Gastbeitrag: Popcorn-Basketball in Berlin

[sc-Fitzel schreibt] Nach langer Abstinenz war ich gestern wieder zu Gast bei ALBA Berlin in Block 209 in der „Mecker-Ecke“. Das Spiel war schon vorher ziemlich bedeutungslos und es hat mich auch primär in die O2-World verschlagen, weil ich gute Freunde wiedersehen wollte. Bis kurz vor Tipp-off wusste ich noch nicht mal genau gegen wen ALBA gestern eigentlich antreten musste. Eine kurze Umfrage im Block ergab, dass es wohl die WALTER Tigers Tübingen sein müssten; ganz sicher war man sich da aber auch nicht. Auch ALBA’s Co-Trainer Konstantin Lwowsky tat sich im Vorbericht sichtlich schwer diesem Spiel noch irgendwelche Bedeutung beizumessen. Dementsprechend waren unsere Hoffnungen auf einen lockeren Aufgalopp in Richtung Playoff und spektakulären Basketball der Marke Air-Taylor™ gerichtet.

Zu Beginn der Partie kam aber zunächst niemand so richtig in Schwung: Die Mannschaften ließen die letzte Konzentration vermissen, die Schiedsrichter hatte offensichtlich ihre Sehhilfe vergessen und das Publikum – immerhin 9.444 Zuschauer vermeldete der Hallensprecher – nahm dies alles mit eine gewissen Belanglosigkeit hin. In der Mecker-Ecke galt das Hauptaugenmerk zunächst häufig den Live-Scores aus den anderen Hallen und den entsprechenden Bemühungen den möglichen Play-off-Gegner der Albatrosse zu antizipieren. Einzig die Schiedsrichter waren im ersten Viertel in der Lage, das Publikum halbwegs in Wallung zu versetzen, wenn ihnen mal wieder ein „offensichtliches Foul“ entgangen war oder sie Sven Schulze eindringlich ermahnten, dass er beim Wechsel nicht unaufgefordert, dass Spielfeld betreten dürfe.

Auch im zweiten Viertel blieb die Partie weiter seltsam emotionslos. Als Zuschauer konnte man den Eindruck gewinnen, die WALTER Tigers konnten nicht so richtig und ALBA wollte nicht so richtig. ALBA tat sich gegen die knochenharte, manchmal ins Ruppige abdriftende Zonenverteidigung der WALTER Tigers auch weiterhin sichtlich schwer. Weil aber jetzt auch ALBA’s Defense der Gegner minutenlang neutralisierte, konnten sich die Jungs in Geld trotzdem Stück für Stück absetzen, ohne dabei jedoch mit schönen Basketball zu begeistern. So ging es mit 40:33 für die Müllmänner in die Halbzeitpause. Emotionen waren bisher bei mir im Block nur aufgekommen, als Coach Katzurin die Todsünde beging und Heiko S. aus B. (die Redaktion hat vergessen den Namen des Spielers zu verfremden) einwechselte; der „Blinde“ schon wieder den Ball vertändelte oder den „ganzen Spielfluss“ zunichtemachte, weil er das System nicht wusste. Mein Eindruck ist, dass die Berliner Fans dem Heiko am liebsten eine Briefmarkte auf dem Hintern kleben wollten und ihn zurück in die Türkei oder noch besser „irgendwo ganz weit weg nach Russland, oder so“ schicken würden. Als ALBA-Fan im Exil muss ich darüber mittlerweile etwas schmunzeln. Die Zeiten, dass der Back-Up-Point-Guard von ALBA den Rest der Liga an die Wand spiel, sind eben lange vorbei. Aber vielleicht erfüllt sich ja nächste Saison Gruebelers Wunsch nach Anton Gavel. Ich habe da aber so meine Zweifel.

