Keine Erdnüsse für die Deutsche Bank Sparliners

so nennen Fans auf schoenen-dunk.de gegenwärtig die Deutsche Bank Skyliners Frankfurt. Und die Frankfurter Rundschau greift das auf. An kaum einem Standort wird so offensichtlich und öffentlich gespart. Gerüchteweise soll das Sparbuch gefüllt werden für die Zeit nach Auslaufen des Sponsoringvertrages mit der Deutschen Bank im kommenden Sommer. Jaja, die Deutsche Bank ist ganz heftig krisengeschüttelt und kann sich nur noch Sparliners leisten, oder?

Deutsche Bank Towers Frankfurt 6FNP titelt: Sparkurs fordert weitere Opfer. Ein schöner Kontrast zu den heutigen Quartalszahlen der Deutschen Bank.

Gut, momentan sehen die Zwillingstürme in Frankfurt ein wenig löchrig aus. Fast so wie der Frankfurter Kader. Die glitzernden Zeiten sind vorbei. Strahlten Türme und Team nicht schön? Waren die Skyliners kein guter Werbeträger für die Deutsche Bank? Gerade weil sie eben nicht nur ein austauschbares BBL-Team waren sondern engagiert in Nachwuchsarbeit und Talentförderung, an Schulen, Hochschulen und mit dem einen oder anderen Nationalspieler?

Schauen wir uns das radikale Sparprogramm mal an:

  • EuroChallenge gestrichen, dafür ein ProB-Team
  • Wysocki muss gehen, da er nicht bereit ist 25% Gehaltsabschlag einzustecken
  • Bei Coach Didin wurde ein ähnlicher Abschlag laut frblog wohl durchgesetzt
  • Ähnliches gilt für Evtimov, Emmenecker und Co.

Hierzu schreibt die FR:

Die Personalie Wysocki verdeutlicht indes den rigiden Sparkurs der Frankfurter Klubführung. Angesichts der Finanzkrise, aber auch des auslaufenden Vertrages mit Hauptsponsor Deutsche Bank wird der Rotstift gezückt …

Nach den Abgängen von Gordon, Simmons, Ivory, King, Wysocki und Evtimov gilt Adam Emmenecker als nächster Wechselkandidat. Einen sicheren Verbleib bei den Sparliners scheint es aus dem alten Kader nur für Pascal Roller und Derrick Allen zu geben.

Der Abschied von Wysocki ist marketingtechnisch eigentlich ein GAU. Wurde doch erst vor wenigen Tagen eine neue Kampagne von Lotto Hessen mit Konrad Wysocki als Testimonial gelauncht.

Und nen Video gab’s auch:

Klar. Es ist Krise. Es muss gespart werden. Da setzt man offenbar grad gerne die vergleichsweise teuren Nationalspieler auf die Straße. Auch wenn sie marketingtechnisch nen Asset sind. Doch Gunnar Wöbke kann man da kaum einen Vorwurf machen, wenn’s Geld nicht reicht, ist das eben so. Nur warum die „Deutsche“ Bank, die in den letzten Jahren so stolz mit eben jenen geworben hat, selbst hier bei uns in Berlin, im Fenster der Filiale Unter den Linden, einen solchen Weg mit bestreitet, das ist mir ein Rätsel. Roller kommt in die Jahre, der sozial engagierte Wysocki hätte das zukünftige Gesicht sein können.

Lieber Herr Ackermann, sie haben doch gerade heute morgen mit stolzgeschwellter Brust verkündet, dass sie auch im zweiten Quartal trotz Sonderabschreibungen schlappe 1,1 Milliarden Euro (1.100.000.000 €) Gewinn nach Steuern gemacht haben. Wäre das nicht mal nen Anlass ein Promille oder so davon in den Sport zu stecken und dem ambitionierten Frankfurter Jugensprojekt Wysocki als Idol für die Jugendlichen zu finanzieren?  Denn dass die Skyliners nicht nur Sport machen, sondern verdammt engagiert in sozialen Projekten (Migranten, Schulen, Nachwuchs etc.) sind, ist schon ne Unique Selling Position. Ich hab ja Verständnis dafür, dass man nicht austauschbaren Profisport finanzieren mag, aber dann ermöglichen Sie den Skyliners doch ein Team Germany, mit der Nachwuchsarbeit, ProB statt EuroChallenge sind die Weichen ja richtig gestellt. Das können sie ihren Aktionären dann wie die vielen anderen schönen Dinge, die ihr Haus so macht, als Corporate Social Responsibility verkaufen. Die paar Euro für die Skyliners sind doch eh – um einen ihrer Vorgänger zu zitieren – Peanuts. Bestimmt verspricht der Konrad ihnen dann auch brav nach jedem Korb mit zwei Fingern ihr Lieblingszeichen in die Luft zu strecken.

Natürlich tut die Krise weh. Natürlich werden etliche Sponsoren aus guten Gründen ihr Engagement zurückfahren (müssen). Aber dass ausgerechnet das Team, das von der trotz Krise wieder immense Gewinne vermeldenden Deutschen Bank gesponsort wird, so evident sparen muss, das ist schon irgendwie schräg.

