Wollen wir wirklich zum Top4?

Heute spielt Berlin in Bamberg um den Einzug ins Top4 des Copa del Pommer… Eisbären, Göttingen und Frankfurt warten da schon. Wollen wir da wirklich hin oder lassen wir den Brösels lieber den Vortritt?

Ich kam in den letzten Wochen wenig zum Schreiben und plötzlich ist morgen schon das Superclassico der BBL: Bamberg gegen Berlin. Grüne Wiesen und Autoschraubermäzenatentum gegen Müllmänner und Prenzl-Schwaben. Ich muss gestehen, dass der letzte Text über Stoschek und Bamberg, den ich las, ein Bericht über die Kunstsammlung der Tochter im Zeit-Magazin war. Während Papa alternde Basketballer kauft, macht die Tochter in moderner Kunst. So richtig auf der Höhe bin ich daher mit den Pizzeriagesprächen und Wechselgerüchten nicht. Wenngleich man natürlich den Namen Spencer Nelson nicht überhören und überlesen durfte.

Aber laangweilig! Morgen wird der bestimmt noch nicht spielen. Das Quartett Goldsberry/Nelson/Jacobsen/Gavel wäre natürlich was. Da kann dann jeder seine Sehnsüchte an Glanztage der Liga reininterpretieren. Die Dragonsfans mit dem Trainerminderwertigkeitssyndrom dürfen von der großen Zeit unter dem in Bamberg noch immer nicht geliebten Ex-Trainer träumen (um den ganz real verpflichteten Hollis Price beneiden wir sie allerdings!). Die Berliner  alpträumen von der Entscheidung für Bajramovic und gegen Nelson vergangene Offseason. Die Bamberger träumen von einst kurzzeitig erfolgreichen Tagen in Europa und längst vergangenen Meisterschaften als die Wiesen noch grün, das Bier rauchig und die Heimspielstätte Nürnberg war. Und OldschoolBaller träumt von erfolgreichem Basketball in Gießen mit Anton…

Heute abend spielen wir um die Teilnahme am Copa del Pommer. Ich hab ehrlich überlegt, ob ich mir Karten hole. Frankfurt ist immer ne Reise wert. Aber sind es die potentiellen Gegner? Ist dieser Wettbewerb in dieser Besetzung das Ligahighlight, das ich sehen will? Ich fand und finde die Reform gut. Dabei bleibe ich auch.

Nur kommt die Ernüchterung ob der Realität, als ich eben gerade die Bremerhavener Zuschauerzahlen vom Viertelfinale las: 1570 Gäste. Mehr Spannung in die Viertelfinals, dieses Kernargument – auch von mir – für den neuen Pokal hat ja schon mal gar nicht funktioniert. Es ist schlechter als zuvor. Der Vizemeister und mögliche Playoffgegener reist an und interessiert keinen Fischkopp. Da ist die Bremehavener Leistung der Zuschauermobilisierung – mit Verlaub Herr Rathjen – beschissen. #fail nennt man das wohl neudeutsch. Göttingen mit mageren 2500 Zuschauern in der Klausurenphase ist ok. Aber diese beiden Zahlen sollte man nicht vergessen, falls die Liga nach dem Superclassico Brose-ALBA den Zuschauerdurchschnitt als Erfolg verkaufen will…

Diese formale Mäkelei an den Zahlen mal beiseite… Gehen wir zu den sportlichen Fragen über.  Aber schert mich der Sport im Beko BBL Pokal eigentlich? Denn gewinnen wird den Pokal ja sowieso Göttingen, wie kürzlich auf SD geschrieben wurde. Die haben sich mit bravourösen Leistungen nicht nur gegen Oldenburg durchgesetzt, sondern räumen – mal wieder – mit wenig Geld (wieder ohne Namenssponsor) die Liga und die drittklassige EuroChallenge auf. Hut ab. Mögen tu ich den Stil ja noch immer nicht.  Ebensowenig übrigens wie das Egogezocke der Post-Roller-Generation des Ausrichters Frankfurt. Dazu dann noch Bremerhavener Pferderennen mit lahmendem Center, fertig ist die Top4-Beliebigkeit. Sportlich bin ich – gerade nach den letzten DSF-Übertragungen – von den Teilnehmern ziemlich desillusioniert.

Aber – das ist vielleicht das besonders ehrliche am neuen Pokalmodus – er spiegelt die aktuelle Verfassung der Liga wieder: Bremerhaven, Göttingen, Frankfurt. Die haben sich am Ende der Hinrunde ins obere Drittel gebissen, gekratzt und gespielt und rocken nun die Viertelfinals. Drei Mannschaften, die ich mir außerhalb einzelner Schlaglichte und Wechselskandälchen weder merken mag noch kann. Es lohnt ja auch nicht. Oder glaubt jemand, das auch nur eine Mannschaft davon im Kern zusammenbleiben und die Liga über Jahre prägen wird? Vielleicht der neue quotendeutsche Busfahrer in Göttingen: Um die Quote zu erfüllen steht jetzt der Teammanager (im Club seit 2008)  seit zwei Spielen auch auf dem Meldebogen. Großes Kino – kam übrigens für  ToppertTöpper.

