Märzverrücktheit

Im Märzen der Basketballfan die Rösser einspannt…..und dann gehn sie mit ihm/ihr durch, die Pferde.

MARCH MADNESS.

Der Irrsinn pur. March Madness. 2 Worte, nur 2 kleine Worte, aber die gesamte Basketballwelt ist jedes Jahr neu elektrisiert. NCAA March Madness. Die College-Basketball-Meisterschaft in den USA. Ein kompletter Wahnsinn, den man nicht erklären kann – unbloggbar sozusagen. Kann sein, dass ich hier eure Hilfe brauche. Was macht für euch March Madness aus? Wie kann man die Faszination erklären?

Zunächst fallen mir nur viele Gründe ein, die dagegen sprechen, sich länger als 5 Sekunden mit diesem Phänomen zu beschäftigen. Die ganzen Zahlen, die Statistiken, der ganze Auswahlprozeß, wie man überhaupt zu den 64 Teilnehmern kommt, ist unglaublich kompliziert, langwierig und – let´s face it – einfach grausam langweilig. Trotzdem oder gerade deshalb füllt schon dieser Qualifikationsmarathon seit Wochen seitenlang die Tagespresse und stundenlang die Thekengespräche landauf, landab in den USA. Außerdem (Obacht! Insiderwissen ;-) ) sind es aus irgendwelchen Gründen 65 Teams – 63 warten und 2 spielen vorher das Recht aus in der ersten Runde (2010 gegen Duke) verlieren zu dürfen.

Und wenn dann endlich Arkansas-Pine Bluff gegen Winthrop eben genau dies tut, handelt es sich entgegen Grueblers Annahme nicht um ein Basketballspiel zweier böhmischer Dörfer, auch nicht um ein Fußballspiel bei Loriot, sondern um den heißersehnten, langerwarteten Startschuß zum größten, besten und wichtigsten Sportevent der USA.
Klar bringt der Superbowl mehr Geld, wird in 7 Gazillionen Länder übertragen und eine Werbesekunde kostet mehr Greenbucks, als ich im ganzen Leben verdienen werde, aber trotzdem kann einfach nichts der einzigartigen March Madness das Wasser reichen. Hier der Start eines mehrteiligen Erklärungsversuches:

The men’s college basketball tournament is hands down the greatest sporting event in the country. Argue all you want, but nothing compares to the excitement and energy of March Madness.

Ich werfe die ersten Handtuchstapel in den Ring. Hier mein erster Grund:

March Madness ist deshalb so groß, weil es kein „unentschieden“ gibt und das in jeder Hinsicht. Jeder sucht sich ein Team aus – fürs ganze Turnier und für jedes einzelne Spiel. Es gibt kein Entkommen, es kann einem nicht gleich sein. Pick your side. Egal is hier nich. Grandma, Austauschschüler oder Hauskatze: man trifft seine Wahl und bleibt dabei, lebt und stirbt mit dem Team. Schwarz oder weiß – hopp oder top. Das magische Wort heißt dabei „Bracket“. Und eine ganze Nation ist im „bracket fever“. BYO mit Bastelkommando und Laubsägearbeit: http://www.ncaa.com/brackets/basketball/men
Seid froh, dass Donnerstag und Freitag bereits 32 Spiele in atemberaubendem Tempo abgerissen wurden – man kann jetzt nur noch halb so oft daneben liegen ;-)

Ganze Bürobelegschaften füllen ihre Brackets aus und vergleichen sie seit Donnerstag minütlich miteinander. Dies hat zur Folge, dass nachmittags in den Staaten die Bruttosozialprodukte mittlerer Industrienationen verbrannt werden, weil keiner dort mehr arbeitet. Jeder Prominente gibt mehr oder minder öffentlich sein „bracket“ ab. Die Wahrscheinlichkeit bei allen Tipps richtig zu liegen ähnelt der eines Sechsers im Lotto, nichtsdestotrotz wird bis aufs Blut gestritten um jeden abgegebenen Tipp. Sogar US-Präsident Barack Obama mußte ran: http://games.espn.go.com/tcmen/en/entry?entryID=3288143

Er macht es sich einfach und pickt fast nur die „higher seeds“ nach Rangliste, so kann man aber die Bracketwertung nicht gewinnen. Jedes Jahr als Salz in der Suppe scheiden modusbedingt hohe Favoriten aus.

Auch hier das dramatische ent oder weder – do or die. Ein einziges schlechtes Spiel und du bist raus, egal wie gut die Mannschaft das ganze Jahr lang war. Ein einziges gutes Spiel und eine fast unbekannte Mannschaft steht plötzlich im Fokus des gesamten Landes. Wer Champ werden will, muß 7 Siege in 2 1/2 Wochen einfahren. Egal gegen wen, egal wie und wo. Unentschieden gibts nicht. Wiedergutmachung auch nicht. Hero or Goat. Diese Dramatik, das Unbedingte der Entscheidung, die Absolutheit und die Zuspitzung eines ganzen Jahres auf ein einziges Spiel 2 x 20 Minuten, das macht den ersten Grund der Faszination March Madness aus.

