Ein guter Tag für die Blogger – Teil 1: ALBA hat ne Starting Five

Unsere Teams, ALBA Berlin und die Gießen 46ers, haben gestern gewonnen. Wir könnten feiern, wären da nicht ein paar Dinge, die die Laune trübten. Dennoch wollen wir heute einmal positiv sein und zunächst das Gute hervorheben, bevor wir die Finger in die jeweiligen Wunden legen. Gruebler beginnt, mit dem Spiel ALBA vs. Bayreuth, das die Berliner Pleitenserie vorläufig beendet hat und Gießen etwas Luft verschaffte.

Zuallererst: Glückwunsch Ticket Sales Team von ALBA Berlin. Wer gegen den momentanen Abstiegskandidaten Nummer2, Bayreuth, 11102 Menschen – abzüglich abwesender Dauerkarteninhaber – in die Halle bekommt, macht einen verdammt guten Job. Egal, ob das nun Kaisers-Tickets sind, oder nicht. „Bums on seats“ ist es, was zählt. Um uns herum waren auf den Dauerkartenplätzen frappierende Lücken, doch die Halle war trotzdem voll. Respekt. Lernen, auch in Krisen in die Halle zu kommen, könnten ALBA-Fans von den Gießenern. Dort braucht es manchmal erst eine Krise, damit Mann und Maus bedingungslos hinter dem Team stehen. Läuft’s gut, werden statt dessen Erfolgskrisengruppen aka „Anonyme Gewinner“ gegründet, um mit dem Siegen umgehen zu können.

Nun aber zurück zum Sportlichen. ALBA begeisterte gestern nur phasenweise. Immerhin war nur der Tabellenvorletzte zu Besuch, der mit mageren 15 Punkten Differenz aus der Halle gejagt wurde. Soweit vorne lagen wir auch irgendwann Mitte der ersten Halbzeit, bis dann die zweite Fünf aufs Parkett kam, aber dazu später mehr.

Dominiert wurde das Spiel, aber insbesondere die erste Halbzeit, von unserer Berliner Version von Stockalone: Tadija Dragicevic und Derrick Allen. Wie jetzt, zwei Powerforwards werden mit einem der brilliantesten PG/PF-Duos der NBA-Geschichte verglichen? Ja. Der Vergleich ist bewusst gewählt. Irgendwas hat Derrick „locker-room-speech“ Allen mit Tadija angestellt. Der startete und spielte heute endlich wieder so, wie wir ihn zu Saisonbeginn erlebt hatten: Intelligent als Pointforward, durchsetzungsstark und mit Leidenschaft. 24 Punkte, 9 Rebounds, 6 Assists stehen in den Stats – wie ausgewechselt war er auf dem Feld. Verschwunden war der zögerliche Tadija, der keinen Korbleger abschloss. Wurde es knapp, steckte er gestern Nadjfeji-like auf die Primaballerina durch. In bester Dojcin-Manier organisierte er das Spiel neben Rochestie. Dachte ich nach der Schmach gegen Sevilla noch daran, mir das Mac-Trikot zu kaufen, sehe ich endlich wieder den Spielertyp, den ich noch mehr schätze als unseren Fighter.

Die Höchststrafe für die sogenannten Pointguards Schaffartzik und Marinovic war es wohl, dass heute Rochestie, der keine drei Tage mit der Mannschaft trainieren konnte, startete, und in 28 Minuten sieben teils spektakuläre Assists auflegte. Hallo Marko, hallo Heiko?!? Ein Neuling liest eure Mitspieler besser als ihr in den letzten Spielen? Rochestie mit Mac und Julius auf dem Platz tun der Fanseele gut. Endlich laufen wieder drei Jungs den Fastbreak, die wissen, was sie machen. Ein Trio auf gleichem Niveau. Danke Marco Baldi für das Signing, danke Luka Pavicevic, dass du ihn im Sommer schon auf dem Schirm hattest. Danke Muli Katzurin, dass heute nach einer ewigen Durststrecke die Mannschaft endlich wieder Systeme spielen durfte. Ich dachte schon, intelligenter Basketball hätte sich aus Berlin verabschiedet. Das Highlight-Video begeistert mit der Starting Five und einem Korb von Schultze:

