Der Sprung in die Offseason – Trainer, Fernsehen, Europa und das Netz (mit Mini-Interview)

Nach der tollen Saison in Berlin hat jetzt das große Nichts der Offseason begonnen und mit ihr das große Zittern. Bereits während der Finals gab es Gerüchte die Brösels würden an Sasa Obradovic baggern. Das ist ja noch mal gut gegangen, hat Stoschek sich doch für den Italiener Trincheri entschieden. Dennoch: Heute in einer Woche endet wohl der Vertrag des Berliner Trainers und so richtig wissen, wie es weitergeht, das tun wir nicht. Vage sind die Pressemeldungen wie so vieles in der Offseason. Warum es überhaupt zu einer solchen Phase der Unsicherheit kommt, dürfen sich Marco Baldi und Mithat Demirel fragen lassen. Es wäre äußerst bedauerlich, wenn jetzt, nachdem sich eine Mannschaft gefunden hat, der nächste Umbruch ansteht. 

Dies gilt zumal Berlin doch irgendwie wieder ein Profil gefunden hat. Und nächste Saison könnten wir dank des neuen Medienrechtepakets der Liga mit der Telekom dann tatsächlich auch mal jedes Auswärtsspiel sehen. Gut, es steckt wohl hinter einer Bezahlwand, die aber für Telekomkunden durchlässig sein soll. Ein paar Fragen sind da sicherlich noch offen, ein kritischer Retweet brachte gleich den Busch auf den Plan, der belehren wollte. Ach ja, Missverständnisse in 140 Zeichen. Ich finde den Deal grundsätzlich gut, endlich gibt es Bilder von jedem Spiel in gleich hoher Qualität. Die Details wird man abwarten müssen, ob es nun um die Qualität des Streams geht, die Zugangsrechte oder eben die geplanten 50 Spiele im Free-TV. Da hat die Liga gegenwärtig noch eine offene Flanke. Hier gilt es aber schlicht abwarten. 

Da sich aber anlässlich des Offseasonbeginns die Möglichkeit einer Nachfrage bei dem Geschäftsführer bot, nutzte ich sie für zwei Themen, die zumindest mir nach dieser Saison auf den Nägeln brannten.

Gruebler:  „2020 will die BBL die beste Liga in Europa sein. Doch europäische Erfolge deutscher Teams bleiben rar und auf den Setzlisten von Jordi Bertomeau läuft Deutschland unter ferner liefen. Nach tollen 7 Startern in Europa in letzten Jahr wird der Eurocup kleiner: Ist es der Liga gelungen, trotzdem die Zahl der Starter zu halten? Wann kommt endlich ein „echter“ EL-Platz für den Vize?

 

Jan Pommer: „Die Entscheidungen darüber fallen in den nächsten Tagen. Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre sind wir aber optimistisch, ähnlich viele Startplätze zu haben. Wie diese sich dann verteilen, wird sich zeigen.“

 

Gruebler: Und nach dem Desaster 2013: Haben wir in diesem Sommer wirklich eine funktionierende Webseite mit echten Stats?

 

Jan Pommer: „Das ist unser festes Ziel. Wir wissen, dass wir nicht den gewohnten Service bieten konnten – und das war schlecht. Insofern arbeiten wir mit unserem neuen Dienstleister sehr intensiv und akribisch daran, den Fans und allen Basketball-Interessierten eine tolle Website mit vielen, auch statistischen Informationen, rechtzeitig vor Saisonbeginn zur Verfügung zu stellen.“

Zählbares? Letzteres ist für uns Fans im Internet sicherlich ein Silberstreif am Horizont. Und was Europa angeht, war es einen Versuch wert. Dass da gegenwärtig noch ganz viel Politik und Partikularinteressen im Spiel sind, weiß jeder, der die Debatte auf schönen-dunk verfolgt. 

Mit Leib und Seele in der Boxarena

Donnerstag war es endlich so weit. ALBA war zurück in der Schmelinghalle. Xaver war draußen laut, die Fans drinnen. Dank des doofen Windes bayerischen Namens (ein Schelm…) hätte ich es fast nicht zum Spiel geschafft. Doch ein Kranich war so mutig und flog mich mitten durch den schönsten Sturm noch zur zweiten Halbzeit. Von den Farben würden diese Vögel des Glücks übrigens auch hervorragend zu unseren Trikots passen. 

