Rauschen im Blätterwald #70

Heute mit: Die Jagd nach Dirkules (und anderen Nationalspielern), warum Budget-Klischees nicht mehr passen und was im Berliner Fenster wirklich wichtig ist.

Ich fange mal von hinten nach vorne an. Heute Abend spielt ALBA in Bamberg, doch die BZ schickte eine andere Meldung in ihren Nachrichtenblock in den Berliner U-Bahnen: Socke wird wieder Papa und Töchterchen Mia – längst dem Alter entwachsen, in dem sie nach dem Spiel auf Papa rumklettert – wird große Schwester. Wenngleich Fans ja gerne mal über unseren Rekordnationalspieler lästern, so bekannt, dass Familienstories Zeilen wert sind, ist er allemal. Aussagen dazu, ob er seine Karriere beendet oder nicht, bleiben vage. Klar dürfte aber sein, dass – wenn die Knochen halten und er will – der Markt für ein weiteres Jahr wohl da ist.

Denn wenn man – verlässliche Pressemeldungen gibt es naturgemäß nicht – genauer hinhört, wie sich die Clubs in dieser Offseason aufstellen, bekommt man den EIndruck, dass der Bayern-Effekt längst da ist. Wenn auf schoenen-dunk User über „Top 3“-Budgets schreiben, meinen sie Brose, ALBA und die Bayern. Also die 6 bis 8 Millionen Klasse. Vor wenigen Jahren noch, war ALBA mit einem solchen Budget ziemlich allein auf weiter Flur. Bekanntermaßen gehört auch Oldenburg in diese Liga und auch bei den Dragons kann man nur spekulieren, wie tief und wie offen die Tasche des Mäzens ist. Ebenso ist bei den ehemaligen Sparliners unbekannt, was Fraport auf den Tisch packt. Die Statements, dass ein „mehr oder weniger identisches“ oder „leicht angehobenes“ Budget zur Verfügung steht, sind naturgemäß wenig hilfreich, kennen wir doch die bisherigen Zahlen nicht. Mehr Transparenz, sprich eine Veröffentlichung der Budgets, wäre aus Fansicht spannend. Vermutlich werden wir nur irgendwann zum Saisonbeginn ein Statement von Jan Pommer bekommen, dass das Gesamtbudget aller 18 Teams in neue Rekordhöhe gewachsen ist.

Dass der eine oder andere Sponsor grundsätzlich bereit ist, unter besonderen Umständen die Kriegskasse zu öffnen, wird an der fast schon penetranten Debatte um Nowitzki in der BBL deutlich. Für einige Medien scheint das Thema Nowitzki schon jetzt wichtiger als das heutige fünfte Finalspiel zu sein. Ja, wir wollen Nowitzki, titelt die B.Z. und zitiert ALBA-Aufsichtsrat Schweitzer. Ob für zwei Spiele oder ein paar Wochen, Schweitzer will Nowitzki und kein anderer NBA-Spieler kommt im Falle eines Lock-Outs in Frage. Aus München bestätigt der neue Sportdirektor Marko Pesic das Interesse gegenüber Sport1. Und in einem Fernsehinterview soll Nowitzkis Vater gesagt haben, dass er Dirk zu Bamberg raten würde. Auch Fleming sagt der BILD: Als Meister wären wir das beste Team für Nowitzki. Freilich hoffen auch die Würzburger Fans auf eine Rückkehr des berühmtesten Kindes der Stadt. s.Oliver als Sponsor hätte vermutlich auch eine entsprechende Kriegskasse.

Aber ist das nicht alles eine Scheindebatte? Denn auch wenn der Lockout kommt, hat Nowitzki einen gültigen Vertrag mit den Mavs. CBS-Blogger Kurt Helin stellte bereits im Januar dar, warum all dieses Säbelrasseln vermutlich nicht mehr als heiße Luft ist. Wir sehen ja schon, wie schwierig es ist, Nowitzki für eine EM oder WM zu versichern und loszueisen. Und bei allem Nowitzki-Hype darf darauf hingewiesen werden, dass er die EM-Teilnahme in diesem Sommer jüngst wieder in Frage gestellt hat, lange Saison, kaputter Finger und so…

Nachhaltiger und spannender dürfte diese Saison also sein, wo die tatsächlich bei der EM antretenden Nationalspieler hinwandern werden. Die Bayern wirbeln da einiges durcheinander und auch Oldenburg und Quakenbrück werden schauen müssen, wie sie mit deutschen Spielern eine hinreichende Tiefe des Kaders hinbekommen. Bei Bamberg kann man sich fragen, ob NBA-Draftee Pleiss doch noch den Sprung in den Süden macht.

Der erste Deal ist Philipp Schwethelm, der von den Eisbären zum FCBayern wechselt. Der Nationalmannschafts-Forward erhält einen Vertrag über zwei Saisons. Ist damit ein oft spekulierter Wechsel von Robin Benzing vom Tisch oder tritt Bauermann auf dem Flügel mit Benzing/Schwethelm an? Benzing durfte gerade beim Adidas Eurocamp in Treviso ran, laut Nachwuchsexperte Christophe war Robin auch einer der besseren Spieler des Turniers. Nur der Hype um einen möglichen Draftplatz, den wir noch letzte Saison sahen, bleibt dieses Jahr bislang aus. Ansonsten ist es noch recht still, schließlich spielen die großen Budgets aus Bamberg und Berlin noch. Aber aus Wilmersdorf dringen via schoenen-dunk Gerüchte ins Netz, dass auch Jan Jagla mit den großen deutschen Clubs verhandelt. Andere glauben, dass ALBA Staiger gen Trier gehen lassen würde. Und auch wo McNaughty hingeht, ist offen. Viel Spekulation, wenig Substanz, aber ganz sicher eine spannende Offseason, die ab morgen so richtig los geht.

Heute steht nun erst einmal Finale 5 an. Wenn wir Mumm hätten, würden wir hier einen Tipp abgeben. Können wir aber nicht. Es sind zwei Mannschaften auf Augenhöhe. Es ist das spannenste Finale seit Jahren. Es ist ein Zeichen für die gestiegene Qualität der Beko BBL. Der Ausgang ist offen wie ein Scheunentor.

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2 Gedanken zu „Rauschen im Blätterwald #70

  1. Ich bin so aufgeregt, wie ein kleines Kind vor Heilig Abend. Einen Tipp würde ich auch nicht abgeben wollen, aber ich denke die Partie wird bis zur Hz ausgeglichen verlaufen u d das Team, dass nach dem Pausentee den ersten Run auspackt, wird sich den Pott holen.
    Wie bei Twitter zu lesen war, hat Rochestie endlich mal an sein Kopfkissen für die lange Busreise nach Bamber gedacht, das wird den Unterschied ausmachen.

  2. Pingback: Wood zu ALBA und Effekte des Lockouts | gruebelei.de

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