Bauernomelette statt Nachtisch

Um eingeschlafene Blogger hervorzuholen braucht es manchmal mehr als nur ein Spiel. Oldschoolballer hatte ihr Bloggererwachen in Bamberg, als die Brösels den Gesamtathener Sportverein schlugen. Wahrlich überzeugend. Heute dann Spiel 2 der fränkischen Bayern. Ligaalltag gegen ALBA Berlin, also eine der Mannschaften, die in unvergleichlicher „mir san mir“-Manier für zu schwach befunden wurden und bei der auch OSB zweifelte, ob es denn zum Trainingspartner reichen würde. Ja, liebe OSB. Es hat gereicht.

Nach OSBs Vorlage „muss“ ich also ran. Eine bessere Gelegenheit einen eingeschlafenen Blogger aufzuwecken, als das heutige Spiel gibt es dafür aber wohl nicht. Wann wenn nicht heute? Lasst mich etwas ausholen. Seit etwas mehr als einem halben Jahr ist das Studentenleben vorbei und Zeit und Muße fürs Bloggen sind rar geworden. Dass ALBA mal wieder einen kompletten Umbruch vollzogen hat, machte es nicht leichter. NBAesker Zock ist bekanntlich meine Sache nicht. Wood ist schon klasse, aber Simonovic‘ Spielintelligenz mag ich lieber. Mein erstes Saisonspiel, ALBA vs. Oldenburg fand ich daher eher öde. Erschreckend, wie die individuell guten Donnervögel die Bälle durch die Gegend und ins Aus warfen. Schön, dass wir gewannen, aber ich saß doch eher als Zuschauer denn Fan herum.

Heute war das anders. ALBA vs. Bamberg, das hätte nicht einmal den ganzen medialen Hype drumherum gebraucht. ALBA vs. Bamberg ist für den Berliner Fan wie Dortmund auf Schalke oder eben Panathinaikos im Stadium des Friedens und der Freundschaft. Gut, es gäbe da noch Bonn, aber der Double-Doublesieger hat einen ganz besonderen 51-Punkte-Charme, zumal wir uns da ja mittlerweile als Underdog fühlen dürfen.

Block C hatte auf der Anreise somit auch keine großen Hoffnungen. „Alles unter 10 Punkten ist gut„, „aber Heiko’s Spruch war schon klasse, oder?„. Als am Ende des Spiels dann gejubelt wurde, die Hände schmerzten, die Kehlen wund waren und die Freude physisch herausbrach, da wurde deutlich, wie wichtig dieser Sieg gegen die Brösels für die Fanseele war. „Damit hat sich die Dauerkarte schon gelohnt“ oder „Das ist fast so schön wie eine Meisterschaft„.

Zur Halbzeit ätzte ich noch: Das wird nichts. Die haben 48 Punkte zugelassen. Das ist keine gute Defense. Doch irgendwie schafften die Albatrosse und ihre Fans es in die Bamberger Köpfe, Beine und Hände. Ob es die Schmähgesänge der 212er waren? „Tibor Pleiß spielt NBA – Auf PS3 – die ganze Nacht“? Die Halle war jedenfalls da. Es war laut und fühlte sich gut an. Die Auswärtsfahrt nach Gießen wurde offensichtlich als Bildungsreise genutzt ;-)

Jedenfalls einem flatterten die Nerven: Während Julius Jenkins uns in der ersten Halbzeit noch die 3er einschenkte, versagten ihm dann, als es enger wurde, an der Linie mit Blick auf den Fanblock die Nerven. Nullvonzwei. Welcome back crunchtime pussy ;-). Auffällig auch, dass Jenkins in Bamberg nicht mehr unter dem Block weggehen darf, sondern drüber muss… Jetzt versteh ich auch, was Fans anderer Clubs immer damit meinten, dass er rumzickt und ständig meckert ;-)

Trotzdem war es für ALBA nicht leicht. Wann immer man glaubte, herangekommen zu sein, zogen die Baskets wieder weg. Basketball aus Bamberg kann so leicht aussehen. Der zweifache Doublesieger ist eben die beste Mannschaft der letzten Jahre und auch die teuerste, wenngleich sie es immer wieder bestreiten. Warum eigentlich? Muss man sich etwa dafür schämen, dass man Jenkins und Suput, zwei veritable MVP-Kandidaten ebenso von der Bank kommen lässt, wie NBA-Draftee Pleiß?

