Mitten in den Playoffs

Es ist der Abend vor dem dritten Halbfinale. Feierabend für den Blogger? Nein, nicht ganz. Nach den heutigen Kommentaren und der eigenen Feststellung, dass hier wenige eigene Zeilen zum Sport produziert worden sind, lege ich dann doch mal los. Morgen sind die vier besten Mannschaften der Beko BBL gefordert, es heißt Brose vs. Dragons und Skyliners vs. ALBA. Städtenamen? Braucht doch keiner. Dafür gibt’s Videos.

Verschiedentlich lobten wir diese Saison die veränderte Begleitung deutschen Basketballs im Netz. Die Beko BBL hat da so richtig losgelegt. Vermutlich werde auch ich meinen morgigen Basketballkonsum irgendwo zwischen Büro und Bett via iPhone erledigen. Mit der neuen BBL-App, „iBBL“ klappt das erstaunlich gut. Wenn dazu die digitale Leine – aka Blackberry – dazu missbraucht wird, noch den zweiten Ticker offen zu haben (oder weil die Berliner U-Bahn es der NewYorker nachmacht und der Berliner Hallensponsor Funklöcher im Datennetz liefert), klappt das ganz gut. Nachdem aber nun diese Bringschuld erledigt ist, ab zum Sportlichen.

Drachentöter oder Beat BA?

Meine Sympathien sind hier ganz klar. Bamberg ist toll, Bamberg spielt schönen Basketball. Aber die Brösels wären nicht die Brösels, wenn man nicht in Playoff-Duellen gegen sie wäre. Die Dragons haben es irgendwie verdient nach 2007 mal wieder in ein Playofffinale einzuziehen. Und wäre es nicht langweilig, wenn die Brösels nach der so dominanten Hauptrunde nun auf – mit nur einem kleinen Straucheln am vergangenen Sonntag – wenig Widerstand träfen, die Freaks sich neben den ALBA-Killer noch den Drachentöter tätowieren ließen und im bajuwarisch-frankischem Maibocktaumel das „mir san mir“ raushängen ließen, bis nächste Saison die Jungs vom Würstchen-Ulli kommen und ihnen Stück für Stück die Sponsoren und irgendwann auch den Heyder wegwildern?

Der Heimsieg der Dragons in Spiel zwei wird in den Videos hochgejubelt. Riesige Überraschung… blabla… wo ist denn die atemlose-Spannung-Rhetorik hin?

Das Spiel soll’s morgen irgendwie live im Internet geben. Sport1 und die Beko BBL haben mit youtube einen Livestream-Deal eingefädelt. Mal sehen, ob das mein wackeliger Handyempfang des Berliner Hallensponsors mitmacht. Aber ist es wirklich spannend? Vermutlich schon, denn die Dragons waren schon im Pokal eines der wenigen Teams, das den Brösels alles abverlangt hat. War die Hauptrunde – was Bamberg angeht – fast schon langweilig, so können die Playoffs beweisen, dass die vier Spitzenteams der Liga verdammt nah beieinander sind. Statt Drachentöter-Drachentöter will ich lieber Beat BA, Beat BA durch die Foren schallen hören.

Sparliners vs. flügellahme Albatrosse

Da sind die Frankfurt Skyliners nun bis ins Halbfinale gedrungen und noch immer hört man keinen Ton darüber, wer die Bank mit dem steigenden Kurs im Logo in der kommenden Saison als Namenssponsor beerbt. Nicht einmal gewöhnlich besser informierte Blogs schreiben über irgendwelche Gerüchte und konzentrieren sich voll auf die Playoffs. Schlimmstenfalls müssen die Skys einfach das Logo um 90° drehen, um die sportlichen Kurseffekte des Sponsorenausstiegs zu visualisieren. Hey Deutschbanker, so ein wenig Sportsponsoring, das sind doch Peanuts im Vergleich zu historischen Gehältern von Kronprinz Anshu Jain.

Es könnte also sowas wie das letzte Frankfurter Aufgebot – schon in Teilzeitarbeit –  vor der Baisse sein, das wir gerade erleben. Unter der Woche – die Banker und Anwälte sitzen noch in den Türmen – gewinnen wir in Frankfurt, am Wochenende – die verwöhnten Berliner sind am Wannsee – verlieren wir. Gilt das auch morgen?

Ich habe da so meine Zweifel. Das begeisternde erste Spiel habe ich nicht mehr gesehen, als das Highlightvideo:

Beim zweiten Spiel bewahrheitete sich, was man nur hörte und ahnte. Frankfurt ist eine rabiat verteidigende Mannschaft. Lottermoser hält das wohl für europäische Härte und so war ein Bodycheck aus vollem Lauf ein einfaches Foul, der finnische Holzfäller bekam Calls nur fürs Fällen des Baums und die 2Basketballfans wurden von so viel Rugby und Agressionen glatt aus der Bloggerlethargie gerissen. Und auch ich muss gestehen, dass ich mich beim Twittern ein wenig vergaß:

Natürlich, das Highlightvideo bringt natürlich nur wenige Bilder der Fouls, kann es aber auch nicht ganz lassen. Man merkt, dass es Fernsehbilder sind und nicht die Hallenregie, die sowas verbietet.

