Salz und Pfeffer für die Vier

Bäm! Da ist sie, die erste Neuverpflichtungsmeldung ALBA Berlins unter dem Regime der 5+7 Quote. Sven Schultze, 103facher Nationalspieler, Kapitän der deutschen Basketball-Nationalmannschaft kehrt zurück nach Berlin. Seit Marco Baldis Ankündigung vor einigen Monaten konnten wir spekulieren: ALBA sucht erfahrene Profis mit deutschem Pass. Der erste davon ist ein alter Bekannter geworden, der mit ALBA bereits vier Meisterschaften und zwei Pokalsiege holte.

Irgendwann am frühen Nachmittag kam die Meldung: ALBA Berlin verpflichtet Sven Schultze. 2,06m, Powerforward mit sicherem Wurf jenseits der 6,25m. Einunddreißig Jahre ist er alt (echt, nur?) und für zwei Jahre läuft der Vertrag.

Schultze ist deutscher Nationalspieler seit einer gefühlten Ewigkeit. Keiner der Jungen Wilden, sondern – leicht graumeliert – mit seinen 31 Jahren einer deralten Hasen. Lange war er von der Bildfläche des deutschen Basketballs verschwunden.  Ein Bamberger Eigengewächs, das dann für den ersten 4-Jahres-Vertrag nach Berlin ging, wo er ein 8-Minuten-Spieler mit Doppellizenz war (Hallo Philip!). Pünklich zum Ende der Sereinmeisterschaften ab zum einstigen Erzrivalen Leverkusen, wo er zum Starter und Star reifte, um dann 2005 nach Italien auszuwandern. Unser deutscher Legionär verbrachte etwas mehr als zwei Jahre bei Armani Jeans Mailand und – freilich nicht ohne einen Abstecher nach Griechenland – die letzten Jahre bei diversen weiteren italienischen Clubs. Wenn die Vergangenheit interessiert und mehr wissen will: Doudiz hilft.

Es passt.

Ich tue mich mit den Beschreibungen schwer. Wer auch nur ein wenig Nationalmannschafts-Basketball schaut, kennt Sven Schultze. Kein Spieler für die großen Stats, defensiv immer engagiert und nicht scheu, seine Fouls auch zu nutzen. Aber er bringt die Qualitäten mit, die wir in Berlin nach den frustrierenden letzten Saisonwochen so brauchen: Er kämpft, er motiviert, er gibt 110 %. Der Tagesspiegel freut sich, über die „zupackende Art“ von Spielern, die mit Sven Schultze nach Berlin kommt und zitiert Pavicevic:

„Ein Spieler mit seiner Einstellung und Persönlichkeit wird in einem ambitionierten Programm wie unserem immer gebraucht“, sagt Albas Trainer Luka Pavicevic.

Und er hat das, was Luka Pavicevic auf der Position des Powerforwards sehen will, einen mehr als soliden Wurf von der Dreierlinie. Betrachtet man die letzten Jahre, so Quoten von  40% oder drüber hinaus nahezu garantiert. Es würde mich nicht wundern, wenn Schultze von den Berliner Systemen ordentlich profitiert. Schultze ist kein Spieler für die spektakulären Highlightvideos, er ist solider Arbeiter, guter Teamplayer und großer Kämpfer. Nur zwei kleine Fundstücke von youtube, die ich erwähnenswert finde, ein semi-spektakulärer Block

und eine schöne Studie von Hustle-Play und engagierter Defense:

Dass Schultze schon länger auf dem Berliner Zettel steht, war immer mal wieder zu vernehmen und ist auch heute in den Medien zu lesen. Die Morgenpost meldet, dass der Deal bereits im April eingetütet wurde. Vielleicht ist die Rückkehr von Schultze paradigmatisch für die Wirkungen, die die Steigerung der Deutschenquote im Basketball hat. Ein echtes Gesicht, ein Nationalspieler den nach 103 Spielen auch echte Gelegenheitszuschauer kennen, kehrt zurück in die Liga. Das ist schön.

