Mit den Wölfen heulen…

…das tue ich in Fragen der Ligastruktur selten. So auch nicht beim MBC.  Trotz der sportlichen Qualifikation ist es noch ein weiter Weg der Wölfe in die Basketball-Bundesliga. Dies bestätigt der Club heute durch die Vertagung der Entscheidung über den BBL-Aufstieg bis Ende Juni.

Natürlich haben die Fans ihre Mannschaft und den Aufstieg zum Fressen gern.  Und auch die Berliner Fans würden sich wohl über den Mitteldeutschen Basketballclub in der Basketball-Bundesliga freuen. Es wäre ein weiteres Derby für uns Berliner Fans, denn von Berlin nach Weißenfels fährt man mit dem Zug in unter zwei Stunden. Das ist schön. Mit einer ganz dominanten Saison in der ProA hat der MBC sich den Wiederaufstieg in die Basketball-Bundesliga erkämpft.

Ich spiele bekanntlich gern Bedenkenträger und glaube – nach allem, was ich dieses Jahr über das Basteln verlässlicher Budgets höre und lese – erst richtig an eine BBL-Teilnahme, wenn die auflösenden Bedingungen erfüllt sind. Dies gilt um so mehr, als in Gesprächen mit Offiziellen teils der Eindruck entsteht, als sei die Durchlässigkeit zur BBL aufgrund der ökonomischen Anforderungen und Situation nur mehr eine theoretische.

Dies liegt nicht daran, dass die Wölfe es sportlich nicht verdient hätten. Mit gehörigem Anlauf und mühsamer Konsolidierung nach dem letzten Scheitern hat der MBC – immerhin FIBA Europe Cup Champion 2004 – das Projekt Aufstieg in Angriff genommen. Diese Saison wurde die ProA-Meisterschaft dann klar gemacht und schon vor dem letzten Spieltag erspielt und beim letzten Heimspiel konnte gefeiert werden:

Auch konnte man spätestens beim Pokalspiel gegen Köln sehen, dass der MBC ein Team ist, dass schon diese Saison nah dran an den schwächeren Teams der BBL war. Aber – das ist kein Unterschied zu einigen BBL-Teams – auch wenn sportlich alles klar ist, muss weiter gearbeitet werden. Bis zum 1. Juni muss der MBC 40 % seiner Sponsoreneinnahmen nachweisen, bis zum 30.6. wie viele andere Clubs 80% (Quelle). Damit gehören sie wohl zu der Gruppe von  Clubs, die für die Lizenz noch mit am meisten arbeiten müssen. Das Budget soll fast verdoppelt werden von 600.000 € auf 1,1 Millionen €  (Quelle), heute ist gar von 1,2 Millionen die Rede.

Gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung äußern sich die Fans dann vor Wochen auch entsprechend zurückhaltend:

„Nun sind wir sportlich wieder da, wo wir hingehören“, sagt der Weißenfelser. Aber man sei ein gebranntes Kind und habe erlebt, wo es endet, wenn mit dem Geld nicht ordentlich umgegangen werde. „Da müssen wir damit leben, wenn es mit der 1. Liga nicht klappen sollte.“

Ja, der MBC hat schon einmal gesehen, was passiert, wenn man sich verkalkuliert und/oder Sponsoren abspringen. Als der FORWARD den Aufstiegsaspiranten porträtierte, sagte der Manager, dass ohne eine solide wirtschaftliche Grundlage der Aufstieg nicht vollzogen wird. Gegenwärtig sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen mies. Sponsoren haben Schiss. Das „Prinzip Eichhörnchen“ (Zeit) regiert an anderen Standorten. Man muss wohl auch in Weißenfels hoffen, dass die bisherigen größeren Partner das Projekt Aufstieg finanziell mittragen. Dass es mit den regionalen Energieversorgern, DHL und anderen solche gibt, ist fast schon eine Besonderheit. Das Management äußerte sich zunächst entsprechend zuversichtlich:

„Wir lassen nichts unversucht, um es wirtschaftlich zu schaffen“, verspricht er. „Nur wenn das Risiko zu groß ist, ziehen wir einen Strich.“

Nun sagen sie klar: Wir haben 1 Million von 1,2 Millionen. Der Mindestetat ist erfüllt. Wären damit nicht sogar die 80% der Sponsoreneinnahmen erreicht? Jedenfalls wird vertagt. Ein Mindestetat von einer Million scheint nur die erste Hürde zu sein. Die zweite ist der eigene Anspruch und Etatansatz des Clubs, anhand dessen die BBL die Unterlagen prüft. Da wird diese Saison gesehen haben, wie viele Clubs wirtschaftlich wackeln, finde ich es gut, dass die BBL hier hart ist. Wie auch die Hagener erleben mussten, scheinen sie nun auch ernsthaft zu prüfen.

In freier Wildbahn sind Wölfe ausdauernde Jäger, die auch viele Fehlschläge wegstecken. Nur 6 von 131 Angriffen auf Beutetiere sind erfolgreich. Man kann dem Management des MBC nur wünschen, dass sie bei der Sponsorensuche nun genauso ausdauernd wie die tierischen Namensvettern bleiben und am Ende erfolgreich sind.

Dann kann im Wolfsbau ab dem Sommer auch in der ersten Liga der eigene Song gesungen werden:

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s