frog 3: The heat is on – il fait chaud! (Halbfinale)

Gameday. Nervositaet liegt in der Luft. Hab ich die zig Tickets? Zugangsberechtigungen? Einladungsschreiben? Perso? Armbaendchen? Alles da – Rucksack packen und los gehts, erstmal die Location Palais Omnisports Paris Bercy checken und das NIJT besuchen.

Strategisch gut gebucht und doch klein, kuschelig und guenstig im voellig atouristischen 13. Arrondissement gelegen, hat unser Hotelchen nur Vorteile, aber vor allem einen, fast unschlagbaren: einen Parkplatz fuer unser Auto fuer nur 10 Euro am Tag. Besser gehts nicht und Fruehstueck ist auch inbegriffen – sonst eher unueblich. Nur eines funktioniert ueberhaupt nicht, das versprochene W-Lan. Noch ein sehr guter Grund, warum die Kaulquappen fuer diesen frog so spat dran waren, denn nun sitze ich in einem afrikanischen Internetcafè (minus Cafè) mit einer ebensolchen Tastatur und ein Satz dauert 3 Minuten ;-).

Zu Fuss zur Seine, durch unser echt Pariser Viertel (Je 1 Drittel Afrika, China und Paris mischen sich hier bunt) rueber ueber die Bruecke und da ist schon das Palais Omnisport in Bercy, von allen nur POPB genannt. Eine riesige, imposante Glaspyramide (oder besser Oktaeder), zu 2/3 in den Boden eingelassen, die ueberirdischen, steil abfallenden Seiten mit Gras begruent. Ein irrer Anblick diese Arena! Und riesengross. Ein strammer Morgenspaziergang ist noetig, das POPB zu umrunden. Ein wunderschoener grosser Park grenzt an die Halle, in dem alle moeglichen Sportarten ausdruecklich erwuenscht sind. Auch unser Ball kommt zum Einsatz, dank dort installierter Koerbe und ein kleines Match mit 4 Franzosen und Sprachschwierigkeiten.

Vorne am Haupteingang angekommen, haben die Russen von CSKA ihre Zelte im „Ex“-Cafè Bercy aufgeschlagen. CSKA Moskau mietet immer fuer das Final4 ein Lokal in Hallennaehe an – Basa 25 genannt (nach der einzigen Nummer, die noch nie ein Spieler getragen hat und die fuer die Fans reserviert ist). Dort geht es frueh morgens schon hoch her. Wodka, Essen, Bier, T-Shirts und Informationen gibt es hier fuer alle Fans. Wie ueblich ist die Basa 25 Treffpunkt nicht nur fuer die CSKA-Verrueckten, sondern jeder ist willkommen. Als wir eintreffen sind die Verbruederungen mit Partizan Belgrad in vollem Gange. Ich spreche ein paar „Schwarz-Weisse“ auf das Adrialeaguefinale gegen Cibona an, ein unglaubliches Ende eines denkwuerdigen Spiels, dass es sogar in die US-Basketballmedien geschafft hat.

Leider wird es schnell politisch, fast unvermeidlich bei Serbien gegen Kroatien. Ein bisschen Schade, denn das Gespraech war nett, aber auf Kosovorueckgabe und Dreifingergruss habe ich jetzt keine Lust. Rein in die Halle. Die Spiele des NIJT auf den beiden Nebenplatzen im POPB sind dankenswerterweise kostenlos und oeffentlich und sogar mit Statsheets fuer Jederfrau ausgeruestet. In der Halle dann Basketball so wie er sein muss. Stickige, kleine Halle, wilde Leidenschaft auf dem Platz, kein Sauerstoff und Schweissgestank. Perfekt. FMP gegen KK Split ruft dieselben Herren wie eben auf den Plan, deren Parolen wirken unangemessern bei einem Jugendspiel, aber nur 5 Mann koennen die Stimmung nicht verderben, zum Glueck verstehen wir nichts. Auf dem Feld gehts ordentlich zur Sache bei beiden Teams sind tolle Talente dabei und FMP Beograd schafft es bis ins sonntaegliche Endspiel. In der zweiten Halle Unicaja gegen Benetton Treviso – bei Malaga gefaellt mir ein Spieler mit der 14 (Malick Fall), bei den Italienern der 15er (de Paoli), der von seinem Trainer fuerchterlichst angeschrien wird.

Zum Mittagessen per Metro ganz schnell in unser neues Lieblingsviertel Quartier Butte aux Cailles, das wir Donnerstagabend bei einem Spaziergang entdeckt haben. Im chaotisch-liebenswerten Restaurant „Le Temps des Cerises“ gibt es urparisier Stimmung, tolles Essen und tollen Wein. Das Lokal hat keinen Chef, sondern gehoert einer Cooperative einer Arbeiterinitiative. Ueberhaupt gibt es in und um die Strasse an den Wachtelhuegeln viel Kommune. Sehr empfehlenswert, aber mein „amerikanisiertes“ Hirn kann sich „Rue de la Butte aux Cailles“ irgendwie nur als Wachtelpopo merken, nicht als Wachtelhügel. Egal, Hauptsache es klappt.

Schnell bringt uns die Metro an die Halle zurueck. VIP-Outfit an und rein ins Getuemmel. Lustig, wohin man alles mit nem neongruenen Armband so kommt und was man alles darf. Und ich sehe ich werde nie ein echter VIP. Da ich mir natuerlich das Aufwaermen ansehe, ist das Buffet leergefuttert als ich spater nachsehe. Egal, wir haben toll gegessen – her mit dem O-Saft und nach ein paar hoeflichen Gespraechen mit den netten Menschen, die es ermoeglicht haben, dass ich bin wo ich bin, gehts zurueck in die Halle. Die CSKA-Fans geben den Ton an, auch unten auf den Plaetzen am Parkett. FCB gediegen und zurueckhaltend, wie auch zunaechst auf dem Feld, als das Spiel endlich losgeht.

