Wood zu ALBA und Effekte des Lockouts

Er ist da. Der Lockout in der NBA. Seit heute Nacht 12:01am ET sind sie Türen der Trainingshallen zu. NBA und Spieler reden nicht mehr miteinander, die Versicherungen der Spieler sind suspendiert und die Liga darf im Gegenzug Namen und Bilder nicht mehr nutzen. Zugleich wechselt DaShaun Wood von Frankfurt nach Berlin.

Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Vielleicht mehr, als man auf den ersten Blick sieht. Klar, Wood hat sicherlich keine NBA-Option gezogen, aber in einem Sommer ohne Summerleague, ohne funktionierende Free Agency gibt es für Spieler mit NBA-Ambitionen nur den europäischen Markt.

Daher ist es konsequent, dass Wood in Frankfurt seinen im März geschlossenen Vorvertrag per Option beendet und seinem bisherigen Trainer nach Berlin folgt. Wood, der MVP der Beko BBL, ist – ich zitiere oldschoolballer – näher an Allen Iverson als alles, was zuvor in der BBL spielte.

Dass überhaupt ein Wechsel innerhalb der BBL zustande kam, dürfte mit dem veränderten Markt zusammenhängen. Dass Berliner Fans zuvor lästerten und Facebookgruppen namens „Koan Wood“ gründeten, ist albern und nahezu unverständlich. Ja, auch ich habe Wood ausgebuht, aber – das schrieb ich hier bei aller Kritik zuvor auch  – Wood ist einer dieser Spieler, die im Alleingang ein Spiel in die Hand nehmen können. Dies fehlte bislang in Berlin.

Ob diese „One-Man-NBA-Show“ aber auch genauso in Berlin mit stärkeren Mitspielern funktioniert, muss man abwarten. Aus zweierlei Gründen. In Frankfurt profitierten, relativ betrachtet, schwächere Mitspieler wie Marius Nolte, de Mello oder ein Muurinen deutlich von der Vorarbeit, die Wood leistete. Er schuf viel Platz, weil er als überragender Star natürlich ein Defensemagnet war, aber er war auch in der Lage, teils geniale Durchstecker anzubringen, wenn er drei Mann auf sich zog. So schaffte es ein DaShaun Wood mit Leichtigkeit, alle seine Mitspieler besser aussehen zu lassen. Denn eines ist klar: Marius Nolte ist ein lieber Kerl, ein solider Arbeiter, ein toller Rollenspieler, aber ganz sicher kein individuell überragender BBL-Basketballer. Erstens stellt sich die Frage, ob Wood im gelben ALBA-Leibchen noch genauso die gegnerische Verteidigung auf sich zieht, denn anders als in Frankfurt hat er in der Hauptstadt Nebenleute von anderem Kaliber – und die fragen von vornherein nach beinah ebensolcher defensiver Aufmerksamkeit wie der MVP der Saison 2010/2011 selbst. Des Gegners Taktik wird also kaum mehr sein: „alle auf die 15 und der Rest wird schon irgendwie“. Zweitens bringt es eben die deutlich höhere Qualität der Teamkollegen mit sich, dass diese auch selbst individuell stark sind und Offense kreieren können und wollen. Dazu braucht es den Ball in der Hand und den Platz auf dem Parkett. Abgesehen von gegebenenfalls auftretenden persönlichen Befindlichkeitsstörungen, die wir hier erstmal außer Acht lassen möchten, ist dies eben auch ein rein logistisches Problem. Anders gesagt: gibt es künftig bei ALBA noch genügend Spaldings auf dem Feld?

Wood kann in Berlin auf dem nächsten Level beweisen, dass er richtig gut ist, er kann aber auch – das würde ich ebensowenig ausschließen – auf den Tribünen schieres Kopfschütteln auslösen, wenn er denn den Egozocker gibt. Gegen Berlin aber zeigte er, was er so kann:

Und warum schreibe ich das jetzt in einem Beitrag zusammen mit dem Lockout? Wood ist vermutlich das Kaliber der Borderline-NBA-Spieler, die dank Lockout diese Saison früher und in größerer Zahl auf dem Markt sind. Es wird vielleicht auch der eine oder andere Free Agent über den Teich kommen, wenn das Konto während eines Lockouts zu sehr in die Miesen zu rutschen droht. Vielleicht sogar der eine oder andere europäische NBA-Spieler mit Heimweh. Aber grundsätzlich stehen bei den NBA-Spielern mit laufenden Verträgen erhebliche Risiken im Weg, wenigstens das Problem, dass man bei jemandem wie Nowitzki den Wert des restlichen NBA-Vertrages (3 Jahre Rest/ursprgl. 4Jahre und Wert 80 Millionen) für den Fall einer Verletzung versichern müsste. Dabei sogar noch das legale Problem des eigentlich auch noch notwendigen „Letter of Clearance“ (hier die Bestimmungen in der US-Version) außer Acht gelassen. Klar ist aber auch: Ab heute, spätestens morgen, werden wir „Nowitzki in die BBL?“ wieder ungefiltert und naiv selbstvergessen, bar aller real existierenden Probleme, in allen Medien sehen und lesen. Vorgearbeitet hatten die ja schon und natürlich jedes BBL-Spitzenteam hat bereits Interesse geäußert.