Aktuelles: Der deutsche Jungnationalspieler Elias Harris

und seine favorisierten Gonzaga Bulldogs (links unten im Bracket) siegen gestern Nacht eher mühsam gegen die Florida State Seminoles, obwohl Obama gegen sie gepickt hat. Als Frischling in seinem ersten Jahr sah Harris ab und an ein wenig orientierungslos aus, aber lieferte in der starting five ein sehr, sehr respektables Spiel ab. 15 Punkte, 3 Rebounds, 2 Blocks, 1 Steal in 34 Minuten sind angesichts der Tatsache, dass viele „freshmen“ im Endturnier gar nicht eingesetzt werden, wirklich aller Ehren wert. Die „Zags“ (bekannte Exspieler: John Stockton, Derek Raivio, Dan Dickau) hatten aber deutlich Schwierigkeiten den Sack zuzumachen. Das Spiel war eigentlich früh entschieden, den Fehler, rumzutändeln und so den Gegner unnötig wieder ins Spiel zu bringen, kann er sich morgen (17:10 Uhr unserer Zeit) mit seinem Team gegen die Nr. 1 Syracuse (Exspieler: Carmelo Anthony, Pearl Washington, Etan Thomas, Derrick Coleman) und auf deren Homecourt in New York nicht erlauben. Die Orangemen um Iowa State Transfer (noch einer!) Wes Johnson werden eine ganz, ganz harte Nuß.

Überraschungen: #14 Ohio schlägt mit #3 Georgetown Alan Iversons Alma Mater. Ivyleaguecollege #12Cornell schlägt die #5Temple-Eulen und schafft es zum ersten Mal in 5 Versuchen in die 2. Runde, #11Old Dominion kickt #6Notre Dame raus und #2Villanova überlebt #15Rob Morris nur ganz knapp nach Verlängerung und ich tipp besser mal schneller hier, denn wie könnte es anders sein – es wird schon wieder gespielt. Kaum eine Chance alles mitzubekommen und kein Wunder, dass viele US-Arbeitnehmer ihren Jahresurlaub im März nehmen.

März-Verrücktheit auf Bestellung (in grandioser Qualität und ohne Kosten) gibts hier: http://mmod.ncaa.com/

Gerne morgen mehr vom „MM-log“ wenn ihr mögt, mehr Gründe von mir und sehr, sehr gerne eure verrückten MarchMadness-Kommentare ;-) ,

OldSchoolBaller

P.S.: Go Ivan Brothers! GO BUCKEYES!!!

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7 Gedanken zu „Märzverrücktheit

  1. nunja ich hab mir bisher doch einige spiele angesehen, mehr als ich erwartet habe und das obwohl ich mich im collegebasketball nur sehr wenig auskenne und die spiele auch meist keine sonderlich gute qualität hatten(vor allem taktisch).

    trotz alledem waren sie meist spannend und das obligatorische „für den underdog hoffen“ tat ein übriges(bei smc vs villanova hats wunderbar geklappt, ebenso wie bei murray st. vs vanderbilt).

    die begeisterung für die do-or-die spiele sollte man als deutscher/europäischer sportfan eigentlich gewohnt sein, mal abgesehen von den american-sports ligen wird ja fast alles in diesem modus entschieden.
    wobei ich mich schon frage warum die amis, wenn sie do-or-die doch auch so toll finden überall das playoff-serien system nutzen…:P

    • schon klar nur bitte mehr als eine handvoll spots in der rotation :P
      evtl wirkt dauer-berieslung ja beim amerikanischen konsumenten.

    • Da kann man mal sehen. In der Theorie hast du Recht. Ich bin allerdings dermaßen dankbar für die Übertragung aller Spiele kostenfrei in dieser Superqualität, dass mir sogar das gruselige Froopkind in Dauerschleife nicht auffallen würde. Das Spiel gerade von Butler….DAS ist es worum es geht. DAS ist March Madness und DAS gibt mir ein Grinsen bis mindestens morgen früh ;-) .

  2. Sehr, sehr guter Eintrag, der so ziemlich genau das beschreibt, was in einem vorgeht, wenn die March Madness ansteht. Wo sonst schaue ich mir bereitwillig dermaßen schlechten Basketball an? Über Villanova gegen Robert Morris habe ich ja bei mir schon ein bisschen gebloggt, dazu dann gestern der Upset von Kansas. Der Coach von Northern Iowa muss beim Dreier kurz vor Schluss im Fastbreak wohl kurz vor dem Herzinfarkt gestanden haben. Ganz ehrlich: Der mit Abstand dümmste Wurf, den ich im letzten Jahr in einem Basketballspiel gesehen habe (und ja, ich schließe Nate Robinsons Wurf auf den eigenen Korb mit ein) auf dieser Bühne, bei diesem Spielstand und dann wird man damit auch noch zum Helden. Beschreibt in meinen Augen die March Madness besser als alles andere.

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