Von Herzögen und Phantomen

Braunschweig und Wolfenbüttel. Zwei Basketballclubs im Umbruch. Die Phantoms mit neuem Coach und – endlich – Zusagen der Sponsoren. Die Herzöge mit dem sportlichen Aufstieg in die ProA und einem großen Fragezeichen: Reichen die Punkte für Halle und Etat um auch wirtschaftlich aufsteigen zu dürfen? Und was sind das eigentlich für Kooperationsgerüchte zwischen Herzogen und Phantomen?

Mit Pauken und Trompeten

verkündeten heute die Phantoms den  neuen Trainer: Sebastian Machowski. Gerade wir Berliner dürfen uns freuen, dass ein Ex-Albatross, ein echtes TuSLi-Gewächs in die BBL zurückkehrt. Doch auch in ganz vielen anderen Ecken der Republik kennt man ihn. Auf seiner Webseite kann man es nachlesen: Stationen in Bonn, Leverkusen, Köln und beim MBC. Ein echtes BBL-Gesicht kehrt zurück. Dass er erfolgreich coachen kann, hat er in Polen bei Kotwica Kolobrzeg bewiesen, mit denen er diese Saison den Pokal holte und es in die Playoffs schaffte.

Braunschweig vermeldete aber gleich noch eine weitere positive Meldung. Trotz Wirtschaftskrise bleiben die drei Hauptsponsoren New Yorker, Öffentliche Versicherung und BS|Energy an Bord. Mit gleichem Umfang und für zwei Jahre. Auch der Trikotsponsor Volkswagen Bank bleibt. Die wirtschaftlichen Mächte der Region stehen hinter dem Basketball. Aber die Forderungen des Vorstandchefs von BS|Energy ist klar und unmissverständlich:

„Mehr Sichtbarkeit des Basketballs in der Stadt und natürlich mehr Leistung. Die Playoffs sollten in der nächsten Spielzeit unbedingt erreicht werden.“

Genug Geld – vergangene Saison waren es wohl 2,2 Millionen Euro – dürfte da sein. Die Probleme der Vergangenheit sind bekannt. Viel Arbeit für Sebastian Machowski.

Nur zu einer lebhaft diskutierten Frage gab es heute noch keine Antwort:

Entsteht ein neues Basketballherzogtum?

Rund 6000 Zuschauer bei einem Basketballspiel in der Braunschweiger VW-Halle, das gibt es leider seit Jahren nicht mehr in der Bundesliga. Nur einmal jährlich beim Derby zwischen SUM Braunschweig, dem Farmteam der Phantoms und den Wolfenbüttel Dukes bzw. Herzögen Wolfenbüttel platzte die drittgrößte Basketballhalle der Bundesliga aus allen Nähten.

Und nun diskutieren laut Braunschweiger Zeitung diese beiden Teams eine Kooperation? Eine starke Basketballregion klingt klasse! Doch als ehemliger Braunschweiger Tribünenfan grübele ich ein wenig darüber, warum das alles nicht so einfach ist.

Warum kommen 6000 Menschen zu einem Basketballspiel in der ProB, der dritthöchsten Spielklasse in Deutschland, wenn sonst unter 3000 bei einem Spiel des lokalen Bundesligateams kommen? Auch wenn Braunschweiger Dom und Wolfenbütteler Schloß nur etwas mehr als 10 Kilometer liegen, sind die Gräben tief und alt.

Herzöge und Braunschweig, eine unendliche Geschichte

Seit 1432  war Braunschweig unabhängig und faktisch reichsunmittelbare Stadt. Nach Unruhen warf das Braunschweiger Bürgertum die bis dato dort herrschenden Herzöge der Welfen aus der Stadt. Und wo bezogen diese Quartier? Richtig, im etwas südlich gelegenen Wolfenbüttel. Dreihundert Jahre ohne Herzöge, dafür mit Rat und wirtschaftlichem Erfolg als Hansestadt. (mehr lesen bei wikipedia)

Der wars! Herzog Rudolf August erorbert Braunschweig.

Der wars! Herzog Rudolf August erobert Braunschweig ((c) wikimedia).

Doch 1671 eroberte eine Streitmacht der Welfen-Fürsten die Stadt und stellte sie wieder unter die Herrschaft des Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel. Damit war diese Epoche beendet. Kurz danach wurde der Residenzsitz in das neu gebaute Braunschweiger Schloss verlegt. Der Hofstaat zog um, was den Niedergang Wolfenbüttels zur Folge hatte. Ach so, bereits 1830 brannten die Braunschweiger den Herzögen die schicke neue Bude ab…

Geschichte wiederholt sich? Statt eines Schlosses hat Braunschweig die VW-Halle. Und wenn nun auch die Herzöge kommen? Aus Sicht der Wolfenbütteler Fans droht mit einer Kooperatio der Umzug und der sportliche Niedergang des Wolfenbütteler Basketballs. Die stolzen Braunschweiger Stadtbürger haben’s aus Prinzip  nicht so mit Herzögen und dem „Südparkplatz“ Wolfenbüttel.

