Breaking News: ALBA feuert Pavicevic. Wie geht es weiter?

ALBA Berlin logo

Image via Wikipedia

Vor rund einer Stunde lief die Meldung über die Ticker. ALBA Berlin beurlaubt Cheftrainer Luka Pavicevic nach dreieinhalb Jahren im Amt. Ein Nachfolger soll in den nächsten Tagen präsentiert werden. Wer dies ist, darüber können wir nur Vermutungen anstellen. Etliche – auch prominente Coaches – wurden in den letzten Wochen von EuroCup und Euroleague-Teams gefeuert. Es wäre naheliegend, wenn der Nachfolger aus diesem Kreis stammt.

Unsere bisherigen Blogposts zu Luka Pavicevic gibt es hier.

Wir halten Luka Pavicevic, wie auch ALBA zum Ausdruck bringt, für einen fachlich herausragenden Trainer. Diese Wertschätzung haben wir in diesem Post anlässlich der Vertragsverlängerung im April 2009 mal zusammengefasst und mit Pressefundstücken untermauert.

Hier nun unser Kommentar zu der Beurlaubung heute und erste ganz wilde Ideen und Spekulationen, welche Hochkaräter denn gegenwärtig auf dem Trainermarkt verfügbar wären.

Dass Luka Pavicevic im Sperrfeuer stand, war seit der Rekordniederlage gegen Bamberg im Dezember absehbar, die Rhetorik des Managements veränderte sich. Bislang hielt er sich, die Mannschaft feierte ein Comeback gegen Bremerhaven und Göttingen. Luka Pavicevic überstand mit diesen Spielen ein Ultimatum, wie die Berliner Morgenpost nun schreibt. Aber ALBA ließ zuletzt wieder in Hagen Federn. Ein Albatros am Boden ist kein schönes Bild.

Luka Pavicevic hat in den letzten Wochen gegenüber Berliner Medien wiederholt zum Ausdruck gebracht, dass er sich der Endlichkeit eines Trainerjobs bewusst ist. Die Stellungnahme von ALBA Berlin ist bislang ergreifend knapp. Manager Marco Baldi sagt:

«Pavicevic ist ein ausgewiesener Basketball-Fachmann mit großen Qualitäten. Jedoch hat die Überzeugung, dass wir in der derzeitigen Konstellation unsere ambitionierten Ziele erreichen können, in den vergangenen Wochen stark gelitten. Deshalb haben wir uns entschieden, jetzt einen harten Schnitt zu machen»

Deutlicher sind die Töne der Fans. Gespalten ist das Fanlager. Die die zuvor bei jeder Niederlage schrien, dass der Trainer wegmüsse, jubeln.  Andere sind von dieser dann doch etwas plötzlichen Beurlaubung zur Allstar-Break der Liga eher überrascht. Auch uns traf es unvorbereitet. Kurioserweise jährte sich just in dieser Woche die erste Trainerentlassung in der Geschichte ALBA Berlins zum sechsten Mal. Am 17. Janaur 2005 musste Emir Mutapcic den Hut nehmen. Henrik Rödl kam, beide Trainer  hatten am Ende gleich viele Hauptrundenniederlagen. Trainerwechsel müssen nicht immer sofortige Veränderung bringen. Doch offenbar wurde der Druck – von wem auch immer – zu groß für eine Politik der ruhigen Hand.

War das Auswärtsspiel im Eurocup in Treviso, dass nach einer schwachen Leistung der Mannschaft in den ersten drei Vierteln verloren ging,  der Tropfen gewesen zu sein, der das Fass zum Überlaufen brachte? Es könnte naheliegend sein. War die die vorherrschende Lesart nach dem Spiel doch, dass sich ALBAs Auswärtskrise in der Liga nun in den Eurocup verschleppte. Dort war ALBA bis vergangenen Dienstag in dieser Saison ungeschlagen. Dort feierte Luka Pavicevic mit dem Finaleinzug im vergangenen Jahr den größten Erfolg ALBA Berlin auf europäischen Parkett seit dem Gewinn des Korac-Cups 1995.

Doch es ist müßig, nun darüber zu sinnieren, ob die Entscheidung (laut Tagesspiegel eine Bauchentscheidung) richtig oder falsch war. Wir danken Luka Pavicevic für eine tolle Positionierung ALBA Berlins in Europa, für Meisterschaft und Pokal, für ansehnlichen Euroball in dieser oft so arg verzockten Beko BBL.

Wer wird nun sein Nachfolger. Es ist naheliegend, dass ALBA hier längst jemanden hat. Wenn der Trainer in den nächsten Tagen vorgestellt werden soll, werden sie sich jetzt nicht auf eine ad hoc-Suche begeben. Schließlich dauert die Krise schon länger, ein Plan B sollte nach der Rückkehr von Baldi und Schweitzer aus dem Urlaub längst entwickelt werden. Nun ist die Allstar-Break, die letzte freie Woche. Doch wer wird es?

