Reden kostet Silber, aber ist Schweigen Gold?

Es klingelt mal wieder im Säckel der Liga. Wieder hat die Liga – in Person von Leiter Sport und Schiri-Schef  Staudenmeyer – in einem Fall öffentlicher Schirikritik Strafen verhängt. Diesmal hat es Ulm erwischt.

Es geht um das Spiel vom 6. März in Göttingen. Dort kam es am Ende des Spiels zu folgender Situation, die ich hier mal nach der Ulmer Pressemitteilung zitiere:

Zunächst kassierte Per Günther ein Technisches Foul, anschließend Coach Mike Taylor. Aufgebracht durch zahlreiche strittige Pfiffe (so wurde z.B. 20 Sekunden vor dem Ende ein Göttinger Angriff nicht abgebrochen, obwohl ein Spieler entgegen der Regeln für mehrere Sekunden am Ring baumelte) geriet Taylor durch das „T“ erst richtig in Fahrt. Die Konsequenz war ein disqualifizierendes Foul und acht Göttinger Freiwürfe in Folge (die Chris Oliver ohne Fehlwurf verwandelte). (via Team-Ulm.de)

Ausführlicher beschreibt auch das Göttinger Tagblatt die Szene und die Entwicklung der Situation bis zu den vielen Fouls als zumindest bizarr. Es ist ein Geschehen, bei dem die Entscheidungen der Refs durchaus spielentscheidend waren. Natürlich bewerten diese nur das Verhalten der Teilnehmer, aber ein „Geschmäckle“ bleibt.

Für Schirikritik im Nachklang zu dem Spiel bekamen Per Günther und Dr. Thomas Stoll von der BBL nun je eine Strafe von 500 € aufgebrummt. (hier eine vollständige PM-Wiedergabe)

[…]Noch unverständlicher sind zwei 500-Euro-Strafen wegen diverser Aussagen nach dem Auswärtsspiel in Göttingen. Damals verhängten die Unparteiischen Sekunden vor Spielende zwei technische und ein disqualifizierendes Foul. Göttingen wurden anschließend acht Freiwürfe zugesprochen. Auch wenn die Verantwortlichen bis heute keine überzogene Kritik an den Schiedsrichtern erkennen können, belegte Jens Staudenmayer, der Leiter Sport der Beko BBL, Per Günther und Geschäftsführer Dr. Thomas Stoll mit jeweils einer 500 Euro Strafe […]

Auf Rechtsmittel gegen die Strafen verzichtete man aufgrund der hohen Kosten einer solchen Berufung.

Da in dem Budget des Bundesligisten bislang kein Posten für Strafen enthalten ist, heißt es jetzt sparen. Zuerst wurden die beiden Teilnahmen an den Workshops der Beko BBL abgesagt.

Andere drohen mit Rückzug aus den „Gremien“, Ulm macht es wahr und fährt nicht zu BBL Workshops. Strafe und Zusammenarbeit schließen sich nach der Darstellung aus finanziellen Gründen aus. Immerhin sind es nur Strafen am unteren Ende der Skala… Aber die Linie der Liga auf Kritik auch nach sehr umstrittenen Entscheidungen mit einer Zahlungsaufforderung zu reagieren, kann man wohl durchaus infrage stellen.

Schiris sind natürlich kein Freiwild. Respektlose Schirikritik ist gefährlich. Aber die Praxis, die ein kategorisches Verbot jeder öffentlichen Kritik bedeutet, scheint überzogen.

Den Stein des Anstoßes, die Formulierungen, um die es ging, finde ich nicht mehr. Ist vielleicht auch nicht so wichtig. Wenn die zulässige Grenze der Kritik bei einem vagen „die Spieler sollen das Spiel entscheiden“ liegt, bekomme ich mehr und mehr den Eindruck einer Maulkorb-Linie der BBL in Fragen der Schirikritik. Vor allem ist es kontraproduktiv, denn seit Anfang März war nun Gras über die Sache gewachsen. Nun ist sie wieder im Raum.

Mal sehen, wann die PM von Jan Pommer kommt, mit der er die Ulmer öffentlich an den Pranger stellt so wie Baldi… geht ja insgesamt um die selbe Strafhöhe. Die Ligasitzung am Wochenende in Tübingen könnte so einen ganz besonderen Spin bekommen, nicht nur weil Ulmer (was machen die Berliner?) bei den Workshops* fehlen werden. Auf die Aufforderung zum Schweigen durch die Liga folgt mehr Schweigen. Gut für das gemeinsame Arbeiten an der Zukunft der Liga ist das sicherlich nicht.

