Macht den Sack zu, denn das Finale der dicken B wartet

Bamberg und Berlin sind jeweils nur noch einen Sieg entfernt von den Finals. Heute können die Franken den Finaleinzug perfekt machen, morgen wir Berliner. Ein Finale Bamberg vs. Berlin, die Mutter aller Basketballspiele in einer Serie über maximal fünf Spiele, das wäre schon was. Seit 2004 standen sich diese Clubs nicht mehr in der Endrunde gegenüber, letztmals 2003 in einem Playofffinale. Natürlich ist die Messe noch nicht gelesen, aber es spricht viel für ein solches Finale.

Bamberg, Freakcity, Winterkrisentown. Chris Fleming hat nach zwei Jahren an der Seitenlinie die vielleicht beste BBL-Mannschaft der letzten Dekade gebastelt. Jacobsen, Roberts, Goldsberry, Hines, Pleiss. Man wird wohl nur wenige deutsche Basketballfans treffen, die nicht sofort wenigstens eine Handvoll Bamberger Spieler herunterbeten können. Selten war eine Mannschaft über eine ganze Saison so klar auf der Mission Titelverteidigung. Das Double verteidigen, das hat seit ALBA Berlin 2003 kein Team mehr geschafft.

Heute, in wenigen Stunden, können die Brösels das Drachenfeuer für die Offseason löschen. Der erste Matchball in fremder Halle ist da. Die Mission Titelverteidigung ist auf Kurs, wie sport1 kommentiert:

Doch Vorsicht, die Dragons sind – trotz aller Verletzungsprobleme – eines der Teams, das den Franken Paroli bieten kann. Auch wenn der Sieg in Spiel drei deutlich war, in eigener Halle – hallo Phrasenschwein – stehen 2700 Jungs und Mädchen aus dem Dorf (300 reisen aus Franken an) hinter ihrer Mannschaft. Stefan Koch hat das Feuer der Dragons nach dem Leibenath-Intermezzo wieder angefacht und Spieler wie Fenn, Rice, Peavy oder Hess müssen sich wahrlich nicht verstecken. Die Kräfteverhältnisse in der Beko BBL sind pünktlich zu den Playoffs wiederhergestellt. Die Abschlusstabelle 2010 – die eine Hauptrunde lang das Bild der BBL-Webseite prägte – ist vergessen. Es gibt nicht eine Übermannschaft und 17 Mitläufer, sondern vier starke Halbfinalisten. Die Wurfquoten variieren in Abhängigkeit der gegnerischen Defense, mal drückt Gavel einem Spiel seinen Stempel auf, mal Tyrese Rice. Auszuschließen, dass diese Serie doch über fünf Spiele geht, das wäre fahrlässig. Die Hoffnung der Quakenbrücker ist da, wie man in der NOZ lesen kann. Doch am Ende wird Bamberg die Oberhand behalten. Alles andere wäre eine faustdicke Überraschung, denn selbst wenn sie verlieren, zeigen sie als Mannschaft ein Zusammenspiel – schaut nur auf die Assists – das wir in dieser Form sehr lange nicht in der Liga gesehen haben.

Im anderen Halbfinale – morgen 18 Uhr auf Sport1 und in der o2 world – sind die Vorzeichen etwas anders. Bei aller Begeisterung tut sich Berlin in diesen Playoffs schwer mit der Konstanz. Gegen Oldenburg brauchten wir fünf Spiele, vor einer Woche verloren wir gegen Frankfurt in eigener Halle nach lange klarer Führung. Popcornbasketball nannte ein Gastschreiber hier den neuen Berliner Stil, der hier mit Muli Katzurin Einzug fand. Bryce Taylor personalisiert diesen mit Dunks und Steals. Schon schreiben Boulevardmedien von einem bevorstehenden Abschied des Franchiseplayers Jenkins. Ein Abschiedsspiel, das soll aus Berliner Sicht das vierte Halbfinale für Pascal Roller werden. Roller steht vor seinem Karriereende und mit dem Halbfinalaus ist die Saison und seine Karriere beendet. Keiner prägte das Gesicht der Skyliners wie er. Das frblog bringt deswegen eine Serie und ließ gestern Dafni Bouzikou zu Wort kommen: Ein Anführer vor dem letzten Auftritt? Das Momentum ist jedoch bei den Berliner. Frankfurt wirkte zuletzt verunsichert und ließ sich in eigener Halle demütigen:

