Welcome, Gordi! Thanks for all the fish, Muli!

Wir sind überrascht. Offenbar sind viele ALBA-Fans überrascht. Das überrascht uns. Seit heute ist Gordon Herbert neuer Trainer bei ALBA Berlin. Keine Überraschung. Seit dem Ausscheiden im Playoff-Viertelfinale 2010 – man verlor als Tabellenzweiter realtiv widerstandslos gegen den Hauptrundensiebten Frankfurt (und Coach H.) mit 3 zu 1 – sinnierten wir intern über Gordon Herbert, seinen Anteil am Ausscheiden Berlins und einen eventuell anstehenden Trainerwechsel ebendort.

Nun, damals im Frühjahr 2010 kam alles anders für ALBA. Nach dem schockierenden Aus war klar, dass sich etwas tun musste, nicht wenige rechneten damals mit einer Entlassung Pavicevics. Es wurden später viele Steine gewendet, einer blieb unantastbar: Luka Pavicevic. Was aber lag damals direkt nach Spielende in der Ballsporthalle näher, als den Coach des Siegerteams für den Berliner Trainerstuhl in Betracht zu ziehen, der beim Playofftriumph am 19. Mai gegen Berlin selbst erst wenige Wochen (seit dem 12.04.2010) dort im Amt war. Aller Ehren wert. Ein fremdes Team ohne Nachverpflichtungsmöglichkeiten aus dem Stehgreif übernommen und, nach nicht gerade zufriedenstellend verlaufender Saison, als 7. erst ALBA, dann Bremerhaven rausgekegelt und gegen Brose im Finale erst nach ganz, ganz großem Kampf mit einem doch relativ schwachen Kader in Spiel 5 unterlegen. Zugegeben Gordon Herbert kannte Frankfurt und das drumherum, aber das war doch schon einige Jährchen her (2001-2004). Was er da in nur 6 Wochen aus dem Skyliners Stückwerk gebastelt hat, war rückblickend gesehen sensationell. Wenig zur Verfügung, viele Sorgenkinder links und rechts, keine Möglichkeiten, am vorhandenen Material etwas zu ändern. Und trotzdem erfolgreich. Das scheint ein immer wiederkeherendes Mantra von Herbert zu sein. Carpe team. Nutze dein Team.

[Berliner Fans, die auf sowas wie im letzten Rihanna-Hit stehen, können übrigens hier und hier noch einmal die beiden ALBA-Auftritte 2010 in Frankfurt nachlesen.]

Vielleicht war Gordon Herbert 2010 einfach nicht frei, vielleicht glaubte man an den Oldskoolcoach Pavicevic und seine unbestrittenen Qualitäten. Jetzt im Sommer 2011 – nach einer weiteren heißen Serie Berlins gegen Frankfurt – ist „His Coachness“ Herbert frei und ALBA schlug zu. Ein guter, richtiger und wichtiger Schritt, wie wir finden. Katzurin hatte seine Fähigkeiten als Feuerwehrmann – unbestrittenen hat er als Saisonergebnis mehr erreicht als man von ALBA zur Weihnachtszeit noch erwarten konnte. Aber seine volatile Persönlichkeit verbunden mit ebensolchem Coaching passen einfach nicht zum Berlin der nächsten 5 Jahre. Denn eines ist ganz klar: das Berliner Management versucht – richtiger- und notwendigerweise – nicht zu kurz zu hüpfen, sondern hat einen breiteren Mindset, einen längerfristigen Plan im Blick.

Gordon Herbert mit seiner Mentalität und Fähigkeit zur Resourcenoptimierung ist also die offensichtliche Idealbesetzung als Nachfolger. Ein Mann, der die Liga kennt, ein Coach, der die Spieler im Spiel lesen kann, ein Trainer, der die Spieler als Team unglaublich gut auf den Gegner vorbereiten kann. Er hat alles, was an „must haves“ auf dem Berliner Bewerberbogen ein Kästchen zum Abhaken hat. Nicht nur bringt er die obigen Coachingqualitäten mit, sondern verfügt auch über alle langvermissten Softskills. Gewandt im Umgang mit den Medien, dennoch nicht kamerageil, immer smart im Anzug, jemand der aber trotzdem völlig hinter sein Team zurücktritt, im Gegensatz zu Katzurin, bei dem doch vieles aufgesetzt, irritierend impulsiv oder seltsam ansatzlos, nachgerade wie Show, wirkte. Bei den Frankfurt Skyliners schaffte Herbert es 2010 binnen kürzester Zeit einige durch Murat Didin vollkommen frustrierte Spieler wieder hochzupäppeln und eine orientierungslose Spieleransammlung zu einem overperformenden Team zusammenzuschweißen. 2011 musste man in der Bankencity sparen, hatte viele Verletzte (AJ Moye!!), viele Spielerwechsel und trotzdem. Wieder erreichte man deutlich mehr, als zu erwarten war. Gleiches gilt für seine erste Abschiedssaison 2003/2004 in Frankfurt. Die Skyliners wurden Deutscher Meister, mit einem Team, das zu Saisonstart alles andere als ein heißer Titelfavorit war. Kein Wunder, dass gerade das einen gewissen Sexappeal für das Berliner Frontoffice hat, waren es doch exakt genau diese mediativen Fähigkeiten, dieses Teamplay, was ALBA Berlin in den letzten Jahren sichtbar gefehlt hat, um aus dem durchaus Vorhandenen das Optimum herauszuholen. Außerdem passt der Ansatz, alle Mittel stets maximal zu verwerten, eben einfach zur Corporate Identity der ALBA Group ;-)