Mit Steffen Hamann, Lucca Staiger und Sven Schultze stellt ALBA nun erst einmal wieder den größten Block in der Nationalmannschaft. Die Quote ist noch nicht erfüllt, zwar ist Nachwuchsspieler Andreas Seiferth (U20 Nationalmannschaft) im Kader, doch wenigstens ein deutscher Spieler fehlt noch. Vielleicht kommen auch zwei, wie BaldiHarnisch dem Tagesspiegel sagte.

Was heißt das nun?

Da dies mein erstes Posting über die ALBA-Offseason ist, mal ein Blick auf den Vertragsbestand. Wie immer gilt: Starter oder Bank, schiebt’s euch hin, wie ihr es für richtig haltet.

PG
PG Steffen Hamann

SG Julius Jenkins SG Lucca Staiger

SF/SG Immanuel McElroy (Option) SG/SF ???
PF — PF Sven Schultze
PF/C ???
C — C Adam Chubb (Option) PF/C Andreas Seiferth

Mindestens einen weiteren Spieler mit deutschen Pass brauchen wir, ich tippe auf die Fragezeichenposition,  wobei natürlich auch eine Starterrolle möglich wäre.

Meldungen über Abschiede gibt es nicht. Im Gegenteil, McElroys Agent geht davon aus, dass der Powermac bleibt. Dragan Dojcin nutzt den freien Juni, um Deutsch zu lernen. Na wenn das kein Signal ist, dass sich da einer auf eine Zukunft in der ALBA-Familie nach der Profilaufbahn vorbereitet. Wäre Schultze sein Ersatz, hätte man eine Trennung auch heute vermelden können.

Dem Anschein nach gibt es ne Menge Luft für Verstärkungen, Umbaumaßnahmen und „Steine umdrehen“. Wenigstens drei Rotationsplätze sind noch zu besetzen, fünf könnte man ohne Vertragsaufhebungen neu besetzen. Wird es ein anderes oder neues ALBA Berlin 2010/2011 oder wird wie in den vergangenen Jahren stark auf Kontinuität gesetzt? Ich bin unentschlossen in dieser Frage. Sekulic ist ein toller Spieler. Das Duo McElroy und Jenkins gehört zu den besten der Liga, Wright hat sich gemausert. Aber in der Gesamtschau kann es kaum an einer einzigen Position, der des Powerforwards gelegen haben. Auf dieser haben wir nun einen ersten Baustein für 15 oder 25 Minuten. Aber wer wird sein Partner? Schultze und Dojcin? Bei dem Geld, was letzte Saison für den vermeintlichen Eurostar Bajramovic ausgegeben wurde, sollte da mehr gewollt sein. Ich glaube aber, dass dies nicht zwingend dazu führen  muss, dass des Coaches rechte Hand geht. Einen Bamberger haben wir uns heute geschnappt, doch vielleicht kommt ja noch ein weiterer? Oder wird das Thema der Offseason auf der Vier die Rückkehr der nestflüchtigen Söhne Lichterfeldes?

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6 Gedanken zu „Salz und Pfeffer für die Vier

  1. Man sollte allerdings engagierte Defense, allerdings nicht mit guter Defense verwechseln. Gerade bei der so wichtigen Fußarbeit, ist er schon sehr langsam geworden. Da sollte er sogar im Vergleich zu Dojcin nochmal ein Downgrade sein. Dafür wird er Offensiv sicherlich keine Angst vor dem Dreier haben, was dann wohl ein Upgrade ist.

    Ein Spieler der sowohl beim Tabellenletzten- und Vorletzten der LEGA A keinen positiven Einfluss auf die sportliche Bilanz hatte, wird sicherlich auch Alba nicht „retten“. Allerdings sollte er einen Dojcin sicherlich 1 zu 1 ersetzen können, auch wenn vielleicht ein Dojcin gar nicht geht. ;-)

    PS
    Für Staiger hat seit heute ein unruhiger Sommer begonnen. Die Wahrscheinlichkeit, das Alba noch einen „Jacobsen/Bayrs“ auf dem dritten Spot des Flügel holt, ist deutlich gestiegen. Dafür das Alba nur mit 6 Ausländern bzw. Dojcin der 7.Ausländer ist brauch man schon eine Menge Phantasie.

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