Den liebsten Namen von der Wunschliste der Fans kann man wohl getrost streichen. Svetislav Pesic hat im November in Valencia (das sind die, die gegen uns den Eurocup geholt haben) unterschrieben und führt die Spanier in ACB und Euroleague von Sieg zu Sieg, zuletzt diese Woche mit einem 73:59 im Euroleague Top16 gegen Zalgiris. Pesic sen. kommt jetzt nicht. Darauf wette ich einen Phantoms-Schal.

Doch auch andere Coaches sind in den letzten Wochen in Europa gefeuert worden. Teilweise sind es große Namen und sie entstammen ganz unterschiedlichen Basketballschulen. Qualität ist das Anforderungsprofil, wie soeben der Tagesspiegel berichtet:

„Es darf kein Newcomer sein, sondern ein erfahrener Trainer mit hoher Qualität, der das Fundament nicht einreißt“, nannte Geschäftsführer Marco Baldi das Eignungsprofil des zukünftigen Trainers.

Einer ist Dusko Vujosevic, der letzte Saison noch Partizan Belgrad überraschend ins Final Four der Euroleague führte und dann im Sommer zu CSKA Moskau wechselte. Ende November wurde er dort geschasst. Er ist noch ohne Job. Die hohen Ansprüchen des russischen Armeeclubs konnte er nicht erfüllen. Ein Verein der jahrelang ein Abo aufs Final Four hatte, schied in der ersten Runde der Euroleague aus. Aber er hat gezeigt, dass er – und mit Ausnahme von Rödl gab es in Berlin nur Trainer der jugoslawischen Schule – aus wenig Mitteln und Talent mit Partizan viel machen konnte. von 2001 bis 2010 coachte er dieses gegenwärtige Flaggschiff des Basketballs der jugoslawsichen Schule. Vujosevic ist „Alexander Gomelsky Coach of the Year 2008/09“, d.h. bester Coach der Euroleague und war als serbischer Nationaltrainer Nachfolger von Svetislav Pesic. Das Coaching der montenegrinischen Nationalmannschaft gab er im November 2010 ab. Erfahrung außerhalb der Adrialeague hat er massig durch Stationen in Italien, Spanien und Gent gesammelt. Sicherlich ist er ein sehr klangvoller Name. Sicherlich auch ein Schwergewicht des europäischen Basketballs. ALBA Berlin bliebe sich im Stil mit seiner Verpflichtung treu.

Ein weiteres Schwergewicht auf dem Markt ist Sergio Scariolo, Coach des spanischen Europameisterteams 2009. Kurz vor Weihnachten wurde er in Khimki (RUS) gegangen, wo ebenfalls die hoch gestecken Ziele verfehlt wurden. Während Vujosevic aus der jugoslawischen Schule kommt, ist der Italiener Scariolo im vergangenen Jahrzehnt einer der ganz großen Namen der spanischen ACB. Tau, Real, Unicaja. Riesige Namen, riesige Budgets. Und so schön der Gedanke ist, wenn ich nicht eine Meldung verpennt habe, dann ist er noch immer Coach des spanischen Nationalteams und mit der Doppelfunktion haben wir bekanntlich in der Liga ein Problem.

Das sind erst einmal nur zwei ganz prominente Namen auf dem Markt. Eigentlich wären beide wohl mindestens eine Nummer zu groß für ALBAs Kragenweite. Wir freuen uns hier auf weitere Vorschläge (nein, osb, ich will nicht Vladi Bogojevic) und stellen dann auch gerne die virtuellen Personalakten zusammen. Und darüber hinaus gilt: Wir halten euch weiter auf dem Laufenden, sobald wir mehr Informationen haben.

Mehr Namen im [aktualisierten] Telegramm, soweit sie uns hier einfallen:

  • Brose-Bezwinger Matteo Boniciolli von Lottomatica Rom, dort gegangen vor einer Woche.
  • DER große spanische Name, Aito Garcia Reneses wurde diese Woche bei Unicaja entlassen.
  • Zvi Sherf, israelischer Nationaltrainer und langjähriger Maccabi-Coach ist vereinslos.
  • Sharon Drucker, noch bei Aris, aber nach Meldungen von dieser Woche vor dem Aus. Ehemals Belgien, technisch wohl ein maccabi-Leihgeschäft. Könnte von Stil und Preisklasse passen.
  • Aco Petrovic, 2002 in Indianapolis Assistent beim Weltmeister, letzte Saison Roter Stern, diese Saison bis Mitte Dezember Zalgiris.
  • Sito Alonso, in Badalona bis April 2010 (Agenturseite).

Mehr Vorschläge? Ab in die Kommentare…

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14 Gedanken zu „Breaking News: ALBA feuert Pavicevic. Wie geht es weiter?