Gespannt sein darf man auch auf seine Scoutingqualitäten. Immer wieder schaffte er es, unterschätzte oder angezweifelte Spieler in seine Teams zu locken, an die BBL-Ligaspitze zu hieven und die Höchstleistung im Mannschaftsverbund aus ihnen herauszukitzeln. Goree, Wood, Reese, Williams sind hier nur einige namhafte Beispiele.

Effizienz, attraktiver, kluger Basketball, Effektivität, Motivationskünste, Einsatz, Kampf, Fingerspitzengefühl, Teamplay sind die Eckpfeiler – gespannt sein dürfen wir auf das Ergebnis im weniger ruhigen Berliner Spannungsfeld. Aber Gordon Herbert ist es absolut zuzutrauen auch hier mit deutlich höheren Nebengeräuschen maximalen Output zu bringen. Es bleibt richtig interessant. Carpe Team in Berlin?

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7 Gedanken zu „Welcome, Gordi! Thanks for all the fish, Muli!

  1. Carpe Team nennt meine Bloggerkollegin den Schritt von Katzurin zu Herbert. Vielleicht ist dies wirklich der treffende Unterschied. Auch wenn Wood ein Ego-Zocker war, war er ein teamorientierter Egozocker, mal er fürs Team, mal das Team für ihn.

    Die erste Ansage im Tagesspiegel: Die Spieler mit Vertrag bleiben. Heiko. Yassin. Derrick. Sven und Lucca. Fünf aus zwölf, bzw. mit Minuten fünf aus neun, das ist für manch einen Trainer – man denke daran wie Katzurin am Ende über das Übernehmen einer Mannschaft Midseason fluchte – vermutlich ein Dealbreaker. Good Bye und Danke für den Fisch.

    Ein Zurück zum hier so geschätzten Jugoball wäre wohl marketingtechnisch ein no-go gewesen. Um mich aber richtig zu überzeugen – und wohl auch manch einen anderen – muss Herbert beweisen, dass er nicht nur BBL kann, sondern auch Europa. Da gibt es ein Fragezeichen nach den letzten Jahren.

    Herbert ist ein Bekenntnis zur Liga, nicht nur weil er ALBAs erster aus der Liga eingekaufter Coach ist. Denn mit verstärkter Konkurrenz gilt es in der Liga zu bestehen und da ist Gordie eben der beste verfügbare Coach. Ich habe Katzurin die Niederlagenserie anlässlich des Totalumbaus nie so richtig nachsehen können, das war schon demütigend.

    Aber es hatte einen Grund: Muli wollte sein Ding machen. Mein Eindruck ist, dass Herbert sich den Umständen – und den vorhandenen Spielern – besser anpassen kann. Die Zeit der Konzepttrainer ist in einer Liga, in der man in der Spitze auch auf die verfügbaren deutschen Spieler setzen muss vermutlich vorbei. Carpe Team, mit dem was man hat. Und die Spieler, die wir haben, haben in den Playoffs Spaß gemacht.

  2. Good bye and thank’s for all the fish waren exakt meine Gedanken gestern. Insofern habe ich mich über die Überschrift sehr gefreut, nur hätte ich auch noch gerne ’nen Satz über den Fisch gelesen. Die Playoffs haben wirklich großen Spaß gemacht. Ich bin jetzt sehr gespannt, was uns nächste Saison erwartet. Und wehe, das geht in Europa daneben. Dann bin ich erstmal reserviert (so um Weihnachten rum)

    • Na, 2 Leute literarisch auf einer Wellenlänge ;-) Jackpot. Da hau ich doch gleich einen raus: was magst du denn lesen? Anders gesagt: frag mich und ich geb dir meine Meinung.

    • Wie wär’s mit irgendwas über ein Maultier, das vom Himmel fällt und denkt: „Nicht schon wieder“?

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