Was die zweite Halbzeit dann brachte, war ein emotionaler Ausflug in die Vergangenheit. Dicht, eng, laut und so verdammt nah dran war es in Block C. Fünfeinhalb Jahre nach dem Umzug in die o2world kam die Erinnerung auf, wie es damals war, als mich die Begeisterung in Berlin packte. Als ich nach Jahren der Tribünenabstinenz erkannte, dass für mich Fan aus der Provinz mit Schulturnhallen auch dieser große blöde Bonzenclub doch eine Heimat bieten kann. Natürlich ist es anders als in der Turnhalle, aber die Attitüde passte. Es war laut und noch immer Basketball und kein Kunstprodukt, nur die bunte Tüte, die ich mir als Dreikäsehoch in der Pause holte, war irgendwo auf dem Weg dem Bier gewichen. Spätestens mit dem Einzug in Block C waren wir dann auch angekommen. Aber: Ich bin kein Fan, der die großen Erfolge ALBAs erlebt hat. Ich kam, als Muli schon gefeuert war und sah wie ALBA gegen Bonn gewann, später wie Penberthy gegen Bonn Freiwürfe vergeigte und ein Jahr später, wie ALBA 0:3 gegen die Drachen rausflog. Die einzige Meisterschaft, die ALBA in meiner Schmelinghallenzeit gewann, die wurde in Bonn erspielt.   

Ich weiß nicht, ob jemand, der aus der Provinz kommt, heute mit der o2world warm wird. Natürlich, die Schulturnhallen gibt es auch  nicht mehr, aber dennoch ist der Enternainmenttempel etwas anders. Es ist – dio beschrieb dies treffend – ein Glück, dass Olympia scheiterte und die fast perfekte Basketballarena gebaut wurde, vielleicht gerade weil sie als Boxarena für Blick auf den rechten und den linken Haken, den Infight, die Schilder des Nummernmädchens und den Referee gebaut wurde. Es ist die unmittelbare Nähe zum Geschehen, es sind die kurzen Wege und die Offenheit. Kein Schließer, der meckert, kein Graben und Gitter, das dich vom Geschehen trennt, und alles mitten in einem Kiez, in dem man nach dem Spiel verweilen kann. Natürlich ist das bei aller Wahrheit ein romantisierendes Bild. Donnerstag hat es gezeigt: Zusatztribünen sind komisch, Anzeigetafeln kann man da kaum lesen, Video gibt’s auch kaum und das Bier schmeckt auch nur in der Erinnerung  besser.

Sportlich war die zweite Halbzeit gegen Rom objektiv betrachtet nicht die ganz große Offenbarung. Zu sehr ließen sich die Albatrosse den zunächst mal erspielten Vorsprung aus der Hand nehmen. Rom zerfahren und auch Berlin bei allen guten Aktionen irgendwie – nicht zum ersten Mal in der Saison – wackelig. Dazu die Aufregung über die Schiris in so einer kleinen Hallen natürlich emotionaler. Schreitherapie nenne ich ja zuweilen das Fandaseien… Und die Römer trafen schließlich auch die wilden Dinger, Baron schien nicht anders als durch Foul zu stoppen. Auch Hosley machten unsere gellenden Pfiffe nichts aus. Doch irgendwie zauberten die Albatrosse das hervor, was sie diese Saison so besonders macht oder besser: machen kann. Sie packten das Spiel, sie verteidigten in den richtigen Momenten und machten die wichtigen Punkte. Genau so macht ALBA Spaß. Redding, Logan und Radosevic besiegelten den Sieg. 

Mir ist nicht egal, dass ALBA nach der Niederlage gegen Bamberg am Sonntag an den Playoffrängen lediglich kratzt, aber es macht diese Saison Spaß und ist ein Team für das ich gerne laut bin, weil es meist kämpft, kratzt und beißt. Am Donnerstag war dies offenkundig das kollektive Gefühl, der Sieg erhofft, aber nicht erwartet, nicht klar, aber klar erkämpft und daher umso schöner. Jubel in der Schmelinghalle ist dann doch intensiver. Die Schmelinghalle tobte, mein Sitznachbar kanalisierte alle Energie in seine Arme und hob mich jubelnd hoch. Nur meine eine Rippe, die fand das gar nicht gut, knackste kurz und fühlt sich seitdem wenigstens geprellt. Nun hab ich sie wenigstens, meine ganz eigene Schmelinghallengeschichte. Sie kann ihre Herkunft als Boxarena halt doch nicht verleugnen…  Manchmal ist die Coolness der Sauerstoffwelt dann doch nicht ungesund und manchmal ist Leib und Seele dann mehr als nur ein Slogan. Doch vielleicht passt das Bild und hilft diese Saison nur eines: Zähne zusammenbeißen und weiterbrüllen, auch wenn die nächsten Wochen – wie schon an diesem Wochenende in Bamberg oder gegen Bremerhaven – möglicherweise schmerzhaft werden… 

Eine ganze Hand voll Europa

Es ist fast Ende Februar und wir können bereits jetzt sagen, dass eine ganze Hand voll Teams der Beko BBL noch im März europäisch spielen werden. Neben Bamberg und Berlin, die sich im Top16 der Königsklasse zwar mehr schlecht als recht mühen und dennoch zur Rückrunde noch einmal mit Massey und Walsh bzw. Traoré nachgelegt haben, sind es drei weitere Teams, denen heute zu gratulieren ist. Weiterlesen

Haters gonna hate oder wieder eine Wildcard für ALBA Berlin

ALBA Berlin spielt kommende Saison in der Königsklasse. Das ULEB Commercial Assets Board, der Eigner und Veranstalter der Euroleague hat sich entschieden ALBA Berlin die C-Lizenz zu geben. Sie haben es werbewirksam begründet.