Immerhin nahm das Spiel nach der Pause, dann doch noch etwas Fahrt auf. Lag es allein an Bier und Popcorn, welches man sich in der Mecker-Ecke zwischenzeitlich gegönnt hatte? Nein, es lag primär an Miroslav Raduljica mit insgesamt 23 Punkten und 8 Rebounds. Der serbische Bär unter den Berliner Körben zeigte heute Abend eindrucksvoll, warum er bei den FIBA Junioreneuropameisterschaften 2008 zum MVP gewählt wurde und 2010 bei Efes Pilsen Istanbul einen fünf-Jahres-Vertrag erhielt. Es ist schon eher die Ausnahme, dass ein 2,13 m Riese so schnell auf den Füßen ist. Wenn dieser Junge sein Potential voll ausschöpft, wird er ALBA in den Play-Offs noch viel Spaß machen. Hingehen, angucken, staunen! Nächste Saison ist er nämlich bestimmt wieder weg. So einen Mann kann ALBA unter normalen Umständen nicht bezahlen und schon gar nicht aus einem laufenden Vertrag herauskaufen.

Aber Miroslav Raduljica blieb nicht das einzige Highlight im zweiten Durchgang. Auch ein gewisser Bryce Taylor setzte zum Hauptrundenabschluss noch einmal ein Ausrufezeichen:

Schön zu sehen, wie sich dieser Spieler nicht zuletzt seit dem Trainerwechsel in die Herzen der Berliner Fans gespielt hat. Ich kann mich noch gut erinnern, wie wir alle, mich eingeschlossen, gerätselt haben, wie ein Bryce Taylor die Entwicklung der Mannschaft weiter vorantreiben kann. Heute sehe ich in ihm den würdigen Nachfolgen von Imac, auch wenn Imac uns hoffentlich noch eine Weile erhalten bleibt.

Mein Fazit: Ein netter Basketballabend ohne große Aufreger (nur ein bisschen über die Schiedsrichter), der ein bisschen das Dribbeln Kribbeln für die Playoffs geweckt hat. Sollte diese Mannschaft in Viertel- und Halbfinale noch mehr Selbstvertrauen und Spielfreude tanken, freue ich mich auf eine Finalserie gegen Bamberg, mit einem Underdog aus Berlin, der mit breiter Brust auftreten kann und die Bamberger noch richtig ärgern wird.

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5 Gedanken zu „Gastbeitrag: Popcorn-Basketball in Berlin

  1. „konnten sich die Jungs in Geld trotzdem Stück für Stück absetzen ….“

    Als Anhänger eines „low budget“- Teams würde ich mir ja nie trauen so etwas über die Jungs in Gelb zu schreiben, aber wenn ihr es sagt …

  2. Wir dachten uns, wir müssen zu den Feiertagen eben auch ein paar „Ostereier“ für die geschätzte Leserschaft verstecken. ;-)

  3. Leider kann ich dem Seitenhieb auf Heiko S. (und aus meiner Sicht auch Patrick F.) nur zustimmen. Was nützt den Müllmännern einer, der bravourös zu dribbeln versteht, vor lauter Begeisterung über das eigenen Können nur leider vergisst, wie seine Teamkollegen den Ball in den kleinen runden Korb zu werfen. Und oft genug nur einen Notpass zuwege bringt, der Freund und Feind überrascht.
    Der nicht nur von Grübler gewünschte Anton Gavel wäre sicherlich eine Bereicherung, nur muss irgendwie die Quote von Spielern, die über einen deutschen Pass verfügen, erfüllt werden. Ohne Heiko S. und Patrick F. müssten gar zwei Stellen gefüllt werden. Nächste Saison. Aber beim deutschen Meister werden wohl viele gern spielen werden :-).

    • Deshalb bleibt der Herr Gavel auch in Bamberg *g*

      Der sollte mittlerweile mitbekommen haben, durch Casey spätestens, dass bei ALBA Spieler und vor allem Guards oftmals miese Entwicklungen nehmen. Woran auch immer das liegt… ;)

  4. Pingback: Macht den Sack zu, denn das Finale der dicken B wartet « gruebelei.de – Ansichten eines Basketballfans

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