Die traurige Geschichte des Schoenen-Dunk-Fanblocks beim Final Four

Dies ist ein Event für Berlin, für die Fans der beteiligten Teams und für die Fans des Basketballs“ Jordi Berthomeu, Euroleague CEO

Auf schoenen-dunk.de sammeln sich ganz viele Fans des Basketballs. Kein Wunder, dass die Bekanntgabe, dass das Final Four der Euroleague in Deutschland, in Berlin, in der neuen o2 world stattfinden würde, viele Träume weckte. Den Traum, einmal dabei zu sein, europäischen Spitzenbasketball live und aus nächster Nähe zu erleben.

Dieser Blogeintrag will eine kleine Geschichte erzählen, eine Geschichte von spontaner Gruppenaktivität, enttäuschten Träumen und von Überraschungen beim Öffnen von Briefumschlägen und den Tücken europäischen Basketballs und der beteiligten Unternehmen.

Am 29. Oktober vergangenen Jahres startete der Vorverkauf der Final Four Tickets, der hier auf schoenen-dunk.de ja noch immer mit Banner beworben wird. In ganz Europa saßen Fans zappelnd vor ihren Computern um Karten zu erwischen. Irgendwann am Vormittag gab es einen kleinen Vorverkauf bei eventim bzw. über die o2world-Webseite. Die Kollegen von Ballineurope haben diesen Vormittag ziemlich gut  dokumentiert, mit den Buchungsbedingungen und sogar den damals noch freien Plätzen.

Klar, der Blick auf die Ticketpreise – die billigsten Karten im Oberring gab es für 120 € – ließ wohl bei mehr als nur einem den Traum zerplatzen. Nicht nur in Berlin sind 120 € für eine Basketballkarte unheimlich viel Geld. Dafür kann man bei ALBA eine Saison samt Euroleague im Fanblock ganz nah am Feld stehen.

Trotzdem entschieden sich viele Basketballfans auf schoenen-dunk dafür, Tickets zu kaufen. Ganz spontan und ohne dass es irgendenwie organisiert war, alleine dadurch, dass alle ihre Buchungen nach dem Saalplan posteten, bildete sich ein Schoenen-Dunk-Fanblock. Billigste Kategorie, Oberring, Block 415. Dafür aber in den ersten Reihen und gerade noch mit einem 45°-Blick aufs Spielfeld. Schließlich wussten wir hier ja, wo man einigermaßen was sehen kann im riesigen Rund der Sauerstoffwelt. Schnell wurden auch T-Shirts für die aus dem Ausland anreisenden Fans bestellt. „schoenen dunk goes euroleague“, ein schöner Gedanke war geboren. Einmal mit den anderen Usern gemeinsam Euroleague feiern, statt nur zu diskutieren.

Und nun, ein gutes halbes Jahr später kamen die Tickets per UPS. Erwartungsfroh wurden in ganz Deutschland Umschläge aufgerissen und die Enttäuschung – das liest man in vielen Beiträgen – war überall groß. Statt in den ersten Reihen von Block 415 zu sitzen, landete der Schoenen-Dunk-Fanblock quer verstreut irgendwo in den mittleren Reihen von 409, 410, 411. Viel weiter oben, viel weiter weg und direkt hinter dem Korb. Also auf genau den Plätzen, wo man eigentlich als Basketballfan, den der Sport interessiert, nicht sitzen will.

Pray that both Panathinaikos and Olympiakos don’t reach the F4. Berlin will be raised to the ground.“ Evergreen auf interbasket.net

Was war geschehen? Die Zusammenstellung des FinalFour ist das Ergebnis eines sportlichen Wettbewerbs und Olympiakos Piräus und Panathinaikos Athen qualifizierten sich beide für das Halbfinale und treffen sogar noch aufeinander. Es ist das wichtigste Derby Griechenlands, Arbeiterklasse gegen Oberschicht, unzählige krawallige Youtube-Videos und leider auch ein Toter bei Auseinandersetzungen zwischen den Fanblöcken. Zehn Jahre gab es dieses Duell nicht in der Euroleague. In der Liga dürfen die Fans nicht in die gegnerischen Hallen und nun in Berlin, am traditionell auch eher revolutionären 1. Mai treffen sie aufeinander.

