Gedanken zu Centern, einschließlich Wechselspielen

Der Center. Prototyp des großen Basketballspielers. Sevenfooter, Big Man. Die Position wo Zentimeter in Gold aufgewogen werden. Spieler, die, wenn sie an einem vorbeilaufen, einfach überwältigend groß sind. In Kindersendungen als Paradebeispiel für „Groß“ herangezogen werden. Der Spielertyp, bei dem Bamberg mit steter Regelmäßigkeit am Fließband nachverpflichtet hat. Sie sind grad Thema in den Wechselspielen der Liga.

Wikipedia schreibt:

Die Aufgaben des Centers beschränken sich fast ausschließlich auf die Arbeit in der Zone, also direkt unter dem Korb. … Durch seine Präsenz in der Zone verhindert er das Ziehen (der gegnerischen Flügel- und Aufbauspieler) zum Korb.

Die Spielweise der Center variiert stark zwischen der US-Profiliga NBA und den europäischen Ligen, die nach FIBA-Regeln spielen. Dort sind die Offensiv-Aufgaben eines Centers nicht ausschließlich auf die Zone beschränkt, was durch die Zonenverteidigung auch erheblich erschwert werden würde. Stattdessen zeichnen sich europäische Center häufiger durch ein gutes Wurfgefühl aus der Distanz (bis hin zur Dreierlinie) aus. Zahlreiche europäische Center, die in die NBA wechselten, hatten daher anfangs Probleme, ihre Spielweise auf das NBA-typische Centerspiel umzustellen.

Die Centerposition ist für ein Basketballteam am schwersten zu besetzen, da athletisch und zugleich technisch versierte Center-Spieler sehr selten sind. Dafür hat ein Team mit einem sehr guten Center dann den Vorteil, dass ihm fast alle anderen Mannschaften auf dieser Position deutlich unterlegen sind. Deshalb gewinnen in der Regel nur die Teams Meisterschaften, die einen dominanten Center haben.

Irgendwie bringt diese Beschreibung schön alle Probleme der Fans mit ihren Centern in der Offseason. Es ist eine verdammt schwer zu besetzende Position. Die wenigen langen Spieler kosten richtig Geld. Aber sie machen einen Unterschied. Chris Ensminger in Paderborn, der seiner Mannschaft Halt und Rebounds gegeben hat. Ruben Boumtje-Boumtje, der unscheinbar im Hintergrund des Oldenburger Scorertrios den Korb bewacht und intelligent mitgespielt hat. Rasko Katic, das unermüdliche Arbeitstier in Tübingen, das mit schonungsloser Arbeit in der Zone aus einer schwachen Mannschaft nicht nur körperlich herausragte. Ken Johnson, John Bowler, Kyle Visser, Darius Hall, Darren Fenn, Adam Chubb, Patrick Femerling. Irgendwie merkt man sich die Center der Liga fast leichter als die vielen kleinen Spieler. Es sind die Typen für die Drecksarbeit in the paint. Spieler bei denen man sich immer  ein wenig darüber aufregt, wenn sie ungeschickt mit dem Ball umgehen, es ungelenkt aussieht. Aber denen die Fans dennoch fast alles verzeihen, wenn sie ihre Dominanz ausspielen. Jovo Stanojevic ist da so einer: Kein Bock auf Defense, aber 17 Punkte. Auch gute Defensivcenter werden mal posterized, trotzdem erstellen sogar die eigenen Fans dazu youtube-Clips:

Fast alle BBL-Center haben irgendwelche Macken, wenn man den Fans traut. Katic das unbeherrschte Spiel. Femerling seine drei Moves in der Offensive. Ruben die Unlust am Dunk. Ich könnte endlos so weiter machen. Und dann waren da auch noch die Diven und Sonderlinge. A. Johnson und Dixon in Bamberg. Bradley in Berlin. Wie oft schon sah man Center, die zwar groß waren, aber nicht konnten. Nur einer war ganz besonders: Jeff Gibbs. Center mit 1,88m. Ein kleiner, ganz großer Center.