Leider wurde aber auch deutlich, dass abseits der Startaufstellung mit Rochestie, Jenkins, Mac, Dragicevic und Allen noch sehr viel Arbeit und wenig Entlastung wartet. Auf zur Einzelkritik. Heiko machte zumindest keine großen Fehler gegen Bayreuth, setzte aber auch keine Impulse. Er brachte den Ball über die Linie. Für seine +/- Wertung von +9 kann er sich bei den Powerforwards bedanken. Unterm Strich solide Arbeit, durch ihn gabs sechs Minuten Atempause für Rochestie. Mehr wäre unverdient gewesen. Denn er war auch ein Pointguard mit null Assists, null Punkten und einem Foul. Fast könnte man rufen: Welcome to Club Trillion…. Idbihi gab den Tappsbär, zwar mit Einsatz, aber viel zu langsam. Staiger bemüht und mit nem Dreier, Rollenspieler mit Wurf. Schultze ist der Typ, der reinkommt, verteidigt, schnell seine Fouls gibt und moderat Mist baut, bis er zur Erleichterung der Fans wieder auf der Bank Platz nimmt. Zu seiner Entlastung muss man anführen: Offensiv hatte er heute die Scheiße an den Händen, musste als Center verteidigen und gegen Sevilla war er im vierten Viertel verdammt wichtig.

Doch gestern waren diese vier Nationalspieler zusammen für ganze 30 Minuten gegen einen Abstiegskandidaten gut. Man konnte sie im Dienste der Quote als Rollenspieler mitschleifen, weil die Starter es raushauten. Taylor… schweigen wir drüber. Spot-Up-Shooter wird der in Berlin nicht mehr. Der Wurf scheint, wie die Titanic, irgendwo im Atlantik untergegangen zu sein. I’d trade him for a center anytime… Marinovic? Bekam Garbagetime und hatte Probleme beim Einwurf.

Mein Aufreger heute ist aber schwarz-rot-gold: Die vier Nationalspieler, die gestern in der o2 world als mittelprächtige Rollenspieler von der Bank kamen, das sollen Spieler sein, die den deutschen Basketball bei der Europameisterschaft erfolgreich vertreten wollen? Tadija zeigte, dass ein in den letzten Wochen kriselnder Ex-Adrialeague-MVP (und nicht einmal Jugo-Nationalspieler) in der BBL gegen nen Absteiger nach Belieben rocken kann, und was zeigt ihr, liebe Landsleute? Mit Verlaub, das war heute nur Bayreuth. Für mich gibt es nur zwei Interpretationsmöglichkeiten: Entweder der kommende Absteiger der BBL mit seinen amerikanisierten Wagnerfestspielen ist so unmenschlich gut, dass eine bescheidene deutsche Rollenspielerleistung, mit der man gestern am Ende gerade noch so eine ausgeglichene +/- Bilanz aufweist, in Litauen bei der EM locker noch reichen wird, um gegen die italienische oder französische Nationalmannschaft zu bestehen, oder ihr ruht euch auf Quotensalären und dem Nationalspielerstatus grad kräftig aus. Mitlaufen statt Verantwortung ist so ein wenig das Konzept. Das wird nicht ausreichen gegen andere Nationalteams, die größtenteils ihre Spieler in verantwortungsvollen Positionen wissen – auf welchem Niveau auch immer.

