Kulturelle Unterschiede – No Paradise by the Dashboard Light

Dass der Transfer ans College für manch einen deutschen Spieler nicht ganz rund läuft, wissen wir ja bereits. Lucca Staiger wurde sportlich in eine ganz bestimmte Ecke gestellt und brach ab. Elias Harris droht bei den Zags auf der Vier zu verhungern, obwohl selbst seine Coaches ihm eine Zukunft nur für die 3 prophezeien. Auch Christian Standhardinger zog jüngst Konsequenzen, weil er völlig positionsfremd eingesetzt wurde und verließ im Dezember Nebraskas Basketballprogramm. Es scheint fast, als würden die US-Colleges bei beinahe jedem Import die Zukunft und die Positionsausbildung um den Preis des momentanen Erfolgs außer Acht lassen. Standhardinger ging es in Nebraska nicht anders, er wollte aber die Collegeausbildung unbedingt fortsetzen und am Dienstagnachmittag vermeldete das katholische College La Salle (in Philadelphia im Bundesstaat Pennsylvania) ihn als Neuzugang. Ein Transfer, der nur wenige Stunden anhalten sollte, da dem Anschein nach eine Geschichte mit zwei Heranwachsenden, einem Auto und einem Park dazwischenkam.

Ein wenig Hintergründe vorab. Christian Standhardinger, großes Talent, Nachwuchsnationalspieler aus dem Programm von Urspring, ist sicherlich eines der herausragenden deutschen Talente seines Jahrgangs. Europeanprospects brachte zum Beginn der College-Saison ein längeres Feature. Christophe von europeanprospects hat für uns heute kurzfristig die College-Zeit des Christian Standhardinger zusammengefasst:

Als er ans College wechstelte, drohte ein Jahr Sperre [wegen bezahlter Mitspieler im Zweitligateam, Anm. des Autors]. Diese wurde dann auf „nur“ ein halbes Jahr festgesetzt und Standhardinger kam erst mitten in der Saison 2009/2010 zu seinem Team. Dort wurde er hauptsächlich als Powerforward und sogar Center eingesetzt, da Nebraska „the shortest team in the nation“ war und seine Grösse ihn in den USA zum Big Man machte. Für einen Spieler der hauptsächlich von seiner Schnelligkeit, seinem Drive und seiner Offensivkraft lebte, war dies natürlich sehr schwer und es gelang ihm auch nicht sich durchzusetzen. Diese Saison sollte jedoch alles besser werden nach einem Gespräch mit Coach Sadler der ihm Minuten auf der 3 versprach, weil auch das Team jetzt vier Big Men in seinen Reihen hatte. Doch es kam anders, Standhardinger war Back-Up PF und konnte auch hier nie richtig das Vertrauen des Coaches gewinnen. Trotzdem war er der beste Scorer und Rebounder des Teams aber nur die Nummer 7 oder 8 was die Minuten anging. Für einen Spieler wie Standhardinger war so eine Situation natürlich untragbar und der angekündigte Wechsel war nicht wirklich eine Überraschung.

Es geht um den folgenden Abschied, den  Standhardinger im Dezember erklärte:

„I just want to make something clear: I’m not leaving because of my teammates or the coaching staff or that I don’t like it in Nebraska,“ Standhardinger said. „I’m just leaving because of one reason, and that is because basketballwise, me and the program didn’t fit. Me and the philosophy of Doc didn’t fit.“ Standhardinger also said he wasn’t comfortable playing with his back to the basket at the power forward position. „I’m a guy who can shoot a midrange shot and can penetrate,“ he said. „Of course, I have weaknesses with my left hand, and maybe on the defensive side, even if I think I improved on the defensive side a lot. I know the weaknesses. But my strengths are I can shoot the threes and be variable.“

Zonk. NCAA-Regeln besagen, dass er für den Rest dieser und auch Teile der nächsten Saison nicht spielberechtigt sein würde. Für manche Medien war dieser Abschied ein gefundenes Fressen:

Christian Standhardinger, talented as he may have been, was as bad of a fit for NU as I can imagine. Everything about his game – the herky-jerky shooting style, the dramatics when he got fouled, the traveling violations, the turnovers, the way he’d get frustrated after he missed a few shots – clashed with the kind of smooth, polished, unflappable leader Sadler wants in a player.

