plog #2 – Drogi Klienci

plog_klOldschoolballer scheint das mit dem Tagebuch wörtlich zu nehmen. Nach nicht einmal 24h nun der zweite Beitrag.

Alles von langer Hand geplant. http://www.eventim.pl belastet die Kreditkarte schneller als ich „enter“ drücken kann und schickt tatsächlich 3 Wochen später die Eintrittskarten per Einschreiben, genau an dem Tag als die Nelken aufs Osthallenparkett fliegen. Der Briefträger grüßt seit dem nicht mehr. “Drogi Kliencie“ prangt da in Fettbuchstaben im Sichtfenster und diese Zugezogenen aus der Stadt waren ja schon immer suspekt.

First things first: Ball, Schuhe, Luftpumpe und kistenweise verschiedene BB-Magazine wandern unter anderem ins Auto. Wie immer zuviel dabei und die Hälfte vergessen (beinah auch die Tickets!) und nun nix wie ab in Richtung Sonnenaufgang! Die Annäherung auf der Straße verläuft zunächst reibungslos, die an das Land Polen läuft gar nicht. Irgendein kluger Mensch hat bestimmt mal gesagt, dass man ein Land und seine Leute erst versteht, wenn man die Sprache versteht. Die lässt mehr czjky und Wörter ohne Vokale regnen, als seinerzeit ein gewisser unaussprechlicher Alba- und Braunschweigforward Monsterdunks (mental note: waaas? der ist echt erst 26?).

Gruebler editiert: Das Problem haben andere auch:

Auf den freu ich mich im polnischen Team (Gruppe D) und auf den Meister Lampe auch, mal abwarten, was es von den anderen Gruppen hier überhaupt zu sehen gibt (www.eurobasket2009.org).

Czesc heißt „Tschüß“ und „czynsz“ die Miete für das Ferienhaus. Wo ist Maren Gilzer wenn man sie braucht? Ich kaufe einen Sack Vokale und begreife, das wird mehr als schwierig.

Nach Kulturschockstopp in Dessau und Oranienbaum murrt die Wagenbesatzung, eine Übernachtung muß her. Das Auge bleibt am wundervollen Ort „Müllrose“ hängen und nirgendwo anders wollen wir mehr schlafen.

strassenschildGroßer Fehler Nr.1 folgt am nächsten Morgen, denn wir nehmen den kürzesten Weg und damit den Grenzübergang bei Szczecin (Stettin) in Richtung Gdansk (Danzig). 330 km auf der Fernstraße S6 aka E28, das sollten so flockige 3 Stunden auf Europastraßennieveau sein, tausende Laster können schließlich nicht irren. Die Sicht ist nahe null und es gießt, es schüttet. Es regnet kot und pies. Nein, kein derber norddeutscher Ausdruck für Schietwetter in der Expokalstadt, sondern Katzen und Hunde auf polnisch. Die E28 mutiert zu einer einspurigen Landstraße mit knietiefen Schlaglöchern und bedrohlichen Wasserpegeln. Wir beschließen hinter unserem Lieblingslaster zu bleiben, der für uns die Wassermassen teilt und spontan Moses getauft wird. Überholen zwecklos bis suizidal, was die Einheimischen aber nicht weiter zu stören scheint. Pferdefuhrwerke, Traktoren, freilaufende Hühner und ich mag den polnischen Pioniergeist. Jeder scheint sich irgendwie selbst durchzuwurschteln und verkauft Dinge am Straßenrand. Pilze, Honig, Brot, Goldmünzen, Äpfel, Kartoffeln, Getränke aus Bushaltestellenhäuschen und „Pokoje/Zimmer frei“. „Agroturystika“ wirbt es jetzt am Straßenrand. Noch ein „g“ mehr und die Stimmung der Insassen könnte passender nicht beschrieben sein. Das Stundenmittel ist auf unter 40 km gesunken und statt 3 Stunden brauchen wir am Ende mehr als 8.orlen

hotel1Die Katzen, Hunde und Hühner tragen inzwischen Holz bei sich und bauen irgendwo die Arche 2.0, wir haben Kopfschmerzen vom Schlaglochslalom. Im nächsten Ort erblickt man das internationale Zeichen für Schmerzlinderung, gewickeltes Reptil am Stiel, und in der apteka kriegen wir, was wir brauchen. Das denkt wohl auch der ältere Herr, als er kurze Zeit später mein Seitenfenster mit dem Gehstock und mich mit einem Schwall polnisch-deutschen Schimpftiraden traktiert. Wir lernen polnisch praktisch: am Zebrastreifen wird nicht angehalten. Niemals. Nein, auch nicht für Schulkinder, sondern gar nicht. Niemand hält an und niemand erwartet das. Wie bitte soll auch der ahnungslose Autofahrer hinter uns wissen, dass wir ebensolche Touristen sind und die lustigen schwarzweißen Streifen für etwas anderes als reine Asphaltdeko halten. Beinahe wär´ uns jemand hinten drauf gefahren und wir wären Schuld gewesen! Der Sprachführer empfiehlt: Usprawiedliwienie! Entschuldigung! Kurz bleibt das Auto im Dunkeln noch auf einem unbefestigten Schlammweg stecken, dann sind wir endlich da. Dzieki Bogu! Gottseidank! ruft die Vermieterin.

OldschoolBaller läßt grüßenkorb_waesche

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6 Gedanken zu „plog #2 – Drogi Klienci

  1. Liebe OSB,

    das Zitat „dass man ein Land und seine Leute erst versteht, wenn man die Sprache versteht“ kann ich im Wortlaut nicht finden. Aber dafür dieses sehr ähnliche:

    „Nur über das Verständnis der anderen Kultur verstehen wir die andere Sprache richtig, und nur über die Sprache verstehen wir die Kultur.“ Gustav H. Blanke, 1914-2001.

    (Sekundärquelle).

    Schon jetzt 1000dank für tolle plogs.

  2. Gerne, aber ich denke hier muss mal schnell was ganz klargestellt werden ;-)
    Ich quetsche nur ein wenig an der Zitrone rum, die leckere Limonade macht ein ander. Ehre wem Ehre gebührt. Und 1000 Dank Dir fürs betreute ploggen.

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