Showdown auf dem Weg ins Finale 2011 – Part 1

Als neutraler Fan (notgedrungen, denn über den letzten Playoffauftritt meines Teams 2005 legen sich bereits die verklärenden Nebel der Altersdemenz ;-) ) ist es das, was man sehen will: Showdown. Do or die. Win or go home. Alles oder Nichts. Best of one.  So, wie heute Abend in Farmville, Verzeihung, Bamberg. Die ultimative Entscheidung zwischen den Brose Baskets und den Artland Dragons (20:30 Uhr, live auf Sport1) im 5. Spiel des Halbfinales steht an. Wie auf dem Freiplatz eben, der Sieger bleibt drauf, der Verlierer muss aus dem Käfig und von draußen zusehen.

Normalerweise würde man sicher diese Serie zwischen dem Hauptrundenersten Bamberg und dem Viertplatzierten Quakenbrück, als einigermassen verrückt bezeichnen – gäbe es da nicht die Parallelserie zwischen Berlin und Frankfurt, die sogar Extremstdampfplauderer auf sport1 mangels Erklärungsansätzen, ins Stammeln bringen. Ein wenig ungewöhnlich ist der Verlauf dieser Serie dennoch. Zu deutlich war die Dominanz Bambergs in der Hauptrunde, zu unangefochten ihr Status als Übermannschaft der BBL. Dass aber in einer stark komprimierten, zeitlich schnellen Abfolge mehrerer Spiele gegen dasselbe Team andere Gestze gelten, als im regelmässigen, wellenförmigen Auf und Ab des Ligaalltags, bekommt nun auch Titelverteidiger Bamberg zu spüren. Dominanz seit Oktober hin oder her, es ist durchaus im Bereich des Denkbaren, dass in ca. 4 Stunden Urlaub im Frankenland herrscht und die feuerspeienden Drachen um Cheftrainer Stefan Koch ins Finale einziehen. Stünde allerdings der Ex-Co-Moderator auf sport1 für die Finalserie wieder zur Verfügung, wären meine Sympathien klar verteilt – zu sehr fehlt er an den Mikrofonen. So bin ich hin- und hergerissen zwischen Bewunderung der gut geölten Bamberger Basketballmaschine und Mitfiebern beim hochenergetischen, leidenschaftlichen Einsatz der Artländer. So sah das in Spiel 4 aus:

Aber schauen wir nun einmal auf das Spiel heute Abend, schon um die noch unerträglich lange Wartezeit zu verkürzen.  Interessant ist nicht das, was jeder weiss, nämlich, dass Bamberg immer aus der Kabine kommt, wie gerade frisch vom Akku gezogen: 30-12, 24-13 und 26-13 lauten die Ergebnisse nach dem jeweils 1. Viertel der ersten 3 Spiele. Erstaunlich ist viel eher, dass es zum ersten Mal in Spiel 4 umgekehrt war. 23-14 stand es da für die Dragons. Von diesem Vorsprung – auch wenn es nur 9 Punkte waren – zehrten sie lange Zeit und ohne diesen guten Start hätten sie nicht gewonnen. Bamberg war deutlich näher dran an den Artländern, als es das trügerische Endergebnis (75-59) vermuten lässt. Sehr, sehr viel wird also heute Abend davon abhängen, wie Quakenbrück aus der Kabine kommt. Wiederholt sich der normale Duracellmodus der Brosestädter, wird Bamberg siegen – auch weil in der Dragonsrotation 2 Leute fehlen, die zwar auf den ersten Blick nicht so eminent wichtig erscheinen, aber vor allem Seggelke fehlt als Jagddackel auf Jacobsens Fersen für wichtige Minuten.

Apropos Jacobsen. Mein 2. Schlüssel zum Spiel. Nimmt er sich vielleicht mal etwas weniger wichtig und gibt damit zugleich den Status als „best sixth man“ von Artland auf, haben die Dragons ein Problem. Er ist ein Ausnahmespieler in der BBL, aber die Brechstange und das Lamentieren stehen ihm einfach nicht. Einer der wenigen Spieler der Liga, die sich selbst besser stoppen können, als ihre Gegner das vermögen.

