Bei einer Quotenerhöhung braucht man zu viele Spieler…

…und die gibt es nicht, wird von Quotengegnern mit steter Regelmäßigkeit behauptet. Ein Posting, in dem ich mal nachforschen will, was da zahlenmäßig dran ist.

Die gegenwärtige Quotenregelung – 4 von 12 Spielern auf dem Spielberichtsbogen – verlangt insgesamt mindestens 72 deutsche Spieler in der Liga.

  • 2009/2010 – 72 Spieler auf den Mannschaftsmeldebögen und den Spielberichtsbögen.

Schreibt man das gegenwärtige Quotenmodell (einer mehr alle 2 Jahre, im vorhergehenden Jahr einer mehr auf dem Mannschaftsmeldebogen) fort, dann ergibt sich folgender Bedarf:

  • 2010/2011 – 18 Spieler mehr auf den Mannschaftsmeldebögen
  • 2011/2012 – 18 Spieler mehr auf den Spielberichtsbögen
  • 2012/2013 – 36 Spieler mehr auf den Mannschaftsmeldebögen, 18 Spieler mehr auf den Spielberichtsbögen
  • 2013/2014 – 36 Spieler mehr auf den Spielberichtsbögen

Ist das vermessen viel für ein Wachstum in vier Jahren? Sofort auf 6+6 zu wechseln, das fordert doch kaum noch jemand. Eine Feldquote scheint auch auf schoenen-dunk.de die Mehrheit abzulehnen. Ich halte von einer Feldquote auch nichts.

Nimmt man dazu den Ansatz von @albafan4ever und stellt es den Clubs frei, die Spieler auf Position 11 und 12 auf dem Spielberichtsbogen entweder mit deutschen Spielern zu besetzen oder sie frei zu lassen (die so genannte 6+4-Quote), dann braucht man – rechnerisch – auch 2013/1014 nicht einmal mehr Spieler auf dem Spielberichtsbogen als in der kommenden Saison 2009/2010. Das einzige, was sich verschiebt, ist die Position der bisherigen Quotendeutschen im Team. Das aber ist gewollt von der Liga. Denn 30 % Spielanteile – das Ziel für 2013 – entspricht in etwa 4 von 10 Spielern. Rechnerisch wären es nur 3 aus einer 10er Rotation. Die spielen aber viele Clubs nicht. Die meisten Quotenspieler spielen zudem eher weniger als 20 Minuten, weil sie jung sind, weil die Stars vor ihnen stehen. Bei manchen Clubs spielen die hinteren Positionen mehr, bei manchen sind Deutsche in der S5. Mit 4 von 10 ist man da sicher.

Ich bin mal die digitalen Mannschaftsmeldebögen durchgegangen. Was ist denn der Status quo? Vieviele deutsche Spieler sind für die Spielzeit 2009/2010 in der BBL gemeldet?

  • Oldenburg: 4 von 12
  • Bonn: 6 von 12
  • Berlin: 5 von 12
  • Bamberg: 10 von 17
  • Göttingen: 5 von 12
  • Ulm: 7 von 15
  • Frankfurt: 6 von 13
  • Paderborn: 6 von 13
  • Quakenbrück: 8 von 16
  • Trier: 6 von 13
  • Ludwigsburg: 6 von 14
  • Düsseldorf 6 von 14
  • Braunschweig: 10 von 16
  • Tübingen: 5 von 12
  • Gießen: 5 von 12
  • Bremerhaven: 5 von 12
  • Weißenfels: 6 von 14
  • Hagen: 8 von 14

Mit einer einzigen Ausnahme (Oldenburg) würden alle Team bereits diese Saison den nächsten Schritt der Quotenerhöhung (5 auf dem MMB) erfüllen. Etliche würde auch schon jetzt eine 5+7 Quote erfüllen, wie xtf kürzlich ausführte. Einige werden nächste Saison sogar schon die 6+6 Quote erfüllen. Der riesige Druck auf den Markt, der von einigen Quotengegnern vermeldet wird, ist zahlenmäßig gar nicht so riesig. Natürlich werden sich besonders talentierte Spieler vielleicht umverteilen. Dafür dürfte aber die NBBL in den nächsten Jahren weitere Früchte tragen.