Wenn Berlin ins Finale kommt, dürfte klar sein, wie es weitergeht: Spektakulär mit Katzurin an der Seitenlinie. Ob das langfristig erfolgreicher wird, als die dreieinhalb Jahre Pavicevic? Time will tell. Bei Frankfurt hingegen ist die Zukunft voller Fragezeichen. Die Zeit der Deutsche Bank Skyliners geht zu Ende. Ein erhoffter Ersatz für den Namenssponsor hat gerade öffentlich abgesagt. Es droht nicht nur das Halbfinalaus, es droht – so schreibt die Frankfurter Allgemeine – ein Rückzug in die Unterklasse:

Ein Rückzug in die zweite Bundesliga Pro A ist wohl immer noch ein Thema.

Doch für das von so vielen erhoffte und gewünschte Finale der dicken Bs, Bamberg vs. Berlin, kann auf solche Befindlichkeiten keine Rücksicht genommen werden. Es ist der Job der Deutschen Bank die Schlagzeile „Ackermann schickt Basketballer in die Zweitklassigkeit“ zu verhindern. Morgen gegen Acht ist Zeit dafür, dass die Berliner den Skyliners eine berühmt-berüchtigte Geste des Deutschbankers zeigen können.

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10 Gedanken zu „Macht den Sack zu, denn das Finale der dicken B wartet

  1. Ich gehe morgen voller Optimismus in die Halle und hoffe, dass die Entscheidung zu ALBAs Gunsten fällt.
    Heute übe ich schon mal das Victory-Zeichen. Statt Popcorn werde ich allerdings Peanuts genießen. Bei der Vorstellung, dass schon ein kleiner Anteil von Herrn Ackermanns Jahresprämieaus reichte, die Skyliners zu finanzieren, habe ich leichtes Unwohlsein.

  2. So, da kann ich Pascal Roller also noch mindestens einmal in der Ballsporthalle sehen. Ein Airball als Abschied wäre auch zu fies gewesen. Er kommt so langsam in Bamberg-Form. Ich hoffe, das ist ein gutes Omen.

  3. Wenn am Ende Frankfurt gegen Quakenbrück spielen sollte lach ich mich kaputt. Deine Mutter aller Spiele dürfen dann die Berliner und Bamberger als Spiel um Platz 3 veranstalten. ;-)
    Gruebler ich bin nach wie vor ein riesen Fan von dir und bin heil froh das es sowas die deinen Blog gibt, aber wenn ich diese Kritik anbringen darf,(und die ist wirklich nur im Verhältnis zu den wirklich exzellenten anderen Posts zu sehen) fällt diese Analyse dieses mal etwas flach aus. Da geht Herr Simon schon wirklich erheblich tiefer rein ins Thema. Trotzdem alles Gute und noch mal großes Lob an dich und Oldschoolballer an dieser Stelle. Macht weiter so.

    • Einen dicken Batzen Schuld daran, möchte ich von grueblers Schultern nehmen. Mein üblicher Playofftourismus ist dieses Jahr beinahe gänzlich weggefallen, noch nicht mal bis zum TV bin ich gekommen ;-) Das hat aber auch was Positives: der arme gruebler wird nicht mehr zugetextet mit „haste gesehen, wie…“ und die Telefonrechnung sieht endlich wieder normal aus.

