Bloggeburtstag: Die Gruebelei wird zwei

Birthday Cake by Will Clayton (CC-BY 2.0 Lizenz, via Flickr)

Heute ist der letzte Hauptrundenspieltag. Wer Playoffs spielen wird, wer absteigt, das entscheidet sich ab acht. Aber heute geht nicht nur die Hauptrunde zu Ende. Heute feiert die Gruebelei ihren zweiten Geburtstag. Am 23. April 2009 ging es hier los. Ich nehme das – und die Ruhe des langen Osterwochenendes – zum Anlass, zurückzublicken auf zwei Jahre Bloggen, auf 482 Posts, über 3000 Kommentare (plus 10.000 im Spam) und mehr als eine halbe Million Seitenaufrufe.

Meine Reise in die Blogosphäre begann am 23.04.2009 aus einer Laune heraus. Dré von der FIVE pöbelte auf schoenen-dunk, dass es ja keine deutschen Basketball-Blogs gäbe mit denen er die Quotendebatte führen könnte. Als regelmäßiger Forenschreiber mochte ich das nicht auf mir sitzen lassen. Also legte ich los: WordPress.com stellte die Technik, ein paar Texte lagen auf Halde. Gruebler bloggt, das war mein „hello world„.

Bloggen im Selbstversuch nannte ich es. Nein, an diesem Tag im April vor zwei Jahren ging ich wahrlich nicht mit einem festen Konzept an den Start. Ich war Referendar, die Arbeitszeiten in der Staatsanwaltschaft überschaubar und Schreiben über Basketball eine willkommene Abwechslung zum Gerichtssaal mit jugendlichen Delinquenten. Was danach kam, wie sich dieses Projekt entwickelte, das ahnte ich nicht und plante es auch nicht. Rückblickend konnte der Moment jedoch kaum besser sein: Die Quotendebatte brannte lichterloh, das Euroleague Final Four in Berlin stand vor der Tür und die Saison war noch in der heißen Phase. Mit absurden 50 Blogposts im Mai startete ich. Jetzt, zwei Jahre später, schreiben wir zu zweit im Schnitt ein gutes Dutzend pro Monat. Auch mal zu schweigen, das musste ich erst lernen. Manchmal war es lange still, wenn Akten, Prüfungen oder das Leben wichtiger waren. Wir haben Glück, dass ihr dies akzeptiert. Eines aber ist geblieben: Auch heute folgt jeder Blogpost aus einer Laune raus. Beim Frühstück, auf dem Balkon, zum Abschalten nach der Arbeit: Wenn ein Thema im Kopf rumschwirrt und es in den Fingern kribbelt, wird einfach losgeschrieben und es in den digitalen Raum geschickt.

Bestärkt hat das positive Feedback, das teils öffentlich von Bloggerkollegen geäußert wurde oder auch von Insidern der Szene, auch wenn diese anfangs teils mit dieser neuen digitalen Welt fremdelten. Eine Auswahl:

„Basketball-Maniac Gruebler“ (EWE Baskets Blog)

„Senkrechtstarter der Deutschen Basketball-Blogosphäre“ (wknd.de)

„Basketball-Blog Ihres Vertrauens“ (allesaussersport.de)

„Pflichtadresse für den deutschen Basketballfan“ (FIVE/FÜNF #59)

„irgendwie bin ich stolz, dich inspiriert zu haben ;-)“ (Dré vom FIVEmag)

„a mandatory reading for everyone who is interested in german basketball.“ (germanhoops.wordpress.com)

„Ich würde mich jedenfalls sehr freuen in einem der einflussreichsten BB-Blogs Deutschlands was über das Thema zu lesen.“ (ein Pressesprecher)

„Diesmal lagen wir daneben. Und Gruebler hat es als „Amateur“ den „Profis“ gezeigt. Dazu kann man ihm nur gratulieren.“ (Florian Witte, BZ zur Verpflichtung von Katzurin)

Natürlich gab es auch wütende Mails, wenn ich ein Thema erwischte, das brenzlig war und sich dabei jemand angegriffen fühlte:

„Da macht es keinen Spaß, von einem „Edelfan“ (in diesem Fall Klugscheißer) öffentlich erzählt zu bekommen, was einfach ist und was nicht.“

Besser zu einem Blog passt es, wenn Kritik öffentlich geschieht, so wie Anfang des Jahres. Da haben hier im Blog zwei Journalisten kritisch kommentiert und gemeinsam das Bild der Gruebelei als Blog für den „pseudo-intellektuellen FAZ-Leser“ gemalt:

„Stattdessen kritisiert er eine journalistisch völlig einwandfreie Geschichte als Boulevard-Übertreibung. Frei nach dem Motto: Boulevard-Bashing kommt bei meinen pseudo-intellektuellen Lesern immer gut an. Hut ab, Gruebler!“

