Schaffartzik, du Riese!

Ein wenig verzögerte sich die Meldung, Vertragsdetails mussten abgestimmt werden, gesten in Halle gab es positive Signale und heute ist es offiziell: Heiko Schaffartzik unterschreibt bis zum Ende der nächsten Saison (2011/2012) in Berlin. Die Meldung des Clubs ist euphorisch, Luka Pavicevic jubelt:

Es ist gut, dass solch eine Persönlichkeit bei unserem Club spielt. Heiko ist der Richtige für uns und wir sind die Richtigen für Heiko.

Die Artikelüberschrift ist – wie könnte es anders sein – ein Buschmann-Zitat aus dem schon jetzt legendären Spiel Heikos gegen Kroatien, in dem er fast alles traf und die Kroaten im Alleingang dann doch nicht abschoss. ALBA brachte all diese Videos heute auch schon. Polen 2009 war Heikos Durchbruch (osb berichtete).

In den letzten zwei Tagen konnten wir lesen, wie sich die Fanmeinung an ihm spaltet. Er ist – da hat Luka recht – eine Persönlichkeit, eine Type, die polarisiert. Und vor allem ist er jemand, der Emotionen aufs Parkett und die Tribünen bringt.

Und nochmal Buschi:

Unfassbares Ding von diesem verrückten Burschen Schaffartzik. Ich mein das postitiv!

Auf den Tribünen hören wir mehr und mehr eine gewisse Unlust am momentanen Spiel von ALBA Berlin. Ein Freund sagt zu mir: Die müssen mehr laufen, warum nicht mal 7-Seconds-or-Less spielen? Highlights fehlen. Heiko ist ein Spieler, der Highlights bieten kann, der mitreißt. Zudem ist er – wie wir schon schrieben – eine Identifikationsfigur, ein Typ, der dem in der Zuschauerzahl und der medialen Landschaft dahindümpelnden Schiff ALBA Berlin ein wenig mehr Fahrt bringen kann.

Heiko hat in Ankara und bei der Nationalmannschaft gezeigt, dass er mittlerweile auch auf europäischem Niveau mithalten kann. Wild? Vielleicht. Auch die Quoten in Braunschweig waren vielleicht manchmal ein wenig wechselhaft. Aber die Berliner Systeme helfen in der Regel den Quoten. Es bleibt zu hoffen, dass er auch in strengeren Systemen seine Freiheit behält und seine große Stärke, das angstfreie Spiel, ausspielen wird.

Was diese Verpflichtung für die weitere Entwicklung der Mannschaft und für kommende Transfers bedeuten wird, darüber kann man vortrefflich spekulieren. Momentan haben wir zwölf Profis im Kader, darunter fünf Nationalspieler. Gestern sahen wir beim durchwachsenen Arbeitssieg gegen den MBC erstmalig in dieser Saison Smallball. Socke plus Vier hieß das Erfolgsrezept. Ist das eine neue Variante oder war es nur eine Notlösung? Für ein solches System wäre Schaffartzik sicherlich gut. Er kann – wie Jenkins – seinen eigenen Wurf erarbeiten. Er kann aber auch, wie zuletzt Marinovic, ein wenig den Egoscorer machen.

Dazu ist die Verpflichtung eines Nationalspielers für anderthalb Jahre ein wichtiger Baustein für das kommende Jahr. Und ein großer Vorteil: Er kennt einige Mitspieler. Schaut man sich das folgende Video an, dann sieht man in weiß phasenweise vier ALBA-Spieler gemeinsam auf dem Feld:

Edith hält mal fest, dass nunmehr für ALBA 2011/2012 folgende vier Nationalspieler unter Vertrag stehen: Schaffartzik (bis 2012), Staiger (bis 2012), Schultze (bis 2012), Idbihi (bis 2013).

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6 Gedanken zu „Schaffartzik, du Riese!

  1. “ Auch die Quoten in Braunschweig waren vielleicht manchmal ein wenig wechselhaft. Aber die Berliner Systeme helfen in der Regel den Quoten.“ omg, ist das statistsch überhaupt signifikant ansonsten nenn ich das mal starkes Geschwätz :-)

  2. Ganz abseits von Statistiken fällt es einem ja schon beim reinen Zusehen auf. Klar nimmt Alba auch nal nen Notdreier mit 1 Sek. auf der Shotclock, in der Regel aber sind die Schüsse deutlich freier und deutlich herausgespielter, als bei den allermeisten anderen BBL Teams.
    Einen identischen Effekt, sogar noch ein Quentchen besser, sieht man dieses Jahr doch auch bei Brose. Die Mehrzahl der Würfe ist gut herausgespielt und sitzt daher hochprozentig.
    Sicher ist es so, dass eine hohe Kaderqualität da auch nicht schadet ;-)