Wikipedia schreibt, dass man keine Meisterschaft ohne dominanten Center gewinnt. Nach Jovos Ausfall scheiterte ALBA. Oldenburg hatte gleich zwei Center mit Boumtje-Boumtje und Skecic. Bamberg immer seinen Ensminger. Wir letzte Saison Femerling. Köln dereinst Marcin Gortat, der seinen Weg in die NBA (Video) von hier gemacht hat. Man kann es schwerlich belegen, doch auch kaum widerlegen.

Nun ist endlich Zeit für Centerwechselspiele in der Liga. Es ist eine der Schlüsselpositionen bei Teams mit Playoffambitionen (wenn man mal Göttingen außen vor lässt).

  • Kyle Visser geht nach Ludwigsburg und die Fans freuen sich. Endlich einen Center ohne Allüren und mit in der Liga bewiesenem Potential, doch dazu später mehr. Die Braunschweiger dürfte es ärgern. Aber auf dieser Position reizen sich die Clubs – wie es scheint – bis zum Äußersten aus und da hat LuBu wohl ein Hauch mehr Geld.
  • Bamberg wird aller Wahrscheinlichkeit nach Andrija Zizic (Stats) bekommen, das wurde nun von einer gewöhnlich äußerst verlässlichen Quelle auf interbasket.net geposted. Angeblich für 300.000 € per annum. Vermutlich netto. Soviel kostet trotz Wirtschaftskrise ein grundsolider Center (unter 2,10m) europäischen Formats. Das ist vielleicht mehr als das gesamte Spielerbudget eines Clubs mit Mindestetat.
  • Beim Aufsteiger Weißenfels wird sicher in anderen Dimensionen gedacht. 2,13m ist der Neuzugang Tom Jervis. Frisch vom College, dort gut gereboundet und solide geblockt. Doch so ein College-Rookie birgt eben Risiken: Kapiert er schnell die europäische Schrittfehlerregelung? Kommt er mit der Härte der BBL klar? Die Zahl schnell wieder nach Hause geschickter Center und der Enttäuschungen, deren Namen schnell vergessen waren ist groß.

Zeig mir deinen Center und ich sage dir, wer du bist?

Grundsätzlich dürfte das stimmen. Das mag aber auch täuschen. Denn Braunschweig hatte nun jahrelang gute, vermutlich teure Center und einen erschreckend schwachen Backcourt. Ähnlich in Tübingen, wo man wohl aufatmen wird, wenn der teure Katic den Club verlässt. Traut man Gerüchten auf schoenen-dunk.de soll der grad auch 300k haben wollen…. Katic und Zizic in der gleichen Preisklasse? Einer der beiden wird sich da wohl verspekulieren.

Wie leidenschaftlich Fans leiden und diskutieren und wie schwer es ist einen selbst für Spitzenclubs der BBL bezahlbaren Center zu finden, kann man wunderbar in der SD-Debatte „Ersatz für Femerling?“ nachlesen, die das Drama des Ausfalls Patrick Femerlings wegen Knieverletzungen in der Saison 2008/2009 beleuchtet. Und auch die Bamberger können ganz sicher ein Lied von „ihrer Problemposition“ singen.

Beim Schreiben dieses Textes fiel mir auf, wie leicht man sich an die Namen der Center erinnert, auch wenn es lange her ist. Ich war ja nie ein großer NBA-Fan, daher muss die BBL der 1990er-Jahre herhalten. Ich glaub der erste Center, den ich live verfolgt hab, das war der junge Steven Arigbabu. Danach war’s Oliver Braun. Als ich nach den Links stöberte und die alten Kader sah, da hatte ich zumindest zu den Centern… Schiano, Behnke und Co. ein Bild vor Augen. Auffällig sind sie. Nur einem Irrtum unterliege ich immer wieder: Tom Sheehey, der mir immer als erstes einfällt, der war nur ein Powerforward. Aber was heißt das schon in einer Liga, wo echte Center ein rares Gut sind.

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2 Gedanken zu „Gedanken zu Centern, einschließlich Wechselspielen

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