Wie sexy ist Erfolg?

Die Paderborn Baskets sind seit Januar wirtschaftlich auf Schlingerkurs. Hintergründe im Ersten.  Ein Fehlbetrag von – je nach Quelle – bis zu 300.000 Euro wurde publik.  Monatelang wurde der Öffentlichlichkeit im Abstand weniger Wochen mitgeteilt, ob Paderborn spielt, oder nicht. Nun wird bei der Kommune angeklopft. Das sportliche Ergebnis ist bekannt. Sie haben durchgehalten, die Playoofs erreicht und ärgern nun ALBA Berlin. Sie gestalten die Serie spannend. Aber ist der Erfolg sexy genug, um Geld einzusammeln?

Beim letzten Heimspiel gegen Berlin stand eine Bande „IT City Baskets Paderborn“ am Spielfeld. Die Idee der IT City Baskets soll eine mögliche Rettung des Paderborner Erstligabasketballs sein: Die lokalen IT Unternehmen schmeißen zusammen und kaufen den Clubnamen. Vielleicht wurden sie ja durch diese Bande motiviert. Die Lokalpresse geht wohl davon aus, dass bald Unterschriften unter Verträge kommen. Es scheint eine der letzten Hoffnungen zu sein, da ein großer Namenssponsor bislang nicht in Sicht ist. Ich werfe noch einmal die bisherigen Namenssponsoren in die Runde: digibu oder Schröno kannten auch nicht so viele.

Parallel wird bei der Stadt um Hilfe gebeten. Im Forum Maspernpower findet sich ein Vorschlag eines CDU-Stadtratsmitglieds aus der Presse: 250.000 € Bürgschaft oder städtischen Überbrückungskredit und weitere 150.000 € für den Werbeträger Paderborn Baskets, damit die Zukunft gesichert wird. Zumindest einzelne Politiker finden offenbar erfolgreichen Basketball sexy genug um hier Steuergelder zu investieren. Städtische Zwischenfinanzierung kennen wir aus Gießen. Kommunale Dauerfinanzierung gibt es wohl in Bremerhaven und das Regionalmarketing sprang bei Science City Jena ein.

Wer gegen kommunale Finanzierung von Sportmanschaften argumentiert, findet immer wieder Futter. Man brauch sich nur die halböffentlichen Energieversorger, Stadtwerke, Wohnungsbaugesellschaften, Banken und Versicherungen anschauen. Auch wenn das wohl meist normale Sponsoringverträge sind, dürfte hier oder da eine besondere lokale Verantwortung und der eine oder andere Lokalpolitiker im Aufsichtsrat ein starkes Argument für das Engagement haben.

Aber ist es die Aufgabe der Kommune – in Paderborn, Bremerhaven oder anderswo – dem Basketballclub zur Seite zu springen, wenn seit Jahren ein Projekt gestemmt wird, das eigentlich eine Schuhgröße zu groß ist? Der Paderborner Etat ist knapp über dem Minimaletat und trotzdem fehlt hier Geld.

Doch in der Wirtschaftskrise ist es ja en vogue, dass selbst Konservative öffentliche Gelder in Aussicht stellen. In Paderborn ist der Vorstoß der CDU aber erst einmal im Rat gescheitert. Radio Hochstift bringt heute die ernüchternde Meldung: Die CSU CDU rudert zurück: kein Geld der Stadt für den Verein. Donnerstag wird im Rat weiterverhandelt.

Natürlich gehört öffentliche Finanzierung hier und da zum Spiel im Sportbusiness dazu: Der Oberbürgermeister, der einen Sponsorenpool zusammentrommelt. Ein Hallenprojekt, das ermöglicht wird. Aber sie sollte nicht den Unterschied zwischen „klappt grad so“ und „das können wir uns nicht leisten“ machen. Ein Club sollte den Anspruch habe, wirtschaftlich schon auf eigenen Beinen stehen. Auch weil die Prioritäten in der der Politik sich wandeln können. Vielleicht ist gerade in Zeiten einer Wirtschaftskrise panem auch einfach wichtiger als circenses.