Dass es anders geht, dass man auch mit deutschem Pass Verantwortung übernehmen kann, zeigen heute Nachmittag Steffen Hamann und Kevin Wysocki beim ProA-Spitzenspiel Bayern München – Würzburg auf gehobenem BBL-Niveau. Wenn aber gestern bei ALBA Nationalspieler aufs Feld kamen, passten sie sich bestenfalls im Niveau dem Bayreuther Spiel an. Bei allem Respekt vor vergangenen Leistungen unserer Nationalspieler – ein paar schwache Rollenspielerminuten sind nicht genug. Weder in Berlin noch in Litauen. Wenn das alles gewesen sein soll, muss eigentlich im Sommer bei ALBA umgebaut werden. Die 30 Minuten von fünf Nationalspielern (ein Ex-, vier aktuelle) bekommen die Kids auch noch hin, wie sie gegen die NBA-Stars von Samara längst bewiesen haben. Dann bleibt mehr Geld für echte Qualitätsspieler in der Kasse.

Teil 2: „Gießen hat ne Bank“ folgt.

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14 Gedanken zu „Ein guter Tag für die Blogger – Teil 1: ALBA hat ne Starting Five

  1. ……Taylor… schweigen wir drüber…

    Kannst du daruf näher eingehen.

    Ich finde es persönlich scheiße das er nicht viel Spielzeit bekommt. Glaube nicht das mit sagen kann das er eine echte Chance bekommen hat….
    Denke wenn er das Vertrauen bekommen würde, dann wäre er auf dem Platz ein anderer Spieler. Das hat der oft genug in manch 3-7 min bewiesen.

    • Gegen Bayreuth kein Zug zum Korb. Meine Lieblingszahl lautet hier 2:22 im Saisonverlauf. Das ist für nen Guard indiskutabel. Er kann spektakulär sein, ist aber ohne Impulse. Hin und wieder hat er mal nen gutes Spiel, trifft seine Freiwürfe, aber selten ist ein Spieler im Vergleich zur Vorsaison so abgesackt.

  2. Guter Text, liest sich fantastisch und (leider zu recht) viel Kritik an den Nationalspielern.

    Gar kein Wort zur Defense? Ich wundere mich. Für mich immer noch der Knackpunkt im momentanen Albaspiel. Ja, Offensiv haben Tadija und Allen gerockt und es war eine Freude ihnen zu zusehen. Was nützt es mir schöne Punkte zu machen, wenn ich in jedem Folgeangriff einfache Punkte kassiere. Hier ist noch deutlich Luft nach oben. Gegen Bayreuth mag das reichen, gegen den Rest nicht unbedingt.

    Ich realisierte heute, dass Rochestie am Dienstag auf der Tribüne sitzt. Er ist nicht der Heilsbringer aber ohne ihn ist viel Skepsis auf einen +5 Sieg dabei.

  3. „Danke Marco Baldi für das Signing, danke Luka Pavicevic, dass du ihn im Sommer schon auf dem Schirm hattest.“

    Wie wäre es mit dem kleinen Zusatz: „Danke Göttingen, dass ihr uns am 26.12.2009 zu bedingungslosen Rochestie-Fans gemacht habt“ …….. ;)

  4. @uhg80

    Bin mir nicht so ganz klar, ob das bei 2:20 (Jenkins) 3 Schritte waren (ziemlich flott ohne Zeitlupe), ganz sicher aber bei 0:30 (Dragi)!
    Ich denke immer, das dürfte einem Profi (!) schon rein vom Rhythmus her gar nicht passieren, drüber hinaus gibt’s aber noch drei(!) Schiris auf’m Platz, die dafür zuständig sind.
    Bei der eigentlich recht strengen Schrittregel im BB geht da sowieso verdammt viel ohne Pfiff durch. Da staune ich in jedem Spiel auf’s Neue.

    „Highlights“ – naja, sicher, ist für die schöneren Momente geschnitten, also werden nicht die Ballverluste zu sehen sein, allerdings auch kein Ballgewinn, ich sehe eigentlich nur, wie der Ball durch’s Netz fällt (und die letzte Sekunde davor), darunter – gefühlt – sämtliche 3er des Spiels. Hab ich da was von?

