Sonntagsrauschen #60 – Trainersuche in der Allstar-Break

Es ist Allstar-Break, Jenkins, Mac und Allen spielten gestern, doch in Berlin gibt es nur ein Thema.  Wer wird morgen in Berlin als neuer Trainer vorgestellt? Dass Montag der entscheidende Tag ist, darauf deuten verschiedene Aussagen in der Presse im Nachgang einer Meldung der B.Z. hin. Mal sehen, ob es nachher am Rande des ProB-Spiels weitere Gerüchte gibt. Hier jetzt der Rundumblick durch den Blätterwald.

Nach Berichten der B.Z. spritzt sich die Trainerfrage auf Matteo Boniciolli zu. Wer ist Boniciolli? Mein nicht vorhandenes Italienisch ist ein Hindernis. Wikipedia gibt es nur auf Italienisch, danach wird deutlich, dass Boniciolli im Wesentlichen in der Lega A gecoached hat. Ein zweijähriger Ausflug nach Oostende war noch dabei. Seine Erfolge? Die gewonnene Eurochallenge 2009 mit Bologna, ein italienischer Pokal. Mit der großen Trophäensammlung würde er nicht anreisen. Der Hunger, sich zu empfehlen würde wohl da sein. Auf schoenen-dunk.de fordert ein Bamberger Fan nach der nüchternen Ära Pavicevic eher einen „gelackten Impresario“ an der Seitenlinie. Klar wird jedenfalls, dass Boniciolli in Pressekonferenzen lebhafter ist und einen aktiveren Stil pflegt als Pavicevic. Hier die Pressekonferenz nach dem Sieg in Bamberg.

Dass er der Bamberg-Bezwinger in der Euroleague ist, dass er da auch einen Schwerpunkt auf der Defense sieht, das sind sicherlich kleine Randerscheinungen, die ihn zu einem interessanten Kandidaten machen. Schließlich war es auch eine Schwäche von Pavicevic gerade gegen den Lieblingsgegner aus Bamberg über Jahre eine verdammt magere Bilanz aufzuweisen.

Wenn ich mich richtig erinnere, dann hatte die B.Z. damals auch Pavicevic als erstes Medium genannt. Bei allen Differenzen in Stilfragen, scheinen sie nah dran an Beobasket zu sein…

Natürlich wird auch der Ruf nach Pesic laut (z.B. in dieser SID-Meldung). Das ist bei jedem Trainerwechsel ein Ritual. 2007 entzog sich auch die B.Z. dem nicht. Aber wie ich schon am Freitag schrieb: Pesic hat noch einen laufenden Vertrag in Valencia. Es ist alles andere als wahrscheinlich, dass er jetzt kommt. Im Sommer? Das wird man sehen, aber der Trainer, der jetzt kommt, wird wohl die Chance bekommen, ein Projekt zu starten, auch wenn er vielleicht nur bis Saisonende verpflichtet wird.

Ein anderer Kandidat, den ich zumindest nicht für abwegig hielt, das ist Sharon Drucker, ein israelischer Coach, der einst mit Oostende den Ulebcup gewann und gegenwärtig bei Aris an der Seitenlinie steht, dort aber wegen Anpassungsschwierigkeiten an den Stil der griechischen Liga wohl nicht allzu wohlgelitten ist. Auf Facebook kommentiert ein Journalist, dass ALBA nicht mit ihm verhandelt. Das passt zu den Berichten, die wir von griechischen Quellen bekommen. Danach bleibt Drucker bei Aris bis ein Nachfolger gefunden ist. Heute soll er beim Gastspiel bei Olympiakos weiter an der Seitenlinie stehen.

Die B.Z. setzt also auf Boniciolli. Auf schoenen-dunk.de wird von @Ron Revolution jedoch vermeldet, dass es zwei Kandidaten geben bzw. gegeben habe. Andere schreiben, dass auch ein Ex-Trainer von Maccabi (welches Maccabi auch immer gemeint ist) ein heißer Kandidat sei. Boniciolli wäre dies nicht. Der zweite Name bleibt noch im Dunkeln. Ein Faktor bei der Trainerverpflichtung scheint das Geld sein. Die B.Z. schreibt jüngst von 6 Millionen € Etat bei ALBA, das wäre so wenig wie seit 2007 nicht mehr. Da muss jongliert werden, schließlich wird Luka noch Geld bekommen und ein neuer Trainer ist nicht billig.

Anonsonsten betreibt die Presse Nachlese der Entlassung. Der Tagesspiegel brachte eine gute Berichterstattung in drei Teilen. In dem ersten Baldi-Interview nach Lukas Entlassung entlockt der Tagesspiegel Baldi folgende Aussage zur Ära Pavicevic bei ALBA:

Andere Trainer und Klubs sagen uns, dass Luka der einzige Coach in den vergangenen fünf Jahren war, der einen spielerischen Impuls in die Bundesliga gebracht hat. Einige Teams haben unsere Systeme übernommen. Das ist auch ein Qualitätsmerkmal – allerdings nicht das entscheidende.