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9 Gedanken zu „Wood zu ALBA und Effekte des Lockouts

  1. Das Scouting ist dieses Jahr so wichtig wie noch nie. Boah, eine Liga, die vor lauter Rice’s und Wood’s wimmelt…:)
    Allein die ungedrafteten Pointguard…*träum*

  2. witzig, daß die NBA die bilder der spieler nichtmehr nutzen darf. macht sinn war mir aber bisher nicht bewußt, wiederwasgelernt.
    NBA.com hat dadurch gerade etwas absurdes…der erste lock-out im golbalen internetzeitalter…meLike ;D

  3. @Gruebler: Klar hast du Wood ausgebuht und, das hoffe ich inständig, haben alle anderen Berlinfans auch. Genau das hat er ja gewollt und genau das ist Teil des Spiels (im allerursprünglichsten Wortsinne). Man darf halt nur nicht den Fehler machen, das Buhen mit aus der Halle raus zu nehmen oder gar so eine Aktion persönlich gegen Heimfans oder Heimspieler gerichtet zu sehen. Es ist ein Spiel und Trashtalk und alles andere was erlaubt ist, sind Teil des Spiels. Nach Abpfiff ist das aber vorbei. Wer das als Spieler aus dem Spiel in die Realität portiert kriegt früher oder später n Psychoknacks, wer das als Fan zu Ernst und aus der Halle mitnimmt, kriegt zur verschärften Selbstreinigung in unter 24 Stunden den ach so „gehassten“ Spieler als Star des eigenen Teams vorgesetzt ;-) Karma :D Jeder wie ers braucht – das einzige was mich an der Anti-Wood-Gruppe auf facebook echt gestört hat, war der bajuwarische Gruppenname. Der sorgte doch tatsächlich für heftigste Irritationen. `ne halbe Stunde und 2 Kaffee hab ich gebraucht um die enigmatische Abkürzung K.O.A.N. zu dechiffrieren: „Kann nicht ohne Alba“! Hurrrrra! ;-)

  4. Warum Wood, den im 1on1 in dieser Liga eigentlich niemand halten konnte, nicht von besseren und damit intensiver verteidigten Mitspielern profitieren soll, verstehe ich nicht. Die „Zwickmühle“ für die Verteidigung des Gegners wird dadurch doch einfach nur intensiviert.

    • Die 2 Punkte waren rein für die Offense formuliert. Die Defense hatten wir schändlich vernachlässigt ;-) Sicher profitiert Wood hinten von besser verteidigenden Mitspielern – keine Frage. Vorne ist es eventuell (und nur eventuell) ein Problem. Da es potentiell 5 gute ALBA-Spieler gibt, kann sich der Gegner eben nicht mehr von vornherein quasi mit 3 Verteidigern auf Wood stürzen und der dann lässig auf 2 freie Kollegen ablegen. Eher werden sich dann ein Wood + 4 gelbe Qualitätsspieler einer Zone oder einer stark sinkenden Mann-Mann/Matchupzone gegenüber sehen, die einfach diese 1 on 1 Situationen so nicht zulassen bzw. nicht in dieser Häufigkeit.

  5. @osb: Ich glaube, du hast den Dieb falsch verstanden, er sprach ausschließlich von der Offense („intensiver verteidigten“, nicht „besser verteidigenden“ Mitspielern).

    Ich sehe seinen Punkt genauso: Wood bekommt in einer insgesamt starken Alba-Offense noch mehr Freiheiten und wird noch schwerer zu stoppen sein. Seine Zahlen werden höchstwahrscheinlich trotzdem runtergehen, „Sharing is caring!“ ;)
    Im Endeffekt wird das Problem (die „Zwickmühle“) für Albas Gegner nur größer – zumindest wenn alle Beteiligten es schaffen, ihr Ego zurückzuschrauben.

    Aber auf jeden Fall einen Bombenverpflichtung…leider!

    • Japp. Du hast recht. Sehe ich jetzt auch. War noch bei -3 auf der Kaffeeskala ;-) Das was ihr beide beschreibt könnte sein, es könnte genauso das eintreffen, was ich vermute. Sprich genau das, was ALBA gegen Wood gemacht hat. Ne Zone oder Box +1 oder ne stark sinkende Mann-Mann-Verteidigung (Matchupzone). Dann kommen Woods Stärken kaum noch so ausgeprägt zur Geltung. Weder das eigene Ziehen bis zum Ring, noch das Ablegen auf die Mitspieler. Hat man ja gesehen dass das recht gut klappte als Konzept für Alba. Ich befürchte eben dass wir so etwas vermehrt sehen werden. Sexy wär das nicht.

    • Entschuldigt die Unterbrechung, aber ist das nicht genau die Strategie, mit der auch schon Luka 2010 in der Liga bzw den POs von Herbert der Zahn gezogen wurde? ideenlos gegen Zone und Variationen trotz extrem starkem Team? Es waere bei allen Trainerwechseln eine Konstante Ich hoffe nur Herbert hat das Antidote zu seinem eigenen Gift.

  6. Der Lockout hat unter Umständen noch einen ganz anderen Einfluss darauf gehabt. Laut eigener Aussagen sind ein paar NBA-Teams mit Wood in Kontakt getreten, woraufhin dieser meinte „ausgerechnet zum Lockout“. Das muss nichts heißen, aber vielleicht hätte er es sonst auch erst über ein FA Camp o.ä. versucht.

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