Am Ende scheiterte heute das Bamberger Starensemble nicht an sich, sondern daran, dass der Gegner am Ende mehr Biss hatte. Yassin kam gut mit Pleiss klar und reüssierte vor den Augen unserer zwei Euroleague-Refs (über den Dritten schweige ich lieber). Offizieller Held des Abends war auf Berliner Seite jedoch Derrick Allen. 20 Punkte, oft auf schönes (oder wildes) Anspiel von Wood. Suput wurde mit ihm wahrlich nicht glücklich. Vor alle dürfte er – mal wieder – schlecht träumen. Mit perfekter Dramaturgie wurde der vom Zappel-Allen posterized und rausgefoult. 2 Punkte 5 Fouls, laut Fleming der Schlüsselmoment. Das Trauma des Landeanflugs von Flug 44 wird mit solchen Spielen ganz sicher nicht überwunden.

Dennoch: Mein Held des Abends ist und bleibt Heiko S. aus B. Trotz seiner 11 Punkte sind die Stats unauffällig. Aber mit ihm auf dem Feld spielte ALBA die Führung heraus. Er ließ sich von seinem Kumpel Gavel nicht provozieren, sondern verteidigte rundherum solide.  Und er hatte vor dem Spiel eben eine freche Ansage gemacht und sie erfüllt.

Mal sehen, ob Heyder es jetzt auf die Schiris oder den Spielplan schiebt. Es würde jedenfalls dem Spiel nicht gerecht werden. Bamberg hat eine verdammt starke Mannschaftsleistung geboten. Berlin hat – wenngleich lange nicht alles gut war – dagegengehalten. Und am Ende hatte Berlin einfach die dickeren Eier für ein wunderschönes Bauernomelette.

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14 Gedanken zu „Bauernomelette statt Nachtisch

    • Glaub ich nicht. Der interessiert sich doch nicht mehr für Basketball, sobald er von der Arbeit nach Hause kommt.

    • „…..von 12 bis 8.“ Bitte nur vollstaendige Zitate, Herr von Gruebler. ;-)

  1. Lobend möchte ich auch noch Simonovic erwähnen. Mr. „Ich such mir den größten raus und dunke über den rüber.“ Herrlich. Danach gabs gleich noch ein paar warme Worte für Herrn Pleiß und gut war.

  2. Der Song hat aber eigentlich ein copyright by SC Freiburg (und Idrissou und die Championsleague). Wenigstens im 2. Teil hätte man da Eigenkreativ werden können:
    „Auf seiner Wii, so gut wie nie…“

  3. Da lässt man sich so vo Alba vs. Oldenburg und der schrecklichen O2-World abschrecken und will nie nie wieder hin (bin Gießen kommt) und verpasst dann dafür so ein Spiel..Naaa ganz toll ;)

    • Block 212 gewährt dir bestimmt Asyl. Und dann kannste denen auch noch erklären, wie man sich so richtig als möchtegern-GießenerIn benimmt ;-)

    • Asyl suchen bei dem Feind? Nee nee ;) Außerdem scheint das ja ein lahmer Haufen zu sein, so wie ich das gg. Oldenburg mitbekommen hab.
      Und aus dem erklären wie das richtig geht wird auch nichts, da fehlt das Herzblut (und die Literbecher Äbbelwoi aus der Osthalle) zum vorleben ;) Denn mit erklären ist da nicht viel ;) Learning by doing!!

  4. Schön von dem erwachten Blogger wieder zu lesen.
    Wie immer tolle Zusammenfassung.
    Mir kommt wie von Blogger Oliver schon erwähnt Simonovic zu kurz, meines erachtens der Man of the Match.
    Der hat den Suput ordentlich verteidigt und gegen Pleiss gezeigt wie langsam der ist und ihm die Dinger in the Face eingeschenkt.
    Vorallem aber den Suput rausgenommen. Das Duell der 4er war grandios und mit 2 Punkten und 5 Fouls war Suput noch gut bedient.