Detlef Kornett, CEO von Anschutz Europe verglich das Duell jüngst mit Dortmund gegen Schalke. No comment. Ja, es ist ein Sicherheitsrisiko. Da brauchen wir uns nichts vormachen. Die Polizei hat AEG wohl auferlegt, dass die Fangruppen sich gar nicht begegnen dürfen. Dass ZSKA-Fans dazu noch gerne mit dem Keltenkreuz auflaufen und der Club zu Saisonbeginn mit einer Karte des zweiten Weltkriegs zum Sturm auf Berlin warb, macht die Sache nicht leichter. Aber überrascht das wirklich, dass große Sportveranstaltungen auch Fanrivalität mit sich bringen, dass man Fanblöcke gelegentlich trennen muss? In jeder drittklassigen Liga, bei jedem Spiel von Union gegen Dresden, Hertha II gegen St. Pauli klappt das auch. Veranstalter sollten wissen, dass Sport etwas anders ist als Mario Barth.

Your seat has been changed following security criteria and the instruction of the local authorities.“ Ferran Neira, Euroleague Brand and Client Services Executive

Wie sich bei den diversen Nachfragen heute zeigte, sind es diese Sicherheitsaspekte, die unseren so schön erträumten und teuer erkauften Schoenen-Dunk-Fanblock zerstört haben. Ich habe im Laufe des Tages versucht zu klären, wer mich umgesetzt hat, warum ich das erst heute erfahren habe und ob da noch was geht. Letzteres nehme ich vorweg: Nein. „Unfortunately we are not allowed to make any change“, schreibt mir die Euroleague.

Eventim, über die ich die Karten bestellt habe, sagten mir zweimal am Telefon, dass auch sie nichts darüber wüssten, dass ich umgesetzt würde. Schriftlich bekam ich von Ihnen dann nur noch den Verweis auf die Bedingungen des Veranstalters: „Aus Sicherheitsgründen behält sich die Euroleague vor, Sitzplätze zu tauschen.“ Na, ob das im Oktober schon auf der Eventim-Webseite stand? Ich bin mir da nicht so sicher. Ballineurope hat diese Passage jedenfalls nicht zitiert.

Mit Anschutz hatte ich ein sehr angenehmes Telefonat, das herzlich wenig brachte. Nur der Hinweis, dass mein Anliegen an die Euroleague weitergeleitet wurde und die „alles weitere mit mir besprechen würden“. Naja, besprechen, das wäre wohl zuviel verlangt. Es gab die eine Standardmail von Herrn Neira.

Die Euroleague und Anschutz Entertainment machen mit dem Ticketverkauf – 13500 Zuschauer sind es etwa – richtig viel Geld, nimmt man nur 300 € pro Ticket an, sind es über 4 Millionen €. Ist es da zu viel verlangt, vernünftig darüber informiert zu werden, wie das mit dem Seating ist? Ist es zu viel verlangt, sich rechtzeitig Gedanken darüber zu machen, wo krawallige Fanblocke separiert werden können? Es waren ja weite Teile der Arena vor dem freien Verkauf geblockt. Nur offensichtlich die falschen. Wer solch ein Event organisiert, der sollte sich vorher Gedanken darüber machen, wie er mit den Begleiterscheinungen des Sports umgeht. Nicht erst verkaufen und dann mal schauen, was man für ein Produkt hat…

You have been moved according to the team preference you marked at the buy page, to make the event more comfortable to everyone in the arena.“ Ferran Neira, Euroleague

Ah, ich musste umgesetzt werden, damit alle mehr Komfort haben… Eine Teampräferenz? Konnte ich damals gar nicht angeben. Auf der Rechnung steht „Euroleague Basketball“ als Team. Immerhin habe ich nun einen Sitz irgendwo über einem Treppenaufgang und Platz für ein Transpi. Aber „only Jordi can judge me“ würde wohl zum Hallenverweis führen und auch wenn ich jetzt in den neutralen „Euroleague Basketball“-Block sortiert wurde, sollte ich wohl lieber mein Oly-Trikot im Schrank lassen… Bleibt der schwarze SD-Hoodie. Ein 1-Mann-Schwarzer-Block in der Sauerstoffwelt. So seh ich wenigstens aus wie das Sicherheitsrisiko, das der Umsetzung bedurfte…

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Ein Gedanke zu „Die traurige Geschichte des Schoenen-Dunk-Fanblocks beim Final Four

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