante Schwächen in der Teamdefense zeigte, hin zu Mr. Systembasketball Pavicevic, der Fehler nicht verzeiht. Ich hoffe für beide Seiten, dass sich dieser Mut auszahlt, Yassin in Berlin viel lernt und hier zum Stammnationalspieler heranreift. Mit einem Dreijahresvertrag könnte dann ein Baustein für die Berliner Zukunft stehen.

Kein Baustein für die Zukunft, dafür aber ein Turm in der Schlacht, das ist Patrick „Socke“ Femerling, die zweite Berliner Verpflichtung. Wie groß der ist, realisiert man erst, wenn man in einem „normalgroßen“ Umfeld mal neben ihm steht. 2,15m und 120 Kilo, das ist schon verdammt beeindruckend. Weggeschoben wird der nicht. Auch nicht von Luka Pavicevic, der wohl schon beim letzten Abschied sagte, dass es durchaus einen Platz gäbe. Dennoch gab es ne Menge Ärger in der Presse damals.

Socke und ALBA, das hat ja was von On-/Off-Beziehung. So richtig kann man nicht miteinander, aber länger ohne einander geht es auch nicht.

Ich bin bekennder Femerling-Fan. Er ist vielleicht das deutsche Aushängeschild im deutschen Basketball. Auch wenn Tibor nun gedrafted wurde, den Weg über Panathinaikos, Olympiakos und Barca hat Femerling schon gemacht. Auch mit 35 Jahren brachte er in der Türkei durchaus solide Leistungen. Sechseinhalb Punkte, viereinhalb Rebounds in 20 Minuten. Das klingt jetzt nicht sonderlich viel. Aber darum geht es bei ihm auch nicht. Er macht die Räume weit, muss verteidigt werden und vor allem zieht gegen ihn niemand mehr so leicht zum Korb. Was haben uns Brown und Co. vergangene Saison geärgert. Nee, das geht gegen die Socke nicht. Aber ich wiederhole mich. Kurz vor seinem letzten Abschied vor einem Jahr, hab ich darüber geschrieben.

Es ist eine grundsätzlich andere Ausrichtung auf der Centerposition. Von den beiden „klassischen“ leicht undersized PnR-Centern Chubb und Sekulic – Nalgas paar Spiele können wir eigentlich außen vor lassen – hin zu einem deutlich variableren Frontcourt mit Idbihi, der noch Luft nach oben hat, Femerling als echtem Defensivcenter und Derrick Allen, der m.E. deutlich mehr Vierer als Center ist. Es erinnert stärker an die Meistersaison. Nach dem Abgang von Bradley hatten wir auch „nur“ noch Femerling als gelernten Center. Nikolic spielte viel auf der Fünf, später auch Nadjfeji. Auch wenn Allen kleiner als Nikolic ist, scheint es vergleichbar. Denn zwar sind Idbihi und Nadjfeji durchaus unterschiedliche Typen, aber es scheint ein wenig die „machbarste“ Lösung gewesen zu sein, wenn man die Quotenentwicklung berücksichtigt.

Schlechter war die Meistersaison nicht. Zudem ist das Bild nicht komplett. Ein Starter auf der Vier fehlt, von den kleinen Positionen mal abgesehen. Es bleibt spannend. Aber unglücklich bin ich mit diesen Entwicklungen nicht. Klar wird: Endlich haben wir ab Saisonbeginn wieder mehr Tiefe im Kader auf den langen Positionen.

Es ging dann doch verdammt schnell mit dem Umbau. Mit jetzt schon fünf Nationalspielern und einem Nachwuchsspieler mit deutschen Pass ist die Quote übererfüllt. ALBA hat alle Möglichkeiten auf zwei, drei und vier Stars zu holen, nachzuverpflichten und braucht erst einmal keine Rücksicht mehr auf die Quote nehmen.

Nein, das ist kein Mittelmaß. Das wird ein tief besetzter Kader, wohlmöglich der Abschied von der 9er-Rotation und ein klares Signal an den Markt: Wir vertrauen ganz unterschiedlichen Generationen von Nationalspielern und wenn wir sie wollen, dann bekommen wir sie auch, egal wie ihr über Spielzeit lästert. Denn eines, das zeigt sich an diesen Deals, das ist ALBA nicht: Mittelmaß.