Es gab sie aber, die Colleges, die dennoch Interesse zeigten. Am Ende lief es auf La Salle hinaus. In der letzten Woche rumorte es bereits leise und am Dienstagnachmittag kam dann die Bestätigung.

Doch schon am selben Abend ging folgende Meldung durch die amerikanischen Medien: La Salle nimmt Abstand vom Transfer. Die offizielle Begründung durch La Salles Coach ist schwammig:

„Christian has recently been made aware of a personal situation that demands his full attention,“ Giannini said. „We believe it is in the best interest of all parties that Christian Standhardinger does not attend La Salle University.“

Regionale Medien bringen ein wenig mehr Information. Standhardinger soll nach Medienangaben in Lincoln, Nebraska angehört werden, wegen eines Vorfalls in einem Park. Es mutet skurril an, was The Independent berichtet:

Lincoln police reportedly found Standhardinger shirtless and with his pants down while seated in the passenger seat of a parked car at 3:40 a.m. Sunday inside Tierra Park. He was accompanied by a 19-year-old female, also reportedly shirtless.

Ein 21jähriger und eine 19jähre ohne Shirts – und Hosen – in einem Auto am frühen Sonntagmorgen. Wo ist der Aufreger? Es ist ja nicht so, als hätten wir hier eine 1995er Hugh Grant-Situation. Die Konsequenz? The Independent berichtet, dass der Vorfall wegen des Verdachts der „public indecency“ und „entering a park after hours“ aufgenommen wurde. Der Verdacht bzw. Vorwurf genügte, um den Transfer scheitern zu lassen.

Heranwachsende teilweise unbekleidet im Auto? Der Nebraska Fan Norm Peterson schreibt dazu treffend im dortigen Forum (hat-tip an jalapeno@SD):

And, frankly, from the description of what happened, nearly half of my high school could have been locked up for the same thing.

Ich muss dabei an Meat Loafs Baseball-Metapher in „Paradise by the Dashboard Light“ denken, das dieses High-School-Dilemma des Autos als privatem Ort humorvoll aufarbeitet. Die dort vorgespielte Definition von „First Base“ bis „All the Way“ kann man getrost als Kultur- und Sprachkurs abstempeln. Bei etwa Minute 2:10 dieses zuweilen als Mini-Musical aufgeführten Stücks Lieds haben wir ein Stück klassische US-amerikanische Teenie-Romantik (sprachlich mehr oder minder dezent verpackt):

Aber zurück zu den spärlichen Informationen. Hier sind wir lange nicht bei „all the way“.  Public indecency, die hier in Rede steht, variiert von Bundesstaat zu Bundesstaat. Wir können wohl davon ausgehen, dass es sich bei Lincoln um Lincoln, Nebraska handelt, dort wo das bisherige College war. Die dortige Gesetzesvorschrift des Bundesstaates lautet:

Section 28-806
Public indecency; penalty.

(1) A person, eighteen years of age or over, commits public indecency if such person performs or procures, or assists any other person to perform, in a public place and where the conduct may reasonably be expected to be viewed by members of the public:

(a) An act of sexual penetration; or

(b) An exposure of the genitals of the body done with intent to affront or alarm any person; or

(c) A lewd fondling or caressing of the body of another person of the same or opposite sex.

(2) Public indecency is a Class II misdemeanor.

