Blogauskas #11 – Jeder hat das Recht, ein Basketballspiel zu gewinnen

Litauenfan

Litauenfan

Auf der anderen Seite des kleinen Flüßchens Vilnia gibt es hier in der Hauptstadt Vilnius einen kleinen Stadtteil (damals ein Vorort) namens Užupis. Früher eine der heruntergekommensten und ärmsten Gegenden der Stadt, hat sich hier direkt nach der Unabhängigkeit Litauens von der UdSSR eine Art Künstlerkolonie, ein wenig wie Montmartre in Paris nur in klein, gebildet. Einer der Künstler wachte wohl auf und fühlte sich wie ein Präsident, also wurde er einer, erzählt man augenzwinkernd. Wahrscheinlich hat einfach jeder das verfassungsmässige Recht Präsident zu sein. Weiterlesen

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Blogauskas #10 – Know it´s key (and know when it’s not)

Know its key

Know its key

Es gibt hier überall im Land offizielle Werbeplakate für die Eurobasket 2011, auf denen die Aussprache der Starspieler erklärt wird. Für Deutschland ist Nowitzki abgebildet mit der Aussprachehilfe: „Know it´s key“. Gut, das Englisch ist ein wenig fragwürdig (Popovic = „Pope a witch“), aber gestern Nacht, als wir wieder einmal an dem Plakat vorbeiliefen, hatte es plötzlich seinen Sinn gefunden. Weiterlesen

Blogauskas #6 – Wassertreten und Wehmut

Heute ist unser letzter Tag in Siauliai. Noch einmal ging es auf den Freiplatz am Wohnblock, noch einmal strahlend blauer Himmel tagsüber, tolles perfektes Wetter. Warm, fast heiß und ne leichte Brise. Zum letzten Mal sitzen wir neben unserer Eislauffläche in unserem Einkaufscentrum – man kennt uns schon. Die verrückten Deutschen, die auf nem Laptop rumhämmern. Jetzt zum letzten Mal Schlittschuhlaufen und dabei auf der Riesenleinwand die Spiele von gestern anschauen. Ein ganz besonderes Vergnügen. NOT.

Heute ist nicht alles so spassig. Einerseits die Wehmut unsere Waldhütte verlassen zu müssen, wir haben Siauliai richtig lieb gewonnen und verlassen die Stadt nur ungern, aber auch das wieder umziehen müssen und neu eingewöhnen schreckt uns. Andererseits die beiden Spiele gestern Abend in den Gruppen A und B, die die Euphorie mit einem großen Knall aus dem EM-Ballon entliessen. Während Deutschland schnell, kurz und knackig zurücklag und insgesamt kopflos und chaotisch wirkte, fiel unser Blick in einer frustinduzierten Pause auf die Bildschirme in den Umläufen und die entsetzten Gesichter der Litauer, die auf sie starrten. LIT – ESP 12:37. Oha! Die Gastgeber erhielten eine Klatsche vom Titelverteidiger und die Stimmung in der Stadt sank schlagartig auf arktische Temperaturen. Realistisch betrachtet hatten die Litauer mit ihren ganzen Verletzten von vornherein gar keine Chance, das interessiert Otto Normallitauer allerdings wenig. Zu sehr sehnt man sich den Titel im eigenen Land herbei. Deutschland hingegen ist vollständig angetreten, spielen was sie können tun sie aber irgendwie trotzdem nicht. Es ist mir von Anfang an zu hektisch, zu unstrukturiert. Zu viele Wechsel, zu viele Experimente. Es sieht aus, als wäre man noch in Bamberg beim Supercup in der Testphase. Erst mit zwei Pointguards gestartet, kurz darauf kein einer mehr auf dem Feld. Warum verstehe ich nicht, es würde aber auch nichts helfen, wenn ichs täte, denn das deutsche Spiel leidet einfach darunter. Die Spieler geradezu haltlos auf dem Parkett – fast wie wir auf der Eisfläche. Denn Serbien spielt keineswegs überirdisch. Sie machen nur, was sie können, geradlinig, schnörkellos. Alte jugoslawische Basketballschule und unspektakulär. Mit Ausnahme von Milos Teodosic, der mit einer mühelosen Leichtigkeit über das Parkett fliegt und einen Zauberpass nach dem anderen raushaut. Uns steht der Mund offen. Völlig ohne einen Tropfen Schweiß zu vergiessen hat er am Ende fast ein Triple Double in nur 28 min. aufgelegt (12, 9, 9). Schluck. Deutschland hingegen bekommt kein Bein auf den Boden. Nowitzki wird gut verteidigt und nimmt nur schwere Schüsse gegen den Mann, die nicht fallen. Dito die von Chris Kaman, der scheint, als habe er ein Wurfkreuz auf der Freiwurflinie markiert und sich selber Zoneneindringverbot erteilt. Gezwungen, planlos und nicht wirklich wach. So wirkte es zumindest von außen. Streckenweise sieht es sogar ohne die beiden NBA-Stars mehr nach Teamplay aus, als mit. Tribut an die viel zu kurze gemeinsame Trainingszeit? Am Ende kommt man noch einmal durch eine Energieleistung Nowitzkis einstellig heran, der kurz darauf stocksauer ist, denn seine Mitspieler ziehen vor allem in der Verteidigung nicht richtig mit. Deutschland ist eben nicht Dallas. Solche Momente sind es, die Spiele drehen, Spiele entscheiden. Dirk erwartet, dass alle von einer Sekunde auf die andere aggressiv sind, wenn sie die Chance wittern, in den höchsten Gang schalten und noch einmal alles in die Waagschale werfen. Dieser Killerinstinkt fehlt seinen Kollegen aber sichtlich, denn die starren größtenteils vorne nur auf ihn und hinten können sie die berühmte Schippe nicht drauflegen. Kurzes Anbrüllen mit Neu-Fraportskyliner Tim Ohlbrecht, ist normal, muss auch mal, ist aber sehr symptomatisch – es hätte auch jeder andere sein können, denn Dirk N. ist sichtlich enttäuscht. Er hat mehr erwartet – und wir auch. Nach Spielende wissen es die Spieler selbst am besten, dass sie mit ihren passiven Spiel ne Riesenchance versäumt haben. Nun wirds nämlich bitter. Die Zwischenrunde in Vilnius ist zwar schon vor dem abschließenden Spiel gleich gegen die supernetten Letten gesichert, aber man schlägt nun in der Landeshauptstadt als „Tabellenletzter“ auf. Mit null Punkten. Mumpfff. Und ob sich dies entscheidend ändert gegen die A-Gruppe mit Spanien, Litauen und wohl Polen ist völlig unklar.