Warum musste Luka gehen? Auch wir, die wir Pavicevic und seinen Stil schätzen, konnten nicht die Augen davor verschließen, dass etwas nicht stimmte. Der Tagesspiegel kommentiert unter der Überschrift „Frustrierend akribisch“ treffend:

Luka Pavicevic hat bei Alba in erster Linie auf sein System vertraut und erst in zweiter Linie auf seine Spieler. Zuletzt ist es ihm nicht mehr gelungen, seine Begeisterung für seine Art von Basketball auf die Mannschaft zu übertragen.

Es geht, wie auch Marco Baldi zitiert wird, eine Ära zuende. Es war absehbar, aber kam dann doch so schnell, dass auch die Spieler überrascht waren. Die Morgenpost bringt eine Menge Spielerzitate, unter anderem dieses:

„Wir waren alle überrascht, und sind auch heute noch geschockt“, gesteht Patrick Femerling, der unter Pavicevic noch am Freitagvormittag „ganz normal und gut trainiert“ hatte. Abends aber hatte er mit der Mannschaft von der Beurlaubung des Coaches erfahren und gleich dessen Abschiedsrede angehört. „Die Misserfolge der letzten Zeit waren sicherlich nicht die Schuld eines einzelnen, wir alle haben uns zusammen in diese Situation gebracht“, so Femerling weiter.

Die Morgenpost ist es auch, die einen zweiten Namen als Trainerkandidaten in die Runde wirft: Den serbischen Großmeister Bozidar Maljkovic. Maljkovic brächte eine Trophäensammlung mit, wie sie nur ganz wenige andere aufzuweisen haben. Er war der Trainer, unter dem Luka Pavicevic als Spieler mit Jugoplastika Split die Euroleague gewann. Insgesamt vier Euroleague Titel, Dazu sechs Meisterschaften, sechs nationale Pokale in Jugoslawien, Frankreich und Spanien. Seit 1998 eine Institution in der ACB. Aber will so einer zu ALBA? Als Interrimstrainer bis zu einer Pesic-Verpflichtung im Sommer? Als jüngst ernannter Slowenischer Nationaltrainer – als sein Nachfolger in Montenegro war auch Pavicevic im Gespräch – wäre es eine Kampfansage.

Die FAZ schrebt, dass Luka das Herz für Talente fehlte. Ob sich das nun mit einem neuen Trainer ändert? Letztlich zählen bei ALBA Erfolge, Siege und Titel. Alles andere füllt die Halle nicht. Es mag sein, dass der eine oder andere Spieler von einem neuen Trainer profitiert, doch andere werden weniger passen. Es gibt nur 200 Minuten für 12 Profis und dass dazu noch umgebaut werden wird, wäre auch nicht überraschend. Es wird nicht der letzte Stein bleiben, der umgedreht wird. Hoffentlich kommt die Message auch bei denen an, die zuletzt auf dem Feld weniger überzeugten.

Was war sonst so los?

Kurz zusammengefasst:

  • Der Norden gewinnt das Allstar-Game, die Bamberger fans voten Kyle Hines zum MVP. Beim Nachwuchs gewinnt der Süden, angeführt vom starken Güßbacher Philipp Neumann. Das Maskotchentreffen in Trier war ein Erfolg, die gute Laune wurde nur vom Anblick des Braunschweiger Phantoms aka „der Tod“ (so Okulaja) getrübt.
  • Michael Jordan wechselt vom MBC nach Gießen. Na da freuen wir uns ja auf das Duell gegen Heiko…
  • Murat Didin ist jetzt auch offiziell Businessman (Der Westen), Trainer, Sportdirektor, Geschäftsführer in Personalunion. Le club, c’est moi.
  • Schließlich wurde der Pokal ausgelost. Die Headline ist der Medien setzte erwartbare Schwerpunkte: ALBA muss bei den Drachen ran. (ansonsten: BS vs. OLD, FRA vs. BN)
  • ALBA Pressemann Jan Buchholz bekommt in Lünen ein Feature.

Und nicht vergessen: Heute um 17 Uhr spielt ALBA II in der Max Schmeling Halle. Es gibt – auch nach dem Trainerwechsel – Balkan-Musik. Hochgeschwindigkeits Balkanblasmusik. Sozusagen 7-Seconds-or-less in Brass. Spricht das dann doch für Maljkovic?

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7 Gedanken zu „Sonntagsrauschen #60 – Trainersuche in der Allstar-Break

    • Guckst du auf den Wikilink. Und vielleicht findest du noch eine lustige PK mit ganz viel Leidenschaft? Ich bekomme die italienischen Medien und Blogs schlicht nicht ausgewertet…

  1. Zu beachten finde ich blätterrauschentechnisch auch noch den heutigen Artikel der MoPo in dem Schultze sinngemäß zitiert wird mit: „Oft haben wir uns vor den Spielen gesagt wir gehen da raus und haben Spaß. Dann waren wir aber doch wieder fest.“ Dann hat wohl, wie oft vermutet die Spielfreude unter LP sehr gelitten.

    • Ich weiß nicht einmal, ob das an Lukas Prinzip lag, oder daran, dass Luka nicht in der Lage war, dies im Spiel aufzubrechen. Es kann genauso sein, dass irgendwas grundsätzlich im Team nicht stimmt, was auch ein neuer Trainer nicht ohne Umbau in den Griff bekommt. Wir werden es sehen…

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