Money makes the ball go round

Ganz profane Argumente sprechen für eine Kooperation. Der Braunschweiger Zweitligamannschaft fehlt – wie Oliver Braun der Braunschweiger Zeitung sagte – die Hälfte des Etats für die ProB. Die Braunschweiger Bürger müssten einen mittleren fünfstelligen Betrag aufbringen um ein eigenständiges Zweitligateam zu erhalten.

Auch in Wolfenbüttel sind es ökonomische Argumente: Den sportlich in die ProA aufgestiegenen Wolfenbütteler Basketballern fehlt bislang eine hinreichend große Halle und – natürlich – ein großes Stück zum ligaadäquaten Budget, so die Lokalpresse.  Gegenwärtig wären es wohl 150 Punkte für das Lizenz-Ranking, das diese Saison über die Zusammensetzung der ProA entscheiden wird. In Foren wird teilweise mit 175 gerechnet. Doch auch das dürfte kaum reichen.

Braunschweig hat traditionell eine gute Jugendarbeit, wenngleich ich auf der Webseite der Phantoms vergeblich nach aktuellen Informationen suchte. Gefunden hab ich nur das Schulbesuchsprogramm und das NBBL-Team der SUM Baskets. Weitergehende Informationen z.b. zum „Leistungszentrum Basketball Braunschweig“ finde ich nicht. Doch sicherlich wäre ein ProA-Team eine tolle Erweiterung des Programms und eine echte Perspektive für einheimische Talente. Zwei Wolfenbütteler Urgesteine haben schon verlängert, die regionale Identifikation bliebe erhalten.

Wer will die Kooperation eigentlich?

Doch trotz alledem wird zwischen den Städten weitergestänkert: „Im Gegensatz zu Braunschweig sei Wolfenbüttel eine echte Basketball-Stadt mit Erstliga-Frauen und dann Zweitliga-Männern.“ so der Wolfenbütteler Bürgermeister Pink zur Wolfenbütteler Zeitung. Und der Braunschweiger Manager Oliver Braun fordert im Falle einer Kooperation Spielzeit für die besten Braunschweiger Talente und klingt nicht so, als würde er mit Herzblut an einer Kooperation arbeiten.

Wo kommt eigentlich die Idee der Zusammenarbeit her? Neu ist sie keinesfalls, bereits in den 90er-Jahren gab es in Braunschweig den Gedanken die einst erfolgreicheren Wolfenbütteler, die immerhin zweimal deutscher Pokalsieger waren, als Farmteam einzusetzen. Auf schoenen-dunk.de behauptet der User Advocat aufgeschnappt zu haben, dass der aktuelle Kooperationsgedanke auf Druck der Phantoms-Sponsoren erfolgt. Klingt für mich naheliegend, sind doch gerade lokale Player wie die Braunschweigische Landessparkasse, die Öffentliche Versicherung Braunschweig und die Wolters Brauerei traditionell beiden Standorten verbunden, auch wenn nur die Öffentliche Versicherung aktuell beide fördert.

Aber selbst diese Argumentation ist nicht ohne Makel. Denn spricht man mit Fans, die die Szene in Braunschweig und Wolfenbüttel kennen, dann bekommt man schnell den Eindruck, dass der Braunschweiger und Wolfenbütteler Basketballklüngel sich nicht unbedingt überschneiden oder gar alte Animositäten bestehen könnten. Wenn ich mich richtig erinnere, waren diese Widerstände auch schon ein Grund, warum man in den 1990er Jahren nicht zusammenfand. Das ist ja auch bei den Fans nicht anders: „Südparkplatz“ wird Wolfenbüttel aus Braunschweig genannt und auch für den nördlichen Nachbarn finden sich  ähnlich vorteilhafte Begriffe. Alles nicht so einfach.

Doch aus Fansicht – mit ein paar hundert Kilometern Distanz – wäre es schön, wenn die Gräben überwunden werden könnten, denn unter sportlichen Aspekten klingt das Phantom eines neuen Basketballherzogtums Braunschweig-Wolfenbüttel ziemlich attraktiv. Gerade der Braunschweiger Neutrainer Machowski hat selbst erlebt, wie man aus einem Farmteam (Lichterfelde) in die Profimannschaft (ALBA) wächst.

Ich bin gespannt, ob hier eine Lösung, von der beide Clubs profitieren können, gefunden wird.

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6 Gedanken zu „Von Herzögen und Phantomen

  1. Dein Blog ist wirklich fantastisch!
    Mach einfach weiter so und hoffentlich bleibst du noch lange mit diesem Tempo dabei und berichtest weiter so spannend mit Fakten und Gerüchten über den deutschen Basketball.
    Aber wie siehts eigentlich mit NBA aus? Zu den Halbfinals dort könnte es vielleicht auch mal was geben :)

    Wie gesagt,mach weiter so!

  2. Kooperation: Beim Handball schon einige Male schiefgegangen. Gerade wird’s wieder im Rhein-Main-Raum versucht. Wallau wird der Verein sein, der dabei verliert. Im Fußball hat’s auch nicht geklappt, zumindest nicht im Saarland,wo man den 1.FC Saarbrücken mit Homburg verquicken wollte. SB bekam die guten Spieler aus HOM – und wurde schlechter. HOM behielt den Rest und stieg ab.

    Herrliche Kooperation, keiner profitierte, einer bekam die Rote Karte aufgedrückt.

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