Frankreich will Eurobasket 2015 gemeinsam mit DBB ausrichten

Leider wissen wir nicht was „Breaking News“ auf französisch heißt. Aber dies sind ganz gewiss welche:

Der Französische Basketballverband (FFBB) hat einen neuen Präsidenten, Jean-Pierre Siutat. In seiner Antrittsrede am vergangenen Wochenende hat dieser erklärt, er habe dem Deutschen Basketballbund vorgeschlagen, die Europameisterschaft 2015 gemeinsam auszurichten.

Auf die Frage, ob Frankreich ein Kandidat für einen internationalen Wettbewerb wäre, antwortete er in seiner Antrittsrede, dass er jüngst dem DBB einen solchen Vorschlag einer solchen neuen Form der Organisation dieses Events gemacht habe.  Im O-Ton (via basketsession):

La France sera-t-elle candidate à l’accueil de Grandes compétitions Internationales ?

– L’Euro 2015 Masculin co-organisé avec nos amis allemands. Je rentre d’ailleurs d’un déplacement à Berlin où j’ai proposé à nos amis de la fédération allemande une nouvelle manière de considérer ce grand rendez-vous européen.

Dies hier ist das Transkript der Originalrede .

Der neue FFBB-Präsident verspricht sich davon (und von 2 weiteren Bewerbungen für Großereignisse) mehr Popularität für den Basketball in Frankreich, aber auch eine Verbesserung der Infrastruktur und der zur Zeit relativ bescheidenen Hallensituation im Lande.

Was der Deutsche Basketball Bund dazu sagt, wissen wir noch nicht. Bislang hieß es, dass der DBB die Eurobasket 2015 ausrichten wolle, man habe Italien für 2013 unterstützt und als eigenes Ziel nimmt man 2015 „ins Visier„. Von einem Mitausrichter oder der Suche bzw. dem Wunsch danach, war bislang hierzulande nichts zu hören. Die Konkurrenten um die Bewerbung als Ausrichter für die Eurobasket 2015 sind aller Voraussicht nach Russland und UK.

Gemeinsam ausgerichtete Wettbewerbe sind in kleineren Staaten und anderen Sportarten kein Novum. Natürlich wäre es ein schönes Signal für die deutsch-französische Freundschaft, gemeinsam ein solches Großevent auszurichten. Aber ist dies wirklich praktikabel, wenn dann sehr weite Strecken zwischen den einzelnen Spielorten liegen? Braucht man in der FIBA diese geballte Macht zweier Verbände, um Mehrheiten für die Ausrichtung zu gewinnen? Ist dies für den DBB allein wirklich aussichtsloser? Kann man sich so Kosten teilen oder generiert man eher noch höhere? Sprachchaos oder Völkerverständigung? Es gilt viele Vor- und Nachteile abzuwägen – 2015, das klingt weit weg, man müßte aber tatsächlich ganz bald Nägel mit Köpfen machen – so oder so.

Es ist ein neuer, ungewöhnlicher und interessanter Vorstoß, wir sind auf die weitere Entwicklung, die Stellungnahme des DBB und eure Meinungen hierzu gespannt!

Wir bleiben da ganz nah am Ball. Die EM-Ausrichtung ganz oder teilweise in Deutschland wäre ein Traum – ein Traum, den wohl nicht nur die deutschen Fans träumen.

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8 Gedanken zu „Frankreich will Eurobasket 2015 gemeinsam mit DBB ausrichten

  1. Auch wenn Siutat von einer Verbesserung der Infrastruktur durch Großwettbewerbe spricht, ist eine direkte Verbindung mit den Hallen in meinen Augen nur eingeschränkt plausibel. Die Spielhalleninfrastruktur in Frankreich ist nicht so bescheiden. Es gab in Frankreich in den letzten Jahren einige Projekte, neue Sportinfrastruktur wie Stadien und Hallen zu bauen. Neue oder totalsanierte Arenen wie Montpellier, Chambery oder Strasbourg und auch immer noch moderne Hallen aus den 90er wie Le Mans, Orléans oder Nancy sehen anders als bescheiden aus. Sicherlich fehlen de vergleichbaren 10.000er+ Hallen wie in Köln, Hamburg oder Berlin. Aber auch für eine Eurobasket benötigt man ja nicht ausschließlich 10.000er-Hallen.
    Ich würde da den Begriff Infrastruktur breiter auffassen. Es geht also neben Immobilien wie Trainingshallen auch um Infrastrukur wie Trainer oder Betreuung von Mannschaften, die man im weiteren Kontext da ja auch mitzählen kann.

