Öngören in Ludwigsburg

Das Schwäbische Tagblatt hatte es wohl exklusiv vorab: Coach Tolga Öngören wechselt von den Walter Tigers Tübingen zur EnBW Ludwigsburg. Morgen soll der Deal bekannt gegeben werden, so der Kicker. „Ohne Tolga – ohne uns“ skandierten die Tübinger Fans bei den letzten Heimspielen. Die neue Ludwigsburger Arena sollte genug Platz für sie bieten.

Eigentlich muss man diesen Transfer mit einem lachenden und einem weinenden Auge sehen. Kaum eine Fangemeinde hat letzte Saison so unter dem vom Coach vorgegebenen Stil gelitten wie die Ludwigsburger. Der Staffordshire-Terrier-Style war extrem unansehnlich. Als der für diesen Stil verantwortliche und namensgebende Coach kurz vor Saisonende gegangen wurde, ging ein Aufatmen durch die Fanreihen.

Sicherlich kommt unter Öngören nun nicht der Offensivbasketball eines Silvano Poropat zurück. Vielleicht eher ein durchaus BBL-typischer athletischer Basketball mit klar europäischem Einschlag. Die vielen Jahre Öngörens als Spieler und Trainer bei türkischen Topclubs werden ihn geprägt haben. Mein Eindruck von dem wenigen, was ich vom türkischen Basketball gesehen habe, ist, dass es nicht ganz so taktikfixiert und statisch wie die griechische oder Balkanschule ist. Aber ich mag mich hier auch irren. Taktisch ist der Deal mit Öngören clever. Dass Öngören neue Sponsorengruppen erschließen und türkische Mittelständler als Sponsoren begeistern kann, hat er in Tübingen gezeigt. Frustrierte Tübinger Fans können pendeln.

Bitter ist an dem Deal, dass die Kluft im Schwaben-Derby deutlich wird: Ludwigsburg mag sportlich zwei Jahre nicht geglänzt haben, aber steht ökonomisch auf beiden Beinen: Neue Arena, geplanter Etat jenseits der 3-Millionen-Grenze.

In Tübingen droht der Abschied von Franchise-Player Katic (vielleicht sogar nach Ludwigsburg?), Coach und Club trennen sich im Streit über den Ansprüche an die Professionalität der Strukturen und die Fans sind sauer. Mit dem dort zum Coach beförderten Ex-Spieler Perovic ist zwar eine sympathische, aber um Längen weniger prominente Lösung gefunden. Dazu ist in Tübingen das Geld knapp, das war bekannt. Zur Überraschung vieler gab es dann für die kommende Saison die Lizenz nur unter auflösender Bedingung.

Immerhin, für die kommende Saison scheinen sie für die BBL zu planen. Anlässlich der (Weiter-)Verpflichtung von Kenny Williams teilen sie mit, dass das erste Saisonspiel gegen den Aufsteiger MBC (der auch noch nicht erklärt hat, ob er BBL spielt) stattfindet.

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