Man merkt beiden Teams die Nervositaet an, CSKA kommt besser damit zurecht. Erst spaet im 1. Viertel kommt Barcelona in Fahrt, ab da ist es ein defensives Match auf Augenhoehe. Tolle Verteidigung und Langdon/Holden und JCN bekriegen sich mit allen legalen und illegalen Mitteln auf dem Feld. Einfach fantastisch das mal aus solcher Naehe zu erleben. Es klatscht und knallt bei den gestellten Blocks, dass es nur so eine Freude ist und Ricky Rubio, glaube immer noch 19 Jahre jung, uebernimmt das Kommando.

Grandiose Paesse, blinde Ableger in der Zone auf die Center, zwei superriskante, nahezu unfassbar praezise Alley-oop-Anspiele auf die Center und ein laessig versenkter typischer Rubiodreier (sieht irgendwie immer zu flach und zu kurz aus) entscheiden in den Schlussminuten das Spiel. Moskau hat keine Antwort mehr. Distinguierte Herren in gutsitzenden spanischen Anzuegen mit Barcelonaschals fallen sich nassgeschwitzt um den Hals und feiern mit den Stars. Alle kommen vorbei, JCN erhaelt den Giessengedaechtnisabklatscher wie 2008 im September in der Osthalle, Fran Vasquez auch, nur dieses mal ist auch Rrrrricky dabei. Damals noch in Badalona, jetzt nach seinem Draftskandal (aus US-Sicht) beim FCB. Der nimmt den doppelhaendigen Abklatscher und freut sich uebermuetig. Am naechsten Abend wird er den EL-Rising-Star-Award erhalten – hoechstens noch ob seines Alters gerechtfertigt. Ein aufstrebender Star ist das schon lange nicht mehr, sondern ein ausgewachsener. Spaetestens seit dem Spiel gerade bin ich mi 100%ig sicher, dass „RR“ NBA-ready ist. Kein Zweifel, fragt sich nur ob und wann er will.

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Kurze Pause, dann das zweite Halbfinale um die Krone im europaeischen Basketball.

Partizan Belgrad gegen Olympiakos Piraeus.

Die Rotweissen regieren die Halle. Die Haelfte des Palais Omnisport ist in griechischer Hand und laut sind sie, richtig richtig laut. Ich weiss nicht wie das am TV rueberkommt, aber in der Arena ist es beeindruckend. Gaensehaut pur. Inzwischen sind die Spanier und die meisten Russen Courtside verschwunden und durch Griechen und wenige Serben ersetzt, nur wir „Neutralos“ sind noch da. Unwillkuerlich druecke ich bei diesem zweiten Match aber Partizan die Daumen je laenger das Spiel dauert. Sie haben weniger Waffen in dieser sich entwickelnden epischen Abwehrschlacht, aber sie kaempfen als Team zurueck. Teodosic, erst 23, hatte seinen richtigen Durchbruch bei der EM 2009 in Polen, als er sein Team fast im Alleingang ins Finale schoss, seit dem ist er kaum zu stoppen und trifft auch jetzt in bekannter Weise, nicht mehr jedoch am Schluss. 3 Dreier versemmelt er. Flucht und schimpft wie ein Rohrspatz, holt sich einen derben Anraunzer von Papaloukas und einen handgreiflicheren von Bourousis. Die 3 Griechen fetzen sich das ganze Spiel ueber, das es eine wahre Pracht ist. Die lebende Trainerlegende Panagiotis Giannakis ruft ihn zu sich beruhigt das Spiel, dass nach hartem Kampf und einem wahnsinnigen, unglaublichen last second putback Dunk von Childress (nach Teodosic Fehlschuss) in die Verlaengerung geht. Piraeus verteidigt richtig hart, man spuert, wie das Belgrad zusetzt. Sie sind kaputt und all die grandiose Leidenschaft mit der ein 20jaehiger fantastischer Jan Veseley spielt und Rebounds (10) und Punkte (13) sammelt, reicht am Schluss nicht mehr, gegen einen klug lenkenden Papaloukas, aber auch Veseley ist NBA-ready, so viel ist sicher. Vielleicht fehlen noch 10%, aber viel ist es nicht mehr. Generation Next.

Die Fans haben sich tolle Schlachten auf den Raengen geliefert, die Mannschaften 2 klasse Halbfinals gespielt. Belgrad bleibt trotz Niederlage noch sehr lange bei den Fans und singt mit ihnen noch 20 Minuten nach Spielende, wir laufen durch die Katakomben, die Gesaenge klingen noch nach bis zum Ausgang und wir versuchen nach Hause zu kommen, obwohl die Pariser Metrobetreiber geschickt ignorieren, dass 15000 Basketballfans irgendwie aus Bercy wegkommen muessen.

osb sagt au revoir und a bientot und schickt Bericht von den MVP Awards so schnell es geht ;-)

Anmerkung: Gruebler lädt weitere Bilder im Laufe des Nachmittags hoch…

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2 Gedanken zu „frog 3: The heat is on – il fait chaud! (Halbfinale)

  1. Pingback: Tweets die frog 3: The heat is on – il fait chaud! (Halbfinale) « Grübelei – Ansichten eines Basketballfans erwähnt -- Topsy.com

  2. Pingback: Gastbeitrag: Drei Tage in der Trójmiasto « gruebelei.de – Ansichten eines Basketballfans

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