Showdown in Indy

Vor dem großen Tanz, dem „Big Dance“, dem ganz großen Finale, das heute Nacht (00:07 Uhr unserer Zeit) startet, läßt sich Cinderella schön machen. Haare waschen, fönen, stylen, Massage, Wellnesseinheiten und ein neues dunkelblaues Kleidchen. Nur irgendwie sah Aschenputtel auch schon mal besser aus. Dieses hier hat kurze Beine, deutliches Übergewicht, Falten, Hängebacken, braucht dringend `ne Zahnspange und hört auf den schönen Namen BlueII.

Der Traum aller NCAA-Planer ist wahrgeworden: eine Heimmannschaft spielt im Final Four. Und nicht die große Purdue Universität ist es, sondern eben das kleine Butler. Nur 5, 6 Meilen die Hauptstrasse runter sinds vom Campus der Bulldoggen zum riesigen Lucas Oil Stadium – Ort der prestigeträchtigen Endrunde. Das Final Four ist immer eine gigantomanische Veranstaltung, nur zu vergleichen mit der Superbowl, aber die Teilnahme von Butler gibt dem ganzen noch den Extrakick. Das wird eine Gänsehautnacht par excellence, vor allem beim ersten Spiel Butler – Michigan State.

Einen kleinen Vorgeschmack auf das, was uns heute Nacht erwartet, gab es gestern beim öffentlichen Training. Am Schluß drängten sich 30.000 Zuschauer bei der Butler-Practice. Ein kaum vorstellbares Gefühl muß das sein, wenn man in die Riesenarena einläuft, an der man sonst als Butlerstudent nur vorbeifährt oder sie bei Spielen der Indianapolis Colts (NFL) im Fernsehen sieht. Standing ovations von Zehntausenden beim Einlaufen und eine Liveübertragung im TV – nur vom Training! Einfach unglaublich.

Butler hat nur 4500 eingeschriebene Studenten und einen milchgesichtigen Coach der glücklicherweise Anzug trägt, weil man ihn sonst nicht von den Spielern unterscheiden könnte. Und einen mindestens ebenso milchgesichtigen Starspieler, den bis vor kurzem nur die Eingeweihten kannten: Gordon Hayward. Das Team ist Alles, der einzelne Nichts, so war es schon immer an der alten Uni (1855 von strikten, bürgerrechtsbewegten Sklavereigegnern gegründet), die vor Tradition nur so trieft. Man spielt seine Spiele im uralt ächzenden, 1928 erbauten Hinkle Fieldhouse (auch Scheune genannt), in dem schon Legenden wie Oscar Robertson, Larry Bird und George McGinnis zockten und in dem der legendäre Basketballfilm „Hoosiers“ gedreht wurde. 10 von 15 Spielern der Mannschaft sind in der Nähe geboren und tausend kleine Geschichtchen ranken sich bereits jetzt um die „local heroes“. Die Unterstützung erreicht jeden Tag irrsinnigere Ausmaße, aber bis jetzt gehen die Jungs und ihr Coach recht locker damit um.

Und ich geb es zu: ich bin mittlerweile ein echter Fan ;-) und werde Butler heiß die Daumen drücken. Es wird ein sehr, sehr enges Spiel, aber es wäre einfach zu schön die Heimmannschaft am Montag im Finale und die meisten der 71.300 Zuschauer heute Nacht jubeln zu sehen.

Fotos vom Training: http://photos.indystar.com/galleries/9251-thousands-attend-butler-practice#id=9251&num=6

Zweites Spiel gegen ca. 3 Uhr nachts wird West Virginia gegen Duke sein.

Duke ist das Team „everybody loves to hate“ und sie sind die Favoriten gegen West Virginia. Hier treffen zwei sehr reboundstarke Teams aufeinander ein US-Sender erwartet gar ein „Blutbad an den Brettern“.

Riesenarena fürs FinalFour: Lucas Oil Stadium

Ein Highscoregame wird das nicht. Viel Setplay und wechselnde Verteidigungen, der ausgefuchsten Collegecoaches sind zu erwarten. Normalerweise sieht man in einem NCAA-Spiel mehr Taktikwechsel als in einem Jahr BBL, etwas was den besonderen Reiz ausmacht. Natürlich ist nichts perfekt, die Spieler genauso jung und unerfahren wie fehlerträchtig, aber man sieht jede Taktik, jeden Spielzug, jede Absicht hinter der Aktion, eben weil die individuellen und athletischen Fähigkeiten nicht so ausgeprägt sind wie bei den Profis. Nicht perfekt aber schön. Etwas für Basketballpuristen und -liebhaber.

Bracket: Hier noch einmal die Übersicht, wer wen wann wo und wie hoch geschlagen hat.

Live and for free: Hier der Link für die Spiele.

71.300 Fans pack the house

Und für die ganz Bekloppten: hier alle 4 öffentlichen Trainings auf Video und weitere Infos en masse

OldSchoolBaller wünscht allen eine „Gute Nacht“!

P.S.: Ich vergaß und wie könnte es auch anders sein: natürlich twittert ein modernes Aschenputtel auch! ;-)

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4 Gedanken zu „Showdown in Indy

  1. Ja. Das ist das Stadion der Indianapolis Colts (NFL), dem diesjährigen Vizemeister. Mit so einem kleinen Feld in der Mitte passen beim Basketball natürlich noch einige tausende Zuschauer mehr rein als bei den NFL-Spielen. Das Feld ist übrigens auf einer Art Bühne aufgebaut.
    Hier die interessante Virtualtour des Stadions: http://www.colts.com/sub.cfm?page=lucasoiltour
    Schau Dir unbedingt mal die „Game Day Field View“ an, dann kannst du dir ungefähr vorstellen, wie sich das anfühlen muß da zu spielen. Lucas Oil Stadium wird im Februar 2012 übrigens Austragungsort von Superbowl XLVI sein.

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