    Als allererstes hoffe ich mal, dass dieses Märchen vom wilden Heiko aus den Köpfen der Leute verschwindet und damit vielleicht auch dieser seltsame Gedanke, Schaffartzik sei als Spieler all das was Luka P. nicht mag oder will. Er ist in den letzten Jahren ein extrem guter Zuhörer geworden (immer vorausgesetzt natürlich, der Trainer an der Seitenlinie hat was Substantielles zu sagen). Wahrscheinlich habt ihr selten einen PG und einen Coach soviel zusammen quasseln sehen. Oft werden sogar Vorgaben eher zu genau versucht umzusetzen und die halbe Sekunde, die er vielleicht zu Anfang frei war, verstreicht ungenutzt zugunsten der Systemtreue. Das Problem sollte sich aber bei ihm mit ALBA seltener stellen (siehe oben).

    In Kayseri lief es dieses Jahr fürs ganze N-Team schlecht – warum auch immer. Selten stand er als 2er auf dem Feld, noch seltener war er die angesagte Schußoption. Nochmal: warum auch immer. Freundlicherweise kam der Ball zu ihm fast nur dann raus, wenn schon 23.8 Sek um waren und er dann den üblen Schuß nehmen mußte. Ganz im Gegensatz zu Polen 2009 (siehe Videos) wo er gegen die Griechen ganz klar die gewollte Scoringoption war. Auch die 2 Probleme hat er in Berlin eher nicht mehr und wird deshalb seine Stärken ausspielen können.

    Wer zum Beispiel das gepostete Video gegen die Griechen anschaut, der sieht eigentlich, dass da kein wirklich wildes Ding dabei ist. Nur ein einziger Schuß (der erste) fällt im staredown 1 gegen 1. Danach folgen: Schuß nach Freiblocken durch Femerling, Schuß nach Pleißblock, Schuß nach Pleißblock, Schuß nach Block Ohlbrecht, Assist und Korb nach P+R mit Ohlbrecht, Assist und Korb nach Penetration und Pass auf den völlig freistehenden Benzing, Schuß nach Block von Schultze, dito nach P+R mit Jan Jagla. Was wildes hab ich da nicht gesehen, außer dem griechischen Coach der sich fast entleibt hat und den griechischen Presseleuten. Die Quote ist ultrakrass und wird nicht oft vorkommen. Das Spiel selbst von Schaffartzik ist „simply bread and butter“.

    Ganz generell liegt ihm der Eurostyle (welches BBL-Team außer Bamberg hat einen besseren als Alba?) viel, viel besser als der Athletik-US-Style von zB Braunschweig. Diagnose: Passt alles, jetzt noch richtig dosieren!

  3. Haha, hier wird wieder mal ein Spieler hochgejubelt, der es mal eben nicht geschafft hat auf europäischem Niveau mitzuhalten. Wie eben bei allen diesen tollen Deutschen, die hier vom Gruebler regelmässig promotet werden. Ich denke nur an die unsäglichen Diskussionen im Vorfeld der EM, welcher der jungen Deutschen (Benzing, Pleiss oder Ohlbrecht) wohl zuerst den Sprung in die NBA schaffen wird (Die Frage wurde hier ja auch schon gestellt in Bezug auf Pleiss). Der Junge hat keine Chance auf NBA Niveau.
    Hier wird geträumt und eben Marketing für die eigene Sache betrieben. Keine sachliche und kritische Analyse. Sorry, das müsste sich etwas anders lesen…..woran man wieder sieht, das Sport-Journalismus und Profisport sich gegenseitig begünstigen und benötigen. Mit dem Ergebnis, dass alles immer toller dargestellt, als es tatsächlich ist. Auch Schaffartzik wird kein Top Spieler für Europa werden. Wetten?

    • Und wo steht eigentlich, dass er ein Topspieler in Europa werden wird?

      Im Vorfeld der EM gab es hier keinerlei Blogposts über demnächst bevorstehende NBA-Wechsel von Pleiß, Benzing und Ohlbrecht. Ich bin etwas ratlos.

      1998 haben 99.999% der Basketballjournalisten, -trainer, -fans und sonstigen -experten über Nowitzkis NBA-Ambitionen noch nicht einmal müde gelächelt, so absurd erschien es ihnen – vor allem nach den ersten Monaten war er bereits von allen als „bust“ identifiziert.

      Und Marketing in eigener Sache……???? Öhm, ja, genau! Ich warte auf deinen Scheck :-)

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