Bleiben wir bei der Baseball-Metapher, greift der Tabestand ab „Second Base“ in der Öffentlichkeit, unzüchtigem Streicheln des Anderen. Hierauf strafrechtlich zu reagieren, wirkt aus unserer Warte eher harsch. A Class II misdemeanor? Ein Vergehen, würde man vage übersetzen, wobei es das nicht genau trifft. Der Strafrahmen liegt bei „nothing“ bis sechs Monate oder USD 1000. Schon sehr ärgerlich, definitiv eine „Situation“, wie der Coach sie nennt. Das Recht Nebraskas ist allerdings eine der begrenzteren  Vorschriften. Das US-amerikanische Verhältnis zur Nacktheit ist ein spezielles. Das hervorragende und Grimme-prämierte Blog usaerklart klärt uns auf:

Wenn ein deutscher Tourist in den USA durch die Stadt schlendert, eine Zeitung aufschlägt, Werbung im Fernsehen guckt oder sich die nun wirklich reichlich vorhandenen Werbeplakate anschaut, am Strand entlanggeht oder im Freibad sitzt, fällt ihm früher oder später ein Unterschied auf: In den USA sieht man in public – im „öffentlichen Raum“ – keine Nackten. Wer das „Ruf! Mich! An!“ aus dem deutschen Fernsehen, die Aussicht an französischen Stränden oder die Seite drei britischer Zeitungen [oder mancher deutschen Boulevardzeitung, Anm. des Autors] gewohnt ist, wird stutzen. Wo ist das ganze nackte Fleisch?

Versteckt. Denn es gibt einen kulturellen Unterschied zwischen den USA und Westeuropa, den wir uns etwa so merken können:

Öffentliche Nacktheit ist in Amerika dort verpönt, wo Kinder sie sehen könnten.

Das ist mal wieder eine unserer groben Regeln mit vielen Ausnahmen.

Hier haben wir wohl so eine Ausnahme. Nachts um halb vier im Auto im Park. Da darf ja sowieso niemand sein… der Park ist geschlossen. Da können doch keine Kinder sein? Man kann doch nicht „reasonably“, vernünftigerweise, erwarten, dass da jemand zuschauen kann…  Doch ob dieses Argument sticht? Hoffen wir es mal für ihn. Doch genug der Paragrafenreiterei.
Haben wir es hier mit einem rein kulturellen Problem zu tun? Reden wir über Pönalisierung typischen Teenie-Verhaltens, das Auto als privater Ort (ja, es ist schwer erklärbar, dass in den USA ein Durchsuchungsbeschluss fürs Auto nötig ist, aber hier mal eben ein „öffentlicher Ort“ angenommen wird)? Oder verstehen wir die Hintergründe nicht? Ein Spieler einer Collegemannschaft ist im amerikanischen Sportbetrieb doch etwas mehr als nur ein Student. Es ist eine Person des öffentlichen Lebens, Aushängeschild eines hochprofitablen Sportbetriebs. Verstehen unsere Spieler auf und abseits des Feldes nicht, dass ihr Stardasein hier und da Abstriche verlangt? Sei es das Unterordnen unter sportliche Konzepte oder eben das Einhalten bestimmter Konventionen?
Egal wie es sich weiter entwickeln wird. Die erste und schwerwiegende Konsequenz ist da. Das neue College hat die Reißleine gezogen. Überrascht es? Nein, das sollte es wohl kaum, wenn man sich den ersten Satz der Selbstdarstellung dieser privaten katholischen Universität durchliest:
La Salle University, dedicated in the traditions of the Christian Brothers to excellence in teaching and to concern for both ultimate values and for the individual values of its students, is a private Roman Catholic University committed to providing a liberal education of both general and specialized studies.
Wir reden hier über Stipendiaten einer Universität. Wenn man die Studiengebühren in den USA heranzieht, ist es auch von Seiten Colleges ein heftiges Investment. Hier werden Hunderttausende von Dollar nicht nur in den Sport, sondern auch in die Ausbildung eines jungen Menschen investiert. Teil dieses Deals ist es, die Uni und ihre Werte in der Öffentlichkeit zu repräsentieren. Dies ist hier vor dem Hintergrund der US-amerikanischen Erwartungen gescheitert.
Christophe von europeanprospects kommentiert gegenüber gruebelei diesen gescheiterten Deal:
Die College-Karriere des Christian Standhardinger scheint mir damit beendet, nachdem es sportlich alles andere als gut gelaufen ist. Meiner Meinung nach führt für Standhardinger jetzt kein Weg mehr vorbei an einer Rückkehr nach Deutschland. Er hat sozusagen zwei Jahre in den USA verloren, was seine sportliche Entwicklung angeht. Falsche Position, nicht viele Minuten, aber hoffentlich für ihn eine Menge Lebenserfahrung dazu. Er dürfte für nahezu jedes BBL Team eine Verstärkung sein mit seinem deutschen Pass und seinem Scoring. Es gab in den Jugendkategorien über die letzten Jahre in Deutschland keinen Spieler der ähnlich dominiert hat. Daher denke ich, dass man Christian bereits noch diese Saison in der Beko-BBL wiederfinden wird. Wo genau muss man sehen…
Advertisements