Morgen also geht es weiter. Mac is back. Yassin rockt – auch dank seiner phyischen Qualitäten – in dieser Serie. Oldschoolballer meinte in der Nachbesprechungs, dass sie lange nicht mehr zwei Coaches gesehen hat, die sich mit taktischen Veränderungen so neutralisieren. Aber was bleibt, wenn die Taktik rausgekürzt wird, die rohe Gewalt? Sonntag war es am Ende die One-Man-NBA-Show des DaShaun Wood, gegen die ALBA nichts, aber auch gar nichts mehr entgegenzusetzen hatte. 9 Minuten ohne Punkt. Es war – auch wenn wir viele Tiefen hatten – vermutlich ein Tiefpunkt der Saison der kleben bleiben wird, wenn die Serie nicht noch gedreht wird. Die Mannschaft zerfiel. Jetzt muss sie sich wieder fangen. Und daher abschließend zu dieser Serie die zuspitzenden, vereinfachenden und immer wieder unterhaltsamen Schlagzeilen der Springerpresse:

Die Bild mit Spielerschelte: Katzurin brüllt die Schnarchnasen wach
Die B.Z. im besten Neukölln-Style: ALBA schwört DaShaun Wood Rache

Wichtig bleibt, dass ALBA sich nicht einschüchtern lässt. Wood foulen, wie irgendeine Zeitung schreibt, das ist auch keine Option. Solide Defense, ja bitte. Aber gerne auch fair. Denn auch mir fiel hier beim Schreibenauf, dass die Zuspitzung auf die Unsportlichkeiten, derer wir leider schon viele in diesen Playoffs gesehen habe, wie von selbst kommt. Doch auf Keilereien wie dereinst bei Bonn vs. Bamberg oder Bamberg vs. Dragons kann ich getrost verzichten. Denn eigentlich wollen wir auch nur guten Basketball sehen,  Rugby und Agressionen, wie es die 2basketballfans nennen, können wir anderen Sportarten überlassen. Also auf ein faires drittes Spiel, möge der bessere, nicht der dreckigere gewinnen.

Wer Analysen etwas profunder und in Coffee-Table-Atmosphäre haben will, dem sei Sven Simons neuestes Projekt ans Herz gelegt: Der BBL Crunchtime Playoff Talk. Sozusagen Waldis WM-Wirtsstübel oder die zweitliga Regenwaldpils-Runde für Basketballfans. Aber seid gewarnt. Es bleibt nüchern. Die Zeiten der Veltins BBL sind vorbei. Schaut selbst:

PS: Ja, ich weiß, wir müssen hier das Layout anpassen, da die Videos rausbrechen…

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9 Gedanken zu „Mitten in den Playoffs

  1. Der FR-Blog hat übrigens noch ein zweites Hauptthema: Das nahende Karriereende von Pascal Roller. Wenn heute Abend alles schlecht läuft, könnte das am Sonntag durchaus ein Thema in Berlin sein.

    Dass über den neuen Sponsor so gar nicht mehr spekuliert wird, finde ich seltsam – dabei gäbe es so viele Kandidaten: In Frankfurt weiß kaum noch jemand, wie die Hoechst gerade heißt und die wollen schon wieder ihren Name ändern. KPMG hat seinen Europasitz an den Main verlegt. Das Supernobelhotel Jumeirah – in dem das regeläre Zimmer in der Prome so viel kostet wie sonst nur die Absteigen zur Buchmesse – macht bald auf. Und und und. Letztendlich glaube ich nicht, daß die Eintracht keinen Nachfolger für Fraport gehabt hätte – also mindestens ein großes Budget ist noch unverplant.

  2. Die Idee neben den Alba-Killer (ist ja echt schon etwas ausgelutscht und Brösel-Siege nichts ungewöhnliches mehr) nun den Drachentöter einzuführen, hat was.

    Klar wenn´s so kommt, dann mag uns Bamberger fast keiner mehr, doch das ist dann der Preis für den Erfolg. Fränkische Eichen weichen eh nicht zurück und vertragen dann dies.

    Bamberg zieht ins Finale ein und spielt gegen? ……. Sparlines Frankfurt —— so mein Tip.

  3. Schön dass dann doch noch was Grüblerisches zur heißen Zeit zu lesen ist! :-)
    Danke für den Link zur „Schlägerei“ aus 2007 gegen Bamberg. Herrliches Ding, Fleming bei uns, Fenn beim Gegner und die ganzen anderen Kollegen… zu schön!
    Die brualo Passagen, die ich in den Ausschnitten gesehen habe, sind sicher nicht schön, aber warum Berlin als Team da nicht entsprechend reagiert ist mir echt ein großes Rätzel. Mission Schneid abgekauft gelungen…?
    Von den verlinkten „2basketballfans“ ist nicht zufällig einer der geschätzte Sportsfreund aus Quakenhausen?

  4. Pingback: Wood zu ALBA und Effekte des Lockouts | gruebelei.de

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