    (Schultze hätte ich gar nicht bemerkt, wenn du es nicht erwähnt hättest.)

    @gruebler:
    Meintest du wirklich „Pointforward“?

    Und nochmal Danke fürs fundierte (!) Finger-in-die-wunde-legen, macht ja sonst keiner…

    Lucca + Bryce sehe ich nicht so kritisch, sie haben noch kürzlich bewiesen, dass sie es auch draufhaben, wenn sie mal für etwas mehr als 10 min Vertrauen bekommen.
    Allerdings müssen sie sich die auch verdienen, zugegeben. Und im Training bin ich ja auch nicht dabei.

    In der Presse wird geschrieben, dass Rochestie gg. Treviso nicht spielen dürfe, WEIL er schon für einen anderen Klub (Gala) angetreten sei.
    Meiner Meinung nach wäre das kein Hinderungsgrund, wenn denn der Wechsel RECHTZEITIG (14.02.) vollzogen worden wäre. Richtig?

    Kann mir aber auch vorstellen, dass Gala DAS genau verhindern wollte.

    (noch besser: Mopo in der Schlagzeilenunterschrift:
    „Der Sieg gegen Bayreuth macht den Berlinern Mut für das wichtige Eurocup-Spiel gegen Benetton Treviso am Dienstag. Dann soll auch Neuzugang Taylor Rochestie an seine starke Leistung vom Wochenende anknüpfen.“) Hä?
    Im Text dann allerdings korrekt erwähnt, dass er NICHT spielberechtigt ist.

    Soviel also für heute zum Thema Fachpresse…

    • Nein, Rochestie hätte so oder so nicht spielen dürfen, da er bereits für Galatasaray in dieser Phase des Wettbewerbs, also im Top16, aufgelaufen ist, wie wir anlässlich des Wechselgerüchtes bereits berichteten.

      Und ja, ich meine wirklich Pointforward.

    • Ich finde weder bei 0:30 noch bei 2:20 einen Schrittfehler. Dragi macht zwar 3 Schritte dribbelt während des ersten aber auch. In der Szene mit Jenkins sieht es sogar noch eindeutiger sauber aus.

  5. der kritik an den nationalspielern, der stimme ich voll und ganz zu. dass diese spieler, die hierzulande lediglich minderwertige rollen erfüllen, uns bei der em dieses jahr vertreten sollen lässt einen schaudern…und spieler permanent aus solidariät in schutz zu nehmen (wie es 90% aller alba fans tun) grenzt dann irgendwann schon an ignoranz. dass luca steiger talent hat, daran zweifel ich nicht, aber er hat noch ne menge arbeit vor sich…
    ich denke aber kritik an bryce taylor is definitiv fehl am platz, er hat unter pavicevic geackert und sich einen stammplatz erkämpft, in der zeit auch super gespielt. er ist einer der wenigen guards die wirklich harte defense spielen und rennen. außerdem lob ich mir sein auge für die mitspieler..mich entäuscht muli katzurin dass er das potential und die athletik des bryce taylor nicht anerkennt und ihm keine chance gibt…ein spieler mit seiner geschwindigkeit und seinen fähigkeiten würde gut aufleben in dem system. es ist bei ihm lediglich mangelndes selbstvertrauen..was man ihm momentan sicher nicht verübeln kann.

  6. „Der Bann ist endlich, endlich gebrochen, die böse Serie von fünf Pleiten in Folge vorbei. Die Albatrosse können doch noch gewinnen. Das 94:79 (43:38) der Krisen-Vögel gegen den BBC Bamberg – eine Erlösung.“

    Das schreibt der Berliner Kurier

  7. Pingback: Ein guter Tag für die Blogger – Teil 2: Gießen hat `ne Bank! « gruebelei.de – Ansichten eines Basketballfans

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