Rons ALBA Offseason-Analyse: Teil 3 – Die Shooting Guards

Das Thema könnte auch heißen: die Julius-Jenkins-Frage. Er hat noch Vertrag, aber das heißt nicht viel. Julius‘ Rolle hat sich in den drei Jahren unter Pavicevic gewandelt. Er ist in den vergangenen beiden Saisons zum Go-to-guy gemacht geworden (und wollte das auch gerne), in der abgelaufenen Saison war er zudem der Kapitän der Mannschaft. Beides war, muss man rückblickend sagen, ein Fehler. Werfen wir zuerst einen Blick auf die Statistiken: im Meisterschaftsjahr erzielte Jenkins 18,2 Punkte bei einer Effektivität von 16,5. In der darauf folgenden Saison fiel der Wert auf 14,8 Punkte (Effektivität: 13,7), abgelaufene Saison blieb der Punkteschnitt bei 14,8 Punkten pro Spiel gleich, die Effektivität sank nochmal leicht auf 12,6. Gleichzeitig war er in den vergangenen beiden Jahren jeweils mehrere Wochen verletzt. ALBA hat in diesen Phasen nicht schlechter gespielt.

Ich halte Jenkins für einen tollen Spieler und einen verlässlichen Scorer. Er ist nicht zufällig zwei mal zum wertvollsten Spieler und zum besten Offensivspieler gewählt worden, dazu verteidigt er noch intensiv, diese Kombination gibt es selten. Nichtsdestotrotz ist Jenkins kein Go-to-guy, keiner, der ein Team trägt.

Man muss Julius zugute halten, dass Europa viel Kraft gekostet hat. In 60 Spielen derjenige zu sein, der die gegnerische Defense auf sich zieht und die Schläge abbekommt, kostet Kraft. Bei Schönen Dunk ist viel diskutiert worden, dass er kein Mann für den letzten Wurf ist, dass er meist am Anfang scort und weniger im letzten Viertel. Das ist alles richtig, und auch erträglich. Man muss nur das Team entsprechend ausrichten. Der entscheidende Punkt für die kommende Saison wird sein: kann Jenkins seine Rolle ändern, weg vom unumstrittenen Star zu einem guten, verlässlichen Scorer, der 15 Punkte beisteuert, aber nicht im Mittelpunkt stehen muss? Will er das? Und will Pavicevic das?

Ich glaube, es ginge mit Jenkins, wenn der Rahmen anders konstruiert wird. Das bedeutet vor allem: ein starker Pointguard muss an seine Seite, der ihm Verantwortung abnimmt (weshalb ich, siehe Teil 1, so viel Wert auf diese Personalentscheidung lege). Jenkins ist umso besser, je mehr Stahlstreben links und rechts von ihm eingezogen sind. Gelingt das nicht, werden wir ihn wohl nicht wiedersehen. Es gibt ernsthafte Szenarien mit ihm und ohne ihn und keine Not, das als erstes zu entscheiden. Wenn er geht, dann würde ihn aller Voraussicht nach ein schussstarker Ami ersetzen.

Die Blackbox der nächsten Saison ist Lucca Staiger. Er ist nicht ganz Shooting Guard und nicht ganz Small Forward auf dem Flügel, er will spielen und hat einen guten Wurf. Gleichzeitig hat er noch viele Defizite. Er muss noch ankommen.

ALBA geht nicht das Risiko ein und verpflichtet nur einen Shooting Guard und einen Forward als Starter mit Staiger dahinter und einem Busfahrer. Auf dieser Position wird es wieder vier ernstzunehmende Spieler geben. Ich traue Staiger alles zu: eine Leistungsexplosion und eine feste Rolle in der Rotation als dritter Mann hinter den Startern – aber auch eine Rolle irgendwo zwischen Philip Zwiener und Oskar Fassler, als vierter Mann. Beten wir gemeinsam, dass dieses Experiment gut ausgeht.

Morgen: Der Small Forward

Autor: Ron-Revolution

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2 Gedanken zu „Rons ALBA Offseason-Analyse: Teil 3 – Die Shooting Guards

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