Rauschen im Blätterwald und Ensebremse

Lange kein Rauschen mehr geposted. Heute ist es mal wieder so weit. Es geht um unbezahlte Praktika, Bilder und die Vorherrschaft von kulinarischen Fragen im Sportteil.

Zum Spiel gegen Bonn brauche ich nicht viele Worte zu verlieren. Es war klasse, es tat so gut und ich mag den Bad Boy „Baba“ Nalga. Endlich mal ne Ensebremse, wie Tom ihn nannte. Es wird spannend, wer nach Chubbs Genesung auf die Tribüne wandern wird. Eigentlich wäre das die Chance für Staiger und Zwiener zu zeigen, dass sie Byars Rolle schon diese Saison locker füllen können. Denn Nalga auf die Tribüne? Das glaube ich nicht, eher bekommt Sekulic Minuten auf der Vier. Amüsiert las ich den Kommentar von Mike Koch nach dem Spiel:

Wenn man so motivationslos und inspirationslos auftritt, hat man keine Chance in Berlin.

Ich stempel das mal als Schutzbehauptung ab. Denn auch der Coach saß über weite Strecken des Spiels regungslos auf seinem Stuhl. Ostentative Passivität ist ganz bestimmt motivationsfördernd und inspirierend.

Ich verstehe auch nicht, warum hier alle Bonn als so unmöglich abstempeln, das Spiel kleinreden. Aufgegeben haben die Bonner nicht, nur lief wenig zusammen. Gerade Spieler wie Ohlbrecht, bei dem man echt nochmal Entwicklung gesehen hat, kämpften bis zum Ende. Es reichte eben nicht. Flomo war ein Totalausfall. Alba hat – gerade auch mit Steffi H. – extrem gut verteidigt und den Bonnern indiviuduell den Zahn gezogen. Also ein wenig auch das gemacht, was sonst – wenn die Bonner Center regierten – die deutschen Guards bei Bonn machen durften: Nerven, auf den Füßen stehen, das Spiel schwer machen. Und klar: Jenkins hatte nen Sahnetag… hoffen wir, das die vielen vielen Ellbogen nicht am Dienstag gegen Aris noch weh tun.

Jedenfalls profitiert hat Cemal Nalga. Die Presse (via Fantasy Rotation) jubelt und hat ein gefundenes Fressen. Wenngleich Lars Spannagel (Tagesspiegel) offensichtlich Nalgas Aufmerksamkeit mit einer riesenportion Pasta teilen musste. Sogar die tageszeitung bringt einen ihrer seltenen Artikel über ALBA. Doch in diesem Fall bliebt mir nur Kopfschütteln ob des moralischen Zeigefingers des Autors aus der Rudi-Dutschke-Straße. Ein paar Zitate:

Die Anhänger sind es gewohnt, im Laufe einer Saison immer wieder neue Spieler vorgesetzt zu bekommen, die – falls sie dann dich nichts taugen – umgehend wieder auf die Reise durch die Profiligen dieser Welt geschickt werden.

Ja, ALBA hat ein paar Spieler neu- und nachverpflichtet. Würde der Autor aber die Liga kennen, wüsste er, dass die Konstanz bei ALBA hoch ist. Und dass ich ausgerechnet bei der  so weltoffenen und internationalen taz die Sehnsucht nach „Deutsch“  auf dem Parkett so deutlich in den letzten beiden Absätzen rauslese, verwundert mich allerdings nur noch bedingt. Auch 68er können kleinbürgerliche Spießer sein, wie Jan Fleischauer in seinem Buch „Unter Linken“ teils polemisch beschreibt. Dennoch: taz gilt immer als gute Schule des Journalismus. Wer da lernen will, konnte das 24 Semester lang über das jüngst eingestellte Creative Village.

Gute Ausbildung im Basketballjournalismus verspricht Sven Simon seinen Praktikanten für die FIVE/FÜNF. Dort wird dringend für April bis Juni ein Prakti gesucht. Schreiben soll er oder sie können und Basketballspielen. Sicherlich auch eine gute Schule, da wir als Five-Leser ja wissen, dass Praktikanten da richtig Texte machen dürfen. Der Aufruf lautet:

In der Regel bieten wir Praktika über zwei Produktionszeiträume, also zwei Monate an. Unsere Praktikanten sind fest in den journalistischen Arbeitsalltag eingebunden. Es geht bei uns nicht um Kaffee kochen und Post wegbringen, sondern um viel schreiben, recherchieren (auch vor Ort) und kreativ mitwirken. Jeder Praktikant verfasst bei uns eigene Artikel fürs Heft, bekommt die jeweiligen Layouts auch als PDFs mit und zudem im Rahmen unserer Kooperation auch einen seiner Artikel bei Spiegel-Online veröffentlicht. Desweiteren helfen wir immer gerne mit Rat und Kontakten bei späteren Bewerbungen. Leider zahlt unser Verlag aber kein Geld für das Praktikum. (Quelle)

Die Kröte steckt im letzten Satz. Leider ist die Ausbeutung von Praktikanten noch immer branchenüblich. Wurde ja auch jüngst wieder literarisch beschrieben von Markus Henrik in seinem Praktikantenroman Copy-Man (lesenswert!). Wer sich als Fair Company begreift, der zahlt… auch wenn es wie bei der taz nur eine Handvoll Euro sind.