Euroleague Final Four 2012, (c) Ulf Duda

Goldgeber Konfetti für die Euroleague. Bild: Ulf Duda (fotoduda.de)

Aber haters gonna hate. Wenn man heute in die einschlägigen Foren geschaut hat, kamen die Standard „das ist doch sportlich nicht verdient“, „aber Ulm hätte es mehr verdient“… Natürlich sind Wildcards befremdlich, aber der durchschnittliche Forenbeitrag strotzte heute vor Ignoranz. Ich nehme es zum Anlass auch hier noch einmal zu erklären, warum es Wildcards gibt und warum es einerseits sehr vertretbar ist, dass ALBA sie bekommt und andererseits die Wildcard auch gut für den deutschen Basketball. Weiterlesen

Euro-Warmup für die BBL

Noch bevor am Montag, den 3. Oktober die BBL-Saison endlich wieder los geht, machen sich einige Klubs schon in Europa warm – oder müssen sich warm anziehen. Je nachdem, wie man es betrachtet. Gestern (Mittwoch, den 28.09.2011) schon starteten die Artland Dragons als erstes BBL-Team in die neue Saison 2011/2012.

Eurocup-Qualifikation lautet die Aufgabe für Quakenbrück, die gestern Abend zunächst das Heimrecht im Hin- und Rückmodus gegen Gran Canaria hatten – nächsten Dienstag ist bereits das Rückspiel in Las Palmas auf Gran Canaria. Weiterlesen

Breaking News: ALBA feuert Pavicevic. Wie geht es weiter?

ALBA Berlin logo

Image via Wikipedia

Vor rund einer Stunde lief die Meldung über die Ticker. ALBA Berlin beurlaubt Cheftrainer Luka Pavicevic nach dreieinhalb Jahren im Amt. Ein Nachfolger soll in den nächsten Tagen präsentiert werden. Wer dies ist, darüber können wir nur Vermutungen anstellen. Etliche – auch prominente Coaches – wurden in den letzten Wochen von EuroCup und Euroleague-Teams gefeuert. Es wäre naheliegend, wenn der Nachfolger aus diesem Kreis stammt.

Unsere bisherigen Blogposts zu Luka Pavicevic gibt es hier.

Wir halten Luka Pavicevic, wie auch ALBA zum Ausdruck bringt, für einen fachlich herausragenden Trainer. Diese Wertschätzung haben wir in diesem Post anlässlich der Vertragsverlängerung im April 2009 mal zusammengefasst und mit Pressefundstücken untermauert.

Hier nun unser Kommentar zu der Beurlaubung heute und erste ganz wilde Ideen und Spekulationen, welche Hochkaräter denn gegenwärtig auf dem Trainermarkt verfügbar wären.

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Allen Iverson spielt in Europa – Allen, please don´t make us question the answer!

Letzten Samstag, später nachmittag, also kurz nach dem Frühstück, in einem wunderschönen Café in Gießen. Mein Handy klingelt – es ist die Nachdenkzentrale aus Berlin. Ein distinguiert-freundlicher Herr bittet um „Iverson – mal durchlesen“ und „ggf. Input“. Ich sage leichtsinnigerweise zu.

Zu Hause dann erwartet mich ein nüchterner, sachlicher, faktisch-korrekter Artikel. Ich lese, hebe an zu tippen……und starre die nächsten 90 Minuten meinen Schatten auf dem Monitor an. Gut, und was also sagt euch das?
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Is the German Beko BBL the second best basketball league in Europe?

The German Beko BBL recently stated that they want to become the second best basketball competition in Europe, right after the Spanish ACB. Nobody would question that the ACB is number one when it comes to the level of competition, success in European competitions and economic strength. But which league is the second best league in Europe at the moment?

Currently, there there is a discussion on the interbasket boards whether the NLB Adriatic League is number two in Europe. As our German league claims this honours for the future, I commented on this topic and decided to post a longer edited version here. Weiterlesen

Rauschen im Blätterwald: Fans auf dem Weg nach Vitoria

[Mit laufenden Updates] Hier ohne große Kommentare nur schnell eine Zusammenstellung des Medienechos über unsere verrückten, unermüdlichen, bewundernswerten ALBA-Fans, die sich trotz Vulkanasche und allem auf den Weg nach Vitoria gemacht haben.

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Anhaltende Europhorie – ALBA Berlin erreicht Eurocup-Finals

ALBA Berlin schlägt Hapoel Jerusalem vor 14.500 tobenden Fans in der o2 world mit 72:59 und zieht ins Finalturnier des Eurocup, dem zweithöchsten europäischen Vereinswettbewerb in Europa, ein. Es ist vielleicht der bislang größte Erfolg einer deutschen Vereinsmannschaft im Basketball, denn auf diesem Niveau spielte noch kein deutsches Team. Reflektionen eines Fans am Tag danach.

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