Die ALBA Group – ein Recyclingunternehmen – ist von der Krise durchaus heftig betroffen. Dennoch schlägt Axel Schweitzer hier in Berlin gegenüber der Morgenpost ganz andere Töne an:

Morgenpost Online: Wie steht es denn mit Ihrem Unternehmen, der Alba AG? Gibt es vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Situation grundsätzliche Überlegungen, ob als Sponsor so weitergemacht werden kann wie bisher?
Schweitzer: Die Alba AG steht trotz der gesamtwirtschaftlichen Situation vernünftig und gesund da, weshalb wir auch an den Grundfesten festhalten. Dazu gehört das Engagement im Basketball ebenso wie unser Engagement für krebskranke Kinder bei „KINDerLEBEN“. Gerade in diesen Zeiten ist es umso wichtiger, ein solches Engagement weiter zu führen. Wenn alles wunderbar ist und die Sonne scheint, ist dies natürlich sehr viel einfacher.
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6 Gedanken zu „Keine Erdnüsse für die Deutsche Bank Sparliners

  1. „Wurde doch erst vor wenigen Tagen eine neue Kampagne von Lotto Hessen mit Konrad Wysocki als Testimonial gelauncht.“

    Die Kampagne läuft schon seit einigen Monaten.
    Aber der Bücher schleppende Wysocki lächelt einem noch immer von JEDER Lotto-Annahmestelle und jedem Zeitschriftenladen in Frankfurt (Hessen?) entgegen.

    Ansonsten fasst der Artikel ganz gut die Situation bei den Skyliners zusammen.
    Unberücksichtigt bleibt nur, dass man es in bisher 4 Jahren Sponsoring mit der db nicht geschafft hat, den Erfolg zu haben, den der gute Etat eigentlich hergeben sollte.

    • Oups. Da hätte ich mal genauer hinsehen sollen… naja, Konrad lächelt ja auch noch auf der Startseite.

  2. In den verlinkten Artikeln lese ich allerdings nicht, dass die Deutsche Bank bereits ankündigt den Sponsoringvertrag nicht zu verlängern oder auch dass die Deutsche Bank aufgrund der Finanzkrise ihr Sponsoring einstellen will. Das Wort Finanzkrise wird zwar in den jeweiligen Sätzen erwähnt, ist jedoch nicht auf die Deutsche Bank bezogen. Es ist durchaus gängig, dass Sponsorenverträge recht kurzfristig abgeschlossen werden. Auch in besseren Zeiten war das beim Fußball z.B. nicht anders und zeigt sich auch jetzt in scheinbar schlechten Zeiten, wo nur Bochum als sowieso nicht wirklich attraktiven Sponsoringpartner nach Beginn der neuen Saison einen neuen Sponsor aufweist.

    Die Deutsche Bank weit weniger von der Finanzkrise getroffen als andere Banken, da man wesentlich besseres Risikomanagement betrieb und auch einfach etwas Glück hatte. Daher ist die Finanzkrise, wenn überhaupt als Grund angeführt, kein Grund, das Sponsoring einzustellen.

    Viel wichtiger ist aber immer die Frage, was Sponsoring bringt und gebracht hat. Und da habe ich auch ganz klar einen Standpunkt: Sponsoring muß dem Unternehmen einen Nutzen bringen, der auch möglichst kontrolliert wird (sonst braucht man auch keinen Sponsoringplan zu entwerfen). Würde man also nur Almosen-oder Altruismus-Charakter hervorheben, würde man das ganze Modell Sponsoring in Frage stellen und die Finanzierung von (Profi-)Sport dauerhaft zu einer reinen Mäzenaten-Veranstaltung machen. In den letzten Jahren gab es jedoch auch im Basketball enorme Entwicklungen, Sponsoring als eine „rationale“ Form der Unternehmenskommunikation zu entwickeln und so eben vom allmächtigen Mäzen wegzukommen.

    Letztlich kommt bei den Skyliners allerdings wohl auch ein Faktor hinzu, der beinahe einmalig in Deutschland ist. Für Wöbke und auch Kunz (da bin ich mir allerdings nicht so sicher) sind die Skyliners die Einkommensquelle. Auch wenn es nicht über den direkten Weg des Gesellschaftsgewinn geht, so sind beide geschäftsführender Gesellschafter und beziehen Gehälter aus dem Spielbetrieb. In keinem anderen Club sind die Geschäfsführer so im Unternehmen involviert. Für mich ergibt sich daraus eine wohl nachhaltigere Sicht auf die Unternehmensführung und einem Unternehmer-Verhalten, die eben nicht offenen Auges in die Pleite führt. Auch wenn sie wohl kaum eine Rendite für das gegebene Kapital erhalten, würden sie wohl ungern das gegebene Kapital einfach verlieren. Deswegen dürfte auch die e.V.-Gründung und die Formierung eines Spielbetriebs in diesem Verein der Versuch sein, das Skyliners-Projekt noch breiter aufzustellen und selbst bei einer möglichen katastrophalen Entwicklung des Profi-Teams und einer Pleite den Skyliners-Basketball in Frankfurt dauerhaft zu etablieren.

    Fazit: Es wird eine normale Entwicklung in den Medien und auch Foren aufgebauscht, die ohne entsprechende allgemeine Krisenmeldungen kaum einer wahrgenommen hätte. Ähnliches Beispiel war Göttingen vor ein paar Wochen.

  3. @ Jochen: Blogschreiber werden!

    Dass es der Deutschen Bank sehr gut geht, bestätigte ja auch eine Pressemitteilung. 1,1 Milliarden Gewinn. Aber gerade wegen des Risikomanagements sackte der Aktienwert ab.

  4. Pingback: Korbsport.de - Basketball im Netz [NBA, BBL, FIBA und mehr]

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