Was zählt ist unterm Strich

Was zählt ist unterm Strich. Wen interessiert der Sport, wenn letztlich Geldbeutel und wirtschaftliche Interessen entscheiden? Nicht nur auf schoenen-dunk.de wurde das in den letzten Tagen in der Abstiegskampfdebatte mal wieder sehr deutlich. Die BBL GmbH ist Mitglied der „Initiative Profisport Deutschland“, der Lobbyvereinigung der professionellen Sportveranstalter in Deutschland. Die sind nun mit ihrem ersten Forderungskatalog an die Öffentlichkeit gegangen.

Die Forderungen der Ligen lassen sich leicht zusammenfassen: Steuern runter, ein umfassendes Leistungsschutzrecht, keine kartellrechtliche Einmischung und bitte lasst doch die Sportwetten zu (solange sie an die Ligen zahlen)….

Hier gibt’s den Volltext der Themenpapiere. Ich will nur auf einen Punkt eingehen. Aus Sicht von uns Fans sind weitgehende Leistungsschutzrechte kritisch. Letztlich geht es da um eine noch bessere Grundlage für Abmahnungen von „verbotenen“ Videomitschnitten und sonstiger Verwertung. Ich zitiere den Volltext:

„Neben der Bedrohung durch digitale Piraterie sind es vor allem Trittbrettfahrer aus dem Bereich der Sportwetten, die, ohne eine Gegenleistung zu erbringen, mit unseren Veranstaltungen und unserer Leistung Geld ver- dienen, die Integrität unseres Sports und unsere wirtschaftliche Basis gefährden.“

digitale Piraterie = Verwendung von Scoutingdaten, Tabellen und youtube-Videos… Sport im Netz? Gibt es nur noch gegen Geld….

Auch wenn hier Sportwetten benannt werden, wenn jemand entgeltlich ein Tippspiel anbietet, ein Managergame oder ähnliches, dann dürfte das bei einem so definierten Leistungsschutzrecht des Wettbewerbs auch erfasst sein. Unterm Strich ist das Forderungspapier die unverholene Forderung nach maximaler wirtschaftlicher Verwertbarkeit des Ligaspielbetriebs unter der Fittiche der Ligen (nicht zwingend der Clubs) mit dem Deckmantel von Suchtprävention und internationaler Wettbewerbsfähigkeit. Die Debatte bei schoenen-dunk.de.

Eine Lobby – zumindest in den Reihen der Fans – hat der Glauben an den sportlichen Auf- und Abstieg zwischen ProA und BBL entgegen aller wirtschaftlicher Widrigkeiten und Lizentanforderungen. Irgendwie niedlich naiv diese Position. Denn schaut man sich die Debatten  auf schoenen-dunk.de an, wird schnell deutlich, dass es eigentlich nur noch um Geld geht.  Ich verstehe die Angst der Fans der Abstiegskandidaten im sportlichen Abstiegskampf, doch irgendwie scheint diese irrational zu sein, wenn man sich die letzten Jahre BBL ansieht. Abstieg gibt es fast nur aus wirtschaftlichen Gründen:

Warum also die Mühe machen und über den sportlichen Schein diskutieren, wenn das was unterm Strich zählt unterm Strich steht? Das ist zynisch, bitter, aber – betrachtet man alle auf beko-bbl.de aufrufbaren Tabellen  – bittere Realität.

Absteiger 2009: –***
Absteiger 2008: Jena*
Absteiger: 2007: Nürnberg** und Karsruhe
Absteiger 2006: — ****

* FInanzielle Situation in Jena beim Aufstieg und der Fehlbetrag vor dem Abstieg aus der Liga sowie das Testat beim Wildcardverfahren 2008
** Finanzielle Situation in Nürnberg beim Abstieg: „finanzieller Kollaps des Vereins“ (wiki)
*** Rückzug Nördlingen, Insolvenz Köln.
**** Ligaaufstockung, Trier Nürnberg und Braunschweig erhalten Wildcards.

Um echten Sport geht es derweil in der Nachwuchsbasketballbundesliga. Während die Beko BBL noch mitten in der Hauptrunde steckt, starten am Wochenende in der Altersklasse U19 in der NBBL die Playoffs. Christophe analysiert auf european-prospects.com die Paarungen.