Chance vertan, Schritt nach vorne vertan. Es ist wie kneippsches Wassertreten mit der deutschen Mannschaft. In Polen bei der letzten EM 2009 hatte man einen neuen Weg begonnen – radikaler Umbruch, neue Mannschaft, junge Spieler. Auch bei der WM in der Türkei letztes Jahr sah das gar nicht so schlecht aus – ohne die NBA-Spieler. Ganz bewußt hat man dieses Jahr wieder 2 Schritte zurück gemacht und Kaman und  Nowitzki wieder dazugeholt, um den heiligen Gral vom Olympiatraum erneut wahr werden zu lassen. Ich hab mir Ende 2010/Anfang 2011 viele verbale blaue Flecken geholt, denn ich war gegen diesen Schritt. Absichtlich übertrieben und provokant gefragt: Wenn wir jetzt in der Zwischenrunde ausscheiden und Olympia futsch ist – haben wir dann nicht auf dem Weg zur EM 2015 im eigenen Land 3 Jahre verloren?

Ich sehe die mediale Aufmerksamkeit, ich weiß ohne Nowitzki hätten sich höchstens 20% der jetzigen Zuschauer die EM angesehen, ich weiß dass es toll ist, ihn spielen zu sehen. Ich weiß, dass wir ohne ihn nie eine Chance auf Olympia gehabt hätten. Ich weiß nur nicht, ob das die Nationalmannschaft wirklich für die Zukunft nach vorne bringt.

Optimal wäre es, wenn die Spieler endlich halbwegs aufwachen würden. Sie schulden es sich vor allem selbst und auch Dirk Nowitzki. Gegen Italien war es eine Superleistung, besonders kämpferisch. Wieso man darauf nicht aufbauen konnte, sondern statt dessen gegen Frankreich und Serbien in ein Riesenloch fiel, weiß nur das Team und der Coach. Optimal wäre es, sie würden mich einfach Lügen strafen. Mir wärs recht – ich kann das aushalten ;-)

Zum letzten Mal durch den Wald, zum letzten Mal echte Seeadler, zum letzten Mal heute Nacht ein unfassbar toller Sternenhimmel in völliger Finsternis ohne jede Lichtverschmutzung. Etwas was es zu Hause gar nicht mehr gibt. Genau wie Wasser aus dem eigenen Brunnen, dass Haut, Haare und Schmutzwäsche ungeahnt (und völlig conditioner- und weichspülerfrei) zart zurücklässt. Eine Nacht noch unter Uhus und Wölfen. Noch eine Nacht mit direktem Blick nach oben, Jupiter, Polarstern, die Milchstraße, der Mars, und all der andere Süßkrams über uns. Und Vilnius vor uns.