Insgesamt stehen gegenwärtig 113 Spieler mit deutschem Pass in den erweiterten Kadern der BBL-Clubs auf der Webseite der BBL. Das würde zumindest statistisch locker für die 6+6 Quote reichen. Klar würden dafür einige Stars/Sternchen/Leistungsträger/Rotationspieler rausfallen. Vielleicht würden einige Clubs vorübergehend etwas schwächer werden. Aber eben auch nicht sofort und auf einen Schlag. Denn ein langsamer Anstieg der Quote gibt hinreichend Zeit zur Entwicklung und Förderung. Vier Jahre sind im Basketball eine lange Zeit. Die heute 18jährigen NBBL-Spieler sind dann 22.

Wenn auch nur alle gegenwärtig noch mit Doppellizenz spielenden Spieler in vier Jahren den Schritt in die BBL machen, gäbe es genug Spieler. Dafür müssten die „teuren“ Nationalspieler und die deutschen auf den Colleges nicht einmal zurückkommen.

Wo sind also die Unmengen von Spielern, die man zusätzlich braucht? Das, was sich durch eine Quote vor allem verändert, das ist die Position der Quotenspieler im Kader. Sie würden peu à peu die Bank hinaufrutschen. Das gibt Perspektive, das kann gut klappen, wie man jüngst wieder bei Zwiener sieht und Teams wie Ulm und Bonn seit Jahren beweisen. Vielleicht geht vorübergehend – bei langsamen Quotenwachstum – auf einer Position die individuelle Qualität zurück. Vielleicht ist für ein Jahr oder zwei eine Position im Kader etwas schwächer besetzt als sie mit dem austrainierten College-Absolventen wäre. Das ist sie dann aber in jedem Team. Und sind die Spieler so viel schlechter?  Ich glaube wirklich, dass man das über Konstanz im Team und die Mannschaftsleistung auffangen kann. Macht Bonn doch schon vor… ist das mit Strasser, Artur und Co. so viel schlechter als anderswo mit College-Rookies? Ich finde nicht. Joe Strasser, Nico Simon, Per Günther oder Karsten Tadda als BackUp? Das funktioniert doch. Warum also soll das nicht bei drei Positionen in einer 9er-Rotation klappen. Mehr will eine 6+4/6+6-Quote doch gar nicht. Das sollte in vier Jahren möglich sein.

Verrissen und kontrovers diskutiert wird dieser Text übrigens auch schon auf schoenen-dunk.de, wo ich ihn in ähnlicher Form zunächst postete. Meinen gesammelten Senf zur Quotendebatte der letzten Monate gibt es hier. Mein ceterum censeo: Macht aus der Deutschenquote eine europarechtskonforme Quote von „home grown players“.

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7 Gedanken zu „Bei einer Quotenerhöhung braucht man zu viele Spieler…

  1. Irgendetwas muß passieren, denn so geht es bestimmt nicht weiter, diese ewige selbstreferentielle Karussellfahrt müßte mal ein Ende haben und jeder Beteiligte nur ein klein wenig über den berühmten Tellerrand hinausschauen.

    Basketball in Deutschland hat keine Zukunft, wenn die Deutschen im Basketball keine haben.