Schlüssel 3 heißt Tyrese Rice, ist 23 jahre jung und liebt Herausforderungen. Diese wird er heute Abend mehrgängig serviert bekommen. Fragt sich, wie er darauf reagieren wird. Ich kann nur annehmen (denn das würde ich tun), dass er ständig übers ganze Feld und seitlich versetzt 4 Schuhspitzen direkt vor sich sehen wird, wahrscheinlich wird er sogar am Ende des Spiels wissen, wer welches Deo benutzt. Gavel, Tadda, Goldsberry und notfalls Roberts werden ihm das Leben zur Hölle machen. Mit 23 Pointguard zu sein ist nicht leicht, aber diese Aufgabe wird groß: Er muss sich schnell vom Ball trennen, zumindest anfangs. Er muss exakt das aufgeben, was sein Spiel ausmacht, nämlich die lange Ballkontrolle über große Teile der 24 Sekunden. Dazu müssen seine Mitspieler zügig und hochprozentig Zählbares erreichen, wenn er es schafft sich schnell und gut vom Ball zu trennen – nur dann hat er die Chance, dass die Leine gelockert wird und er wieder atmen kann. Er wird dann viel Backdoor Cuts machen müssen und viel ohne Ball laufen um sich freizuspielen. Das wird spannend zu beobachten sein. Schmeisst er die Bälle weg, wie weiland Berlins Marinovic kurz vor Weihnachten oder Stottern die Motoren der Mitspieler, geht Bambergs Plan auf und Artland wird sich äußerst schwer tun.

Prognose: Es ist eher unwahrscheinlich, dass Suput, Roberts und Jacobsen noch einmal so effizient die Leuchtmittel zerstören. Schon gar nicht zu Hause. Eine kombinierte Schussquote von 4 von 25 werden wir heute Abend von diesen 3 nicht mehr sehen. Ebenso wird Fleming (nach dem Haarewaschen bei Casey) viel, viel eher in die Defensetrickkiste greifen, als letzten Samstag im Artland. Dort in Spiel 4 war plötzlich nicht mehr viel zu sehen von der äußerst effektiven 3/4 Feldpresse gegen Rice oder Bailey und auch die 3-2-Zone und diese Box-and-one-Sache waren hübsch, aber viel zu spät. Das passiert ihm nicht nochmal und Artland hat nur eine Chance, wenn sie mit ihrem Hochamperestil und dem unbändigen Willen möglichst lange dranbleiben und damit Bamberg vielleicht ins Nachdenken bringen. Im Normalfall und bei kühlem Kopf seh ich Bamberg vorne.

Was denkt ihr? Tipps und Meinungen, Gebete und Flüche bitte unten ablegen ;-)

Wie dem auch sei, unsere kleinen orangen Nachbarn haben es vorgemacht: Ganz genau so wie in den Niederlanden muss es in den Basketballfinals sein. Dort wurde letzten Sonntag in einem historischen, epischen, *insert superlativ here* Match auf Biegen und Brechen der Meister ermittelt. Spiel 7 im Finale. 3fache Verlängerung und am Schluss hat Leiden (1. Titel seit 1978) mit einem einzigen Punkt gegen den Titelverteidiger Groningen gewonnen (96-95). Für die zahlreichen glühenden Seamus Boxley-Fans in Gießen und ihre Untermenge, die Handvoll glühenden Fans der 5. Maihalle  in Leiden (und nur diese können sich vorstellen, wie es sein muss, sich in dieser fensterlosen Aludose bei den Aussentemperaturen mit offiziellen 2100 Zuschauer zu quetschen. Leiden. Ein Name, ein Programm.), hier das Video zum Spiel:

http://vimeo.com/24439933 (Nur als link, so lange bis ich checke, wie das geht)

Noch interessanter als das Rekordspiel sind fast die exorbitanten Zuschauerzahlen im Tulpenland: 700.000 per NOS plus eine unbekannte Zahl via RTV Noord (unter anderem NL-Nationalspieler Henk Norel/DKV Joventut Badalona) ?? Wow. Das ist eine Hausnummer für den Sonntagmittag. Davon kann man in Deutschland nur träumen: Zuschauerzahlen hier.

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7 Gedanken zu „Showdown auf dem Weg ins Finale 2011 – Part 1

  1. Pingback: Durchgerauscht im Sponsoren- und Trainerkarussell #68 « gruebelei.de – Ansichten eines Basketballfans

    • Wobei das eine außergewöhnlich schöne weiße Lücke ist, @oldschoolballer. (Warum eigentlich nicht -in? )

      Du hattest natürlich Recht: Suput, Jacobsen und Roberts…18/46 und somit die drei Topscorer.
      Schön, dass ihr wieder schreibt! :)

  2. warum nicht -in? hmm. weils ne geschlechtsunspezifische aussage ist bzw. es nicht wichtig ist, ob da ne frau, n mann oder n alien hintersteckt und schreibt. das -in hätte einer sache zuviel bedeutung beigemessen, etwas in den focus gerückt, das hier an der stelle gar nicht wichtig ist.

    18/46??? sehr gut! ;-)

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