Heute gegen Lettland gehts um nichts mehr. Und doch um alles. Die Mannschaft muß sich jetzt zusammenraufen, Nowitzki den Spass am Spiel wiederfinden. Und den hat er nur, wenn die anderen sich mit ihm auf Augenhöhe trauen.

Omma Margot sacht: Ei Kelle, da wurd ja soviel gewechselt, da kam ich ja gar ned mehr mit. Heut kanns nur besser wern und dann kommt Spanien.

osbaite grüßt gefrustet aus Siauliai und hofft auf ne Trotzreaktion.

Blogauskas #4 – Urlaub in Lettland

Endlich ein freier Tag! Diesen Tag Urlaub haben wir uns wirklich redlich verdient und so ging es nach einmal halbwegs ausschlafen auf zum nördlichen Nachbarn nach Lettland. Das vierte Land in 6 Tagen, für einige von uns (die zur Zeit gerade live im McCafe in Riga im Sessel liegen und schlafen) das 5. in 6. Die vierte Sprache, die vierte Währung, totales Chaos im Geldbeutel und im Kopf. Stadtpläne, Karten, Reiseführer, Sprachführer. Esperantinisches Geschwafel – so richtig können wir keine Sprache mehr und gestern wirkt bereits, als wäre es Monate her – unsere Festplatten glühen und auch wieder nicht. Wir schwimmen einfach mit im Strom, abgespeichert wird schon lange nicht mehr, wir sitzen einfach nur entspannt in unserem ganz privaten 24-Stundenkino. Weiterlesen

Blogauskas #1 – Nichts als Basketball im Kopf

Nix als Basketball im KopfEndlich. Siauliai. Was für ein Trip. Dieses Mal haben wir es, glaube ich, übertrieben. Litauen ist einfach zu weit um mit dem Auto dorthin zu fahren. Auch wenn man möglichst viel von Land und Leuten mitnehmen will. Es war von Anfang an eine schlechte Idee. Eine ganz, ganz miese sogar.

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Dirk Bauermann im Interview: Wir stehen von Anfang an unter Druck

Gestern posteten wir hier, dass oldschoolballer den Abschnitt zum deutschen Team im Eurobasket-Guide von BasketMe verantwortet hat. Das Highlight, ihr Interview mit Bundestrainer Dirk Bauermann, gibt es nun hier auf Deutsch. Lest, warum unsere NBA-Stars keine Primadonnen sind, wo Dirk Bauermann den Unterschied zwischen Defense in Europa und der BBL sieht und warum der Weg ans College – statt in ein BBL-Team, die richtige Entscheidung sein kann. Weiterlesen

Manche Dinge sind wertvoll – Dirks Ringparabel

Manche Dinge sind wertvoll. Wertvoll, weil sie so schwer zu erreichen sind, wertvoll, weil man über Stock und Stein muss, um ans Ziel zu kommen, weil man viel investieren muss um vielleicht, nur ganz vielleicht, am Ende etwas besonderes zu bekommen. Nicht nur Dirk Nowitzki hat bekanntermaßen eine 13jährige Berg-und Talfahrt hinter sich, um endlich an den begehrten Championshipring der NBA zu kommen, auch als Fan hatte man es letzte Nacht wahrlich nicht leicht. Fanqualen parallel zu Spielerqualen und eine Basketballnation fieberte mit, mit ihrem „Helden“ – so wie beinahe jedes Jahr, aber so dicht wie dieses mal war man noch nie dran.

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Rauschen zum Wochenende #66

9alive hatte es ja schon verraten. Auch für Blogger beginnt irgendwann der Ernst des Lebens und die Zeit für’s tägliche SD-Studium fällt zugunsten professionellen Aktenstudiums weg. Trotzdem der Versuch, mal zu schauen, ob ich noch genug Futter für ein kleines Rauschen zusammenbekomme. Die Themen sind gewohnt: Bauermann, Nowitzki, ALBA Berlin und Gießen.

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