  2. Also die Hallensituation in Frankreich im Vergleich mit Deutschland ist doch eher bescheiden. Der aktuelle Meister spielt in einem regelrechten Schuppen. Die grösste Halle wird von einem Aufsteiger (doch ehemaligen Top-Team) wie Pau-Lacq-Orthez benutzt.
    Die Halle in Nancy würde ich nicht unbedingt als modern bezeichnen sondern als auf kleinstem Raum die meisten Zuschauern reinsetzen.

    Im grossen und ganzen wird in Deutschland in der BBL im Durchschnittin viel moderneren Hallen gespielt als in der französichen ProA.

    Die neuen Hallen stehen nun mal nicht in Basketballstandorten und Frankreich besitzt nebem dem veralteten Bercy keine 10.ooo+ Halle

    • Ja, bescheiden im Vergleich zu Deutschland. Aber nicht allgemein bescheiden. Letztlich ist die deutsche Infrastruktur (auch im Fußball) recht luxuriös, da beinahe alle Spielorte in den letzten 15 Jahren umfrangreich renoviert oder neugebaut wurden. Wenn die französische Halleninfrastruktur bescheiden ist, wie bewertet man dann die italienische? ;)

      Die Arena Montpellier hat 10.000 Plätze, das Galaxie in Amnéville hat ebenfalls 10.000+ (bisher aber im Grunde nie für Sport benutzt), in Bordeaux entsteht bis 2012 die Grand Arena (14.500) und auch das mittelfristige Projekt in Lyon wird 10.000+ haben. In den 7 deutschen 10.000 + Hallen spielt auch nur in einer Halle ein Basketballclub (Berlin), mittelfristig könnte wohl noch München (entweder Olympiahalle oder die neue Halle für 2018) dazu kommen.

      In Frankreich wird allerdings ja meist eher unabhängig von lokalen Sportclubs bzw. deren Erfolge gebaut, denn es sind auch andere rechte neue und größere Hallen (wie Zenith d’Auvergne oder Les Arènes in Metz) entstanden. Auch das Argument, dass z.B. Nancy eng wäre, ja das gilt auch für deutsche BB-Hallen. Also in Nancy und den 18 deutschen BBL-Hallen war ich ja auch selbst schon. Bamberg oder die kleineren Hallen in Türbingen und Quakenbrück sind da z.B. auch recht eng.

  3. Bei Facebook BG Göttingen gibt es Bilder aus der Halle in Villeurbanne – das sieht echt geil aus! Keine Ahnung wieviel da rein gehen aber als Zusacheur hat man bestimmt das Gefühl, dass man selsbt in das Spiel eingreifen kann…

  4. Wie ich schon „drüben“ bei SD schrieb:
    Bei 24 Teilnehmern von 49 Mitgliedsverbänden bei einer EM braucht man überhaupt nicht so ganz viele Großarenen.
    Welche 10.000 Leute schauen sich in F oder D Ungarn-Estland oder England-Finnland an.
    Aber solcherart Begegnungen wird es bei 24 Mitspielern eben viele geben müssen.
    Da reicht auch die Schulturnhalle irgendwo in der Provinz hier wie dort…

    • Wie auch schon drüben angemerkt: Die Vorrunde funktioniert nur, wenn du drei Gruppenspiele an einem Tag hintereinander weg spielen lässt. Das ist für Fans wie Presse eine Zumutung und sicherlich Grund für leere Ränge. Gleichzeitig brauchst du dafür dann eben auch für 6 Teams und alles drumrum professionelle Hallen und Orte mit vernünftiger Infrastruktur, da du einen riesigen Tross mitschleifst, der dann irgendwie kollektiv von der Vorrunde in Bonn/Bamberg/Ulm zur Zwischenrunde in Lyon/Marseille geflogen werden müsste.

      Hier krankt das System.

      Ich gehe daher eher davon aus, dass bei dem Modus die beiden Vorrunden-Äste A/B und C/D auf die Länder verteilt werden und die Ländergrenze erst ab der KO-Runde überrschritten wird. Wäre dann natürlich blöd, wenn in der Vorrunde les bleus in Deutschland antreten und Dirkules & Co. in Frankreich.

      Letztlich wird auch deutlich: Eigentlich brauchst du gar nicht sooo viele Standorte. Das Turnier ist beim momentanen Modus so dicht, dass du deine vier Vorrundengruppen hast, zwei Zwischenrundengruppen (also sechs Hallen) und dann innerhalb von fünf Tagen alles von Viertelfinale bis Finale einschließlich komplett unwichtiger Platzierungsspiele.

      Modus grafisch dargestellt: http://www.fibaeurope.com/cid_KNce8jInH7Qj1EsyH5rjn2.pageID_XFU0uBNRJWgtxQzAoI,xz0.compID_qMRZdYCZI6EoANOrUf9le2.roundID_7526.html

  5. Pingback: Details zur gemeinsamen EM-Bewerbung von Deutschland und Frankreich « gruebelei.de – Ansichten eines Basketballfans

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