Mehr zu Europa wird dann wohl am Wochenende kommen.

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6 Gedanken zu „Karussellfahrt, Quotendeutsche und nur Mittelmaß?

  1. DANKE! Sehr Geil geschrieben!.. schon mal an eine journalistische Karriere gedacht? Besser als der ein oder andere FIVE-Redakteur!

    • gebe dir recht puitman

      was sich da der ein oder andere five-redaktuer ausdenkt ist ( um es vorsichtig auszudrücken) sehr grenzwertig

    • Nein, auf keinen Fall! Der Gruebler bleibt bitte bei seinen Leisten! Wer weiß, ob ich nicht irgendwann einmal einen solch eloquenten Strafverteidiger benötige… ;-)

      BTW: Der Bezug zum Basketball steht auf dem Mülleimer, richtig?

      Und schon bei Peter Luger eingekehrt? Falls noch nicht, unbedingt nachholen!

      Enjoy your stay!

  2. Jetzt wo wir wissen, dass Alba nach Halbfinal-Aus und Viertelfinal-Aus, kein Mittelmaß ist, kann man sich dann aber Debatten darüber sparen, dass andere Vereine einen höheren Spieleretat haben. ;-)

    Den Vergleich mit der Meistersaison finde ich putzig. Damals als sie noch 7 Spieler hatten… Ob Alba im nächsten Jahr wirklich variabler oder anders spielt würde ich derzeit überhaupt nicht beurteilen wollen. Auch in den letzten Jahren waren Spieler für ein „variables“ Spiel vorhanden (mal Sekulic und Chubb gemeinsam oder ein Nalga für einen desolaten Sekulic). Ob das Potential diesmal genutzt werden soll, steht für mich noch vollkommen in den Sternen und wird man wohl erst im Oktober sehen.

    Persönlich habe ich sehr wenige gute Spiele von Allen auf der 5 gesehen (überhaupt eins?). Daher gewinne ich solchen Ideen sehr wenig ab. Das Allen unter Herbert nur noch auf der 4 gespielt hat, war für mich auch Schlüssel zum Erfolg von Frankfurt.

  3. Alles deutet darauf hin, daß Alba nächste Saison mit einer größeren Rotation spielen wird als in der vergangenen – und wahrscheinlich unterschiedlich akzentuiert international und national. Pavicevic ist also doch lernfähig und schaut ab, was die meisten europäischen Spitzenteams machen. Das ist wichtiger, als den besten verfügbaren Namen zu verpflichten, den man sich leisten kann. Allen ist übrigens wirklich ganz klar ein Vierer, daß Didin ihn auf der fünf hat Spielen lassen ist dessen Marotte und kann kein Maßstab sein.

  4. Wenn mich Gruebler mit seinen letzten Blogeinträgen schon regelmäßig an New York erinnert (und auch noch just im International House wohnt), muss ich auch noch meine 2 Cent loswerden.

    Diners gibt’s in der Ecke viele Gute.

    In Erinnerung geblieben ist mir, vor allem zum Frühstück, das Community Food & Drinks:
    http://www.communityrestaurant.com/?page=food_breakfast
    Nur einen kurzen Spaziergang von Deiner Bleibe entfernt.

    Und noch etwas zum Nachdenken: Zu Basketball und New York passt keine Lektüre besser als „The Last Shot: City Streets, Basketball Dreams“ von Darcy Frey.
    http://www.amazon.de/product-reviews/0618446710/ref=dp_db_cm_cr_acr_txt?ie=UTF8&showViewpoints=1

    Und unbedingt lesenswert, nicht nur, wenn man gerade in New York ist. Exzellenter Journalismus. Wer sich auch nur ein bisschen mit College-Basketball in den USA auseinandersetzt, sollte an diesem Buch nicht vorbeikommen. Auch wenn man mehr erfährt, als man vielleicht wissen wollte.

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