    Ohne eine starke Nationalmannschaft und ohne „Vorzeigemänner“ und Idole mit dem Lederball kommt der Basketballsport in Deutschland nicht aus dem Nischendasein heraus. Keine nachhaltige TV-Präsenz des Sports ohne echte Identifikationsfiguren und bundesweit vermarktbare „Helden“. Ohne harte Fernsehzeiten kein überregionales Interesse. Ohne dieses keine großen Sponsoren. Ihr merkt schon, die Katze. Es ist sicher legitim, wenn BBL-Manager zuerst an ihre einzelnen Clubs denken, das ist mir aber einfach viel zu kurz gesprungen. Im Endeffekt profitieren doch alle davon, wenn es irgendwie mal vorwärts geht mit der Nachwuchsförderung und dem Sport. Auch der einzelne BBL-Club wird einen Vorteil daraus ziehen, wenn es aufwärtsgeht. Für mich ist die Frage, ob die Entscheidungsträger wirklich den Basketball in Deutschland zu ihrem Primärinteresse machen können (und wollen), auch wenn es zwischendrin mal rumpelt, oder ob weiterhin Partikularinteressen das gemeinsame Ziel verhindern. So von außen betrachtet grenzt es manchmal ans Absurde. DBB und BBL das ist meist mehr Gegeneinander als Miteinander, oft hat es mehr von Tauziehen als von konzertierter Aktion. Ich hoffe dass sich das bald ändert, denn eigentlich geht’s doch um das gemeinsame „B“ in den Namen, dachte ich immer.

  2. Gruebler,
    den für viele kleine Clubs entscheidenden Punkt versteckst Du: „Natürlich werden sich besonders talentierte Spieler vielleicht umverteilen.“ Ein kleiner Satz, aber mit riesengroßen Konsequenzen, angefangen bei unerträglich hohen Preisen für mittelmäßige Deutsche, die für kleine Clubs nicht zu bezahlen sind. Und: Es gibt so wenige talentierte Spieler, dass sich fast alle ordentlichen Deutschen „nach oben“ umverteilen.

    Nur mal als Gedankenexperiment, was bedeutet es, wenn nun auf einmal die vier, fünf finanzstärksten Clubs mindestens drei, wenn nicht vier solide Deutsche für die Rotation brauchen (Die von Dir genannten Zahlen bei der Meldung verzerren das eigentliche Bild in den Rotationen. Wer wirklich „zahlenmäßig nachforschen“ will, müsste sich mal alle Clubs genau anschauen, danach kann man mutmaßen, welche Spieler sich wie umverteilen könnten):
    Alba hat eineinhalb Deutsche, bräuchte also zumindest zwei zusätzliche.
    Oldenburg mit Achterrotation braucht zwei zusätzliche (vielleicht muss die Rotation aber größer werden, wenn die Qualität schwächer wird), das gleiche gilt für Quakenbrück, Bamberg würde derzeit vielleicht einer reichen.
    Das sind schonmal allermindestens sieben Deutsche, die für die Rotation gebraucht werden.
    Egal, welche Namen man da jetzt fiktiv reinsetzen will, die Konsequenz ist wahrscheinlich:
    1.) Kein Schaffartzik oder Idbihi mehr für Braunschweig, kein Benzing und kein Günther mehr für Ulm, kein Lischka mehr in Gießen. Wollen wir wirklich, dass diese Leute bei den großen Clubs die Positionen 7 bis 10 belegen und da weniger Spielen als in anderen Clubs — oder für 150000 Euro komplett auf der Bank sitzen, mit Gruß an Johannes Herber?
    2.) Die Preise für Leute wie David McCray, Dominik Bahiense de Mello oder gar jemanden wie Jay Thomas werden so lächerlich ansteigen, dass sie für die kleinen Vereine nicht mehr zu bezahlen wären (denn jetzt brauchen ja auch die Teams von 6 bis 12 auf der Geldrangliste deutsches Füllmaterial, das auch spielen kann)
    3.) Die kleinen Teams müssen sogar für die schwachen Deutschen, die sie sich leisten können, überbezahlen. Dadurch fehlt Geld für die Amis. Trotzdem müssen diese Verpflichtungen von Nummer 1 bis 6 sitzen, weil man sonst dick im Abstiegskampf ist. Und hier fängt der Teufelskreis erst an: Weniger Leistungsträger, also größere Gefahr, dass eine Verletzung alles aus der Bahn wirft (und wahrscheinlich auch höheres Verletzungsrisiko). Dadurch permanente Abstiegsgefahr, die die langfristige Planung gefährdet. Was ist aber das Feld, in dem Langfristigkeit nötig ist: Genau, die Nachwuchsarbeit, die ja mit dieser dämlichen Quote gefördert werden soll.
    4.) Das wird ja überall schon diskutiert und sollte nicht unterschätzt werden: Das Niveau wird bei der Hälfte der Mannschaften in den Keller gehen, es gibt viel mehr Blowouts, die Sportart wird unattraktiver.