* Vgl. den Kommentar von Felix Kaiser. Es geht nicht um die AG-Sitzungen in Tübingen, sondern Marketingworkshops in Köln.

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12 Gedanken zu „Reden kostet Silber, aber ist Schweigen Gold?

  1. Die Ulmer haben Ihre Teilnahme am PR- und Marketing-Workshop abgesagt. Diese betreffen die Pressesprecher und Marketing-Manager der Vereine, die nun nicht nach Köln reisen werden um sich mit den entsprechenden Verantwortlichen der anderen Vereine auszutauschen.
    Die AG-Sitzungen sind davon, Stand jetzt, nicht betroffen.

  2. Bilder vom Spiel:http://www.bggoettingen.de/herren/pages/VeilchenTV.199.php/archive2
    Ich sehe keinen unerlaubt hängenden Boone und ich sehe ein Foul an den Spiel! Ich sehe keine falsche Entscheidung der Schiris. ich sehe sehrwohl eine Handbewegung die der Schiri unter dem Korb NIE hätte machen dürfen! Das ist das Problem nix anderes.

    Wo ist das Geschmäckle????

    Wofür werden Günther und Stoll bestraft? Ich verstehe es nicht! Das wäre wirklich spannend zu wissen, doch nicht für Vorgänge während des Spiels, oder?

  3. ich kann die Kritik verstehen, dass die prompten Geldstrafen wie Maulkörbe erscheinen, die jegliche (im positiven Fall konstruktive) Kritik unterbinden sollen. Aber du könntest die beiden Fälle Ulm und Alba auch ein wenig differenzierter betrachten. Das, was sich Baldi geleistet hat, schwebt in einer ganz eigenen Dimension. Da reicht Ulms Nachhaken bei weiten nicht ran. Die beiden Fälle jetzt in ein Boot zu stecken und Ulm im Schulterschluss mit Alba als glorreiche BBL-Rebellen zu preisen, wirkt irgendwie zu bemüht.

  4. Wenn Ulm und Alba schon wegen öffentlicher Kritik über den Tisch gezogen werden, muss dann nicht auch Bamberg mal dran glauben müssen?

    Die BBL mag vielleicht keine Kritik außerhalb der Gtemien, aber dann muss einfach alles auch geahndet werden.

    Aber vielleicht kompensiert die BBL Gmbh damit nur die fehlende Wildcard-Einnahme.

    • Bamberg und speziell Heyder hat schon manchen Euro abdrücken müssen an die BBL.
      Bei der letzten Live-Übertragung (Pokalfinale) bestätigte Heyder dem Moderator (glaube es war Körner), dass er schon paar mal gezahlt hat.

    • Aber die BBL verhält sich höchst unterschiedlich.
      Während in einigen Fällen das Problem per übersandtem Uberweisungsträger gelöst wird, wird in anderen Fällen noch ebenso öffentlich nachgekartet oder dem Unhold nachgesagt, die Unwahrheit zu verbreiten.

      In all diesen Fällen ist die BBL zugleich Kläger und Richter. Damit das weiterhin anerkannt bleibt, sollte man seitens der BBL Bedacht bei eigenen Äusserungen walten lassen. Grobes Klötzerstapeln ist der Sache nicht angemessen.

      Wieviel Spendengeld ist denn Anno 09/10 aus Bberg in die BBL-Kniggekasse geflossen?

  5. Ich glaube bei uns ist ein Dauerauftrag eingerichtet. Wolfgang sagt seine Meinung stets ohne Blatt vor dem Munde, Wolfgang kommentiert gestenreich, als ungerechtfertigt angesehene, Entscheidungen, Wolfgang erzählt dem BBL Beobachter in bester Dozentenmanier was die herren in Kiwi da alles falsch machen. Ich finds super, der Uli Hoeneß der BBL. Ich nehme an, dass Bamberg die BBL stets sehr großzügig „unterstützt“. :-)

  6. Aus der Pro A waren wir ja einiges gewohnt, hatten als glückliche Aufsteiger aber die letzten Lacher. Diese BBL-Saison hat aber in vielen Spielen Schirileistungen auf Amateurniveau offenbart. Das kostete Phoenix fünf Siege im Survival-Abstiegskampf. Vor allem bei den gegnerischen Centern wurden Foulklöpse übersehen wie beim Streetball. Inklusive Starbonus und Goliathschutz.
    Genau wie dieses Ulm-Urteil am Saisonende (!) und 500 Euro als Monatsmietklau sprechen für eine wehleidige Sportjura. Nicht, daß die Schiris hier auch noch streiken wie in der NBA lol

    • Wahrscheinlich kosten die Schierileistung jedes Team 5 Spiele ^^

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