Vielleicht wäre ein Praktikant auch eine Lösung für ALBA, damit zukünftig auch Bilder aus Berlin in der Fotostrecke auf beko-bbl.de gezeigt werden. Denn erstaunlicherweise gibt es ausgerechnet vom Topspiel gegen Bonn keine Bilder… und ich soll mich mit der Pöbelei an meinen Club wenden.

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6 Gedanken zu „Rauschen im Blätterwald und Ensebremse

  1. hallo, der sven hier von der FIVE.

    erstmal besten dunk für die erwähnung … und natürlich kann ich nachvollziehen, wenn die fehlende bezahlung jemandem aufstößt.

    könnt mir glauben, dass ich – auch wenn meine drei praktika im studium (wolfsburger nachrichten, basketball und radio köln) früher auch unbezahlt waren – den praktikanten gerne was zahlen würde, aber diesbezüglich machen nun mal nicht wir aus der redaktion die ansagen.

    das größte argument, das ich liefern kann, werden alle ehemaligen praktikanten und mitarbeiter mit sicherheit bestätigen: es macht jede menge spaß (auch wenn ihr jede menge rookiesprüche von dré und mir ertragen müsst)! ein praktikum bei der FIVE hebt sich von den üblichen praktika ab. ihr gehört voll zum team, es gibt quasi keine üblichen prakti-tätigkeiten, ihr seid nur mit der produktion des heftes beschäftigt – wie viel ihr schreibt, liegt nur an euch: unsere letzten beiden praktis waren richtig gut und haben eigene vierseitige features geschrieben … nur mal als beispiel.

    zudem biete ich unseren praktikanten im abschlussgespräch immer an, dass sie – wenn sie sich später mal woanders im medienbereich bewerben – mir bescheid geben und ich dann – da ich auch aus meiner zeit als freelancer noch ein gutes netzwerk habe und eigentlich überall jemanden kenne – auf dem kurzen dienstweg eine email an meinen kontakt schicke und darauf hinweise, dass sich in kürze ein guter mann bewirbt, der sich oben auf dem stapel gut machen würde (wie in anderen bereichen auch, läuft es im dreckigen mediengeschäft eben oft über empfehlungen).

    einige frühere FIVE-praktikanten haben das sprüche-stahlbad in unserer reda anscheinend so gut überstanden, dass sie mittlerweile woanders untergekommen sind:
    – haruka gruber bei spox
    – johannes korge und marco plein bei spiegel online
    – frank joung bei der braunschweiger zeitung
    – daniel krettek bei der bonner rundschau
    – und markus kaiser, goranka zloporubovic, oli tenfelde und max rau haben wir nach dem praktikum in den autorenpool der FIVE übernommen

    wenn jemand fragen zum praktikum hat, einfach anrufen bei mir. gruß, der sven

  2. @Sven: Hallo Sven, ich würde mich gerne für einen Praktikumsplatz bewerben. Ich habe ein Affinität zum Sport, vor allem Basketball und bin sehr lernfähig. Ebenfalls bin ich ein treuer FIVE Leser und würde mich gerne anbieten.
    Ich wohne in Berlin, bin aber am 4. und 5. März in Köln und würde mich sehr gerne vorstellen…
    Mit sportlichen Grüßen
    Marko

  3. wir nehmen keine linkshänder, aber wir können einen kaffee trinken gehen, wenn du hier bist. ich habe ja auch noch einen ganzen karton fotos für dich. allerdings ist keins dabei, bei dem du leger von rechts mit rechts machst …

  4. @Sven Kann man denn bei euch auch Praktikum in den Sommerferien machen? Für Leute, die also noch zur Schule gehen und nicht so wirklich wissen, ob der Beruf Journalist wirklich was für sie ist? ;)

  5. leider haben wir in unseren neuen büros weit weniger platz als früher und auch deshalb nehmen wir keine schülerpraktikanten mehr. sorry, aber bei unserer kleinen klitsche ist nur raum für einen prakti und der sollte schon journalistische vorkenntnisse haben. gruß, sven

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