Kritik ist wichtig. Wer – wie ich – gerne auch mal austeilt, muss einstecken können. Das ist wie mit Ense und Dragan und ihren Ellbogen. Bring it on ;-)

Auf der Reise durch die digitale Welt war ich – wie bei einem guten Roadtrip – irgendwann nicht mehr allein. Wie ich vergangene Woche schon schrieb, angelte ich mir bald eine Basketballexpertin, die richtig gut und schön schreiben kann und ohne die dieses Blog nicht wäre, was es ist. Das EM-Blog aus Polen erweiterte das inhaltliche Spektrum der Grueblei und plötzlich war das Blog nicht nur Gelb-Blau. Überhaupt: Ein reines ALBA-Blog, das ist die Gruebelei nicht, wenn es nach den Lesern geht. Hier die Top10 der Lesercharts:

  1. Tibor Pleiss – wanted by the NBA?
  2. Rons ALBA Offseason Analyse: Teil 3 – Die Shooting Guards
  3. Rein hypothetische Gedanken zur Wildcard
  4. Sport1 livestream im Vollbild
  5. Auf die Fresse
  6. Ein trauriger Zustand
  7. Stille Nacht, holy shit!
  8. Kaspars Kambala – Der Preisboxer ist zurück…
  9. Rauschen im Blätterwald #8
  10. Der Boulevard staigert sich rein

Auch andere Basketballverrückte kamen dazu und beleuchteten als Gastschreiber weitere Facetten unseres geliebten Sports. Daher an dieser Stelle ein ganz besonderer Dank an alle, die mitschreiben und mitgeschrieben haben: Christophe von europeanprospects.com, af4e (der jetzt selbst bloggt), robbe von in-the-game.org, den anonymen ALBA-Kenner Ron-Revolution, den Berliner Blocksänger im Exil guwac, Strukturanalyst jochensge, den Lurch aus Schwaben uhg80, Euro-Kenner goga78, die Nemesis vieler SD-User patte, Spanien-Experte peterzwei, Knicks-Fan sc-Fitzel, das Veilchen mit neun Leben 9alive (mehr oder weniger in order of appearance). Viele Texte gibt es nur hier, einige Gastbeiträge sind Zweitverwertungen besonders auffälliger Forenbeiträge auf schoenen-dunk.de. Aber auch diese Zweitverwertungen gehören zum Selbstverständnis der Gruebelei. Schoenen-Dunk ist die beste, schönste, größte und leidenschaftlichste Basketball-Community, die uns abertausende von Klicks beschert hat. Doch in einem Forum geht viel schönes schnell unter, ein Blog ist hoffentlich dauerhafter. Das war unter anderem meine Motivation, loszubloggen.

Dauerhaft, nachhaltig? Sind das Texte im Netz wirklich oder ist es nur eine Momentaufnahme? Hat ein Blogpost irgeneinen Effekt? Sicherlich ohne Übertreibung können wir behaupten, dass wir in den vergangenen zwei Jahren in der digitalen Community ein paar Impulse gesetzt haben. Waren wir (Mit-)Ursache oder einfach nur früh dran? Heute bloggen und twittern in vielen Clubs Spieler, bei internationalen Turniern sowieso. Anders als vor zwei Jahren finden wir zu fast jedem Spiel youtube-Videos und Pressekonferenzen im Netz, Spielerverpflichtungen werden auf Facebook vermeldet. Mein Beitrag war der Twitter-Hashtag #bbl_de und klar, es gab auch das eine oder andere Gespräch als vermeintlicher digital native. Im deutschen Basketball hat der Schritt ins Web 2.0 geklappt und die Liga spielt dort mittlerweile ganz vorne mit. Wir Blogger sind nur eine Facette davon.

In den letzten zwei Jahren sind viele andere Blogs gestartet, in Hagen, Bonn, Trier und anderswo, vielleicht haben wir hier und dort Mut gemacht. Leider haben manche nicht durchgehalten. Dabei lebt die Blogosphäre von der Interaktion, davon, sich Bälle zuzuspielen. Konkurrenzdenken? Nein. Gerne schreibe oder podcaste ich auch mal anderswo. Solange man verlinkt und – anders als Guttenberg – bei fremden Gedanken auf den Urheber verweist, freuen wir uns über jedes neue Basketballblog. Manchmal  frage ich mich aber grundsätzlicher, ob diesen Gedanken auch die professionell schreibende Zunft so respektiert, wenn es um Blogs geht. Wir Blogger verlinken euch, wir füttern euch gelegentlich mit Themen und Gedanken. Mal ein Link, mal eine Quellenangabe, wenn Zahlen und Informationen aufgegriffen werden, das wäre schön. Wir machen das hier nach Feierabend, beim Frühstück oder am Sonntag auf der Terasse. Es ist Hobby neben dem Beruf. Don’t take it for granted… Glücklicherweise gibt es aber auch Gegenbeispiele (hier die Morgenpost) und zunehmend mehr Akzeptanz auch abseits des Feldes.