10 Gedanken zu „Kulturelle Unterschiede – No Paradise by the Dashboard Light

  1. Echt schade das Ganze aber man muss sich eben im klaren darüber sein, dass die Uhren in den USA doch manches mal deutlich anders ticken als hier bei uns. Insbesondere wenn man ein „Aushängeschild“ der Uni/Verein etc. ist.

    Drücke ihm aber die Daumen, dass er schnellst möglich wieder auf die Beine kommt und sein Talent nicht vergeudet wird.

  2. Wenn man etwas wirklich will, passt das nicht zusammen. So etwas sollte man nicht lassen, weil man Angst vor Entdeckung oder Bestrafung hat. So was lässt man ganz von alleine, wenn einem das Basketballspielen und die Collegeausbildung wirklich so wichtig sind, wie verkündet. Allein schon, weil man sonst Montag morgen sicherlich nicht um 8 fit im Unterricht sitzen kann. Aber das muß jeder selber wissen – ich bin da ganz bei Herrn Harmsen (http://www.lumaniblog.eu/index.php?link=updates&aid=187).

    Baseball ist ein schönes Spiel, wenn man Zeit dafür hat ;-)

  3. Nachdem man mit 19 Jahren (!) 21,9pkt, 8,3reb, 21,8eff in der ProB aufgelegt hat, sind 2 verschenkte Jahre richtig, richtig bitter!

    Bei allem individuellen Fehlverhalten, welches vielleicht stattfand, finde ich es eine Frechheit, wie jetzt schon dem dritten Spieler (Staiger, Harris, Standhardinger) etwas völlig anderes versprochen/zugesagt, als am Ende eingehalten wurde! Es ist ja nicht so, dass dies untalentierte Spieler sind oder Spieler, die schlechter sind als ihre Teammates. Nein, dass sind mit die besten Jugendspieler, die wir haben. Und im Fall von Harris wissen die Amis auch um die Brisanz seiner Position in Hinblick auf die Draft.
    Hauptsache jeder drittklassige ball hog darf sich nach Lust und Laune ausleben.

  4. Tut mir leid, aber ich finde US College Basketball generell überbewertet. 35 Sekunden pro Angriff und auch die besseren Mannschaften spielen teilweise eine Grütze zusammen. Und dann wird eine Riesenwelle gemacht wenn ein deutscher Spieler ein paar Minuten spielt und zwei 3er trifft (überspitzt formuliert) ;-)

    1 bis 2 Jahre PRO A bringen Standhardinger weiter als Collegeball, für einen Rotationsplatz in der BBL reicht es, meiner Meinung nach, noch nicht.

  5. Es ist ja nicht der erste Collegeabgänger/abbrecher/rückkehrer/wechsler, wie man es auch nennen will.
    Harnisch z.B. ist ja auch relativ schnell wieder zurückgekommen.
    Erkundigen die sich nicht über die Gegebenheiten?
    Es sollte ja nicht so schwer sein, sich mit den entsprechenden Leuten zusammenzusetzen und damit Erkundigungen aus erster Hand einzuholen.
    Frag mich, ob die hoffnungsvollen Nachwuschsspieler hier zu sehr hofiert werden und dann in der doch vorhandenen College-Leistungsgesellschaft aus allen Wolken fallen?
    Der Trainer am College wird sicher zuerst den Erfolg für sich und seinen Laden suchen, dann erst den Weg für den Spieler in die NBA oder sonstwohin ebnen wollen.