  4. Analyse setzt intensive Beschäftigung voraus. Der Sven dürfte momentan einfach mehr Ressourcen investieren. Wenn ich die Heimspiele sehe, ist das viel. Back to Tribünenfan. Und da kann ich zu gestern nur sagen: Ich bin seltsam distanziert zu Team und Stil. Wenn’s am Ende Artland vs. Frankfurt ist, dann ist das überraschend, aber vermutlich ein gutes Zeichen für die Wettbewerbsfähigkeit der Liga. Nur vielleicht eine mittlere Kastastrophe für den EL-Startplatz.

  5. Katasthrophe für EL -Startplatz?

    Nun, im Prinzip verstehe ich was Du meinst aber eigentlich wäre es ein Segen! Berlin und Bamberg sind für die BBL im EuroCup viel wertvoller da sie dort größere Chnacen haben weit zu kommen! Schlechter als ein Ausscheiden in Runde 1 würden weder Artland noch Frankfurt abschneiden, da hilft es auch nicht wenn die Spiele knapp waren.

    Also, Bamberg in Eurocup (inclusive ihrer Final4-Ausrichterambitionen) wären top (für den deutschen Baskteball) aber ich sehe nicht einen Grund warum Bamberg zuhause verlieren sollte! Wenn das passiert kann man nicht von unglücklich oder so sprechen. Dann müsste mehr hinterfragt werden als vordergründig soldidarisch eingeräumt wird.

    So weit wird es aber nicht kommen!

  6. Es wird knapp werden doch in unserer fränkischen Hölle werden wir den Drachen die Zähne ziehen. Solche Leistungen wie zuletzt von Casey oder Suput gibt es nicht oft. Suput wird sich den Allerwertesten aufreissen, sein Vertrag hat ja eine beiderseitige Option für die Vertragsverlängerung um ein weiteres Jahr. Mit seinen letzten Leistungen verlängert Wolle Heyder garantiert nicht.

    Mein Finaltip: Brose – Frankfurt / Alba wäre mir lieber denn dann hätten wir ja nur Heimspiele (Smily denken)

  7. Ich bin mir nicht sicher, ob ich lieber Brose oder das Artland als Finalteilnehmer hätte. Mit dem Artland geräte der sicher geglaubte EC-Startplatz in Gefahr, falls wir gegen Berlin verlieren sollten. Würden wir allerdings ins Finale kommen, wäre ich gegen das Artland wesentlich zuversichtlicher, dass der Titel rausspringen kann. Zudem ist mir das Artland ein klein wenig sympathischer, was auch an der Underdog-Rolle liegen mag. Dagegen wäre Bamberg-Frankfurt die vierte Auflage dieser Finalserie seit 2004 – und immer wurde es erst im 5. Spiel entschieden. Wenn das kein Klassiker der BBL ist – was dann?

  8. Ist das schön – die Sachlichkeit des Blogs spiegelt sich auch in den Kommentaren, danke dem Blogger und auch allen Kommentatoren! Diese seltsame Distanziertheit als Berliner Fan zum eigenen Team verspüre auch ich. Ich habe gestern die ganze Zeit darauf gewartet, dass wer Verantwortung übernimmt, und damit meine ich nicht nur das gewiss tolle dem Ball hinterherwerfen. Nein, ein richtiger Go-to-guy, der seine Leute antreibt und selbst auch den freien Wurf nimmt. Und nicht beamtenhaft das nächste Setplay einleitet, nur weg mit dem Ball. So groß manchmal meine emotionalen Schwierigkeiten mit Wood sind (Fanbrille) – aber alle Achtung. Neben seinen überragenden Fähigkeiten hat der Junge auch den Mumm, mal schlecht auszusehen und trotzdem durchzuziehen. Anerkennung! Und deshalb – mögen die am Donnerstag Besseren geewinnen!

  9. Ich glaub inzwischen an das „Aussenseiterfinale“ Frankfurt-Quakenbrück.
    Wobei ich dann Frankfurt aufgrund der längeren Rotation und der dann verkürzten (?) Spielabstände die grösseren Chancen einräume.
    Was Rice und Wood bieten, ist aller Ehren wert und toll anzusehen.
    Sie habens dann schlichtweg verdient.

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