Statt sich im April zwei Tage unter den Augen unserer Ligaschiris verkloppen zu lassen und so zu tun, sei zwischen Topclubs und Ligamainstream alles heiter Sonnenschein, sollte ALBA sich lieber weiter auf das Erreichen des wirklich wichtigen Top4, im April in Vitoria-Gasteiz, konzentrieren. Wen interessiert da schon Bamberg….

Halt! Stopp! Moment! Es geht um Bamberg, unseren Lieblingsgegner. In der aktuellen 11Freunde (das ist diese tolle Zeitschrift zu der komischen Sportart mit Elfmeter) ist ein schöner Text über Derbys, der mich nachdenklich machte. Wir haben in der Liga kein einziges echtes Derby (mehr) – was Thema für ein anders Posting ist – dafür haben wir aber Klassiker. Brose gegen ALBA. Legendär die Watschn für Brose in eigener Halle, unvergleichlich die Schmach zu Hause vor Freakcity von Berlin gedemütigt worden zu sein.

Damals übrigens auf Berliner Seite mit Hollis und dem späteren Bamberger Greene… Freilich gab es seit dem die eine oder andere Revanche…

Nur ist dies das Tragische am kommenden Top4: Es wird komplett ohne Klassiker stattfinden. „Nordderby“ Bremerhaven gegen Göttingen? Wildcardclassico Frankfurt gegen Bremerhaven? Absurd.

Das echte Superclassico der Liga, die Mutter aller Spiele, der letzte Klassiker im diesjährigen Pokalwettbewerb, der findet heute Abend in Bamberg statt. Brose gegen ALBA, Bamberg gegen Berlin. Und allein deswegen sollten unsere Jungs das gewinnen, auch wenn sie dafür zum Top4 müssen…

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7 Gedanken zu „Wollen wir wirklich zum Top4?

  1. Was ist denn los?

    1. Der neue brosianer wird wohl eher Janar Talts als Kapitän Nemo äh Nelson.
    2. Quakenbrück – Oldenburg ist doch ein echtes Derby, so richtig mit Nickligkeiten und „Zu euch fliegen unsere Tauben zum Kacken“.
    3. ALBA muss immer gewinnen und wenn es gegen brose geht, seh ich das ausnahmsweise mal haargenauso. Da wir brose unbedingt raushauen wollen, wollen wir folgerichtig auch zum Top4.

    Man muss das ja auch mal strategisch sehen: brose ohne Top4 bedeutet brose ohne Europa-Punkte bedeutet brose muss sich ganz schön strecken, wenn sie wenigstens Eurocup-Quali spielen wollen. Momentan ist es wohl wahrscheinlicher, dass sie Euroleague spielen, weil sie entweder Meister oder Eurocup-Champion werden, als dass sie genug Punkte zusammen bekommen, um Quali zu spielen. Das schwächt den Standort brose was wiederum gut für die Ausgeglichenheit der Liga ist. Außerdem zieht ALBA Zuschauer für das Top4 und eine Niederlage ALBAs beim Top4 zeugt in der Presse weit mehr von der Ausgeglichenheit der Liga als eine Niederlage broses. Die verlieren einfach zu oft. Also, schon zum Wohle der Liga wollen wir ins Top4. Dementsprechend wird uns die Liga auch unterstützen. Wirst Du morgen schon lesen. Und wenn nicht, war der Trainer und entweder ein Dicker oder eine Diva schuld.

  2. Ich denke Grübler meint mit „Wir haben in der Liga kein einziges echtes Derby“, dass die Berliner keins haben. Derbys gibt es genug, Frankfurt-Giessen zum Beispiel…

    • Zu den Derbys schreib ich bei Gelegenheit nochmal was… drängelt ja nicht. Gießen, Offenbach oder Langen müssen schließlich nicht zum Top4 :-). Für die Kritik an den begrifflichen Weiterungen des Derbys verweise ich auf die 11Freunde…

    • Also zum eine würde ich mich deutlich mehr über Bamberg freuen als über Berlin, auch wenn dieser Playoff-Klassiker durch die Frankfurter Erfolglosigkeit der letzten Jahre etwas eingerostet ist.

      Aber für die Chuzpe Bamberg – Alba als Superclassico zu bezeichnen, wünsche ich Grübler eine echte Klatsche für sein Team. El Superclassico es El Superclassico es El Superclassico – und das eigentlich auch nur, wenn Boca daheim in der Bombonera spielt. Pfui für diese Anmaßung.

  3. Mir gefällt der Kommentar nicht sonderlich gut.
    „auch wenn Sie dafür zum Top4 müssen“ ist eine Einstellung, die man in einem Kommentar natürlich bringen und vertreten kann. Allerdings scheint der Grübler vergessen zu haben, dass sein Team in der Hauptsache alternativlos in der BBL unterwegs ist und die Titel, die es hier zu holen gibt, nun einmal die Titel sind, die es zu holen gilt. Egal gegen wen und egal wo. Das ist die BBL, nicht mehr und nicht weniger, ob es einem passt oder nicht. Obwohl ich auch deutlich mehr auf Sommer stehe werde ich meine Zeit nicht damit vergeuden, mich jeden morgen über den Winter aufzuregen…
    In meinen Augen vergrübelt… ;-)

  4. Pingback: Herbstmeisterschaft im Frühling « Grübelei – Ansichten eines Basketballfans

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