  6. Diese Geschichte ist lächerlich. Ok das was er getan hat ist für amerikanische Verhältnisse nicht korrekt, aber jeder macht es und dass dort eine riesige Doppelmoral herrscht ist wohl jedem klar. Erwischt zu werden ist natürlich etwas ungeschickt aber dass man als Talent mit Perspektive in jeder Hinsicht enthaltsam leben sollte halte ich für großen Unfug den Leute erzählen, die es früher selber genau so getan haben oder aber es einfach nicht konnte. Ich finde und fande Standhardinger immer super! Egal welche Gerüchte über Arroganz etc. durch die Foren geistern. Vielleicht startet er jetzt in Deutschland wieder voll durch, zutrauen würde ich es ihm selbst in der BBL. Er wird vielleicht nicht DIE super Stats auflegen, aber wenn er eine echte Chance bekommt könnte ich mir vorstellen, dass er bald für die BBL bereit ist.
    Einen passenden Verein hätte ich da schon ;-)

    • Nein. Genau das ist es ja. „Die“ sollen gar nicht enthaltsam leben – also in diesem Falle er. Nicht der Wunsch nach Vermeidung von Peinlichkeit oder Strafe sollten maßgebend sein. Mich wundern die Prioritäten nicht nur in diesem Falle.
      Viele junge SpielerInnen erzählen den ganzen Tag wie sehr sie etwas wollen und das sie alles dafür tun würden und und und und…..
      In den meisten Fällen sind das heutzutage aber nur Lippenbekenntnisse, denn das Verhalten ist leider ein ganz ganz anderes (siehe verlinkter Harmsen oben). Und genau dann kommt auch so etwas dabei raus, das hat gar nichts mit CS zu tun – er ist ja nur ein Einzelfall.

      @sideshow: Es ist ein himmelweiter Unterschied zwischen „enthaltsam leben“ und seine Prios geregelt haben. Beispiel: hat man Samstag Abend ein wichtiges Spiel, dann geht man So bis Freitag früh ins Bett, schläft ausreichend, trinkt keinen Alkohol, isst vernünftig (und all das nicht damit man nicht erwischt wird, sondern damit man gut spielt!). Wenn man dann Samstag gewinnt, selbst ein tolles Spiel macht, dann kann man auch 3 Radler trinken, wenn der Coach So und Montag trainingsfrei gibt.
      Ein weiterer riesiger Unterschied ist „enthaltsam leben“ und nicht verantwortungsvoll/unclever sein. Es gibt vernünftige Uhrzeiten, Motels und in Nebraska viel, viel Gegend außerhalb städtischer Parks ;-)

      Das die Geschichte lächerlich ist, ist unstrittig. Das ihm aber andere Sachen wichtiger sind als seine Collegekarriere ist auch ganz klar. Dass er sich die damit versaut auch. Das hat er sich ausgesucht und damit muß er leben. Es bleibt der diffuse Eindruck, dass junge Spieler heutzutage zwar viel reden, aber wenig entsprechende Taten folgen lassen. Das was gesagt und das was getan wird deckt sich immer weniger – die Prioritäten sind verschoben und die eigene Person steht im absoluten Vordergrund. Das ist doch hier das Problem.
      Woran diese Prioritätenverschiebung liegt? Ich wüsste es sehr sehr gerne…..

    • Ich denke @sideshow und @osb sprechen hier die entscheidenen Punkte an.
      Die Tat (oder vielleicht besser : Angelegenheit) als solche ist sicherlich nicht verwerflich, vorallem in dem Alter und basierend auf dem hier in Deutschland, bzw. Europa gängigen Wertesystem nur schwer nachzuvollziehen.
      Aber ein Collegespieler schickt sich an Profisportler zu werden. Dazu gehört auch, sich darüber klar zu sein, dass man eine öffentliche Person ist und sich dementsprechend verhält.
      Ich möchte nicht so weit gehen und durch diesen Vorfall seine komplette Einstellung in Frage stellen, es muss aber gestattet sein ihm zumindest z.T. Unreife und fehlendes Verantwortungsbewusstsein hinsichtlich der Konsequenzen vorzuwerfen.

