Gastkommentar: Acht Thesen zu ALBAs Viertelfinalniederlage

Ich hab mir heute im Radio den Mund fusselig geredet und durfte am Ende einem verdienten Sieger gratulieren. ALBA verliert gegen die Deutsche Bank Skyliners das erste Viertelfinalspiel 71:76 (Stats). Die Analyse der ALBA-Fans auf schoenen-dunk.de ist ziemlich einmütig. Sehr pointiert fasst der User Ron-Revolution die gegenwärtigen Schwächen von ALBA auf schoenen-dunk.de zusammen. Mit seiner Zustimmung dokumentiere ich statt eines eigenen Nachberichts diese Analyse, auch weil ich sie überwiegend teile, hier im Volltext.

Ron-Revolution schreibt:

Man kann dieses Spiel mit individuellen Erklärungen angehen. Ich versuche es mal mit ein paar strukturellen Thesen.

1. Frankfurt war nicht so gut, sondern ALBA so schlecht.

Wobei ich darum bitte, mir das nicht als Arroganz auszulegen. Die Skyliners haben solide und anständig gespielt, teilweise auch clever und abgezockt. Aber glanzvoller Basketball sieht anders aus. Die Niederlage geht eindeutig auf schwache ALBA-Leistung zurück. Wright mit guter Form, Jenkins und iMac so lala, der Rest peinlich, in Teilen nicht anwesend (Hamann, Byars).

2. Der Tank ist leer. Kennen wir das Gefühl nicht?

Ich have ein Deja-Vu-Gefühl: die Mannschaft wirkt leer, wie letztes Jahr in den Playoffs. Gegen Paderborn war das auch schon so, bloß dass da die indivuelle Klasse und der Heimvorteill der Ausschlag gegeben haben, um Paderborn 3:2 niederzuringen. Das wird gegen Frankfurt nicht klappen.
Von wegen: wohl dosiertes Training, um die Energie hoch zu halten. Es fehlt die mentale und in Teilen die körperliche Frische. Ich halte das für einen Fehler in der Vorbereitung, den wir letztes Jahr schon gemacht haben.

3. Wir haben ein großes Problem auf der Position 4

Was Golemac heute abgeliefert hat, war eine Frechheit. Er spielt seit Wochen schlecht, aber so unterirdisch war er selten. 1/5 aus der Nah- und Mitteldistanz, 0/4 von Draußen, dazu Doliboa nicht im Griff, Fastbreak verdaddelt, die Körpersprache eines Magerquarks… Dojcin wird leider auch nicht jünger und schneller, wenn der auch einen schlechten Tag hat (wie heute), dann wird diese Position bestenfalls verwaltet. Für mich die Achillesferse der Mannschaft.

4. Wir haben in solchen Phasen ein Coachingproblem

Neben der mentalen Einstellung auf die Playoffs, gewissermaßen die Makroebene, gab es heut auch eins im Detail, der Mirkoebene: was, bitte schön, rechtfertigt 16:29 Minuten für Golemac und 27 Minuten für Dojcin? Da hätte ich entweder Zwiener eine Chance gegeben oder mit zwei Centern gespielt. Und warum nicht zum Wachrütteln mal ein paar Minuten für Staiger?

5. Wir haben ein Problem, wenn der Gegner Pick and Roll gut verteidigt

Das hat Frankfurt heute, das hat Valencia neulich. Das PnR ist im Angriff die stärkste Option, als Alternative bietet sich immer ein Ausstieg von Draußen an. Heute hat weder-noch funktioniert. Das Problem mit einem gut verteidigten PnR bei ALBA ist, dass die Mannschaft dann überhaut keinen Spielfluß entwickelt – heute das ganze Spiel über.

6. Frankfurt hat jetzt ein Heimspiel mehr.

Sicher? Ich halte auch einen Sweep für möglich, wenn sich mental nichts verändert.

7. Es gibt Anlaß zu Hoffnung

Wright führt das Team ganz gut, JJ und iMac sind ok, wenn Byars wieder aufwacht, sind die Schützen auch Stützen. Es braucht meines Erachtens nicht so viel Korrekturen, vor allem welche im mentalen Bereich. Diese Frankfurter sind machbar. Ich glaube, dass die Mannschaft, die am Donnerstag gewinnt, auch die Serie für sich entscheidet.

8. Die Schiedsrichter haben eine absolut einwandfreie Leistung gezeigt.

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12 Gedanken zu „Gastkommentar: Acht Thesen zu ALBAs Viertelfinalniederlage

  1. Mal eine Gegenthese zu 3:

    Bilbao kam mit dem MVP auf der Position 4 und unsere 4er waren in der Lage, den deutlich aus dem Spiel zu nehmen.