Doch auch nach zwei Jahren ist es kaum möglich einzuschätzen, welchen Einfluss und welche Wirkungen ein Blog hat, ob zwei Jahre Gruebelei blos „Selbstdarstellung der Betreiber“ oder ein wichtiger Teil der Debatte waren. Schulterklopfen, positive Kommentare und love for the game sind das, was mich, was uns antreiben. Kritik ist das, was beweist, dass man einen Nerv getroffen hat. Sagt ihr es uns, wir werden, solange wir Spaß am Spiel haben und das Leben es zulässt, weiter digitale Blöcke stellen und Pässe verteilen. Manchmal treffen wir dabei – wie in der Trainerfrage bei ALBA, Free-TV, Quote oder dem FC Bayern – auch nen Buzzer.

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16 Gedanken zu „Bloggeburtstag: Die Gruebelei wird zwei

  1. Auch von mir den herzlichsten Glückwunsch! Seit der Verkürzung von Peter Schelling’s „Zwei Minuten ALBA“ um zwei Minuten war es leer in der Ecke der niedergeschriebenen ALBA Fansicht – das habt ihr geändert und dabei längst nicht nur diese Lücke geschlossen sondern das Spektrum deutlich erweitert. Danke dafür und: Mund abwischen, weitermachen! :)

  2. Glückwunsch an die Gruebelei und alle Schreiber! Ihr seid ein fester Bestandteil der virtuellen Basketball-Welt und Pflichtlektüre, auch im Rheinland ;) Macht genau so weiter und sorgt dafür, dass Euch nicht die Puste ausgeht!

  3. Auch von mir aus Trier alles Gute!
    Konnte es eben kaum glauben, dass der Blog erst 2 Jahre existiert!
    Kommt mir irgendwie so vor, als gäbe es den schon ewig.
    Denn ohne würde BB-Deutschland was fehlen!

    Mach weiter so!

  4. Herzlichen Glückwunsch an die Gruebelei!
    Dank diesem Blog hat mich neben deutschen, europäischen und NBA-Basketball auch die „march madness“ gepackt.

  5. Von mir mal keine Geburtstagsglückwünsche sondern viel, viel Dank. An Dich und auch an deine Mitstreiter! Sehr beeindruckend und vor allem informativ und unterhaltsam, was ihr hier aufs virtuelle Parkett gezaubert hat. Auch wenn ich mir den Dank für einen Post bei mir im Blog aufheben wollte, werd ich ihn mal hier in den Comments platzieren:

    Ich erinnere mich an einen Tag, da gings mir wie Dir am 23.04.2009. Dieser liegt noch nicht mal ein Jahr zurück. Da hab ich, wie Du aus einer Laune heraus begonnen (über die Lage der Liga) zu schreiben. Du hast den Artikel aufgegriffen und daraufhin auch Kai Pahl von allesaussersport.de. Das hat enorm beflügelt und war ein schöner Kickstart für ein junges Blog. Aber das war nicht das einzige Mal, dass Du referiert und den ein oder anderen Interessierten mitgebracht hast.

    Deshalb auch dafür vielen Dank. Bevor das Ganze sich hier wie eine Abschieds-Danksagung anhört stoppe ich mal und freue mich auf viele weitere Artikel von Dir/euch! Weitermachen bitte ;)

    Grüße
    Jonathan

  6. Auch ich möchte mich kurz unter die Gratulanten und Danke-Sager mischen. Liebe OSB + lieber Grübler, Euer Blog ist für mich zu einer festen Größe beim Basketball-Schmökern geworden. Ausgewogenheit und Leidenschaft in der richtigen Rezeptur – das macht Spaß beim Lesen. Verlorene Wetten, Umfragen – auf die die Entcheidungsträger leider nicht zu hören scheinen, Frustration über schlechte ALBA-Zeiten und Abstiegsängste – alles das gehört neben Freude über schöne und /oder gewonnene Spiele zu unserem Sport. Ich freue mich darauf, dass weiterhin bei Euch zu finden. Viel Erfolg und Spass an der Sache, an Eurem Blog! Bernd

  7. Glückwunsch zum zweiten.
    Von Anfang an bis jetzt ist euer Blog einfach immer einen Besuch wert gewesen und gehört bei mir schon lange zu den festen Orten die ich im Internet bei meinem täglichen check besuche. Vielen Dank und Respekt dafür. Macht einfach genau so weiter! Ich freu mich schon auf euer Playoff Preview, der hoffentlich kommt.

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