      Für seine Karriere im Allgemeinen war der Collegeausflug sicherlich kein Sprungbrett, aber abschreiben sollte man ihn ebensowenig. Wenn er in die BBL zurückkehrt sollte allerdings reiflich überlegen welchem Team er sich anschliet.

  7. Ich glaube wir sollten hier zwei Diskussionen voneinander teilen. Zum einen die von Harmsen angestoßene Diskussion über die vermeintlich verkorkste Jugend im allgemeinen und zum anderen die, was und wie es Standhardinger ergangen ist.

    Harmsen geben ich grundsätzlich recht und ich finde es spannend und mutig, dass sich endlich mal jemand mit seinem Status beim Thema Jugendförderung traut und die Kehrseite der Medallie im vernünfitgen Maße aufdeckt und nicht brüllend und schimpfend in den allgemeinen Kanon des „Wir brauchen mehr Förderung und die BBL ist schuld!“ –Liedes einsteigt.
    Auf der anderen Seite lechzt die deutsche Basketballszene aktuell so sehr nach DEM Talent, welches uns endlich aus dem Schatten führen soll, dass dadurch für jedes Talent eine solche Erwartungshaltung aufgebaut wird, dass dann jeder Fehltritt, den junge Menschen naturgegeben einfach machen, gleich doppelt so enttäuscht und erbost aufgenommen wird, denn schließlich hat man ja gerade in dieses eine Talent solche Hoffnungen gesetzt, dass er es schaffen wird.
    Wie klingen denn die meisten Interviews? „Und! Du schaffst es doch oder? Also jetzt Dirk Nowitzki, NBA und so und du tust doch auch alles dafür, damit unser ähh DEIN Wunsch in Erfüllung geht oder?“ Wie wurde Misan Nikabaste für sein Verhalten kritisiert, wie wurde Staiger kritisiert, auf welche lächerliche Wiese wurde Robin Benzing dafür kritisiert, dass angeblich seine Arme immer noch zu dünn sein obwohl jabald wieder ein wichtiges Turnier ist. Wie wurde Ohlbrecht für was weiß ich alles aufs schärfste kritisiert. Ich will hier alles andere als eine Freifahrschein für die jungen Spieler aussprechen, wie gesagt Harmsen sagt einiges, was wirklich stimmt. Aber in die absolute Leistungsspitze stoßen einfach nur die allerwenigsten vor und das wir um so deutlicher, wenn es nur 10-20 Talente gibt.
    Und solche Sätze wie: „Im Sport ist es doch wie bei jeder anderen Arbeit auch. Die Besten und Erfolgreichsten sind immer die, die am meisten investiert und geopfert haben.“ sind, es tut mir Leid her Harmsen, einfach Wunschdenken. Bei Nowitzki mag das so gewesen sein, aber fragen sie mal LeBron, Rooney oder (Rainer Brüderle;-) ). Dieser Schilderung seines asketenhaften Karriereanfangs riecht ja wirklich sehr lecker nach Hollywood ist…Geschmackssache. Um aber keinen falschen Eindruck zu hinterlassen. Harmsen sagt vieles was wichtig und richtig ist, man darf es aber nicht einseitig sehen.
    Zu Standhardinger:
    Nein es war nicht dumm was er getan hat, es war sau dumm. Und auch wenn es in einer Phase war, wo er in dieser Stadt eh nichts mehr verloren hatte, war es dumm. Aber aus dieser einen Aktion die halt im Supergau geendet ist gleich die komplette Einstellung zu bezweifeln finde ich bei dem was er tatsächlich an einem Sonntag Abend gemacht hat etwas…übertrieben.
    Blöd war es trotzdem.

  8. Pingback: Rauschen vor dem Pokal #63 « gruebelei.de – Ansichten eines Basketballfans

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s