    Und ein Gedanke zu 5:

    Valencia war das erste Team, was das auf europäischem Niveau durchgängig durchsetzen konnte. Hapoel konnte das nicht. Bilbao auch nicht. Weil es erstens schwer ist, und zweitens ALBA andere Optionen gibt. Selbst wenn Frankfurt heute das Pick&Roll genommen hat, bedurfte es dennoch noch des Ausfalls Byars, der kritisierten Performance unserer Vierer und eines leeren Tanks, um am Ende mit 5 zu verlieren. BBL-Teams geben ALBA dafür gewöhnlich andere Optionen, die auch eine gewisse Gefahr haben. Aber die Chancen für den Gegner und der Druck auf ALBA steigen, wenn es gelingt, ALBA das Pick&Roll zu nehmen. Aber wie gesagt, international waren dazu viele Teams nicht in der Lage.

    • Prinzipiell sicher ein valides Argument. Deswegen kann ALBA in dieser Serie ja auch noch gewinnen und es besteht Hoffnung. Jedoch war die gezeigte Konzentration in der Offensive, war der Einsatz insgesamt lange nicht auf dem Niveau von Vitoria oder Jerusalem. Ich hatte im Vorfeld darauf gehofft, dass ALBA sich – wenn auch in einem schweren Spiel – freispielt. Nun drohen sie sich eher festzuspielen und die maue Form der Liga-Rückrunde (6 Niederlagen in 17 Spielen) zu konservieren, statt einen Schritt in Richtung Playoffform zu machen.

    • Das gehört zu Punkt 2. Baldi sagte in der Rödl-Zeit mal, dass man sich in Europa etablieren will und der Meistertitel nebenbei abfallen muss und wenn er mal nicht rausspringt, darf das auch kein Problem sein.

      Genau genommen haben wir jetzt genau die Situation. Wir haben einen Kader für Europa (auf Neuverpflichtungen wurde wegen der EL-Quali weitestgehend verzichtet) und wir haben da unsere Energie komplett reingesteckt. Andere Teams haben am Ende der Hauptrunde auch Grottenball gespielt, weil sie Kondition gebolzt haben. Einige sind sogar noch mal ins Trainingslager gefahren. Wir waren froh, wenn sich die Spieler in den letzten Wochen halbwegs erholt haben. Kann man das ALBA vorwerfen? Bedingt ja. Ich glaube nicht, dass man die Starrotation fitter machen kann. Aber wenn der Fokus in Europa liegt, muss man zu Hause die größere/hintere Rotation spielen. Das macht man aber nach wie vor nicht. Das Risiko wäre allerdings sowohl für den europäischen Rhythmus als auch für die Hauptrundenplatzierung groß gewesen.

  2. Das kann man alles so unterschreiben. Sehr gute Zusammenfassung. Punkt 8 möchte ich auch noch mal hervorheben! Das war schon Klasse.

    Die 4 ist in der Tat das Problem. Ob ein Zwiener Allen ober Doliboa besser unter Kontrolle bekommen hätte wage ich noch zu bezweifeln aber für die Leistung heute Muss Golemac einfach runter vom Feld.

    Bei Byars wundert mich immer wie wenig Systeme für ihn gelaufen werden. Der Junge hat Potential aber es wird in meinen Augen noch zu wenig genutzt. Gerade im Moment kann man sich auf die Langen fast nicht mehr verlassen. Da müssen es einfach die kleinen Leute richten.

  3. Na dann mal die Gegenthese zur Gegenthese zur 3:
    Banic wurde von ALBAs Teamdefense rausgenommen (zu denen die beiden 4er sicher einen wertvollen Teil beigetragen haben) und hatte entsprechend auch nur knapp 15 Minuten Spielzeit. Sicher haben Dojcin und Golemac da auch einen guten Job gemacht, aber 5 Punkte und 5 Rebounds wenn man die beiden zusammennimmt (exakt 40 Minuten Spielzeit – also 25 Minuten ohne Banic auf dem Feld) finde ich nicht unbedingt als Gegenthese (zumindest offensiv) verwertbar.

    • Nein, kein Radiomoderator. Nur anlässlich der Heimspiele ALBA vs. Skyliners spiele ich den Co-Kommentator von Miles bei radio fortuna. Hin und wieder, je nach Zeit Lust und Laune gibt’s mich zudem als Kommentar aus Berlin Montagabends im selben Sender in Tip Off, Das Basketballmagazin.

  4. Pingback: Bloggeburtstag: Die Gruebelei wird zwei « gruebelei.de – Ansichten eines Basketballfans

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