    Langfristig wird die Quote vielleicht dazu führen, dass einige Deutsche etwas besser spielen. Kurzfristig (und da ändert auch eine schrittweise Anpassung bis 2013 nix) ist sie in jeder Hinsicht eine Katastrophe — außer für den Geldbeutel der deutschen Spieler (die das übrigens sehr genau wissen…).

  3. Also die 5 auf dem MMB würde für kein einziges Team ein Problem darstellen. Selbst eine 7 MMB Reglung in diesem Jahr würde für überhaupt keine Probleme sorgen, allerdings auch für keine Änderung am Status Quo. Jeder Klub kann der BBL mühelos NBBL, RLN oder gar Oberliga Spieler benennen mit deutschen Pass. Irgendwas hättet/hat jeder Klub in der Hinterhand für diese Reglungen. Selbst OL hat sowas für den Fall, dass sich einer der 4 verletzt.

    Jedes Jahr wo man alleine die MMB Anzahl erhöht, ist einfach nur ein Jahr wo man faktisch nichts ändert. Daher wird die BBL dieses Mittel bestimmt im nächsten Jahr nutzen. ;-)

  4. Die Auflistung ist zwar nett gemeint, aber wenn ich beispielsweise lese. Bamberg 10/17, dann ist doch wohl fast jedem klar, dass ein Großteil der deutschen nie auf dem Spielbogen erscheinen werden. Auch Oldenburg wird sícher wieder 2-4 Deutsche (vom OTB oder der NBBL Mannschaft) melden, die dann einspringen, wenn einer der 4 Deutschen ausfällt.

    Respekt habe ich vor Koch. Der gibt seinen 6 Deutschen wirklich Spielzeit. Aber wenn nicht er, wer dann?

    Wichtig ist nicht, wie viele Deutsche ich habe, sondern wie viele ich einsetze, obwohl ich auch ein entschiedener Gegner der Feldquote bin. Bei 6/6 in 3 Jahren wäre ein ähnlicher Effekt erreicht.

    • Aber könnte nicht jemand, der diese Saison in Bamberg auf Platz 14 ist in zwei Jahren in Ulm auf Platz 9 spielen? Ja, Benzing, Schaffartzik und Günther werden dann vielleicht in einem „besseren“ Club spielen. Aber auch dieser Effekt ist wünschenswert. Denn gerade diesen Spielern fehlt auch in der Nationalmannschaft noch eines: internationale Erfahrung. Und die gibt es eben nur bei ALBA, Bamberg, Bonn, Oldenburg in Euroleague und EuroCup.

  5. nur benzing, pleiss und konsorten wechseln nach zwei jahren nicht zu alba oder oldenburg sondern zu barcelona oder Madrid oder in die nba. bei alba spielen dann auch nur die aus der 2. reihe. in bonn die aus der 3., in giessen spielen welche aus lich, in lich laufen oberligaspieler auf, in bayreuth kämpft man mit regionalligaspielern um den bbl aufstieg …

    gewinner gibt es nur einen. der geldbeutel der deutschen spieler.

  6. Tja, das entscheidende ist doch, das wenn die „harte“ Quote kommt, die tollen talentierten jungen Spieler eben dem Geld in Berlin oder sonst wo nachlaufen werden als der „vielen“ Spielzeit im beschaulichen Niederbayern (als Beispiel für die BBL-Provinz an sich) beim BBL-Aufsteiger.
    Lieber dreimal mehr Geld in Spreeathen fürs Trainieren und Schattenwerfen als 20 Minuten Spielzeit im Ries für den Monsterdunk in einem Spiel für die Galerie für einen erweiterten Hartz IV-Satz.
    Wer würde es dem Spieler verdenken wollen – und was wäre damit dem Basketball gedient???

    Bei mehr als 50%-Inländer sehe ich langsam Probleme mit dem EU-Recht auf den Profisport zukommen.

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