Fans am Rande des Nervenzusammenbruchs – Part1

Donnerstag Abend: einige Fans, Freunde, Leidensgenossen (oder wie auch immer man die Ansammlung gequält bis frustiert dreinblickender Menschen in der Ex-Osthölle nennen möchte) fordern mich, über diverse Wege der modernen Kommunikation auf, etwas zum Abstiegskampfdrama zu bloggen. SMS, Twitter, facebook, Skype, Handy. Klasse Sache, das.

Leere.

Ja, was denn? Schon wieder „Do or die“? Schon wieder „Kämpfen und Siegen?“ Erneute Durchhalteparolen und repetitive Fanbemühungen? Nein. Irgendwas ist anders dieses Jahr. Und auf Nachfrage weiß auch keiner der Bloggerbegehrer, was man überhaupt noch schreiben könnte. Gießen und die Fans sind traditionell schon immer das, was man bei Trainern als „Players Coach“ bezeichnen würde – sie sind „Players Fans“. Fast jeder spielt selbst oder hat gespielt, manche höherklassig, manche nicht, aber sie wissen eben wie es sich anfühlt gewinnen zu müssen oder zu sollen. Sie üben Nachsicht mit gestressten Spielern, die vielleicht mal `nen miesen Tag haben, sie verstehen, wie es sich anfühlt in einer Auszeit vor 4000 Zuschauern zusammengefaltet zu werden. Sie stehen immer auf der Seite der Spieler, sind kurz gesagt verständnisvoll.

Aber irgendetwas, irgendeines der vielen kleinen Vorkommnisse diese Saison, hat diesen ankerkettendicken Geduldsfaden reißen lassen. Höhepunkt des Unmuts war das Heimspiel gegen Tübingen, in dem nicht nur der Fansupport kollektiv versagt wurde, sondern vor Spielbeginn auch schweigend hunderte DIN A4 Zettel mit „Shame on you!“ hochgehalten wurden. Wundersamer Weise (oder weil es für Tübingen um nichts mehr ging), wurde dieses Spiel gewonnen, die Fans sind jedoch keineswegs besänftigt und beäugen das bemühte Dilettieren ihrer Truppe weiterhin skeptisch. User „deissler“ versuchte sich auf SD an einer gelungenen Bestandsaufnahme dessen, was wohl zwischen freudigem Start in die Saison und dem erstmalig in der BB-Geschichte in Gießen aufkommenden völligen Unverständnis gegenüber dem eigenen Team passiert sein könnte.

Weiteres Beispiel dafür ist die letzte, englische Woche. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit lässt man sich in Göttingen am Dienstag vorführen: es sieht ja keiner. […] Gegen Alba jedoch rennen die Kistenschlepper wie vor einem Managementwechsel bei Wal Mart. Motiviert durch die leuchtenden Kameralämpchen hält man gegen Alba zumindest mit, lässt den Kopf erst spät hängen.

Ich bin immer noch müde und des BBL-Überlebenskampfes überdrüssig. Per Email frage ich also verzweifelt in Berlin um Rat – und bin erstaunt. Gruebler bringt in einer Antwort gegen 22:15 Uhr deutlich mehr Emotionen und Leidenschaft für Basketball in Gießen auf, als ich. Er will nicht, dass wir absteigen, sondern, dass ich ne Flasche Rotwein trinke und was schreibe. Aha. Hmmm, hat er wahrscheinlich mitbekommen, dass ich für den Fall des Abstiegs meine Bloggerkündigung einreichen will. Oder er will weiter 2 Mal pro Jahr den Pöbelfreifahrtschein haben. Oder er will doch noch mal in der Ost in den Mob hinterm Korb. Oder es liegt ihm wirklich was dran. Egal. Ich geh erstmal ins Bett.

Freitagmorgen, unmenschliche 7:00 Uhr. Facebook meint, dass einige Freunde doch eventuell ein bisschen überproportional aufgeregt sind. Dreihunderttrölf neue Meldungen – mindestens. Das Hyster-o-meter steigt, trotz des allgemeinen langmonatigen Phlegmas, wieder in ungeahnte Höhen. Ich brauch nen Kaffee. 16:30 Uhr. Ich an der Arbeit, die ersten Fans an der Halle. Durchhalteparolen, Grillutensilien, rot-weiße Klamotten, Bannerspraybesprechung. Da sind also doch noch etliche, die tatsächlich auf keinen Fall absteigen wollen. Aufgeregt sind sie, der „Arsch geht ihnen auf Grundeis“ (Diana). Punktestand vor dem Spiel heute Abend: 16:46. Die Gießen46ers brauchen um jeden Preis die 18:46. Himmlischer Zufall oder Treppenwitz der BBL-Geschichte? Ich weiß so insgesamt immer noch nicht, was ich denken soll. Hat das alles zum gefühlt hundersten Mal überhaupt noch einen Sinn? Will das noch jemand lesen? Juckt es noch jemanden in Basketballdeutschland, wenn wir drauf gehen? Keine Ahnung, sagt ihr es mir. Ich protokolliere den Irrsinn derweil weiter.

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7 Gedanken zu „Fans am Rande des Nervenzusammenbruchs – Part1

  1. Ich wiederhol meinen Senf von neulich gerne nochmal, hatte nie ein Problem damit mich in Giessen anpöbeln zu lassen…war vielleicht auch zu oft dort… ich bin ein Giessen-Aficionado…
    also bringt die Sache möglichst heute über die Bühne…

  2. Sitz grad im Bus auf dem Weg zum Spiel. Stimmung ist immer noch nicht da. Vielleicht brauch ich auch ne Flasche Rotwein vorm Spiel.

  3. Meine Güte OSB… ich sitze hier vorm Rechner und heule wie ein Sch(l)oßhund…
    Wenn selbst in Gießen die BBL-Glaubenslichter ausgehen… was soll ich da meinem Kurzen in Punkto Mathe erzählen…
    ;-)
    Also bitte!!!

  4. Pingback: Vom Anfang und vom Ende(?) | Jogies Welt

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