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7 Gedanken zu „Was zählt ist unterm Strich

  1. Gibts dann ein einen eigenen Vorbericht zum nächsten Spiel arm gegen reich – Pöbel gegen Vornehm – Assis gegen Familien etc. pp. ? ;-) Okay is wohl eher nicht so spannend, aber schon lustig dass sie Gießen und ALBA in den NBBL-Playoffs treffen. Wie schön wäre das in der BBL, altes Feeling reloaded ;-)

    Wie weit würde die BBL da gehen wollen? Jedes Video vom Opening auf youtube als Lizenz oder sonstwas Verstoß zu sehen? Die Nutzung von Namen der Vereine/Liga schützen? Klingt doch alles ein wenig übertrieben. Oder verstehe ich den Artikel so falsch, sind das nicht deine Befürchtungen (vielleicht nicht ganz so heftig)
    Klingt für mich zumindest alles nicht wirklich sinnvoll und auch nicht in naher Zukunft juristisch verbindlich.

    Und zum Abstieg sag ich was, was in der SD-Debatte auch schon steht, ohne gute PRO A Spitze wird das nichts. Da hilft auch keine Liga 1 Verkleinerung, denn dann gehen die 2 „Loser“ finanziell kaputt in Liga 2 und so richtig mehr hoch kommen kann immer noch nicht. Die Strukturen der BBL an die der PRO A anzupassen klingt erstmal unsinnig, aber wenn man ne gemeinsame Entwicklung will muss man ne gemeinsame Basis haben. Also Hallenkapazität für Neulinge auf 1500 oder 2000, Etatuntergrenzen senken, keine verpflichtenden Stehkörbe (welchen Sinn hat das eigentlich???) und die Deutschquote der PRO A in der BBL einführen. Dann wäre der Sprung vom Vorderfeld der PRO A in den Keller der eventuell einfacher. Und so viel schlechter isses da oben in der PRO A ja nicht, die Aufsteiger haben doch ganmz gut mitgehalten, wenn sie sich nicht völlig übernommen haben finanziell (Nördlingen oder Jena…).

    • Ich hab die NBBLer von ALBA diese Saison (noch) nicht spielen gesehen, kann daher wenig dazu sagen. Ich weiß nicht, wie’s bei Oldschoolballer ausschaut.

  2. @ zugvogel “Dann wäre der Sprung vom Vorderfeld der PRO A in den Keller der eventuell einfacher. Und so viel schlechter isses da oben in der PRO A ja nicht, die Aufsteiger haben doch ganmz gut mitgehalten, wenn sie sich nicht völlig übernommen haben finanziell (Nördlingen oder Jena…).”

    Wenn du dir in dieser Saison Hagen oder den MBC anschaust, dann wirst du aber sehen, dass beide Mannschaften mit den Aufstiegsteams der Vorsaison nur in Teilen übereinstimmen. Hagen hat mit Chase Griffin wohl nur einen Starter der Vorsaison in seiner Startformation. Beim MBC sieht es mit Bernard und Gilbert wohl ähnlich aus.

    Das deutet schon darauf hin, dass die Unterschiede zwischen ProA und BBL doch noch ziemlich groß sind. Zum Einen werden auch nicht so viele Spieler auf BBL-Level in die ProA gehen, um sich dort mit der Herausforderung Aufstieg zu beschäftigen. Andererseits scheint auch bei der Einschätzung der eigenen Spieler und auch möglicher Neuverpflichtungen im Vergleich zum Wettbewerb in der BBL eine größere Fehlerquelle zu liegen.
    Dieses scheint aktuell beim MBC besser funktioniert zu haben als in Hagen. Dort hat Björn Harmsen bereits in Jena bei seinem ersten Abstecher in die BBL ähnliche Probleme gehabt, wie sie sich Ingo Freyer und Herkelmann aktuell in Hagen stellen. Beim MBC zeigt sich, dass Björn daraus gelernt hat und seine Hausaufgaben gut gelöst hat.

  3. Leistungsschutzrechte sind doch ein großer Quatsch und kaum in einem nachvollziehbaren rechtlichen Rahmen durchsetzbar oder eingrenzbar.
    Wie sollte das auch passieren und wie wäre das gegenüber dem Recht auf freie Berichterstattung abgrenzbar?

    Oder will dieser Zusammenschluß auch Geld von Google, weil dort irgendwelche Infos über das Ligageschehen verlinkt sind.

    Laut heute bekannt gewordenem Antrag der EUGH-StA wird ja das nationale Sportwettenmonopol vorerst nicht fallen.

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