  5. Ja. Schön, wieder vom Grübler zu lesen. Schön auch, dass es ein so völlig überraschend famoser Abend war. Trotzdem möchte ich mal eine ketzerische Frage zur Diskussion stellen. MUSS man die neue Ultra-Fankultur mit Megaphon-Einpeitscher etc. bei Alba eigentlich gut finden?
    Bin da durchaus selber noch in der Meinungsfindung. Klar: Ein bisschen mehr Lärm tut der Mehrzweckhalle am Ostbahnhof sicher gut. Andererseits ist mir das doch etwas suspekt. Und damit bin ich offenbar nicht ganz allein. Ich darf dazu nur mal zwei Kommentare des blockbedingt betroffenen Sportkameraden F. von heute zitieren: „Ich will mir nicht in der entscheidenden Spielphase ein Transparent über den Kopf ziehen“ und „Wenn ich rumprollen will, geh‘ ich zum Fußball“. Ich würde das mal ergänzen mit: „Rumprollen kann ich auch ohne Vorsager“ und „Laut wird’s von ganz alleine, wenn das Spiel dementsprechend ist“ (oder – ein Insider für Block C – wenn Sportkamerad T. aus Reihe 15 wie am Sonntag in Bestform ist).
    Gibts andere Meinungen? Lasse mich gern überzeugen. Leicht wird’s aber nicht.

    • Als Exil-Berliner bin ich zwar eigentlich nicht wirklich berufen, mich dazu zu äußern, ich tue es aber trotzdem … Ob man die gut finden muss? Ja, muss man. Denn man kann konstatieren, dass in der O2 World ohne Vorsager mit Megaphon eben keine Stimmung aufkommt. Man muss aber sicher nicht jeden Schlachtruf gut finden- ich denke da an „Auf die Fresse“. Ein bisschen weniger faisse-faire würde dem Berliner Publikum aber ganz gut tuen. Bisher fühlt sich der Gegner häufig noch zu wohl in der Hauptstadt. Die Jungs in Block 212 sind noch jung und vergreifen sicher auch mal im Ton, aber ihr Engagement muss man ihnen hoch anrechnen. Vielleicht wird so die O2 World ja doch noch zu einer Festung.

  6. Kommt rüber in Block 202! Dann merkt ihr, dass die Stimmung um Längen besser ist, als in der Vorsaison. Sogar die Trommler brauchen jetzt keine gefühlte halbe Angriffszeit mehr, um sich auf die Vorgabe zu einigen. Wenn man dem Block der Gegner meist näher sitzt als dem Fanblock und ohnehin nicht jedes Wort versteht, was gesungen wird, dann ist das ein großes Stück in die richtige Richtung. Weg vom artigen Geklatsche. Nur viel Energie und notfalls auch ein Megaphon erreichen auch den letzten Fan in dieser riesigen Halle. Qualitativ brauche ich auch keine Kraftmeierei oder die ewig gestrigen „Emsminger raus“ Rufe. Quantitativ könnte die Halle jedes mal so toll klingen wie gegen Bamberg. Wems zu viel ist, der kann ja gern einen Block weiter rutschen. Dann bist Du eben „Ganz dicht dran und mit dabei“.

  7. Also, „Ensminger Raus“ finde ich geradezu genial, da inzwischen historisch-(selbst)ironisch!
    (Immerhin spielt er ja auch immer noch, und das eigentlich besser als früher.)
    Ist außerdem nicht beleidigend o.Ä. Da hab ich leider in jüngster Zeit auch schon anderes gehört. Mit ein Grund, warum ich nicht zum Fußball gehe.
    Sollte das im Basketball und bei Alba speziell zum Standard werden, bin ich die längste Zeit Hallenbesucher gewesen!
    Weder muß ich mir sowas anhören, noch möchte ich mich mit so was bzw jemandem identifizieren lassen.

    Dass mehr Krach gemacht wird und auch mal andere Texte / Rythmen zum Zuge kommen, finde ich richtig und überfällig.

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