Wenn die Baskets ihr IT-City Ding gestemmt bekommen und genug Geld finden, ist es phantastisch. Aber nur weil Paderborn gerade eine tolle Saison hinlegt und sportlich Erfolg hat, heißt das noch lange nicht, dass Bundesligabasketball in Paderborn eine Zukunft haben muss, wie die Kollegen von Basketball-Blogs fordern. Erfolg ist zwar sexy, aber manchmal reicht sexy eben nicht.

Die Maspernhölle ist gegenwärtig voll, aber denkt an den Anfang der Saison zurück. Mit 2506 Zuschauern im Hauptrundenschnitt hat Paderborn die drittschelchteste Zuschauerzahl. Erst als der Erfolg sichtbar wurde, strömten die Fans. Mit einem Minietat ist Erfolg aber nicht mit Garantie reproduzierbar.

Die Halle entspricht lange nicht dem, was man von einer modernen Arena erwartet. Da braucht man sich nur die Fernsehbilder ansehen: Backsteinwände, kein Platz für Kameras und Teams, abgeklebte Linien. Es ist die 90er-Jahre-Turnhallen-BBL-Romantik. Die neuen Arenen in Bonn, Trier und anderswo zeigen, dass Zuschauer und Sponsoren etwas mehr Komfort erwarten und honorieren. Selbst wenn es in der BBL weitergeht, dann stünde hier irgendwann das nächste Problem an.

Seit Jahren wird über einen freiwilligen Rückzug nachgedacht. Wenn Geld und Strukturen nicht für die BBL reichen, dann ist das eben so. Ich hoffe nur, dass es für einen geordneten Rückzug in Anbetracht der Meldungen über den benötigten Überbrückungskredit nicht zu spät ist. Das ist vielleicht die wirkliche Herausforderung an die Lokalpolitik am Donnerstag: den Paderbornern einen konsolidierten Rückzug in die ProA zu ermöglichen, damit der Basketball und die hervorragende Jugendarbeit nicht ganz untergehen. Paderborn ohne BBL und dafür mit jungen Talenten, begeisterten Fans und erfolgreich in der ProA, das ist auch sexy. Paderborn ganz ohne professionellen Basketball, das wäre fatal.

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4 Gedanken zu „Wie sexy ist Erfolg?

  1. Gießen (bzw. genauer die 46ers) ist eben NICHT städtisch zwischenfinanziert.
    Es handelt sich um einen mehrere Jahre alten Bankkredit, der mit einer Bürgschaft der Stadt 2006 nachträglich abgesichert wurde, als dies im Zuge von Basel X notwendig wurde. Der Restkredit (cave! bei einer Bank!) wird jährlich weniger, ergo wird auch die städtische Bürgschaft jedes Jahr nach unten hin angepasst.

    Von einer Zwischenfinanzierung mit Hilfe der Stadt kann hier nicht die Rede sein!

    Öiebe Grüße aus Gießen, moma

  2. P.S.: 1.) soll es „Liebe Grüße“ heißen
    2.) die CSU in Paderborn? *staun* ;-)
    3.) bislang ist aus dieser o.g. Bürgschaft kein € der Stadt an die Bank/46ers geflossen.

    moma

    • ad 2) oups ;-)
      ad 3) Danke für die Hintergrundinfo zum Grund der Bürgschaft in Gießen (Basel Zwo dürfte passen). Natürlich ist die Situation in Paderborn und Gießen nur bedingt vergleichbar. Laut Foren war auch in PB von einer Bürgschaft die Rede. Dass Gießen mittlerweile auf einem guten Weg ist, dürfte nach der Lizenz nur mit Auflage auch außerhalb von Hessen deutlich geworden sein.

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