  1. Die Doppelfunktion ist in der Bundesliga nur ein Problem für einen Trainer einer Deutschen Nationalmannschaft. Für den Nationaltrainer Spaniens gibt es daher keine Beschränkungen.

    • Das ist aber ne Doppelmoral, wenn das stimmt…

      Dann erweitert sich das Feld. Zvi Sherf, Trainer der israelischen Nationalmannschaft ist auch vereinslos.

    • Wieso Doppelmoral? Das ist genau richtig so. Es geht nicht um die Doppelrolle an sich, sondern mögliche Vorteile, die man sich damit verschaffen könnte: Sponsoren, Rep bei den Schiris, Vorteile bei der Verpflichtung von Nationalspielern etc. pp.

    • Das mit der Doppelmoral verstehe ich auch nicht mal nur ansatzweise. Was war die Moral beim Verbot von Bauermanns Nationalspielerverpflichtungt in Bamberg? Und was wäre die Moral für für einen belgischen Nationaltrainer mit Belgiern in der BBL ? Oder dem spanischen Trainer mit Spaniern? Sebst wenn Coach K in der BBL anheuern würde, hätte das einen Einfluß auf die Attraktivität seines Clubs für die Spieler? Oder der Georgische, Polnische, Dänische Nationaltrainer?

      Ich verstehe es nicht? Wo ist der Hauch einer Wettbewerbsbeeinflußung für das Deutsche Team eines ausländischen Nationaltrainers überhaupt nur erahnbar?

      Dagegen: Wie ist die Attraktivität des Teams des Bundestrainers für (potentielle) deutsche Nationalspieler übersehbar?

      Der Unterschied zwichen „erahnen“ und „übersehen“ ist bewußt gewählt, um es Dir für deine originelle These, man könne es gleichsetzen, einfach zu machen. Ich bin gespannt – und du weißt, ich habe eine gute Vorstellungsgabe um mir auch phantsievolle gegnerische Positionen erklärbar zu machen.

  2. Geht es eventuell auch ne Nummer kleiner? Von den Großen wird es meiner Meinung nach keiner. Zu teuer (Pavicevic muss ja auch noch durchgefüttert werden), und außerdem, wenn die es bei ALBA versauen, dann finden sie nirgends mehr was.

    • Ne Nummer kleiner ist der Marktüberblick schwierig ;-) Aber du hast ja Autoren- und vermutlich auch Edit-Rechte ;-)

  3. „Darauf wette ich einen Phantoms-Schal…“
    Das nenne ich clever und gut antizipiert aus dem letzten Wettdebakel ….. … dieses Objekt sollte die Anzahl der Wettgegner übersichtlich halten ….. 

    • Naja… eigentlich hab ich vorhin im Zug zwei Seiten Blogpost zum Spiel Phantoms vs. Gießen getippt. Dann kam ich an, das Thema wechselte…

      Block_M hat längst eingeschlagen und hofft nun auf Pesic, damit er zurück nach BS kommt ;-)

    • Just in diese Kerbe wollte ich auch schlagen … aus Schaden sollte man doch eigentlich klug werden.

      @ontopic: ich befürchte auch, dass es Pesic sen. nicht wird. Was hätte der denn noch zu gewinnen? Zu verlieren hätte er viel!

      Abgesehen davon hilft der Trainerwechsel auch nichts gegen die komplett disfunktional zusammengestellte Mannschaft! Da muss sich das Management auch dran festhalten lassen. Das Rebound-Problem hat ALBA ja quasi patentiert.

  4. Ein weiterer „Großer“ ist noch zu haben: Panagiotis Giannakis (ehemaliger Trainer von Olympiakos, ehemaliger Trainer von Hellas)

    Dabei fällt mir auch ein zweiter ein: Jonas Kazlauskas auch ehemals Olympiakos und Hellas Coach

    Bin auf die nächsten Tage sehr gespannt.

  5. Aus der Bundesliga-Spielordnung (BBL-SO) 2010/2011

    § 3 Teilnahmerecht Trainer
    1 Trainer, die eine Mannschaft der BBL verantwortlich führen und betreuen, müssen Inhaber einer ALizenz
    des Deutschen Basketball Bundes e.V. sein. Näheres regelt die Ausschreibung.
    2 Trainer und Co-Trainer, die am Spielbetrieb der BBL teilnehmen, müssen mit der BBL GmbH einen
    Teilnahmerechtsvertrag abschließen.
    3 Trainer und Co-Trainer eines Bundesligisten dürfen nicht haupt- oder nebenamtlich als
    Verbandstrainer inländische nationale Auswahlmannschaften betreuen.

    • Bin eben bekennender Basketball-Eurozentriker. Aber immer her mit den US-Nasen… In Europa tourt wohl kein annährend intessanter Amerikaner rum.

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