Oktoberfest bei den Bayern

Eigentlich müsste oldschoolballers Tante Lieschen diesen Blogpost schreiben. Denn schon vor dem Start des rot-weißen Projekts las sie ganz trefflich den Hoeneß’schen Kaffeesatz. Nun, pünktlich zu den Wiesn, hat’s in München gekracht. Hoeneß und Rausch beurlauben keine Woche vor Saisonstart den absoluten Wunschtrainer Bauermann und angeblich auch seinen Adjutanten Wucherer.

Die Gründe, die wir in den sich überschlagenenden Medien (TZ, Tagesspiegel, Süddeutsche) lesen können, sind vielfältig und teils verwirrend. O-Ton ist, dass es „unterschiedliche Auffassungen über die Führung und Weiterentwicklung der Mannschaft“ gegeben hätte. Eines war seit wenigen Tagen klar: Das Münchener Management will sportliche Rendite sehen. Die Schonzeit für Trainer und Mannschaft sei vorbei sagte der Metzgermeister und seine Startroika Rice, Homan und Troutman schonte sich wahrlich nicht, als sie in Berlin so hart im Kitty Cheng feierten, dass der Schiedsrichter sie vom Platz sie vor die Tür flogen und Rice nach Medienangaben gar Hausverbot erhielt.

Auf schönen-dunk überschlagen sich die Kommentare. Versteht Hoeneß den Basketball und die Kultur der Spieler nicht, oder bekam Bauermann seine Spieler nicht in den Griff? Wir Berliner durften – mitten während eines FinalFour-Turniers – mal erleben, wie ein Star gegangen wurde, weil er zu heftig feierte. Trotz viel Boulevard lesen wir hier sehr wenig über Eskapaden… Beim FC Bayern kommt hinzu, dass prügelnde Spieler in Milchbars kein gutes Licht auf das wertvollste Gut des Unternehmens, die Marke, werfen. Widersprüchlich ist allerdings, dass es dennoch Hoeneß gewesen sein soll, der Homan weiterverpflichtete und Bauermann ins Handwerk pfuschte.

Widersprüchlich zur Ansage des vollen Fokus auf den Erfolg ist zumindest aus meiner Warte auch, dass Hoeneß die treibende Kraft hinter dem Verzicht auf Europa gewesen sein soll, wie die BILD schreibt. Freilich mag man dies aus Titelambitionen auf dem nationalen Parkett sehen.

Traut man der Schwarmintelligenz der Basketballfans im Netz, könnte die Entlassung von Bauermann ein Turning-Point für das Projekt Bayern-Basketball sein. Bauermanns traditionell defensiver und eher statischer Stil gilt als unmodern, seine Fähigkeit, die mutmaßlich teuren Nationalspieler in Szene zu setzen, kann man anzweifeln. Mit ihrer Auswärtshallenphobie sorgten die Roten letzte Saison für viel Spott. Der große Name ging nicht mit einem entsprechenden Selbstbewusstsein einher. Bringt die teure Ansammlung von Stars im Audi-Dome nun ihr Potential aufs Parkett?

Die offizielle Verlautbarung ist, dass man das Projekt dem Assistenten Yannis Christopolous anvertraut. Wer’s glaubt… die Halbwertzeit dieser Aussage ist wohl nicht länger als die einer Maß im Bierzelt. Gewöhnlich gut informierte Quellen berichten von intensiver Trainersuche und der halbe Blätterwald mutmaßt, dass der vertragslose Nationaltrainer Svetislav Pesic seinem Sohn und seinem Schwiegersohn nach München folgen könnte. Es würde zur Hoeneß’schen „mir san mir“-Attitüde ebenso passen wie das in der Offseason weiter gesehene vertragliche Einsammeln von Nationalspielern.

Geld wird bei den Bayern vermutlich keine Rolle spielen, auch wenn man Bauermann zunächst wohl noch zwei Jahre bezahlen muss, da der Vertrag bis 2014 läuft. Wenn man Rauchs Äußerungen interpretiert, wird es jedenfalls kein Playerscoach werden, sondern jemand, der willens ist, die Spieler auch morgens um sieben über den Rasen das Parkett zu scheuchen. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass ein Obradovic oder Ivkovic und die Wiesn auch nicht passen. Doch vermutlich scheint sich das Bayerische Management nach solchen Ansagen (und den darauf folgenden Erfolgen) zu sehnen:

Nur in der Saison klappte es mit dem EL-Titel für die Grünen auch nicht…

Aber wird sich mit einem neuen Trainer viel ändern? Sportlich vielleicht, doch letztlich zeigt diese Aktion vor allem eines: Die Leserhosen hat Uli Hoeneß an. Er bringt’s Geld ran und steuert das Projekt. Das muss jeder Coach wissen. Wenn seine Arbeit wegen Erfolglosigkeit oder Eskapaden das Image des erfolgsverwöhnten Fußballclubs anzukratzen droht, wird’s ungemütlich.

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8 Gedanken zu „Oktoberfest bei den Bayern

  1. Wenn Uli Hoeneß auf ein anderes Alphamännchen trifft und sagt „Diese Stadt ist zu klein für uns beide“, dann ist klar, dass es nicht Hoeneß ist, der geteert und gefedert aus der Stadt gejagt wird. Aber das Timing ist schon extrem seltsam … Dass Bauermann in München nicht alt wird, wenn er nicht schnell Erfolg hat, war klar. Aber ich dachte schon, dass sie ihm zwei, drei Jahre in der BBL geben.

  2. Vielleicht haben die hohen Herren von FCB auch einfach erkannt, dass sie da einem ziemlichen Blender sowie durch-und-durch mittelmäßigen Trainer aufgesessen sind, der es u.a. nicht geschafft hat mit der deutschen Nationalmannschaft mal was zu gewinnen, obwohl dort zu seiner Zeit einer der weltbesten Basketballer spielte. Wenn ich mir überlege, was mit Pesic da alles möglich gewesen wäre … Just my 2 cents.

  3. Vielleicht haben die hohen Herren von FCB auch einfach erkannt, dass sie da einem ziemlichen Blender sowie durch-und-durch mittelmäßigen Trainer aufgesessen sind, der es u.a. nicht geschafft hat mit der deutschen Nationalmannschaft mal was zu gewinnen, obwohl dort zu seiner Zeit einer der weltbesten Basketballer spielte. Wenn ich mir überlege, was mit Pesic da alles möglich gewesen wäre … Just my 2 cents.

  4. Für die weniger informierten, aber nicht minder interessierten: „Wir Berliner durften – mitten während eines FinalFour-Turniers – mal erleben, wie ein Star gegangen wurde, weil er zu heftig feierte“ was war das denn?

    • Das war Dijon Thompson 2008. Nicht zu verwechseln mit unserem 4/5er für diese Saison Deon Thompson.

  5. Pingback: Auf zur Saison als Herausforderer | gruebelei.de

  6. jahaa. Ein Obradovic würde ein wahres Höllenfeuer unter den Allerwertesten der Spieler entfachen! ABER ich kann mir bei bestem Willen nicht vorstellen, dass sich Trainer seines Formats dieser Situation aussetzen würden. Es wäre ein fremdzusammengestelltes Team mit einigen Spielern, die ein durchaus fragwürdigen Charakter pflegen. Hinzukommen die, scheinbar seltsam gewichteten Kompetenzverhältnisse in diesem Club. Man stelle sich nur mal die Reaktion von Obradovic vor, wenn ihm ein Rauch erklären will, was er unter modernen Basketball versteht. *eek*

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